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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Kolonialverwaltung den Grund und Boden zur Verfügung zu stellen ' bereit ist und die Falaschas als Bauarbeiter herangezogen-werden, sollen, werden in landesüblicher Meiseprypisorisch'HütteN^Und/ZÄte' errichtet, werden, die Lehrern und. Schülern als Unterkunft dienen. _ können. Dr. Faitlovich wird aus seiner Reise von zwei der von ihm früher mitgebrachten/ und nach europäischer Methode ausgebildeten Falaschas begleitet sein, die auch nach Eröffnung der Schule als Lehrer tätig sein' werden. Die Mittel für die Expedition werden ans den . bisherigen Erträgnissen. der Propaganda bestritten werden können. So steht zu hoffen, daß nach den vielfachen Hindernissen den Falaschas endlich die von ihnen so sehr ersehnte religiöse Unterweisung und. die Verbindung mit den anderen Juden gewährt werden können. A B Aus dem oberschlestschsn Jrrdustrielsezirk, im Juli. Die Kriminalität im oberschlesischen Jndustriebezivk ist, wie bekannt, die größte im Deutschen Reiche; allmonatlich finden bei den Landgerichten in - Gleiwitz und Beuthen Schwurgerichtssitzungen statt, vor denen , die schwersten Kapitalverbrechen zur Aburteilung gelangen. Es ist außerordentlich. betrübend, daß das Motiv der gemeinsten, Verbrechen, die von. langer Hand geplant sind, Habsucht ist, und daß manche Verbrecher nach den Zeugenaussagen ihr Gewissen damit beschwichtigen, daß man einen reichen Juden ermorden, gegen einen Juden falsch schwören dürfe. .Erst vor neun Monaten wurde ein Schneidermeister aus Zabrze wegen eines an der Hausiererin Gittel Träger -aus Chrzanow in Galizien begangenen bestialischen Raubmordes in Gleiwitzenthauptet; seine Frau erhielt wegen Beihilfe fünf Jahre Zuchthaus. Daß die. beiden Fleischermeister aus Zowodzie, Kreis Kattowitz, wegen -des gemeinen Raubmordes an dem Geldwechsler Chapper aus Bendzin vom Schwurgericht Beuthen zum Tode verurteilt wurden, berichteten Sie bereits in der vorletzten Nummer unter der Rubrik „Von Nah und Fern".' Und nun ist am 1. Juli abermals ein lange - geplanter Raubmord an dem Gastwirt Martin Cohn in Königshütte, einem in der Bürgerschaft und der jüdischen Gemeinde wegen seines Fleißes undbiederen- Wesens sehr geschätzten Manne, verübt worden. An der Beisetzung am 5. d. M. hatte -sich eine überaus stattliche Zahl von Bürgern aller Berufsstünde beteiligt. Es ist der Behörde bereits gelungen, die drei Mordbuben dingfest zu - machen, welche wiederum nur die Absicht hatten, einen reichen Juden zu berauben, , nicht aber ihn zu töten. Sie sind bereits in das Beuthener Gerichtsgefängnis eingeliefert worden und sehen ihrer Bestrafung von dem hiesigen Schwurgericht. entgegen. ' . •. ' L2 Hannover,.' 12. Juli. Am 3. d. M. fand die feie.rli ch e E i N w e i h u n g d e s S t e i n h o r st e r L e h rlings h e i m s statt, in dem den jungen Leuten; die von der Land- und Lehrguts-Gesellschäft (einer Gründung der Simowschen Stiftung) zu Landwirten erzogen werden; eine ideale Heimstätte errichtet wurde.. Das Gebäude ist in allen Einzelheiten von dem Architekten Heinrich Tessenow zu Dresden-Helleraü entworfen worden, der sich durch wohlgelungene Gartenstadtbauten einen Namen gemacht hat. Zur Feier fanden sich mit Extrazug eine stattliche Anzahl von Helfern und Freunden des Erziehungswerkes ein. Herr Sartorius Rh einhold, der Vorsitzende des Aussichtsrats, begrüßte die Erschienenen und dankte all denen, die an dem'Werke mitgeholfen haben. Herr Justizrat Berend, der Vorsitzende der Simorllfchen Stiftung, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Stiftung in der Land- und Lehrguts-Gesellschast eine so tüchtige Vertreterin ihrer Ideen erwachsen sei. Der Lehrling F e i b u s ch trug ein - stimmungsvolles Gedicht vor, das die Arbeit des Bauern verherrlicht, und der Lehrling Flachsmann hielt an der Hand praktischer Demonstrationen einen sachlichen Vortrag über die in Steinhorst vorgenommenen Moorkultureru, Herr Manfred Berlin er, Mitglied des Ausschusses des H i l f s v e r e i n s d e r deutsch e n I u d e n, sprach namens dieses Vereins seine Glückwünsche aus und legte dar, in wie wertvoller Weise der Hilssverein Simowsche Gedanken verwirkliche, in wie vieler Hinsicht aber auch die Simowsche Stiftung die Arbeit des Hilfs- Vereins der deutschen Juden unterstütze.-Nachdem der Geschäftsführer Dr. Katz das Erziehungswerk in seinen Einzelheiten geschildert hatte, fand ein Rundgang durch das Haus statt: Das Lehrlingsheim ist ohne überflüssigen Luxus, aber solide und gefällig gebaut. Seine Einrichtungen leisten allen Anforderungen der Religionsgesetze, der Hygiene und eines fröhlichen Zusammenlebens Genüge. Bei dem sich anschließenden Festessen sprach u. a. der Ortsvorsteher von Steinhorst, Herr Buh r, und nahm Gelegenheit, - aus das freund-nachbarliche Verhältnis zwischen der bäuerlichen Bevölkerung und dem Lehrgut hinzuweisen; die Steinhorster seien ganz be- :• Fvnders erfreut über, den gut en Ge ist unter den angehenden jungen Landwirten und über ihr nettes Auftreten. Er brachte ein Hoch auf : das LehrgüE;aUs^ Hiercülß besichtigte^ die-'Festversammlung die Einrichtungen des. Gutshofs. und.,.den. Webstavd, und, mit einem Rundgang durch die'üppig prangenden ürldJvogenden Felder schloß das harmonisch, verläusene>Fest.,'^ ' .