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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Kasse berichtete, der Vorsitzende. Nach dem Jahresbericht beliefen sich: die. Einnahmen aus- 12 900/M., Davon kommen an Pensionen zur Auszahlmrg 7409,M.'.Dieselben verteilen sich auf.66 Pensionsempsangende mit 183 -Quoten. Der Nest wird zum Vermögen geschlagen. — Die Vorstandswahl ergibt die einstimmige Wiederwahl des . Lehrers Baum-Rheine, die■; Neuwahl des Herrn Abraham-Essen. Als Stellvertreter werden Reinhardt-Köln und Meyer-Lünen gewählt. — Nürnberg, 12. Juli.: Hier lagte kürzlich die 18. Jahresversammlung des Ausschusses des Landesverein für israelitische Kul- - tusgemeinden in Bayern. Justizrat Os ner, der Vorsitzende, besprach das Verhältnis zur Freien bayerischen Rabbinertonferenz. Da die Rabbiner vor zwei Jahren aus dem Landesverein ausgetreten sind, sollte eine aus Mitgliedern beider Körperschaften eingesetzte Kommission' wieder eine Einigung zustande bringen. Die Verhandlungen zeitigten kein Ergebnis, da. die Rabbinerkonserenz unerfüllbare Bedingungen (Auflösung des Landesvereins, Aenderung seines Namens) stellte, Der ernste Wunsch der Stäatsregierung ist . es jedoch, daß beide Organi-' sationen friedlich Zusammenarbeiten. Namentlich war dies der Fall, als es sich um die Verteilung des Staatszuschusses von 17 000 Mark handelte. Hier ordnete die Negierung an, daß Delegierte des Landesvereins mit denen'dW- 'Rabbinerkonserenz zu gemeinschaftlicher Beratung zusammentreten und gemeinsame Vorschläge für die Verteilung , der Staatszuschüsse machen-sollten; dies ist auch in vollkommen freundschaftlicher Weise geschehen, so daß bei dieser Gelegenheit von Rabbiner-: feite der Wunsch geäußert wurdees möge dies ein gutes Omen für die Zukunft, bedeuten. — Homburg i. d Pf., 12. Juli. Unsere hiesige israelitische Kultusgemeinde will sich verändern. Ein Mitglied der Kultusgemeinde hat an die Königliche Regierung der Pfalz eine Eingabe gerichtet, wonach die früher katholisch gewesene Klosterkirche und jetziges israelitisches Bethaus nicht mehr den Verhältnissen entsprechen soll. Als Betsägl: ist dem Gesuch zufolge das Gebäude der ehemaligen Freimaurerloge, I errichtet von dem verstorbenen Apotheker Lotz, in Aussicht genommen.' Außer dem Gesuchsteller steht die übrige^ israelitische Gemeinde der Veränderung sehr skeptisch gegenüber, da bis dato düs Bethaüs zu irgendwelchen Wünschen keinen Anlaß gab.. ' s. 1. Worms, 12. Julsi Der 3. d. M. war ein Ehrentag für die jüdische Gemeinde, Unter großer Teilnahme wurde das 40 jährige Ortsjubiläum des Herrn Lehrer ,€>, Roth sich i l d gefeiert. Wie der erste evangelische Geistliche in seinem Glückwunschschreiben mitteilte, war es keine 40 jährige Wanderung durch die Wüste, sondern eine Wanderung durch freundliche und fruchtbare Gefilde. Alsdann kamen der Gemeindevorstaud. mit den Beamten, Abordnungen der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine, denen der Jubilar sich in hervorragender Weife widmete, 'die Loge, deren derzeitiger Präsident der. Gefeierte ist, .und brachten ihre Glückwünsche unter Überreichung wertvoller und sinniger Geschenke in beredten. Worten zum Llusdruck. Für