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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-02 · Heft 31 (2.8.1912) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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auch - dieser konnte, wenn er vom P r o.ph e t e n - g ei ft e sich erfüllen ließ, zum Segen für die Menge werden. Ein solcher Priester erstand dem Volke jetzt in dem Propheten Ezechiel. Er hat den Geist herbeigerufen, daß er die Totengebeine wieder belebe, er hat aber auch den Geist durch priesterlichen Formalismus in Fesseln geschlagen. — Aber wer wird von einem E z echiel verlangen, daß' er ein I er e m t a s .seinsoll?! Genug: Ezechieb war der berufene Netter seiner Zeitgenossen. Er hat den Verzweifelten Mut eingeflößt, Mut zu hoffen auf eine Heimkehr, auf eine Wiederausrichtung des Königreichs, .auf den Wiederaufbau des Tempels. Und so schrieb erals neue göttliche Offenbarung eine Tempel- und Priesterordnung, die mit peinlichster Sorgfalt selbst die geringfügigsten Handlungen des Opferdienstes feststellte. Den zadokitischen Priestern räumte er alle nur möglichen Rechte ein, während er die nichtzadokitischen zu Hierodulen degradierte. Diese Stellen wurden früher zumeist von heidnischen Fremdlingen versehen. In dem Zukunststempel darf das der Fall nicht, sein. Wer sich dem Dienste des Hauses widmete, mußte durch seine Abstammung und seinen Lebensberuf dazu qualifiziert sein. Das-taten nun die Höhenpriester,, die den Namen Leviten führten, während die Zadokiten und die mit ihnen verbündeten Nachkommen Ebjathars „Söhne Ahrons" hießen. , Vorläufig war dies alles Theorie, und man hört von keiner Opposition von seiten der Leviten. Als aber nach der von Cyrus erteilten Erlaubnis zur Rückkehr in das heilige Land der Ruf auch an die Leviten erging, sich dem Zuge anzuschließen—da streikten diese. — 4289 Priester erklärten sich bereit, den Dienst in dem zu erbauenden Heiligtum zu verrichten, und nur 74 Leviten schlossen sich ihnen an. Diese Tatsache genügt, um den tiefgehenden Zwiespalt Zwischen Priestern und Leviten zu konstatieren. Noch deutlicher spricht aber auch die Tatsache, daß unter den 1600 Männern, . die mit Esra nach. Judäa zu folgen sich bereit erklärt hatten, sich auch, nicht ein einziger Levit befand. Und erst nach großer Mühe gelang es diesem, 38 Leviten zur Heimreise zu bewegen, „und er preist die gütig waltende Hand Gottes, daß es ihm gelungen ist, diese, wenngleich winzige, Zahl zusammenzubringen. Er bemüht sich auch alsbald, die Ranggleichheit zwischen Priestern und Leviten in allen nicht unmittelbar mit dem Opserdienste zusammenhängenden religiösen Angelegenheiten zur Durchführung zu bringen." „Was Esra begonnen, setzte der praktische und tatenkräftige Nechemia fort. Ihm lag besonders daran, den Leviten eine unabhängige Stellung zu verschaffen, und er setzte es auch durch, nicht nur, daß. der Zehnte des Bodenertrages ausschließlich den Leviten. überlassen, "sondern daß ihnen das Recht eingeräumt wurde, die Verzehntung im ganzen Lande selbst vorzunehmen, damit sie nicht von irgend jemand in ihren Gebühren gekürzt werden könnten." Der jerusalemischen Priesterschaft gefällt indes diese soziale Gleichstellung des Levitenstandes nicht. Schon aus dem Grunde nicht, weil sie sich dadurch in ihren Einkünften geschmälert sahen. Sie tat darum alles, um die ganze Macht an sich zu reißen. — Da die Leviten fortdauernd in der Minorität waren, so war es nur natürlich, daß die Priesterschaft den Sieg davontrug. Die Leviten fügen sich indes nicht, sondern sehen sich nach Bundesgenossen um, um mit ihrer Hilfe die priesterliche Macht zu brechen. Und diese finden sie in den Sängern und Torwächtern. — Vogelstein schildert, höchst dramatisch, das Intrigenspiel der Parteien. Wir sehen die levitische Minderheit im Kampfe gegen die Vergewaltigung durch die priesterliche Mehrheit, und wir sehen die letztere, wie sie mit brutaler Gewalt jeden Angriff