- . \ , -I ■ dm 'chfseA;' 12.? Arki. Im'städüfchen ^SnülbaU" tagten -vör^kürzem die Mitglieder des .VexZerMs TW aeli tisch er Lehrer der Rcheinprovinz und As.e ft f a leix §. Die Pen.sioirskasse dieses-Vereins, die ihr goldenes Jubiläum feiern könnte, gestaltete die Tagung zu einer überaus festlichen. Nach Einleitung der.Versammlung durch Gesang - des Chores . der Synagogengemeinde begrüßte der Vorsitzende G r a f-Essen die Er-schienenen, indem er darauf hinweift, daß diese Tagung im Gegensatz zu sonst ein soziales Gepräge trage. Bei seinem Rückblick gedenkt er-der gewaltigen Entwicklung der Kasse, von deren Gründern ’ nur noch zwei, H e r.m a n n s in Köln und Spier in Bocholt, unter den Lebenden weilen. Von 380 000 M., die die Kasse vereinnahmt, seien in der Zeit 200 000 M. an Pensionen ausgezahlt. Ferner, erklärt der Vorsitzende wegen Ueberbürdung durch. Amtsgeschäste den Vorsitz nicht länger führen zu können. Mit einem. Hoch aus den Kaiser schließt der Redner seine Eröffnungsworte.. Namens der Kgl. Regierung begrüßt sodann Schulrat Timm-Essen die Versammlung. Er gedenkt der Männer, die sich Verdienste um die Kasse erworben haben und richtet an die jungen Lehrer die .Mahnung, es als Pflicht zu betrachten, der Kasse anzugehöxem Beigeordneter Kunz begrüßt die Anwesenden namens der Stadt Essen, Kanzleirat Hirsch namens der Synagogengemeinde, von der er. eine Ehrengabe von 400 M. für die Kasse überreichte. Auch weitere namhafte Summen sind der Kasse durch Gönner -und- Freunde an diesem Tage zugegangen. Rabbiner Dr. Samuel betont das soziale Empfinden, das zur Gründung der Kasse geführt habe, und kennzeichnet die Lehrerarbeit für das Judentum. Realschuldirekhor Dr. A d l e r - Frankfurt bringt die Grüße des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, deren.Vorsitzender noch besondere telegraphische Grüße gesandt hatte,- und betonk: die vorbildliche. Arbeit der rheinischwestfälischen Lehrer .für den Verband. Der Vorsitzende des Provinzialverbandes .der rheinischen Synogögengemeinden, Sanitätsrat Dr. Apfel-Köln, bringt die Grüße dieses. Verbandes und .des Deutschen Israelitischen Gemeindebundes. . Er dankt der Lehrerschaft für ihre treue Mitarbeit in diesen Verbänden, und betont, daß durch diese Pensionskasse der jüdische Lehrerverband geworden sei, der als geachteter Faktor in der deutschen Judenheit stehe. Rechtsanwalt Dr. Herzfeld-Essen begrüßt namens des Landesausschusses des - Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr H e l l e nd ah l- Essen namens des Vereins für-,Ferienkolonien: - Sodann nimmt das Vorstandsmitglied L i pp m a n n s o h n --Minden das Wort zur Ehrung des.scheidenden Vorsitzenden. Er dankt ihmfürseine treue, unermüdliche Arbeitdurch die der Verein und-die'Kaffe an die Spitze aller ähnlichen Einrichtungen getreten sei. Dem Goethewort folgend: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", habe Hauptlehrer Graf das Erbe seiner Vorgänger treu gehütet.und weiter ausgebaut. Als äußere-Anerkennung überreicht der Redner als Gabe des Vorstandes Goethes Bildnis und die höchste Ehrung des Vereins, das Diplom der ' ewigen Mitgliedschaft. Tiesgerührt dankte - der also Gefeierte Ueber die Frage: „Was war und ist uns unsere Pensionskasse", spricht sodann Lehrer A b r a h a m-Essen.in eindrucksvoller,Weise. Der Redner betmll den sozialen. Gedanken, der zur Gründung der Kasse geführt hat. So lange es Witwen- . und Waisen - gibt, hat die Kasse Berechtigung; ebenso wie die. Pestalozzikasse im Deutschen Lehrerverein die Pensionen und Witwengelder ergänzt, so : soll es auch diese Kasse. — Der jüdische Lehrer der Gegenwart lautet das Thema, das Realschuldirektor Ad l e r - Frankfurt .sodann behandelt. .. An den .großen erzieherischen und sozialen Fragen, der. Gegenwart - arbeite auch der jüdische Lehrer mit. Seine Stellung.im Gemeindeleben gebe ihm besonders Gelegenheit, an den. großen kulturellen Ausgaben der deutschen Judenheit mitzuarbeiten. In großen Umrissen gibt der Vortragende ein Bild diefei Wirksamkeit. Unter lebhaftem- Beifall dankte der Vorsitzende beiden Rednern für ihre geistvollen Ausführungen. Noch Vorschlag des Vorstandes wird .der Beschluß gefaßt,. die. Kasse . in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Ort und Zeit per nächstjährigen Versammlung wird dem, Vorstand überlassen, lieber die

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