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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-09 · Heft 32 (9.8.1912) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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eine furchtbare Ausdehnung gewonnen hatte, schrieb mir mein Kollege in. Men, Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, ob stch nicht - denOstrdinal - Fischer veranlassen könnte,; an jersten? Kollegen in; Men, Kardinal Gruscha, zu schreibest^ letzterer" möge-seinen'hervorragenden Einfluß aufbieten, um die hochgehenden Wogen..des Judenhasses niederzuschlagey. Wie ganz anders sehe es in Oesterreich und anderswo aus, wenn die hohen Firchensürsten, wie der Kölner Kardinal reden'und sagest Würgern „In.meiner Diözese,duldeichkeinen konfessionellen Haß, keinen Antisemitismus." Ich habe es daher auch nicht unterlassen, als ich am 22. Mai 1911 die Ehre hatte, dem Kaiser hier vorgestellt zu. Werdern und Höchstderselbe sich nach dem Wohlergehen, und. dem Wohlstand der hiesigen Gemeinde sowie-nach den Beziehungen zwischen den verschiedenen Konsessiönen erkundigte, in meiner Antwort hervorzuheben, daß - wir'ist :Frieden und Harmonie'mit den übrigen'Konfessionen ' leben, ■ und. daß unser Kardinal ganz besonders mit seinem menschenfreundlichen Sinn zum friedlichen Zusammengehen und Zusammenwirken, beiträgt. Noch" viele schöne Zuge .'könnte ich aus meinem häufigen Zusammentreffen mit dem edlen Oberhirten / berichten, aber diese wenigen Tatsachen genügen/ utn einesteils den Edelsinn wes Verblichenen, die Betätigung, seiner echten Menschenliebe gegen jedermann zu kennzeichnen, .anderseits aber auch, um uns, Bekenner des Judentums,, zu veranlassen, das Andenken des hohen Heimgegangenen festzuhalten und in inniger Verehrung ihm weit über das Grab hinaus Liebe und Dankbarkeit "in unseren Herzen zu bewahren. Ja, es darf die Judenheit einen Ehrenkranz an dem Sarge Kardinals Fischer niederlegen, denn an ihm bewährt sich der allbekannte Nachruf: rp^oS *Ot „Das Andenken des Frommen schafft Segen". Die Woche. Berlin, den 6. August 1912. meine Enthüllungen über den „V erb and g eg e n die Ueberhebung des Judentums" sind von der Politischen Presse vollständig ignoriert worden. Ich hätte, da ich aus Erfahrung weiß, wie wenig? die führenden Journale unser Blatt berücksichtigen—- die antisemitischen beachten es eifrig genug —, zwei große Berliner Zeitungen und eine Nicht-Berliner ausdrücklich - auf den Leitartikel von Nummer 30 hingewiesen; kein einziges hat auf diesen Hinweis reagiert Und da reden die Antisemiten von Judenblättern, vom Zusammenhang der Indem Gerade die liberalen Zeitungen, und nicht am wenigsten die, bei denen viele Juden tätig sind, machen die größten Schwierigkeiten, Nachrichten aufzunehmen, die das Judentum betreffen. Das mag ja bei internen Angelegenheiten .'gerechtfertigt sein. Aber bei einer solch allgemeinen Sache, bei einer Mobilmachung des sogenannten Deutsch- oder Ariertums gegen „jüdische Ueberhebung", bei einem so illiberalen Unternehmen, das, wie jeder weiß, doch hauptsächlich gegen die großen Blätter gerichtet ist, die, wie die Gegner beständig predigen, von „jüdischem Gelde" bezahlt werden, sollten die liberalen Zeitungen, wie man meinen möchte, etwas aus ihrer Reserve herausgehen. Sie sollten doch bedenken, daß auch ihre Sache gefährdet, ist. Aber sie, die spaltenlange Berichte über einen Kongreß von Friseurgehilsen bringen, haben keinen Platz für jüdische Angelegenheiten. Ich würde diese Sache nicht zur. Sprache