Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen'Meltinstitutionen emporgeschwungen hat, und der im letzten Jahre eine Jahreseinnahme in Höhe von 700 060 Frank ausw eisen konnte, hat die Wichtigkeit und weittragende Bedeutung dieses neuesten Prinzips klar erkannt und seine Tätigkeit darnach eingerichtet. Nicht nur,, daß' er aus seinen Gütern und in den Siedlungen, der von ihm geförderten Gesellschaften (Siedlungsgesellschaft s,,Erez Israels, Palesiine Land Development Company), in H u I d a und B e lisch einen bei Jaffa,/in Merchawja, in der Ebene Jesreel, in Kinereth' und Dagania am Tiberiässee — eine große im stetigen Wachsen begriffene Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt. Er hat sich auch der Arbeiterfürsorge in den Kolonien zugewandt und kann ausdiesem Gebiete bereits auf bedeutende Erfolge Hinweisen. In den Kolonien Petach Tikwah und Chedera hat er mit. einem Kostenaufwand von 40 000 Frank für die unverheirateten Arbeiter Heime gegründet, an deren weiteren Ausbau jetzt geschritten wird. Durch eine Spende des Herrn Ing. Salomon Halp erin aus Kiew in Höhe von 30 000 Frank wird er in die Lage versetzt, ein großes' Heim in der Siedlungsgenossenschaft Merchawja, sowie Einzelhäuser für aschkenasische und jeministische Arbeiterfamilien zu bauen. Der Bau von zwölf jeminitischen Musern in Petach Tikwah und von drei Häusern für aschkenasische Arbeiter, gleichfalls in Petach Tikwah oder in Chedera, soll demnächst in Angriff genommen werden. Diese ganze Tätigkeit reicht aber noch nicht entfernt hin, um dem großen Mangel an Arbeiterwohnungen abzuhelfen. Die Frage wird besonders dringend angesichts einer neuen Erscheinung, die sich in letzter Zeit immer stärker bemerkbar macht. Es ist dies die immer zunehmende Einwanderung der jemenitischen Juden. Die jüdische Presse hatte schon öfters Gelegenheit, über diese unsere Stammesbrüder aus dem fernen südlichen Arabien zu berichten. Man ist sich darüber einig, daß wir es hier mit einem fleißigen und genügsamen Arbeiterelement zu tun haben, das im fernen Jemen die altjüdischen Lugenden einer hohen Religiosität und strenger Sittlichkeit rein und unverfälscht bewahrt hat. Die geringen Ansprüche, die die Jemeniten an das Leben stellen, versetzen sie in die Lage, mit Erfolg den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt aufzunehmen. Es ist ganz klar, daß sie für die jüdische Siedlung das beste Arbeitermaterial bilden;.sie sind auch wirtschaftlich ein .äußerst wertvolles Element, da man sich auf ihre Ehrlichkeit und ihren Fleiß unbedingt verlassen kann. In erster Linie muß aber dafür gesorgt werden, daß die Jemeniten in den.Kolonien Beschäftigung und Unterkommen, finden, denn sobald sie in die großen Städte abwandern, wo es keine genügende Arbeit für sie gibt, so ist, wie es die Tatsachen leider schon gezeigt haben, zu befürchten, daß sie die Bettlerbevölkerung nur vermehren würden. Was nun die Arbeitsgelegenheit betrifft, so liegen die Verhältnisse-sehr günstig. Für absehbare Zeit. ..wird .es für viele tausende Jemeniten in den jüdischen Kolonien reichlich Arbeit geben. Anders verhält es sich mit der Wohnungsfrage. Die Kolonien sind begreiflicherweise nicht in der Lage, den Bau von Arbeiterhäusern selbst in die Hand zu nehmen, und da die Jemeniten vollständig mittellos ins Land kommen, ist von ihrer eigenen Initiative auch nichts zu erwarten. Hier können also wieder nur Kolonisationsgesellschaften eingreisen, und in erster Reihe hat es sich der Jüdische Nationalsonds zur Ausgabe gestellt, das große Problem der Beschaffung von Wohnungen für die jemenitischen Einwanderer zu lösen. Während der letzten Anwesenheit seiner Direktoren Dr. Bodenheimer ünd'Dr. Tschlenow in Palästina hat er gleich 23 000 Frank, für den Bäu von Jemenitenhäusern bewilligt.. .'In den letzten Tagen sind weitere 30 000 Frank bewilligt worden, und. für das nächste Jahr ist die Gewährung von mindestens 50 000 Frank.in Aussicht genommen. In diesem Jahre sollen noch hundert Häuser sertiggestellt und mindestens eb.ensoviele in: ..nächsten Fahre gebaut werden. ., Sollte es gelingen, in.wenigen Jahren die Ansiedlung von, einigen .tausend jemenitischen Familien durchzuführen, wozu allerdings die Mitwirkung,und Unterstützung weiter Kreise notwendig istso wäre damit eine. Tat fürdie.jüdische Zukunft in.Palästina geleistet, deren segensreiche Folgen nicht hoch genug eingeschätzt-werden können. . ' '0.