zurückweist. Wir belauschen die geheimsten Regungen beider Parteien und machen die traurige Wahrnehmung, wie alles menschlich, allzu menschlich zugeht. Nicht um die Gotteslehre gilt der Streit, nicht um die Erhaltung der Religion, sondern' um Ehre, Macht und — Sporteln. An einem Beispiel soll dieser Kampf illustriert werden. Dies soll auch als Probe für Vogelsteins Scharfsinn und Arbeitsmethode dienen: Es handelt sich um das Verständnis der Erzählung von der Empörung Korachs. ) . Deuteronium Kap. 11 enthält eine kurze Rekapitulation. der Ereignisse seit dem Auszüge' aus Aegypten. Dort wird von dem Ausstande Dathans und Abirams und von ihrem Untergang berichtet, aber Korachs, der, mach dem Berichte von Numeri, die Seele des ganzen Ausstandes gewesen-' nicht mit einer Silbe gedacht. Liest man'indes Numeri Kap: 16 mit kritischem Auge, so merkt man sofort, daß man es Mit einer Do pp el ge sch i ch t e zu tun Hat.-Die Geschichte Korach s mit sein em Anh änge ist' eine-spätere Zugabe. Sie stammt aus der persischen Zeit und' berichtet von einem mißlungenen Versuch der Leviten, sich eine priesterliche Handlung anzumaßen. 'Diese wollten nämlich bei der Darbringung des Räucherwerkes eine Verwendung erhalten und fanden sich eines Tages in großer Zahl und in drohender Haltung im Tempel ein, um sich dieses Recht zu ertrotzen. Ein heftiger Kampf entbrannte, und die Leviten wurden nach blutiger Gegenwehr besiegt. „Die' Priester nutzten den erkämpften Sieg weidlich aus und zeigten gegen die Ueberwundenen auch nicht eine Spur von Großmut. Dem Sieger die Beute! war ihr Losungswort, das sie mit rücksichtsloser Härte ausführten, und selbst die klarsten Bestimmungen, welche das Gesetz zum Schutze der Leviten getroffen hatte, erwiesen sich als ohnmächtig gegenüber dem energischen Willen der Ahroniten, ihre bevorrechtete Stellung für alle Zukunft zu sichern und jeden Angriff auf dieselbe unmöglich zu machen". Den Niederschlag dieses Ereignisses besitzen wir nun in dem Berichte Num. 16, 17 von der Empörung Korachs und von seinem wunderbaren Untergang. Mit anderen Worten: Die Söhne Ahrons Haben in der per-, fischen Zeit eine Geschichte aä boe erfunden, um den Leviten für alle Zeit den Standpunkt klarzumachen, daß sie, und nur sie die Herrenftm Tempel sind. Das wird Num. 17, 5 so ausgedrückt: „Zum Denkmal der Kinder Israel, damit nicht nahe ein Gemeiner, der nicht ist von dem Samen Ahrons, Räucherwerk zu räuchern vor dem Ewigen, daß es ihm nicht gehe wie Korach und seinem Anhänge, so wie der Ewige durch Mose ihm angekündigt hatte". Daß es sich damit wirklich so verhält und daß wir es nicht mit einem vorexilischen Berichte zu tun haben, möge der Leser bei Vogelstein Nachlesen. Hier sei nur das eine hervorgehoben, daß dem Räucherwerke erst in der Zeit nach Esra ein hervorragender Platz eingeräumt wurde. Interessant ist es übrigens, zu erfahren, was die Priester zu dieser Neuerung veranlaßt hat. Vogelstein sagt darüber folgendes: „Es sollte den Besuchern des Zentraltempels etwas geboten werden, was ihre Sinne gefangen nahm und den Aufenthalt im Heiligtum besonders wirkungsvoll machte. Der bloße Gesang genügte für diesen Zweck nicht; denn auch in den Synagogen wurden Gesänge angestimmt, und dazu war der Gesang keine priesterliche Dienstleistung, sondern er war den. nicht zu den Ahroniten und ursprünglich auch nicht einmal zu den Leviten gehörenden Sängern übertragen. Das Aufwirbeln der Rauchsäule jedoch, dieRerbreitung von Weihrauchduft und anderen Wohlgerüchen war ein überaus geeignetes Mittel, den Tempeldienst zu verherrlichen und seine Bedeutung in den Augen der Besucher zu erhöhen/ Man kam daher auf den Gedanken, tagtäglich im Morgen- und Abendgottesdienste dem Räucherwerke einen-hervorragenden Platz einzuräumen und den Akt der Darbringung des Räucherwerkes unter ganz besonderen Feierlichkeiten zu vollziehen. Möglicherweise hat auch - der

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