bringen, wenn sie nicht von großer Wichtigkeit wäre. Ein großes literarisches Blatts daß Uebersichten über die Artikel in periodischen .Blättern bringt, registriert gewissenhaft Buchbesprechungen -und/Essays?im „Jtzehoer Anzeiger" undähnlichen Weltblätterrst — unser Blatt wird mit einer rührendest Konsequenz ignoriert. ‘ Und so geht es überall. Was aus dem.Gebiet der Wisfestschaft des Judentums geschieht, die großen und wichtigen Vorgänge innerhalb der jüdischen Gemeinden — 'das ist fürunsere großen allgemeinen Zeitungen ein Tabu. ^Man hätte dLrkw sollen, dgß diese Journale, die doch alle einen kurzen Bericht über die Herrenhausdebatte gebracht haben, wenigstens eine Notiz von ein paar Zeilen'über die Sitzung der Berliner Repräsentantenversammlung veröffentlich t' hakten, in denen die. Reden der Mitglieder des Herrenhauses und die an das Hohe Haus gerichteten Petitionen kritisiert wurdest, — nichts von alledem.. Aber über irgendeine kleine Kreis- oder Prövinzialfhnöde, in der Dinge verhandelt werden, die noch nicht ein Dutzend Menschen interessieren, bringen unsere führenden Organe fpaltenlange Mitteilungen.: Man rede mir nicht von „jüdischer Ueberhebung". Ich weiß wohl, daß wir in der Minorität sind, und ich verlange, wie ich wiederhole, keineswegs, daß jüdische Interna in Tageszeitungen breitgetreten werden; aber ich fordere mit Recht', daß liberale Blätter sich ihrer Pflicht inne werden, für den Liberalismus ' einzutreten,; wo er angegriffen . wird.. Es , ist eine schwere Schädigung liberaler Grundsätze, daß unsere großen Zeitungen schweigen, wenn das Judentum oder die größte deutsche Gemeinde verletzt wird. Darum, aus Rücksicht auf den Liberalismüs, Nicht im Hinblick auf die speziellen Interessen unseres Blattes,, k lag eich die großen liberalen Blätter einer Pflichtverletzung an. Sie müssen Notiz nehmen von den Anstrengungen des „Verbandes g e g e n j ü d i s ch e U e b e r h e b u n g", so lächerlich sie ihnen dünken mögen; sie müssen au ch ihre Leser unterrichten von d em, was in der Be rlin er Repräsentantenversammlung gegen den Beschluß des Herrenhauses gesagt worden ist. - : ch Im „Univers JsraMte" steht ein „offener Brief" an den Min isterpräsid enten Po in care, der bekanntlich in diesen Tagen nach Rußland reist. Der Brief ist witzig, enthält .aber im scherzhaften Stil die ernstesten Dinge. Hier einzelne Stellen daraus: . :; „Sorgen Sie für einen Paß. Die Vereinigten Staaten haben den Handelsvertrag mit Rußland gekündigt, weil Rußland sein Visum den Pässen amerikanischer Bürger versagte. Verlangt Ihr russischer Kollege der auswärtigen Angelegenheiten was rechtens ist, daß die französische Republik die. russische Autokratie gegen Amerika unterstützt, so versprechen Sie ihm, daß Sie das tun wollen. Rußland denkt ohne auswärtige Juden auszukommen, es kann auch ohne sie triumphieren. Der russische Kriegsminister wird von Ihnen verlangen/ daß alle Ernennungen des französischen Generalstabs der Genehmigung des Zaren unterliegen. Versprechen Sie es ihm; das ist durchaus in der Ordnung. Denken Sie endlich daran, daß in Kiew ein unschuldiger Jude im Gefängnis für das Verbrechen eines anderen büßt, daß eine Gemeinschaft für das Verbrechen-dieses Unschuldigen haftbar gemacht wird, und daß selbst Zivilrichter auf höheren Befehl einen Unschuldigen verdammen können. Klären Sie Ihren Kollegen, den Justrzminister, aus, was Ihnen ja leicht, fein wird, wie-man in Frankreich eine derartige Justizkabale entwirrt hat.'. - ,

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