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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-26 · Heft 30 (26.7.1912) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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Wohl in dem Fälle, als die Juden vom Kaiser Trajan (ca. 117) die Erlaubnis erwirkten, ihren Tempel in Jerusalem wieder ausbauen zu dürfen. Damals machten die „Minäer" alle Anstrengungen, um diesen Beschluß zu vereiteln und ihn rückgängig zu machen, was ihnen in Wirklichkeit durch Verdächtigungen aller Arb gelang. Und als dieser Umstand die Unzufriedenheit und Empörung der Juden, sowie ihre Sehnsucht nach Wiederherstellung eines selbständigen Reiches unter Führung des Barkochba zur Folge hatte, da halfen und standen die Minäer den drückenden und grausamst verfolgenden Römern mit Rat und Tat bei, so daß es nicht wundernehmen kann, wenn das Judentum damaliger Zeit solche tatsächliche Gehässigkeit und Feindseligkeit mit Worten der Lieblosigkeit und des Hasses erwiderte. Daher der Spruch 5, 19 —, in welchem unter den Schülern B i l a m s wahrscheinlich die damaligen Minäer zu verstehen sind, und welcher also lautet: „An wem diese drei Eigenschaften gesunden werden, der gehört zu den Schülern unseres Vaters Abraham, und an wem drei andere Eigenschaften bemerkt werden, der gehört zu den Schülern Bilams, des Frevlers. — Wohlwollen, Bescheidenheit und Demut sind Merkmale der Schüler unseres Vaters Abraham; Mißgunst,- Stolz Und Hochmut aber sind Merkmale der Schüler Bilams, des Frevlers. — Welcher Unterschied ergibt sich zwischen den Schülern unseres Vaters Abraham und den Schülern des Frevlers Bilam? Die Schüler unseres Vaters Abraham genießen in dieser Welt und erben die künftige Welt, denn es heißt (Spr. Sal. 8, 21): „Meinen Freunden gebe ich Besitz und ihre Schätze fülle ich." — Die Schüler des Frevlers Bilam aber erben die Hölle und fahren hinab in die Grube des Verderbens; denn es heißt (Pf. 55, 24): „Ja, du, o Gott, wirst sie hinabfahren lassen in die Grube des Verderbens; die Männer des Blutes und des Truges werden in ihres Lebens Mitte dahingerafft werden; ich aber vertraue auf dich." Von dieser Zeit an nahm die Feindschaft und Gehässigkeit von Tochter und Mutter immer mehr zu, so daß man auf jüdischer Seite gegen die Darstellung von der beständigen Jungfräulichkeit der Maria, sowie von der unnatürlichen Geburt Jesus das Wort ergriff. Dies zeigt der Spruch 5, 16 —, welcher mit dem biblischen Beispiele von der Verführung der Thamar durch ihren Bruder Amuon und dem der Verführung nachfolgenden Hasse desselben, der sie ganz verstößt, auf die Verführung der Maria und aus die Verstoßung seitens des Verführers hinweist. Dieser Spruch lautet: „Jede Liebe, welche von Etwas abhängig ist, — sobald dieses Etwas schwindet, schwindet auch die Liebe, aber diejenige, welche von Nichts abhängig ist, schwindet nimmer. Welche ist eine Liebe, die von Etwas abhängig ist? Die Liebe des Amuon und der Thamar; aber die von Nichts abhängig ist, ist die Liebe des David und Jonathan." Andere Sprüche wenden sich wieder gegen andere Lehren des Christentums, wie gegen die Göttlichkeit des Menschen, gegen die Gottessohnschaft des einzelnen Menschen, gegen die Loslösung vom Gesetze. Demgegenüber betonte R. Akiba beispielsweise die göttliche Ebenbildlichkeit des Menschen, die Gottessohnschaft des ganzen Volkes und den unvergänglichen ewigen Wert des Gesetzes. Sein Spruch lautet demgemäß (3, 14) also: „Wert ist der Mensch, der im Eben bilde Gottes erschaffen wurde, ein besonderer Wert ist ihm verliehen worden, daß er im Ebenbilde Gottes erschaffen wurde, denn es heißt: „Im Ebenbilde Gottes hat