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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
Seite 366 (sequence 6)
Language
German
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;fea§- Departement des Kammergerichts übernommen und trat 'am 1. Oktober^1878 als Einjahrig-Freiwilliger beim 2. Garde- .Grenadier-Regiment (Kaiser Franz) ein. Zürn Offiziers- Examen wurde ich als einziger Jude zugelassen; indessen bin .ich durchgefallen. Ueber die Gründe haben sich, wie ich gehörthabe, - Regimentskommandeur', Kompagniechef und Jnstruktionsleutnant nicht einigen können. Glücklicher erging es mirim Afsessorsexamen, das ich am 22. Januar 1883 mit .Prädikat, und im Rigorosum,. das. ich zwei-Wochen später in Leipzig ma§na. c^uin lauää bestand. Es folgt dann eine 61X> Jahre läng', - währende .Assessorentätigkeit. .an - Berliner Gerichten, die nur!zeitweise mit Diä.ten gesegnet .war, die mir aber Zeit ließ, Repetitorien für Referendare zu halten und mich, schriftstellerisch zu betätigen. Eine. Monographie „Das Wesen der -Dinglichkeit" sollte mir die Habilitation, an der .Berliner Universitätermöglichen; aber der Versuch mißlang wie das Offiziersexamen. .Da ich mittlerweilemich verlobt hatte und des Wartens müde war, - verließ ich den .Staatsdienst und. - ließ Mich am 1. Oktober 1889 als Anwalt am Kammergericht ^nieder. Am 22. Dezember 1889 führte ich Mathilde Jafse, Tochter des Geh. Kom.-Rat Bernhard Jafse aus Posen, als meine Ehefrau heim. Aus unserer Ehe sind drei Kinder am Leben. Im Jahre 1896 . bin ich in den Vorstand der Anwaltskammer gewählt worden, dem ich bis vor wenigen Wochen zuletzt als Schriftführer, vorher, auch. als. Mitglied des. Ehrengerichts, angehört habe. In... den Jahren 1897 bis 1899 war ich Aeltester der jüdischen Gemeinde in Berlin, ein Amt, das ich zu meinem größten Bedauern wegen Ueberbürdung habe aufgeben müssen. Im Jahre 1902 wurde ich Justizrat, 1905 in den. Vorstand des Deutschen Anwaltvereins gewählt,' 1906 zum Mitglied der Justizprüfungskommission und demnächst zum Notar ernannt; 1911 wurde.mir. der Rote Adlerorden 4. Klasse, vor einem Monat der Titel als Geheimer Justizrat verliehen. Von wertvollen Lebenserinnerungen möchte ich noch registrieren, daß ich an der Begründung des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Verbandes der Deutschen Juden mitgewirkt habe. Dem Vorstand beider Vereine gehöre ich an. E. Fuchs. 1 . .■ ' '. ' Sas Wiedererwachrn der hkbräilchen Literatur im 18. Jahrhundert. Von Dr. S. O 6) s e r. ^!^ur selben Zeit, als vor fast hundert Jahren der deutsche Qs protestantische Gelehrte Professor Kranz Delitzsch die Morte.geprägt hatte: „Ein naturalisierter Jude kann unmöglich ein nationaler Poet sein", hatte der polnisch-jüdische Philosoph Nachman Krochmal die Lehre aufgestellt, daß das jüdische Volk, weder an eine Scholle, noch sonst an irgendeine Umgebung gehunden, einem Phönix ^gleich aus der Asche zü immer neuem Leben und Wirken erstünde/ Jetzt, nach hundert Jahren hat es sich, erwiesen, daß keiner der beiden Ge- . lchrten in ihren Aussprüchen sich geirrt. Während die, neueste Geh. Iustizrat Lugen Fuchs. hebräische Literatur tatsächlich ganz von nationalem Geiste' .durchsetzt/ist, hat sie. sich nach und nach, wie es Krochmal ge- . lehrt, zu einer Weltliteratur emporgeschwungen. Trotzdem sind aber-die Worte Delitzsch' weder das Ende vom Anfang, .noch die Krochmals der Anfang vom Ende. Was im ersten Äugenblick - als Veränderung oder Fortschritt 'erscheint, ist in Wirklichkeit' nichts anderes als eine Veränderung des Gesamtmilieus/innerhalb dessen das Judentum strebt und wirkt. Wie allgemein spiegelt die hebräische Literatur die jüdische Volksseele ab', und.' weil' das JüdentuM innerhalb der Menschheit einen, gewissen Anteil an den Weltereignissen haben muß, so kann' und konnte'sich auch seine Literatur nicht einseitig gestalten, weshalb sie auch niemals einen rein nationalen Charakter wird bewahren'können. Vielleicht ist es bloßer Zujall, - vielleicht aber auch eine Bestimmung, daß die Vorkonferenz zur Verbreitungder hebräischen Sprache gerade in Berlin stattgesunden hat, neu ist dieser Gedanke nicht. Es war im - ' ' . : Jahre 1783, als Jsak. A. Euchel (1766 bis 1804) und Mendel Bresselaü (1760 bis' 1829), von der reichen Familie Friedländer in Berlin unterstützt, einen Aufruf erließen, in welchem sie mit flammenden Worten das gesamte moderne Judentum zur Begründung eines „Vereins zur Förderung der hebräischen Sprache" aufmunterten, da die hebräische Sprache allein „geläutert und geschmackvoll dargestellt die Vermittelung zwischen der Judenheit und der allgemeinen .Zeitbildung herbeiführen könne". Was der Kongreß für die hebräische Spräche dem Judentum einbringen wird-, muß . einer glücklichen Zukunft überlassen werden, was aber die „Measfim", die Sammler in Deutschland selbst gewirkt, welchen- Einfluß sie auf. das Judentum der ganzen Welt geübt, wie sie tatsächlich ihre reichen modernen Gedanken nach dem fernen. Osten haben hinüber-' spielen lassen, wie die ganze Bewegung sich langsam fortpflanzt, zu einer gewaltigen Flut emporgewachsen ist, um in neuem Gewände, bar aller Parteischattierung, nach Deutschland wieder zurückzukehren, Mi sich im alten Zentrum „Berlin" wieder wie ein Phönix zu verjüngen, dies alles.gehört einer berühmten Vergangenheit an, die es tatsächlich verdient, vor den Augen des modernen Lesers . wieder aufgerollt zu werden. Jener Aufruf, der von zwei jungen Stürmern und Drängern von Königsberg aus erlassen ward, er sollte nicht ins Leere verhallen. Schnell war der Verein gegründet. Mendelssohn und Wessely (1725 bis 1805), Haltern und Witzenhausen, Bran und Lindau gehörten zu den hervorragendsten Mit-, gliedern und waren auch eifrige Mitarbeiter des Ha-Meassef. (1784 bis 1797 und 1809 bis 1811.) Auch die in Deutschland lebenden Polen Jsak Satanow (1732 bis 180.4) und Judah Ben-Zeb (1764 bis 1811) beteiligten sich an dev Zeitschrift. Ersterer lieferte Beiträge, welche durch ihre täuschende Aehnlichkeit zu den Salomonischen Sprüchen und den Psalmen, berühmt sind, letzterer übersetzte den Jesus Sirach in geschmackvoller Weise. Diese Bewegung verbreitete sich zunächst in den Niederlanden, wo sich Dawid Friedrichsseld (1755—1810) und Dawid Franco Mendes (1713 bis 1792) genannt Ehofschr,,sehr hervortaten, letzterer übersetzte ctitd) das. Rgcinsche Drama unter dem ^Titel „Gemul Atalia", welches dxei Auflagen.

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