Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · p. Seite 368

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
Seite 368 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229047--68670-3280941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

(1782—1845). dessen Hauptverdienst um die neuhebräische Literatur darin besteht, daß er in einem glänzenden Stil eine allgemeine Geographie zu schreiben begann, von der er aber armutshalber nicht mehr als zwei Bände, Asien (Zolkiew 1822) und Afrika (1827) veröffentlichen konnte. Erst zehn Jahre nach seinem Tode erschien der erste Teil seiner Geographie unter dem Titel „Zehab Scheba" (Lemberg 1855). Ueber Kantsche Philosophie schrieb er mehrere Essays, die im „Kerern , Chemed" V veröffentlicht wurden. Er war der erste, der die Polen mit Zunz bekannt machte, indem er dessen „Biographie - Raschis" ins Hebräische übertrug und sie mit einer glänzenden Einleitung versah. (Schluß folgt.) ■ Henrik Mrrgrlsnd und Steinheim, Von Dr. Lu ca s ° Glogan. /H^bschon durch ein eigenes Regierungsreskript zugunsten auswärtiger, gelehrter Israeliten von dem Staatsgrundgesetz, das keine Juden im Lande duldete, eine Ausnahme gemacht wurde, ist Steinheim der Versammlung der Naturforscher serngeblieben. Der norwegische Dichter Wergeland unterließ es nicht, Steinheim besonders dringend bald nach dem Nr. 23 publizierten Schreiben nochmals einzuladen. In Wergelands Brief an Steinheim heißt es: „Bedenken Sie, daß auf keine bessere Weise die Vorschrift des Grundgesetzes suspendiert werden kann! Bedenken Sie, daß es wirklich eine Suspension ist, daß sie eine treffliche Einleitung involviert, einen sehr deutlichen Fingerzeig zu einer Aufhebung, und daß sie außerdem nichts geringeres ist, als eine spezielle Einladung des aufgeklärten Teils des Volkes, der sie gefordert und von seiten des Königs und der Regierung, die sie zugestanden haben! Nein, mögen die Mosaiten, welche ihrem Volke und den Wissenschaften Ehre machen, nicht bei dieser Zusammenkunft fehlen! Sie werden hier vorzugsweise bemerkt werden, wo nur noch die Erfahrung und wirkliche Bekanntschaft fehlte, um gegen die Mosaiten die Liebe zu beweisen, welche die Vernunft, das Gemüt und die Denkweise unseres Volkes darzubieten, einig sind. Kommen Sie. Ihr Interesse für die Sache, Ihr Name in der wissenschaftlichen Welt, das Interesse, das Norwegen für jeden Freund der Freiheit, für jeden, der ihre Resultate kennen lernen will und ihren Baum in Blüte zu sehen wünscht/ haben muß — alles dieses möge Sie rufen!" Steinheim ließ sich aber auch so nicht umstimmen, und, obschon der König nochmals eine besondere Verfügung für Israeliten erließ, war er zu einer Aenderung des Entschlusses nicht zu bewegen. . . In Steinheims Nachlaß befinden sich noch zwei Gedichte an Henrik Wergeland. Das eine derselben ist überschrieben: Gruß zum neuen Jahr 1842. An Wergeland. Glück auf zum neuen Jahr! Es hat zuletzt genachtet! Mit dem verjüngten Tag kehrt eine neue Zeit. Auf Schwingen einer edlern Sittlichkeit, Und tröstet ihre Kinder, die nach ihr geschmachtet. Das Volk der Märtyrer, geächtet und geschlachtet, Erhebt sein Haupt; es fühlt der Menschlichkeit Erhöhtes Recht siegreich im harten Streit, Und jedes Menschenantlitz gleich geachtet. — Glück aus zum neuen Jahr;-weil ihr mit Treue wachtet, Mit kühnen Wortes Kraft zum Kamps bereit, Daß nicht des Menschen Hort, geschändet und verachtet. Die Freiheit sich verberg in Nacht und Niedrigkeit. Der Griffel der Geschichte grabt, was ihr vollbrachtet. Des Jahres erste Dhat, ins Buch der Ewigkeit. -?• Eine Nachschrift lautet: Zum 1. Januar 1842. am 23. Dezember 1841. Ms im Jahre 1842 die Judenfrage im Storthing zur Verhandlung kam, erhielt der Antrag auf Aufhebung des gegen die Juden gerichteten Paragraphen 43 ungünstige und 51 günstige Stimmen, aber jedenfalls nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit. Steinheim übersandte Henrik Wergeland ein silbernes Tintenfaß mit folgendem Gedicht: Herrn Archivarius Hendrik Wergeland in Christiania. (Nebst einem übersandten Dintenfasse.) Auf Erden strömt wohl manch' ein Naß, - Daß unser Herz sich freue; Wir sammeln's wohl in manchem Faß, Mit Fleiß, mit Lieb' und Treue: Allein, wer kennt das beste Naß? Und wer das allerschönste Faß? Vom Liede sei'n sie hoch erhoben; Das Schöne soll das Schönste loben. Vom Berge quillt das frische Naß, Und tränkt die dürren Auen; Der Seemann füllet Faß um Faß, Dem Meer sich zu vertrauen. Und wie er zieht durch's salz'ge Naß Schöpft er getrost vom braunen Faß Wo rings nur bitt're Wasser quillen, Mag er den Durst mit süßen stillen. Der Oelbaum traust ein golden Naß, Des süßen Friedens Bil-dniß; Das zähmt der Wind und Wellen Haß, Den Wogentanz der Wildniß. Wer preist genug das milde Naß? Wo füllte edler's je ein Faß? Das Dir in Nächten Licht gewähret, Das Dir zu dienen sich verzehret. Doch edler strömt der Rebe Naß, Aus hölzernem Behälter; Ein flüßig Feuer in das Faß, Von der getret'nen Kelter. Jo, Evoe! Du heilig Naß Im vollen Heidelberger Faß; Was mag sich wohl dem Wein vergleichen? Was bis zu seinem Ruhme reichen? Doch nicht der Quelle frisches Naß/ lind nicht das sriedensreiche. Nicht das im Heidelberger Faß, Von Odins starker Eiche. Mein Lied erhebt das schwarze Naß, Die Dinte und das DinteNfaß; In dunkler Nacht hat es gegohren. Allein aus Nacht ward Licht geboren. Wer in dem Rath der Götter saß. Ein Mann von -hohem Sinne; Der Menschheit Ocean durchmaß Seit ihrem Anbeginne, Dem stillt den Durst kein kühler Quell, Kein Oel macht seine Nächte hell, Den Frost nimmt ihm kein Feuerwein; Den Trost gewährt dies Faß allein! So nimm es hin, du tapfrer Held, Und laß es freudig schalten! Denn weil noch ist das wüste Feld Voll schreckender Gestalten! Den Kiel ins schwarze Meer getaucht! Mit Mut das scharfe Schwerdt gebraucht! Und mag es herrschen, mag es dienen. Bis einst der Freiheit Tag erschienen! . 24. März 1842. Dr. Steinheim.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.