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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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^-4 dirigiert und durch Belohnungen aller'Art fördert. Das beweist die huldvolle Auszeichnung, welche Zar Nikolaus an den.rohesten und widerwärtigsten Gesellen, seines Reiches, den Urheber der scheußlichsten Pogrome- P u p i s ch ke w i t s ch,' vor' kurzem verliehen hat? Purischkewitsch, aus dessen Gewissen das Leben tausender Juden lastet, dessen Gemütsroheit selbst seine intimsten politischen Freunde abstößt, derselbe Purifchkewitsch, der in den letzten Jahren Vollständig abgewirtschaftet hat, wurde vom Kaiser Nikolgus II. zum wirklichen Staatsrat ernannt und mit einem Porträt des Kaisers, das dieser mit seiner eigenen, allerhöchsten Unterschrift versehen hat, ausgezeichnet. Man begreift die Nervosität, mit welcher die progressiven Kreise, hauptsächlich aber die Inden in Rußland, diese Auszeichnung zur Kenntnis nehmen. Man versteht die Befürchtung, daß man in den höchsten Kreisen Rußlands Purifchkewitsch wieder aktiv sehen möchte, und eine Aktivität Purifchkewitsch bedeutet in der Regel Raub, Mord und Vernichtung. Welche ungeheuren kulturellen Rückschritte das Zarenreich in der Behandlung seines jüdischen Volksteiles gemacht hat, zeigt ein Rückblick aus die Verhältnisse unter Nikolaus 1. Als Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Rabbiner Dr. Pinner in Deutschland einen Traktat des Talmud ins Deutsche übersetzte, „geruhte", wie die „Sulamith", eine damals viel gelesene periodische Zeitschrift für die religiösen und politischen Interessen'des'Judentums, schrieb, „Seine Majestät der Kaiser von Rußland', die Zueignung dieses Werkes allergnädigst anzunehmen und auf 100 Exemplare desselben zu subskribieren." Es klingt wie ein Märchen, wenn man ferner in der angesehenen Zeitschrift „Phönix" damals z. B. lesen konnte: „Im Russischen Reiche können die Israeliten jetzt in alle Lehranstalten ausgenommen werden. Ausgezeichnete Schüler auf den Universitäten werden sogar auf Staatskosten erzogen. Jeder Jude, der als Kandidat entlassen wird, erhält den Titel Ehrenbürger;'werwen Doktorgrad erhält, erwirbt das Recht auch für seine Nachkommen und kann in den Staatsdienst treten." Von Oah und Lern. — Die Berliner jüdische Gemeinde hatte, wie wir schon früher berichteten, seit längerer Zeit über die Anlage eines Friedhofes bei Spandau verhandelt. Es kam ein Gelände bei Gatow an der scharfen Kante in Betracht. Der Spandauer Magistrat hat das formelle-Gesuch um Genehmigung der Friedyofsanlagen auch jetzt wieder abgelehnt. Die Stadt will an der Stadtgrenze keine Friedhossanlagen - gestatten. —.Wie uns berichtigend mitgeteilt wird, ist in der letzten Sitzung, der Repräsentantenversammlung die Vorlage betreffend Errichtung eines Sekretariats für eine Synagogenbaukommission vertagt worden. — Herr Amtsgerichtsrat B l au in Thorn, jetzt in Charlottenburg, ist zum- Geheimen /Justizrat ernannt worden. — Unter 'großer Beteiligungerfolgte; am 10/ ö: M. auf dem Friedhof der . Genieiude „Adaß'Jsrvel" die Beisetzung, des Herrn Caspar Lichtenst e i n; der im Alter von 77 Jahren gestorben ist. Um das Hinscheiden dieses aufrichtig frommen Mannes trauern viele Freunde und Bekannte, besonders in Logenkreisech.die in ihm einen Helfer in der Notleinen „Bruder" im -vollsten Sinne des- Wortes verlieren. Ehre . seinem Andenken! — Die Stadtverordneten in Hohenstein (Ostpreußen) beschlossen, solange die Zahl der-jüdischen schulpflichtigen Kinder über zwölf beträgt, - eine Beihilfe-von jährlich 100 Mark zu den Kosten für die Erteilung des jüdischen Neligionsunterrichts zu gewähren. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Durch den Tod des Geheimen Justizrats Wollstein war .eine Aenderung in der Besetzung der Vorsta'ndsämter in' der Shnagögengemeinde Breslau - notwendig^ ge?4 worden.. Zum Vorsitzenden. des Vorstandes , wurde an - Stelle des^ Verstorbenen Rentier Eduard Sachs, zmn^Mllverheeim^ew'-Bor-. sitzenden an Stelle des Herrn Eduard - Sachs Handelsrichter D: Mu csb an gewählt. — Zu Ehren des im vorigen Jahre verstorbenen Ötäbbiners Dr. Heinemann V o g e l st ein, findet am 25.W.M.