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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-26 · Heft 30 (26.7.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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M E- ■r - eine kleine Erhöhung des Kur- und Pslegekostentariss vorgenommen werden. Seitens der Verwaltung ist die Errichtung eines Neubaues neben dem Verwaltungsgebäude aüf der Hohenzollernstraße in Aussicht genommen. Das Projekt sieht in der Hauptsache den Vau einer besonderen Abteilung' für Frauenkrankheiten vor, die sehr dringlich ist." Me bisherigen Räume der gynäkologischen Station würden dann für die ebenfalls nicht mehr aufschiebbare Erweiterung der chirurgischen Abteilung verfügbar werden. Zuwendungen für diese Zwecke sind gemacht worden von Frau. Rosälie Br es laue r und Herrn , Max V reslauer 50 000 .M., als „Emanuel und Max Breslaüersche Stiftung", von Herrn Ludwig London 10.000 M. Der Jahresbericht wendet sich an. die Opserwilligkeit der Gemeindemitglieder und . bittet, durch Ueberweisung. von Beiträgen zum Vausonds oder durch Stiftung von Krankenbetten zu Helsen. Herr Sachs gedachte hierauf in einem Nachruf der verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft, der Herren Pfeffer, P r i n g s h e i m und Julius S ch o t t l a e n d e r, und die Versammlung erhob sich zur Ehrung ihres Andenkens von, den Plätzen. Das Vermögen der Anstalt beträgt 1231726.61 M. — — Die Israelitische Alters-Versorgungsanstalt. zählt 78 Inquilinen. Die Einnahmen ausschließlich der Beträge für Legate, Stiftungen, Einkaufsgelder waren in den drei'Jahren 146 770 M. Die Ausgaben 149815 M. Das Defizit wurde aus dem Anstaltsvermögen, gedeckt. Der Vorsitzende bedauerte, daß die Zahl der beitragenden Mitglieder ständig zurückgehe und richtete an alle Mitglieder der Krankenverpflegungsanstalt die Bitte, auch der Altersversorgungsanstalt beizutreten. Einer Bitte der Rechnungsprüfer, die Prüfungen nicht alle drei, sondern jedes Jahr vorzunehmen, wird entsprochen werden. Bei den hieraus vollzogenen Wahlen wurden die Herren. Rudolf Daniel, Mendel H o s s m a n n und Georg L e ß zu Rechnungsprüfern, die Herren Landsberg und Ehrlich zu deren Stellvertretern gewählt. In den Vorstand wurden aus 6 Jahre gewählt die Herren: Eduard Sachs, David M ug d an,. Louis Schlesinger, Hermann N e u st a d t , Justizrat Jo öl und Martin F r än fei; auf 3 Jahre, Herr Karl L ei p z i g er. Chemnitz, 19. Juli. Dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu . Chenmitz für das Jahr 1911, .entnehmen wir folgende Notizen: Die Gemeinde zählt ca. 1800 Seelen. Die Anzahl der im Jahre 1911 zur Gemeindesteuer veranlagten, in. Chemnitz wohnhaften. Gemeindemitglieder betrug 836 mit ca. 350 selbständigen Haushaltungen. Auswärts wohnhaft waren 78 steuerpflichtige Mitglieder mit ca. 46 selbständigen Haushaltungen. Ferner waren 40 Forenser'in der Gemeinde steuerpflichtig. Verstorben sind 11 Erwachsene (7 Männer, 4 Frauen) und 4 Kinder; 12 Verstorbene wurden aus dem Friedhofe beerdigt, 3 eingeäfchert. Die Gemeinde ist Mitglied des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen. Jüdische gemeinnützige und wohltätige Bestrebungen wurden durch Jahresbeiträge an folgende Vereinigungen und Institutionen gefördert: Verband der deutschen Juden, Hilssverein der deutschen Juden, Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin, Verband für jüdische Statistik, Verein zur Fürsorge Strafentlassener zu Chemnitz, Israelitisches Zentral-Waisen- und Müdchenheim zu Ems, Mendelssohn-Stiftung zu Leipzig, Verein „Freunde der Taubstummen— Jedide Jlmim" zu Berlin und Kuratorium des jüdischen Krankenhauses zu Memel. Dem bei dem Verband der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen bestehenden Fonds zur Errichtung eines Altervorsorghauses, welcher 1911 3326.20 Mark, betrug, wurde mit Genehmigung des Israelitischen Frauenvereins zu Chemnitz dessen Spende von 1910 im Betrage von 750 Mark zur dortseitigen Verwaltung überwiesen. Die Gemeindekollegien hatten im Lause des Jahres den Verlust zweier bewährter Gemeindeverordneter zu beklagen. Am 8. Januar verstarb Herr Adolf Sußm.ann und am 24.'Juni Herr Gustav Holberg. An Stelle der Verstorbenen, wurden die Ersatzmänner, Herren Simon .Scharlach mrd Dr. jur. Arthur Weiner, als Gemeindeverordnete einberufen. Ferner trat an Stelle des Gemeindeverordneten Herrn Kommerzienrat Nathan Stern, welcher wegen Aufgabe feines hiesigen Wohnsitzes am 15. November sein Amt niederlegte, Herr Rechtsanwalt Dr. jur.^ Martin Lappe, dritter Ersatzmann für 1912, als Gemeindeverordneter in das Kollegium ein. Es fanden 14 Jugendgottesdienste statt; 12 Knaben (11 von hier, 1 aus Olüernhau) würden Barmizwah und 8 Brautpaare getraut (in der Synagoge 6 Brautpaare). Am ersten Tage des Wochensestes wurden 6 Mäd- . chen feierlichst konfirmiert. Am Sabbatgottesdienste aml2.' September i - beging die Genreinde die Feier des Sedantages. Der Geburtstage Ihrer Majestäten Kaiser Wilhelm II. und des Königs Friedrich August wurde in den Sabbatgottesdiensten am 28.' Januar bzw. . 