die Gemeinde sprach.Herr Levy, der besonders hervorhob, wie Herr Rothschild dem scheinbar gleichmäßigen Gange des Berufslebens immer neue, freundliche und fruchtbringende Seiten zum Wohle der Jugend und der Gemeinde abzugewinnen versteht,. und pries die Gemeinde glücklich, die einen solch pslichtgetreuen Beamten vefitzt. Dieses Lob ehrt sowohl den Jubilar wie die altehrwürdige Gemeinde Worms. Die Wünsche der Loge, mit der Herr Rothschild seit ihrem Bestehen so eng verknüpft ist, brachte Herr Rechtsanwalt B a r u ch zum Ausdruck. Für die Beamten der Gemeinde sprach in herzlicher Weise Herr Kantor Agulink. Zuvor war eine Abordnung des Synagogenchor-Vereins unter Führung seines Präsidenten, Herrn Berliiier, des Schüler-Unterstützungsvereins und des Jugend--. - Vereins erschienen. - Namens-des hessischen Lehrervereins,^ dem Herr Rothschild sich mit. hingebendem Eifer widmet und dessen Bestrebungen er jederzeit, mit; Liebe zu fördern sucht, war eine Abordnungerschienen. Der jugendfrische Vorsitzende im Silberhaare, Herr W ert- . h e i m e r - H e l d e n b e r g e r, derin Begleitung' des Reallehrers Eschelbacher-Mainz gekommen war, brachte in.herzlichstenWorten den Dank des Vereins zum ZlusdrUck. "-Nun sprachen noch Herr Sam. - .. Guggenheim im Namen des .israelitischen Hospitals/.Herr L evy im Namen des Hilfspereins., Herr Rothschild dankte ans alle-An- ' sprachen - in 'herzlichen Worten. , ' Daß auch - v i e l e ch r i st l i ch e. Kreise an der Feier der .jüdischen Gemeinde nicht gleichgültig vorübergingen) braucht, .nachdem'' der Jubilar. 38 Jahre an der städtischen Volksschule als Klassenlehrerwirkt, nicht besonders hervorgehoben zu werden. Mögen dem-- geehrten - Jubilar, der auch -in weiteren Kreisen durch sein gemeinnütziges' Wirken bekannt und geschätztist) .noch viele Jahre frohen Schaffens und Wirkens beschieden sein.' - Gestrrretch-Nngarn. K. Wien, 12. Juli. Die Handels- und Gewerbekammer in Laibach ' scheint das dringendste Bedürfnis zu haben, in Oesterreich russische. Zustände zu'schaffen. Das' Plenum dieser Handelskammer hat nämlich einen Antrag des Kammerrates O r g i n, der eine Propaganda gegen die Ansiedlung' jüdischer Geschäftsleute in Kram, und einen . Aufruf verlangt, in welchem vor Geschästsbeziehungen. mit jüdischen Kausleüten gewarnt werden soll, einem Ausschüsse zugewiesen. „Was den Ilntragsteller Orgin anbelangt," so schreibt, die „Sonn- , und Montagszeitung", „so mag es sein, daß er seine persönlichen Interessen durch einen solchen Antrag fördern will; da er selbst Geschäftsmann ist, so will .er naturgemäß sich von keinem Konkurrenten stören lassen. Daß sich aber die Majorität der Laibacher Handelskammer trotz, des Einspruches der freiheitlichen. Deutschen Und Slowenen mit dem offenbar egoistischen Antrag eines Kammerrates identifiziert-hat, wirft ein so jämmerliches Licht auf die Ignoranz dieser Leute hinsichtlich unserer St'aatsgesetze,. daß man nur die Stadt bedauern kann, in der ein so namenloser. Tiefstand moderner Kultur und menschlichen Empfindens sich deklarieren konnte." Hoffentlich wird es dieser Körperschaft nicht gelingen,-aus dem noch gut.