Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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" Der Gkmelndcvote. Vetiklge zur „Allgcmetnen Lettung veK IuÜenrum^". lkarrelponden?m und Oachnchten. Deutschland. ^2 Berlin, 16. Juli. Die vor etwa 114 Jahren von einer Anzahl angesehener Berliner kaufmännischer Vereinigungen und Firmen in Gemeinschaft mit Zentralwohlfahrtsorganisationen gegründete „Wohltätigkeitszentrale der Berliner Kaufmannschaft" hielt dieser Tage in ihrer Geschäftsstelle, Flottwellstraße 4, eine Mitgliederversammlung ab,.zu der die Vertreter der gründenden Organisationen sowohl wie der Firmen, die sich der Wohltätigkeitszentrale inzwischen angeschlossen haben, erschienen waren. Der Vorsitzende der Wohltätigkeitszentrale, Herr Heinrich Grünseld, eröffnete die Versammlung und wies in seinen begrüßenden Worten daraus hin, daß die Zentrale durch ihre Praktische Arbeit den Beweis erbracht habe, wie wichtig es sei, nicht nur den Sinn der Wohltätigkeit, sondern auch den für eine 0on modernem Geiste erfüllte und zweckmäßige Organisation der Wohltätigkeit zu wecken. Gerade hieran habe die Kaufmannschaft ein lebhaftes Interesse, da sie nur zu häufig infolge einer aus Kundenkreisen ausgeübten Pression mit ansehen müsse, daß das, was sie für wohltätige Zwecke aufzubringen gewillt sei, in unzweckmäßiger, ja sogar in sozial schädlicher Weise verwendet werde. Dazu komme noch, daß der Kaufmann oft gar nicht in der Lage.sei, zu beurteilen, inwiefern die Zwecke, für die seine Hilfe in Anspruch genommen wird, Unterstützung verdienen. Der Bericht, den im Anschluß hieran die Geschäftsführerin der Wohltätigkeitszentrale, Fräulein Gertrud Israel, erstattete, bestätigte diese Ausführungen an der Hand eines reichen und interessanten Materials. Er zeigte ferner, wie das Verständnis dafür, daß die bisherige Methode der Verschleuderung der Waren und der prüfungslosen Nachgiebigkeit aus Rücksichten gegenüber der Kundschaft, das Vertrauen zu der Reellitüt des Geschäftsgebahrens schließlich erschüttern müsse, in immer weitere Kreise zu dringen beginnt, und daß die Wohltätigkeitszentrale nicht nur der Abwehr unzweckmäßiger und ungesunder Veranstaltungen diene,, sondern ebensosehr positive Arbeit leiste, indem sie ihre Mitglieder darauf aufmerksam macht, wo Unterstützungen erforderlich sind, sowie aus den ihr zur Verfügung gestellten Fonds selbst derartige Beihilfen leistet. Die Tatsache, daß man sich in Dortmund, Leipzig, Wiesbaden, Hamburg, Emden und auch in Riga für die Schaffung ähnlicher Organisationen interessiert, spricht für die segensreiche Tätigkeit der Zentrale, der feit März 1911 2168 Gesuche zur Erledigung Vorgelegen haben, von denen fast 1000 Berücksichtigung durch die Mitglieder finden konnten. In der Diskussion, an der sich verschiedene hiesige und auswärtige Herren beteiligten, wurden verschiedene Anregungen für den weiteren Ausbau der Organisation gegeben, und auch hierbei kam deutlich zum Ausdruck, daß man in den beteiligten Kreisen die Wohltätigkeitszentrale der Berliner Kaufmannschaft für eine ungemein segensreiche Institution hielt. Berlin, 16. Juli. Das Jasfasche Fürsorge- und Waisenheim der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. versendet soeben den vierten Bericht für die Zeit vom 1. Januar 1910 bis 31. Oktober 1911. Zunächst wird in dem. Bericht mit Genugtuung konstatiert, daß der im Vorjahre an die Mitglieder, Gönner und Freunde der Anstalt gerichtete Appell um intensivere materielle Unterstützung der Bestrebungen nicht wirkungslos verhallt ist. Die Anzahl der beitragzahlenden Mitglieder des Heims ist seit dem letzten Bericht um mehr als 300 gestiegen, so daß die Listen nunmehr zirka 700 Wohltäter ausweisen, von denen 180 den Logen angehören. Immer weitere Kreise erkennen somit das Bedürfnis für das Heim an, das bei der Ausnahme von Zöglingen sich durch keine anderen Rücksichten leiten läßt, als lediglich von der Bedürftigkeit und Würdigkeit der Kinder, ganz gleich, aus welcher Stadt und welchem Lande diese stammen und ob es Waisen, Halbwaisen oder sonstwie unversorgte Kinder sind. Die Errichtung eines eigenen Heims an Stelle der jetzigen Mietsräume ist durch die Begründung eines Bausonds befördert worden, stößt jedoch wegen der zu beschaffenden erforderlichen Mittel