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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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fallend H ' der langsame, aber stetige Rückgang der -jüdischen KultusgemeiHen in unserer Gegend. Frießen, Redwitz, Mitwitz sind schon vor längerer Zeit erloschen; Oberlangenstadt, das früher 30 Judenfamilien zählte, hat nur noch 6 solche. — In solchen Gemeinden könnte.mancher Jsraelite sich gut ernähren. Neu von auswärts Zuziehende sollten sich nicht in den Städten anhäufen. Wenn sie sich in Landgemeinden ansiedelten, würde auch das Judentum gewinnen, manche schöne Synagoge' könnte erhalten werden. ' Vielleicht/ zeigt' sich der Hilssverein der Deutschen Juden auch einmal als Hilfsverein der Deutschen Juden und gewährt solchen Ansiedlern Subvention zum Bau eines Häuschens. Gesterretch-Nngsrn. L. Wien, 26. Juli. Wie aus Czernowitz gemeldet wird, hat die christlich-deutsche Mehrheit des Czernowitzer Stadtschulrates den Beschluß gefaßt, die christlichen Schüler aus einer Reihe von Volksschulen der /Stadt auszuscheiden, in denen sie eine Minorität bilden, und sie anderen Schulen der Stadt zuzuweisen. Motiviert wurde dieser gegen die Staatsgrundgesetze und das Reichsvolksschulgesetz verstoßende Beschluß damit, daß in jenen Schulen, in denen die Mehrzahl der Schulkinder Juden sind, der regelmäßige Religionsunterricht der christlichen Kinder behindert werde. -Die Elternder.christlichen Kinder wurden angewiesen, ihre Kinder in den Schulen: Siebenbürgerstraße, Bahnhofstraße und Innere Stadt einzuschreiben, welche Schulen mit Beginn des/Schuljahres 1912/13 nur von christlich-deutschen Kindern besucht werden dürfen. Die jüdischen Mitglieder des Stadtschulrates stellten den Vermittlungsvorschlag, daß die christlichdeutschen Schulkinder, für den Religionsunterricht allein in noch zu bestimmenden Schulen zusammengezogen werden sollen. Dieser Vermittlungsvorschlag wurde abgelehnt und der Antrag aus Einführung, der konfessionellen Scheidung der Schüler zum Beschluß erhoben. Gleichzeitig wurde noch aus Antrag der christlich-deutschen Stydträre beschlossen, auch die Besetzung der vakanten nationalen Schulleiterstellen auszuschreiben. Dieser Vorgang erinnert an den analogen Beschluß des Wiener Bezirksschulrates im September 1898, welcher gleichfalls verfügte, daß bei Verteilung der Schulkinder in Klassen darauf Rücksicht zu nehmen sei, ob die Kinder Juden oder Christen seien. Im Abgeordnetenhause wurde damals Unterrichtsminister Gras Bylandt wegen dieser Verletzung des Reichsvolksschulgesetzes interpelliert, da das Gesetz keineswegs die räumliche Trennung der Kinder nach' Konfessionen zulasse und durch diese Verfügung des Bezirksschulrates das Staatsgrundgesetz über die Rechte der Staatsbürger verletzt erscheine. Gras B y l a n d t erwiderte, am 20. Dezember 1898, daß die Uebelstände bei Feststellung des Stundenplanes, aus. welche sich die Verfügung des Bezirksschulrates bezog, wohl in einzelnen Schulen des Stadtbezirkes eine Abhilfe erheischen. Der Erlaß des Bezirksschulrates wurde jedoch beseitigt, weil, wie Unterrichtsminister Graf Bylandt erklärte, das konfessionelle Element im Sinne, der geltenden Gesetze und der auf Grund derselben erlassenen Verordnungen keinen generellen Einteilungsgrund der Schüler in Klassen bildet. Sollten sich aber in vereinzelten Fällen bei Entwerfung des Stundenplans in Ansehung des Religionsunterrichtes technische Schwierigkeiten ergeben, so seien sie in diesem Falle beim Bestand von Parallelklassen durch eine entsprechende Einteilung der Schüler'zu. lösen'. Da die jüdischen Mitglieder des Stadtschulrates von Czernowitz gegen den Beschluß der Majorität Einspruch erhoben haben, - werdendie Schulanstichtsbehörden wohl in die Lage kommen, den gesetzwidrigen Beschluß der Majorität zu überprüfen und mit den Gesetzen in Einklang zu brmgen.— In Galizien zieht gegenwärtig ein Wanderkino von Stadt zu Stadt, das sich durch sein antisemitisches RepertöLre.besonders auszeichnet. In Mielec kam es aus diesem Grund dieser- Tage zuhestigen Szenen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Besuchern dieses Kinos, welche fast in Tätlichkeiten ausarteten. - Besonders erregt war die jüdische Bevölkerung, weil im Kinotheater der-Pogrom in Kischinew zur Ausführung gelangte und dabei mit Absicht die lustigsten Gassenhauer gespielt wurden. Die Juden forderten nun, daß diese Ausführung vorn Repertoire abgesetzt werde, oder' daß zumindest die lustige Musik wegvleibe. Als. am anderen Tage die Vorstellung des Kischrnewer Pogroms abermals mit der lustigen