österreichischen Laibach eine russische Provinz mit russischen Zuständen ■ zu machen. — Vor einigen Tagen wurde hier in der Sperlgasse ein jüdischer Hausierer überfallen und mißhandelt. Als sich ein Passant des arg mißhandelten Jrrden aNnähm, wurde auch er mit Stockhieben traktiert.- Die Angreifer, offenbar aus der -christlichsozialen Gilde, stießen dabei Rufe gegen die Juden aus.' Zwei Wachleute, die des Weges kamen, beschränkten sich auf die flehentliche Bitte des Mißhandelten ^daraus, das Nationale des einen der Raufbolde festzustellen. Auch auf dem Polizeikommissariät Sperlgasse wurden d-ie Mißhandelten abgefertigt, ohne daß sie ihr Recht fanden. Der Polizeiarzt fand die Verwundungen des einen Mißhandelten für nicht'genügend schwer, um die . Ilmtshandlung. einZnleiten. Wie heißt es so schön in einem Liede: - „Das ist Wienerisch!" — Die -amtliche „Wiener Zeitung" vom Sonn-, tag veröffentlicht die Verleihung des Elisabeth-Ordens zweiter Klasse an. die Präsidentin.des jüdischen Kaiser-Franz-Josef-Ferienheimes, Frau Sophie Grünfeld. Diese Auszeichnung gilt einer ob ihres jahrzehntelangen unermüdlichen und überaus segensreichen Wirkens aus dem Gebiete der Kinderfürsorge hochgeschätzten Dame, deren Organisationstalent und Hilfsbereitschaft die von ihr begründeten Institute zu hoher Blüte gebracht haben. Frau Sophie Grünfeld ist auch geschästssührende Vizepräsidentin des Oesterreichischen.Seehospizes, dessen humanitäres Wirken überall anerkannt wird. — Wie die „Neue Freie Finanzpresse" .meldet, hat Dr. Sieghart als Gouverneur der Bodenkreditanstalt dem eucharistischen Kongreß, der im September in Wien tagen wird, die Summe von 600 000 Kronen zur Verfügung gestellt, um die Kosten des Kongresses zu decken. Das genannte Blatt macht bei dieser Gelegenheit daraus aufmerksam,, daß. Exzellenz . Dr. Sieghart der. Sohn eines Vorbeters war und vor seiner Lause Singer hieß. Nach seinem Uebertritt zum Katholizismus alliierte er sich mit dem bekannten Antisemiten Dr. Weißkirchner, dem späteren Handelsminister. Es hat jedenfalls einen komischen Beigeschmack, wenn der Sohn eines jüdischen Synagogensängers eine recht stattliche Summe für katholisch-kirchliche Zwecke spendet. Malten. E. L. Rom,12. Juli. Am 29. Juni fand in der Synagoge 31t Rom, welche biAststf den letzten Platz gefüllt war; die feierliche Einführung des neüeriMberrabbiners/ Dr. Angela S ä e e r d 0 tsisidurch den Vorsteher der jüdischen Gemeinde, den Stadtverordneten Rechtsanwalt Angela Serenisistätt.; Saeerdoti ist erst 27 Jahre alt, Schüler des italienischen RaWnersemirstW in Florenz, welches bekanntlich'--Dost Dr. MargulieZ/geleitet wird, und war bereits als Rabbiner - in Reggio d'EmilWMig. Besonderen Eindruck' erregte die Verlesung von TelegrammenMEüdischen Gemeinden von Benghasi und Tripolis; - sowie des ObestraHmers .dieser . Stadt; in denen' sie ihrer - Anhänglichkeit an ihr nestEVaterland Ausdruck gaben.- . - Luszland. ,z. Petersburgst2 Juli. Die gebildete Welt in Rußland steht vor einem Rätsel, und die russische Judenheit hat leider allen ^Anlaß, in diesem Rätsel einen Beweis mehr zu erblicken, daß esdet Träger der Krone selbst istdev Indirekt-den Unfrieden in . seinem Lände

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