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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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beämtej Hat nium sestgestellt, daß der Mord' in der Wohnung der Szafrancka verübt sein muß. T^ort wurden an den Wänden, auf dem Sosa und an dem BetNunzählige feine Blutspritzer sestgestellt, wie sie beim Durchschneiden von Adern entstehen können. Die Mörder befinden sich bereits in Haft. Interessant ist, daß vor kurzem bei der Untersuchungshehörde ein Schriftsatz eines hiesigen Baumeisters. ein-. ging,' , der. unter, ausführlicher Begründung, den Nachwetz seines.. „Ritualmord'es"zu erbringen suchte. ' Bis zuwelchen - Uchnähmen weiter das Märchen vom Ritualmvrd geführt hat, zeigt das- Gerücht, die hiesige jüdische Bevölkerung . Hätte, außer den vom Herrn Ne-. gierungspräsiventen ausgesetzten: 3000. Mark eine weitere Belohnung von 10-000 Mark für die Ermittlung des Mörders in Aussicht ge-, stellt. . Ein Geständnis haben die Inhaftierten noch nicht abgelegt, sie sangen, aber schon allmählich zu zagen an, so daß man exwarten kann, ein umfangreiches Geständnis zu erlangen. Zu bedauern ist es nur, daß es immer - noch Leute gibt, die sich in die.' widersinnige Annahme, daßes sich bei der Musialschen Mordassäre um einen Nitualmvrd handelt, verrennen.- Nachdem, nun endlich Licht in. das Dunkel der Pfingsttragödie gedrungen ist, darf die Bürgerschaft erleichtert aufatmen. - - L. Hohensalza, 29. Juli. Der^ hiesige Verein f ü r j ü d i sch e G e sch-i ch t e uud /L'i t e r äku-r hielü kürzlich im Repräsentantensitzungssaale der Synagogengemeinde seine ordentliche Generalversammlung ab-.-. Der.Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Dr. Warschauer, stellte -'.in dem erstatteten Jahresberichte fest, daß dem Verein 123 Gemeindemitgliederangehören, daß ferner im vergangenen Jahre im Wintersemester der Verein durch 4 wissenschaftliche Vorträge seinen Mitgliedern und deren Familienangehörigen Anregung, und Belehrung gegeben hat. Die Vereinsbibliothek, die vom Herrn Lehrer S. Levh verwaltet wird, wurde im abgelausenen Jahre fleißig benutzt. Zur Neuanschaffung von Büchern für die Bibliothek wurde ein entsprechender Betrag bewilligt. Die Versammlnung wählte sodann die bisherigen Vorstandsmitglieder Herrn Sanitätsrat Dr. Warschauer zum ersten Vorsitzenden und Justizrat Stadtrat Max Latte-als stellvertretenden Vorsitzenden einstimmig wieder. - Tempelbrrrg (Pommern), 26. Juli. Kürzlich wurde hier die goldene Hochzeit eines Ehepaares gefeiert. Ich habe für das Jubelpaar um eine Ehestands-Medaille nachgesucht und mit dem üblichen Glückwunsch Sr. Majestät des Kaisers für das Jubelpaar. empfangen. Diese Medaille trügt die neutestamentliche Inschrift: „Seid fröhlichin Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an im Gebet. (Römer 12. 12:)" Es ist mir nicht bekannt, ob für jüdische Jubelpaare eine besondere Medaille mit einer anderen Inschrift verliehen wird und ob hier etwa nur eine Verwechslung vorliegt. Ein Irrtum hinsichtlich des Religionsbekenntnisses des Jubelpaares ist ausgeschlossen, da nicht allein der Name des Gefeierten: „Moses Abraham", sondern auch die Trauungsakten die Zugehörigkeit zum Judentums ergeben. Läßt sich bei der bekannten Toleranz unseres Kaisers nicht annehmen, daß auf Antrag von berufener Seite (Rabbinerverband) jüdischen Ehepaaren eintretenden Falles eine Medaille mit passender Inschrift verliehen wird? — Bekanntlich hat Kaiser Wilhelm I. Juden eine besondere Form des Roten Adlerordens in Stern-statt in Kreuzform verliehen. - .1, V. Breslau-'28. Juli. . Die Breslau-.er Hanv el'sk a in-ur e r hielt am 15: d'.' M. eine 'Vollsitzung ab, in welcher der Syndikus Professor Riefenseld u. a. über die Stellungnahme, der Kammer zum Entwürfe eines Reichsgesetzes, durch das die Sonntagsruhe neu geregelt werden soll,, berichtete. Die völlige Sonntagsruhe würde einen besonderen Nachteil für die am . Sabbat geschlossenen Geschäfte bedeuten. Seit geraumer' Zeit'wird daher lebhaft über die Frage gestritten, ob das kommende Gesetz eine besondere Bestimmung über die Sonntagsarbeit in den Geschäften der ' „gesetzestreuen" jüdischen Kaufleute enthalten solle. Es handelt .sich um Firnren, die am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen ihre Läden völlig geschlossen halten und ihren Geschäftsbetrieb ganz', ruhen lassen. Sie verlangen, daß es ihnen erlaubt .'sein solle, ihre, jüdischen, nicht - auch ihre christlichen, Angestellten Sonntags. fünf Stunden , lang zu be- . schäftigen. Es sei dys eine. Forderung der Billigkeit - und Zweckmäßigkeit; denn wenn die jüdischen Angestellten am Sabbat frei hätten, kömsten sie ganz gut. am Vormittag desi Sonntags einige Stunden schassen. Zwei volle Feiertage in der.Woche körme kein Angestellter verlangen.. Das Geschäft würde zu sehr darunter leiden, west man am Sonntag nichts nachholen könnte. Die