27. Mai in entsprechender Weise gedacht^ "'Die Religionsschule wurde im Schuljahre 4910/11' Von' 170 Kindern (86 Knaben, 84 Mädchen)- besucht; im Schuljahre . 1911/12 betrug die Anzahl der Kinder 183 (94 Knaben, 89 Mädchen). Das.Lehrerkollegium bestand 1910/11 aus dem Schulleiter Herrn Rabbiner.Dr. Fuchs und den Herren Lehrer S. S o m me r s e l V, Kantor N. G o l d b-e r g und Lehrer A. N a t h an. Die öffentliche-'Schulprüfung am Schluffe des Schuljahres 1910/11 . -fand am 2. April in Anwesenheit von Mitgliedern der Gemeindekvllegien statt, auch viele Angehörige der Kinder und Gemeindemitglieder wohnten der Prüfung, welche ein gutes Ergebnis hatte, bei. Der Mädchen-Konfirmandenunterricht wurde im Winterhalbjahre 1911/12 seitens des Herrn Dr. Fuchs am Mittwoch und Sonnabend nachmittags in der . Religionsschule erteilt, an demselben nahmen 7 Mädchen teil. Für die Zukunft sollen, einem diesbezüglichen Vorstandsbeschlusse zufolge, sämtliche Schülerinnen des letzten Schuljahres im Religionsunterrichte Konsirmandenunterricht erhalten. Als Gemeindeanlagen pro 1911 wurden mit Genehmigung der Königlichen Kreishauptmannschaft 18% des staatlichen Einkommensteuerbeitrages erhoben. — Nürnberg, 19. Juli. Ende dieses Schuljahres wird ein Zeitraum - von 50 Jahren abgeschlossen sein, seitdem die später zur Israelitischen Realschule umgebildete Israelitische Bürgerschule ins Leben gerufen worden ist. Mn eine würdige Feier des 60 jährigen Jubiläums in die Wege zu leiten, hat sich zumeist aus ehemaligen Schülern der Anstalt ein Jubilüums-Komitee gebildet. Dieses hat zunächst einen Aufruf zur Stiftung eines Pensions- und Reliktenversorgungsfonds erlassen und Beiträge für einen solchen Fonds zu sammeln begonnen, die bis jetzt eine Höhe von etwa 19 000 Mark erreicht haben. Ende Oktober, um die Zeit, da vor 50 Jahren die Bürgerschule eröffnet wurde, soll eine Feier der ehemaligen Schüler Und Freunde der Anstalt stattsinden. . — Dortmund, 19. Juli. Die Antisemiten der „Westmark" haben kürzlich in Düsseldorf getagt und beschlossen, vorläufig die Reichstagswahlkreise Dortmund-Hörde und Elberfeld-Barmen unter Feuer zu nehmen. Die übrigen Kreise des. Westens wollen die „tapferen Landsoldaten" zunächst ungeschoren lassen, da man wohl die Empfindung hat, daß sonst das Aufmarschgelände für die antisemitischen Truppen zu groß werden möchte. Bei der letzten Reichstagswahl im Wahlkreise Dortmund-Hörde brachten die Antisemiten ganze 1570 Mann aus die Beine, bei nicht weniger als.125 551 Wahlberechtigten.- Die Herren Antisemiten waren also gewissermaßen in der Rolle politischer Sonntagsjäger ausgetreten — Beute haben sie nicht gemacht. Wohl aber hatte das traurige Flötenspiel der Herren Helmke und Genossen es dahin gebracht, daß das wichtige. Reichstagsmandat im Besitze der Sozialdemokratie verblieb. Das nationale Gewissen der Herren um Helmke ist durch dieses Heldenstück nicht ge- - schärft worden, das beweist der erwähnte Düsseldorfer Beschluß. Nur braucht man sich nicht einznbildan, daß von jetzt an —und wenn die Werbearbeit auch noch so nachhaltig einsetzte — der deutsch-sozialen Trommel eine nennenswerte Schar folgen würde. Der antisemitische Parteisekretär, der nunmehr seit einigen Monaten unsere Gegend be- < glückt, weiß davon ein Lied zu singen. Ueberäll, wo er im Wahlkreise Dortmund-Hörde hinkam,, fand er leere Häuser. Er hätte es deshalb oft genug empfinden müssen, daß aus diesem Wege der.Marsch des vaterländischen Gedankens bald beendet fein wird, denn er „geht", um mit dem Träumer Hamlet zu sprechen, „aus der Luft ins Grab". L2 Köln, 19. Juli. Immer mehr kommt in der jüdischen Siedlungsarbeit ein neues Prinzip zur Geltung. Während die Zionssreunde eurer früheren Epoche das Hauptgewicht aus den privatrechtlichen Erwerb des Bodens legten und der politische Zionismus die Idee der ö f fe n tlich-r e ch tli ch e n Sicherung verkündete, bricht sich jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es auch einen dritten Faktor gibt, der von ebenso großer Bedeutung für die Zukunft der Kolonisation ist, nämlich: Die jüdische Arbeit aus jüdis chem Bode n. Man ist heute wohl allgemein zur Ansicht gekommen, daß ein Plantagenbesitz in Palästina, auf dem lediglich nichtjüdische Arbeiter beschäftigt werden, sich nicht wesentlich von einem jüdischen Gute in Galizien unterscheidet, auf dem nur polnische oder ruthenische Arbeiter zu finden sind. Der.Jüdische Nationalsonds, der sich aus kleinen Anfängen zu - einer der mächtigsten

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