auf nicht geringe Schwierigkeiten. Immerhin sind aus Freundeskreisen des Stifters bereits größere Beträge für das Heim gezeichnet worden. In erster Reihe sind hier Stiftungen des Herrn Adolf Levy in Höhe von 6000 Mark, des Herrn Leopold Mainz , in Höhe, von 3000 Mark und des Herrn Ernst Wallach in Höhe von'1600 Mark zu nennen, die dem Stifter eventuell für den Baufonds zur Verfügung gestellt sind. Ferner sind von dem Herrn Generaldirektor Joseph Berliner aus Hannover und von Herrn Jacob Mandelbaum in Berlin je 5000 Mark gespendet worden. Ein Aufruf der Großloge U. O. B. B. hat für die Begründung des Baufonds 5301 Mark erbracht. Am 1. Juli 1911 siedelte das Heim von der Leibnizstraße in die neu gemieteten Räume in der Roscherstraße über. Diese neue Wohnung zeichnet sich vor der früheren durch ihre schönen, weiten, luftigen, von Sonnenlicht durchfluteten und mit allem modernen Komfort ansgestatteten Räumlichkeiten aus. Es sind im ganzen 12 Zimmer, die den Zöglingen des Heims, der Familie des Leiterpaares und der Erzieherin zur Verfügung stehen. Am 1. Mai 1911 verließen das bisherige Leiterpaar, Herr und Frau Moritz Weih, den Posten, den sie länger als zwei. Jahre innegehabt, und es traten an ihre Stelle Herr Rabbiner Dr. Grünthal und dessen Gattin. Das Fürsorge- und Waisenheim konnte die Anzahl seiner Zöglinge auf siebzehn — 8 Knaben und 9 Mädchen — steigern.' .Eine weitere Erhöhung war der begrenzten Räume wegen nicht möglich. Die in der Anstalt den Kindern zuteil werdende Erziehung liegt in den Händen des Anstaltsleiters, seiner Gattin und der ihnen als Stütze beigegebenen geprüften Kindergärtnerin Fräulein Goldschmidt. Möglichst individuelle, den Anlagen und Fähigkeiten der Zöglinge entsprechende Behandlung sowie eine angemessene Schulbildung sollen die Kinder befähigen, in späteren Jahren den harten Kampf des Lebens mit Erfolg, zu bestehen. Die Zöglinge besuchen Charlottenburger Gemeindeschulen, einige Be-, gabte höhere Schulen. Fortschritte und Leistungen der Zöglinge sowie ihr Betragen in Schule und Haus waren auch in. diesem Jahre wie früher gute, bei manchen sehr gute. Wie in den Vorjahren verlebten die Zöglinge — bis auf einzelne, die bei ihren auswärtigen Verwandten Erholungsaufenthalt gesunden hatten — die Sommerferien in den „Ferienkolonien für jüdische Kinder", und zwar in Misdroh, Elmen und Schreckshaide. Der Bericht wendet sich zum Schluß an die Mitglieder und Freunde der Anstalt mit der dringenden Bitte, das Kuratorium in seinen Bestrebungen sowohl durch tatkräftige Hilfe und materielle Unterstützung wie, auch durch Zuführung von immer neuen Gönnern und Wohltätern fördern zu helfen, und das Hilfswerk zu einem immer umfassenderen und segensreicheren zu gestalten. Berlin, 16. Juli. Unter Leitungseines Vorsitzenden, Oberrabbiner Dr. Margulies, Florenz, hat der engere Ausschuß des- Pro F a l a s ch a - K o m i t e e s kürzlich in Berlin eine Sitzung abgehalten, in der das Arbeitsprogramm für die nächste Zukunft ^festgesetzt wurde. Nachdem die sehr befriedigenden Berichte über die bisherige Propaganda in fast allen. europäischen Ländern und in dm Vereinigten Staaten zur Kenntnis genommen waren, wurde der- Beschluß gefaßt, die Hilf saktion zugunsten der Falaschas unverzüglich zu beginnen. Im Oktober d. J. wird Dr. Fuitlovich, dessen zwei srühere Reism zu den.Falaschas von so bedeutendem Erfolg begleitet waren, wiederum nach Abessinien -gehen. Er wird sich Zunächst in die italienische Kolonie Eriträa begeben, um von dort aus die Expedition zu den Falaschas auszurüsten und die notwendigen Vorbereitungen für die Errichtung einer Schule einznleiten. Bei den Falaschas selbst wird er sein Augenmerk hauptsächlich darauf■? lenken, eine größere Zahl junger Leute, die geeignet sind, .s p ä t^ r- . als Lehrer unter ihren Landsleuten zu wirken, auszuwählen und der zu gründenden Schule zuzuführen. Die Rundreise bei den. Falaschas wird einige Monate in. Anspruch nehmen, und. Ende des. Sommers 1913 beendet sein. Dann-soll sofort die. Schule eröffnet werden und der 11 n t e r r ich t beginnen. Als, Sitz der Gchule. ist A d i g a l a in Aussicht genommen, das an der. Grenze zwischen dem Reiche des Negus und der italienischen Kolonie liegt. Bis zur Fertigstellung eines eigenen Gebäudes, für . Pas die italienische.