er den Menschen geschaffen." — Wert ist Israel, welches Kinder Gottes genannt wird, ein besonderer Wert ist ihnen verliehen worden, daß sie Kinder Gottes genannt werden, denn es heißt: „Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gotte." — Wert ist Israel, dem ein Kleinod verliehen wurde, ein besonderer Wert ist ihnen verliehen, daß ihnen das Kleinod gegeben wurde, mit welchem die Welt erschaffen ward, denn es heißt: „Denn gute Lehre habe ich euch gegeben, meine Thora verlasset nicht." Zu den Eigentümlichkeiten des Christentums gehörte die, den Essäern entlehnte Einführung einer allgemeinen Armut, die Verwerfung des Reichtums und die Geltendmachung des Kommunismus. Dem entgegen lehrt R. Jose (2, 12): „Wert sei dir das Vermögen deines Genossen wie das deinige.".— Ebenso wird der Kommunismus verworfen im Spruch 5, 10 mit den Worten: „Was mein, ist dein, und was dein, ist mein — (sagt) das Landvolk, der Pöbel." Gegen die „neue" Lehre, welche das römische Heidentum bedrohte, unternahmen die Kaiser strenge Maßregeln, so daß man schon auf den bloßen Verdacht hin vor Gericht gezogen, als Anhänger der neuen Lehre angeklagt und zur Todesstrafe verurteilt werden konnte. Darauf weist R. Jochanan hin, indem er sagt: „Wer den Namen Gottes im Geheimen entweiht, den bestraft man öffentlich, sei es, daß er irrtümlich oder vorsätzlich den göttlichen Namen entweiht" (4, 4b). Hier geißelt der „Lehrer" jeden Umgang mit Minäern und jeden Beifall für ihre unjüdischen Lehren, und warnt zugleich vor den Folgen der Anklage und Bestrafung. Zu den Sitten des Minäertums, die sich gewissermaßen als Opposition gegen das Judentum herausgebildet, gehörte es auch, daß vor der Leichenbestattung im Hause der Leidtragenden angesichts der Leiche kondoliert wurde. Daher R. Simon, der Sohn Elasars, sich mit seinem Spruche 4, 18 dagegen wendet, indem er sagt: „Suche nicht deinen Nächsten zu besänftigen während seines Zornes; suche ihn nicht zu trösten, während noch sein Toter vor ihm liegt; mache ihm keinen Einwand, während er ein Gelübde tut; und bemühe dich nicht, ihn während seiner leichtfertigen Handlungsweise zu schauen." Er meint damit: so wenig man Erfolg haben könne, wenn man einen von Zorn erregten und aufgeregten Menschen zu besänftigen oder einen aus innerem Herzensdrange, aus Angst und Furcht zu einem Gelübde angeregten davon äbzubringen, oder einen vom bösen Triebe zu leichtfertigem Tun Verführten daran zu hindern trachte; so wenig es erfolgreich sein und glücken könne, einen Menschen in Momenten höchster innerer Erregung zu beruhigen und ihm mit Vernunftgründen etwa zu helfen, — ebensowenig sei es zu empfehlen, Trost zu spenden, so lange der Grund des höchsten und tiefsten Schmerzes gewissermaßen vor Augen .sei, weil da noch die rechte, ruhige, vernünftige Stimmung fehle, um den Trost anzunehmen. Vergeltung. Von Albert Katz. I. %gu|LLego/f zfNte Zeit der ersten entsetzlichen Pogrome, die anfangs >2»^ der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts epidemieartig über einen großen Teil des russischen Südens sich verbreitet hatten, war verhältnismäßig schnell vorübergegangen. Dank, dem energischen Eingreifen der Ortsbehörden, oder richtiger, der geheimen Furcht der russischen Machthaber vor der öffentlichen Meinung in Westeuropa, waren nach wenigen Monaten tobender Zerstörungswut in die schwer heimgesuchten Orte Ruhe und Frieden wieder eingetreten. Auch die hartgeprüste jüdische Bevölkerung selbst gab sich die erdenklichste Mühe, die Spuren der von den Holigans angerichteten Verwüstung, so gut und schlecht es ging, zu verwischen. Die emsigen Leute

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