Kammer hat deshalb schön aus früherem Anlaß die Regierung gebeten, daß es bei.gesetzlicher Einführung der Sonntagsrrch'e,solchen. Geschäften gestattet werden möge, an den Sonntagen die jüdischen Angestellten eine gewisse' Zeit zu beschäftigen. Obwohl die Verbände , der Angestellten gegen dieses Verlangen heftig stritten, ist es im . Entwurf als gerechtfertigt anerkannt worden, Der neue Gesetzentwurf gestattet die Beschäftigung bis zur Dauer von fünf Stunden.. Da die Handlungs'gehilfen- , verbände hiergegen Widerspruch erhoben hatten, haben die Betressenden jüdischen Kaufleute die Karnmer dringend gebeten, für Ausrechtcrhaltung der im Entwürfe vorgesehenen Bestimmung einzutreten. Der Kleinhandelausschuß der Kammer will in Verfolg seines früheren Verhaltens der Bitte Nachkommen. Weil aber der Entwurf nach Ankündigung .inn Erlaß der Minister, des Innern, des Handels und des Kultus umfassende Aenderungen erfahren dürste,-und weil die Angestellten ihren Kampf svrtsetzen, haben sich die-treu an den jüdischen Glaubenssatzungen.festhaltenden Kaufleute hier in Breslau sowie in. vielen anderen. Städten. zusämmengeschlofsen, um gemeinsam bei den gesetzgebenden Körperschaften zu bewirken, daß ihr Wunsch erfüllt werde. , Magdeburg, 26. Juli. Der Ausschuß des Synagogen-Gemeinde-Verbands der Provinz Sachsen versendet soeben den Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1911/12, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen. Der Gemeindetag fand am 18. Juni in Magdeburg statt und stand noch unter dem Eindrücke des Hinscheidens des langjährigen Vorsitzenden des Provinzialverbandes B e n j a m i n H i r s ch- H a lb er st ad t, der am 11. Mai 1911 das Zeitliche gesegnet hat. Seine Verdienste um den Verband, und nicht minder sein gesegnetes Wirken im Interesse für die Gesamtheit des Judentums sind im Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1910/11 gewürdigt worden. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Herr Heyne m a n n-Magdeburg gewählt, der bisher das Amt des. Schatzmeisters versehen hatte. An die. Stelle des verdienstvollen zweiten Vorsitzenden, Herrn Jüstizrat Lichtwitz-Magdeburg, der wegen Ueberbürdung im Berufe unter allseitigem Bedauern-fein Amt niederlegte, trat Herr Dr. Abraham H ir s ch - Halberstadt, und zum Schatzmeister wurde Herr M. Wei l - Magdeburg , gewählt. Der Verbandsausschuß wurde ferner noch durch Zuwahl des Herrn Colli n - Nordhausen ergänzt. U. a. wurde auf dem Gemeindetage beschlossen: Der Shnagogen-Gemeindeverband der Provinz Sachsen erachtet es für dringend erwünscht, daß bei der Beratung des Pensionsgesetzes für Privatangestellte der D. I. G. B. die Pensionsversicherung der jüdischen Gemeindebeamten und deren Angehörigen in die Hand nimmt und die bestehenden Kassen für derartige Zwecke weiterausbaut. Mit dem Beginn des Verbandsjahres legte der bisherige Sekretär, Herr Dr. Spanier-Magdeburg, sein Amt nie-.- der. Herr Dr. Spanier hat dieses Amt seit dem Bestehen des Verbandes, 11 Jahre, versehen. Das Sekretariat des Verbandes hat Herr- Lehrer Steinhardt-Magdeburg übernommen. Zu den Herbstfeiertagen. hat der Provinzialverband in vier Gemeinden (Ellrich, Eisleben, Staßfurt und Stendal) Prediger und Hilfsvorbeter gesandt-, die Berichte, die ihm über deren Tätigkeit geworden sind, waren im allgemeinen günstig- -In acht Gemeinden läßt der Verband Wander.-Religionsunterricht erteilen. - Eine Inspektion hat durch Herrn Rabbiner Dr. Kahlberg-Halle in Zeitz stattgefunden; der hierüber zugegangene Bericht lautet im ganzen günstig. Zum Schluß wird diesem Rabbiner und seinem Kollegen Dr. Wilde in Magdeburg für ihre Mühewaltung im Interesse des Verbandes der Dank des Ausschusses ausgesprochen. ' - — Düsseldorf, 26. Juli. Ueber die Pflicht zur Instandhaltung des hiesigen alten jüdischen Friedhofs aus der-Hardt ist ein Streit ausgebrochen. Die jüdische Gemeinde Perresheim, derer früher gehörte, ist vor einigen Jahren der hiesigen jüdischen Harrptgemeinde eingemeindet worden und. behauptet nun, damit sei auch die Friedhossunterhaltungspslicht auf die Hauptgemeinde übergegangen, die aber scheinbar diese Verpflichtung nicht anerkennt, sie jedenfalls nicht erfüllt. Der hiesige Bürgerverein auf der Hardt hat nun letzthin beschlossen, daß es gleichgültig fei, wer die Verantwortung in der Sache trage, daß aber hier ein öffentliches Interesse vorliegedas ein Einschreiten unbedingt erfordere. Der jetzige Zustand des Friedhofs sei um so mehr ärgerniserregend, als er in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnungen liegt. Es. wurde des-, halb beschlossen, die Stadtverwaltungdringend um Abhilfe eines Zustandes zu bitten, über den jetzt schon, seit Jahren immer wieder geklagt werde. - -- Regensvurg, 26. Juli. Der^hier erscheinenden „Deutsche Israelitische Zeitung" wird ausdem-Frankenwalde -geschrieben: Auf-

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