- Grsterretch-Nngarn. K. Wie.ir, 19? Juli. HiesigeMustrierte Blätter bringen das Bild Und die Lebensbeschreibung der vierzehnjährigen „Dame". Leop.ol,- d i n e H a u s e r, deren Leistung aus. dem : stenographischen Gebiete fast beispiellos .dasteht. Bei. dein diesjährigen Preisausschreiben des Wiener Skenographen-Zentralvereines, das in. diesem - Jahre, nicht weniger als 370 Mädchen zum Wettbewerb unter sehr schweren Bedingungen vereinigte, errang die vierzehnjährige Leopoldine Hauser als alleinige Preisträgerin den ersten Preis. Ihre Leistung wird als einzig dastehend in der stenographischen Fachwelt des In- und Auslandes bezeichnet. Bei einer Diktatsgeschwiudigkeit von 120 Worten in der Minute, die selbst langjährig geübten Berufstätigen, gewisse Schwierigkeiten bereitet, hat die Hauser den ersten Preis errungen. Nach Feststellung der Leitung des Stenographen-Zentralvereins schreibt die vierzehnjährige „Dame" auch bei einer Geschwindigkeit von 140 bis 150 Worten in der Minute politische und andere schwierige Themen in vorzüglicher Weise nach. Es ist. dies eine Leistung, die der vollen Höhe der Parlamentarisch-Praktischen Schnellschriftanwendung entspricht und die selbst -bei Personen, die sich durch Jahre für die stenographische Praxis trainieren/ nur selten anzutreffen ist. Leopoldine Hauser wird in der Presse als „junge Ehampion-Stenographin gepriesen, deren Leistung berechtigtes Aufsehen erregt." — Kaiser Franz Joseph verlieh dem Direktor der Kreditanstalt in Prag, Herrn Adolf Engländer, das Komturkreuz des Franz- Josef-Ordens. Diese außergewöhnlich hohe Auszeichnung, die sonst an hervorragende Staatsmänner verliehen wird, wurde Herrn Engländer anläßlich seines vierzigjährigen Dienstjubiläums als Direktor der Kreditanstalt verliehen und bildet eine Anerkennung der hervorragenden Verdienste, die sich der Jubilar um die Entwicklung des Wirtschaftslebens in Böhmen erworben hat, zugleich als Zeichen der besonders hohen Wertung des Ausgezeichneten, der zu den bedeutendsten Finanzmännern des Landes gehört. Direktor Engländer ist bereits Ritter des Ordens der Eisernen Krone und vieler ausländischer Orden. — Am 11. d. M. ist in St. Ulrich, wo er zum Landaufenthalte weilte, der Wiener'Gemeinderat und Vorstand der israelitischen Kultusgemiende, Herr Max Frank, im-schönsten Mannesalter plötzlich gestorben. Durch das plötzliche Hinscheiden des Herrn Frank hat die fortschrittliche Partei im Wiener Gemeinderat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der. Verblichene, gehörte dem Wiener Gemeinderat seit 1910 an, wo er sich durch seine Beredsamkeit, sein überaus bescheidenes Auftreten und seine reichen Erfahrungen aus dem kommerziellen Gebiete auszeichnete. Im Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde bekleidete Herr Frank viele Jahre hindurch das Amt eines Finanzreserenten; seine Leistungen aus diesem Gebiete waren geradezu hervorragend. Seine Referate zeichneten sich durch Klarheit und Übersichtlichkeit besonders aus, außerdem war der Verblichene überaus wohltätig und brachte allen religiösen- und kulturellen Institutionen der Gemeinde das lebhafteste Interesse entgegen. Am 14. d. M. fand die Beerdigung des Herrn Gemeinderats Frank auf dem israelitischen Friedhofe in Wien statt. Unter den zahlreichen Trauergästen befanden sich auch viele Gemeinderäte der Wiener Kvm- - mune, der gesamte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde und das Wiener Rabbinat. Namens der fortschrittlichen Partei des Wiener Gemeinderats wurde Herrn Frank am offenen 'Grabe der Dank der Wiener Gemeinde gezollt für seine treuen Dienste, die er seiner Vaterstadt und seiner Partei allezeit geleistet hat. Ehre seinem Andenken. N. J. Z. Budapest, 19. Juli. Die Zahl der im Iahr e 1911 im Sp it a l der Pester israelitischen Gemeinde verpflegten Kranken betrug 3429 (gegen 2933 im Vorjahre), wobei 1146 der Patienten Christen waren. Die Zahl der Verpflegungstage war 63 822, so daß durchschnittlich ein Kranker. 18 Tage im Spitale weilte. Gestorben sind 213 Pfleglinge. Imposant ist die Zahl der ambulant Behandelten gewesen; den 26 842 ambulanten Kranken wurden 143 959 Ordinationen zuteil. Von den ambulanten Kranken waren 16 670, d. h. 62 Prozent, Christen. Die Zahl der insgesamt im Spital Verpflegten und Behandelten betrug 30 272 gegen 28 031 im Jahre 1910. Ueberdies wurden von den sogenannten Armenärzten 5898 auf Rechnung des Spitals unentgeltlich behandelt. Die Gesamtausgaben betrugen im Berichtsjahre 281 224 Kronen, so daß die Kosten eines Verpslegungstages Pro Kopf der Verpflegten durchschnittlich 4 Kronen 40. Heller ausmachten. An die . Tatsache des von Jahr zu Jahr sich steigernden Krankenandranges, anknüpfend, hebt der Bericht hervor, daß die vorhandenen Räumlichkeiten kaum mehr den Anforde-- rungon genügen und daß deshalb an die baldige Erweiterung des Spitals, womöglich durch Aufsetzen eines zweiten Stockwerkes aus den Pavillon für chirurgische und innere Krankheiten geschritten werden muß — ein Wunsch, der angesichts der Geschäftsfreudigkeil und Tüchtigkeit des Spitalskuratoriums gewiß bald in Erfüllung gehen wird. Das Jahr 1911 war an Personalveründerung sehr reich, denn an Stelle des bisherigen Präses der Spitalskommission, des