- aufdem jüdischen Friedhof in Stettin eine Gedenkfeier -statt. , — Am 6. d. M. ^ist - Herr ,) Justizrat. Gustav. .Broda"- in Leipzig im Alter von 67 Jahren gestorben. Der Vorstand der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum, widmet ihm folgenden-Nachruf: Wir betrauern in ihm den Begründer und Vorsitzenden unserer Ortsgruppe, wen hochsinnigen Führer , und allzeit aufrechten Mann. Mit der Liebe und Treue, welche er seiner Religion entgegenbrachte, verband sich bei ihm eine wahrhaft liberale, vorurteilsfreie Gesinnung. Wir werden sein Andenken stets, in Ehren halten. — In Neustadt (Reg. Kassel) werden in nächster Zeit zwei. Feste gefeiert werden: Am 25. Juli das 26 jährige Jubiläum der Synagoge, bei welchem Herr Provinzialrahbiner Dr. Munk- Marburg die Festrede halten wird, und im September das 60 jährige Dienstjubiläum des Herrn Lehrers Markus, der hier seit dem Jahre 1873 amtiert und in seiner Gemeinde sowohl wie auch besonders in nichtjüdischen Kreisen' in hohem Ansehen steht. — In Jloncza in Ungarn sind 4 0 griechisch-katholische -Familien zur jüdischen Religion übergetreten. Diese an und für sich ungewöhnliche Tatsache wird noch dadurch bemerkenswert, daß Jloncza im Komitate Bereg, im finstersten Chasarim liegt, wo nach Behauptung der Antisemiten jeder Jude ein Shylock, ein geborener Wucherer und Komitate Bereg, im finstersten Chasarim liegt, wo nach Behauptung der Antisemiten jeder Jude ein Shylock, ein geborener Wucherer und Bösewicht ist. — In letzter Zeit wurden verschiedne Glaubensgenossen von der französischen Regierung mit Auszeichnungen bedacht. Herr JsaakClement Dreysus, Fabrikant in Paris wurde zum Okkieier de l’Instruction publique, Herr Henri Metzger, Kantor in Sedan zum Officier d’Academie, Herr Joseph Ascher, Diamantenhändler, und Herr Louis Sanso n, Präsident der holländischen Handelskammer in Paris, zu Rittern der Ehrenlegion ernannt. — In Rußland hat sich ein Komitee gebildet, das ein Preisausschreiben erläßt für ein in der Stadt Kiew zu errichtendes Denkmal für den früheren Ministerpräsidenten Stolypin. Die Kosten des Standbildes werden auf 100 000 Rubel geschätzt. Für die drei besten Entwürfe sind Prämien von 3000, 1500 und 750 Rubel festgesetzt. Juden sind zu dem Wettbewerb, der für ganz Rußland ausgeschrieben ist, nicht zugelassen. — — In Jekaterinowslaw haben vorige Woche Mitglieder der Schwarzen Hundertschaften des Nachts einen Uebersall auf die k a r attische Synagoge der genannten Stadt in Szene gesetzt und die Synagoge nahezu vollständig demoliert und die heiligen Bücher zerrissen. Die Polizei, welche allerdings zu spät am Tatorte erschien, wurde von dem Pöbel hart attackiert. Die verhafteten Anführer des Ueberfalles erklärten, sie seien der Vorsitzende und der Sekretär der Organisation der Schwarzen Hundert und gaben zu ihrer Rechtfertigung an, daß sie wer Meinung waren, es sei keine karaitische, sondern eine jüdische Synagoge, gegen welche sie den Mob anführten. Der Polizeibeamte nahm diese Rechtfertigung zu Protokoll und gab die Inhaftierten frei. - Verantwortlicher Redakteur: Ulbert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. .... ... -ju-v ' r-"—: ... , Gebrüder Hammer! . 7?- Uli; „ njt?; Hoflieferanten -flMfl BERLINW8 Seiner Majestät Mohrenstrasse 56 des Kaisers und Telephon: Amt Königs Zentrum, 685 5457 . ii- -■ Moderne Küchen für Schlösser, Villen, Landsitze, Hotels, Restaurants, Cafes, Krankenhäuser und Kantinen.!• "/W K WW -! ■ ' ‘ jlfj' jf W "77^ Wäscherei-, Warmwasseru. Kühlanlagen, Kamine; Heizkörper-Verkleidungen in gediegenster Ausführung. Öfen aller Systeme. einer Hepnebaftsleüche. _ Bad Hauhelm Grand Hotel Adler mit Dependance. . Elegante, möblierte Zimmer u. Salons mit Balkon. Feines Saal- und Terrassenrestaurant, unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld, Giessen. erhalt, eine vollkommen natürl. 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