Musik gegeben wurde, klätschten einige christliche Besucher, bekannte Antisemiten, Beifall, während die jüdischen Besucher Entrüstungsrufe laut werden ließen. Es kam zu heftigen Szenen, so daß die Vorstellung unterbrochen werden mußte. Lüszland. z. Kiew> 26. Juli. Dieser Tage fand hier eine große Versamm ' lung statt, an welcher die bedeutendsten Mitglieder der Kiewerjüdischen Gemeinde teilgenommen haben. Die Versammlung, welche über allgemeine jüdische Fragen in Rußland beriet, nahm auch zu der in Rußland. überhandnehmenden Taüsbewegung Stellung. Dieser Teil der Beratungen war von besonderem Interesse und jcfjuf eine feierliche Stimmung, die in der einmütigen Annahme der folgenden Resulution ihren Höhepunkt erreichte: „Mit tiefem Schmerze sehen wir es, daß in der letzten Zeit unter unserer Intelligenz die- Fälle des Austrittes aus dem Judentum sich häufen. Es geschieht dies nicht aus -innerer Ueberzeugung, wir kennen und empfinden nur zu gut die traurige Lage, in der sich viele von uns befinden, die der menschlichen Rechteund der Möglichkeit beraubt sind, ihre geistigen und körperlichen Kräfte auf dem Gebiete voll auszunutzen, für welches sie in sich die Eignung besitzen. Dem jüdischen Volke ist ein Los vielhundertjähriger Bedrückung und Erniedrigung zuteil geworden. Wir begegnen den Verfolgungen auf unserem Lebenswege und sie begleiten uns bis ans Grab. Aber in unserer tiefen Trauer gibt es auch einen großen Trost, fühlen wir in uns einen unerschöpflichen Born-von Lebenskräften: die Anerkennung der inneren, geistigen Kraft unserer Gemeinschaft. Wir empfinden ein Gefühl des Schmerzes und des Mitleids für diejenigen, die von uns fliehen, für diese Armen an Geist und ethischem Gefühl. Indem wir-Abschied nehmen von diesen Abtrünnigen, die uns für immer verlassen, erklären wir ihnen feierlich, daß unsere Würde und unsere Ehre uns teurer sind, als die Rechte, welche sie um den Preis der Flucht aus dem Lager der Verfolgten sich, erkaufen. Mögen sie erschreckt entfliehen. Wir aber wollen ans unseren Plätzen, bleiben, treu und ergeben, unserem Stammedem Volke der großen Leiden und der großen Zukunft." ' . ... * -;; ■ ' Amerika. - 0. -W. New York, 18. Juli. Der am 11. Juni d. I. bei Kollege Park infolge eines Unfalles ums Leben gekommene Wright-Flieger. Arthur L. Welsch war nicht nur ein ausgezeichneter Aviatiker, sondern auch ein treuer, hingebungsvoller Jude. Er war ein führendes Mitglied der. zionistischen Organisation in Washington. Trotz seiner Jugend — er starb in seinem 31. Lebensjahre — hatte Welsch wiederholt .Rekordflüge absolviert. Welsch war ein Schüler der Brüder Wright, welche ihn so lieb gewannen und so großes Vertrauen zu seiner Gewandtheit und zu seinem Mute hatten, daß sie ihn zum ersten Instruktor ihrer Schule für Aviatik ernannten. Der junge Welsch erlangte auch als Lehrer rasch eine Berühmtheit, und eine große Anzahl bekannter Aviatiker, die in verschiedenen Wettflügen hohe Preise erzielten, gehört zu seinen'Schülern. Welsch hinterläßt eine. Witwe und ein dreijähriges Töchterchen. Interessant ist, daß Welsch seine Frau in einer zionistischen Versammlung kennen und lieben gelernt hat. Auch Frau Welsch ist ein eifriges Mitglied einer jüdischen Frauenorganisation in Washington. O Von Ash und Fern. — Die vom 13. (außerordentlichen) Deutsch-Israelitischen Ge m e i N d e t a g am 16. Mai angenommene . „Neue Gründversassung für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" hat unter dem 12. Juli die Genehmigung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg erhalten. — Herrn Geheimrat Sigmund Lautenb u r g ist vom Kaiser der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden. — Für den vor kurzem verstorbenen Berliner Kinderarzt Pros. Dr. Hugo Reumann fand neulich im Kinderhaus in der ■ Blumenstraße eine Gedenkfeier statt. Etwa hundert Leidtragende . hatten sich zur Trauerseier eingesunden, um den Ansprachen zuzuhören, die zum Gedächtnis Hugo Reumanns von den Vertretern zahlreicher Berliner Wohltätigkeitsvereinigungen gehalten wurden. Auch die Stadtverwaltung von Berlin hatte Vertreter entsandt. — Der Re-; Präsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, Geheimer Sanitätsrat - Dr. Blumenth al, beging am 29. d. M. sein 50jähriges Doktor- ' jubiläum. — Zu seinem 70. Geburtstage hat Herr Dabid / S ch l e s i n g e r in Breslau dem „Verbände zur Erziehung hilssbe- - dürftiger israelitischer Kinder" eine Bettstiftung von 5000. Mark und der Lessingloge für ihre Ferienkolonien 1500 Mark gwidmet.— Aus _ - -- - ■’ ---

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