Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Maimonides?) ' Von Jacob Guttmany. Unter dein Gesamttitel: Les grands Philo,sophes läßt die Buchhandlung von Felix Alcan.in Paris unter der Redaktion des Professors am katholischen Institut Elodius Piat eine Sammlung von Schriften erscheinen, die dazu bestimmt sind/ die Kenntnis der Geschichte der Philosophie in in sich abgeschlossenen ^monographischen Darstellungen auch weiteren Kreisen zu vermitteln. In den 21 Bänden, die bisher von dieser Sammlung erschienen sind, befinden sich, um nur die bedeutendsten zu nennen, Monographien über: Sokrates Plato, Aristoteles, Philo, Augustin, .Thomas von Aquino, .Malebranche, Spinoza, Kant und Schopenhauer. Daß diesen Denkern auch Maimonides in einer besonderen Monographie eingereiht worden ist, darf schon an sich als ein erfreuliches Zeugnis der Anerkennung betrachtet werden, welche die jüdische Wissenschaft in letzter Zeit sich errungen hat. Vielleicht hat zu dieser Bewertung des Maimonides als „großen Philosophen", vornehmlich im Kreise katholischer Gelehrter, die an dem vorliegenden Unternehmen in hervorragender Weise beteiligt sind, der Umstand mit beigetragen, daß durch neuere Forschungen der Einfluß der maimonidischen Philosophie auf das christliche Abendland, von den Hauptvertretern der Scholastik des dreizehnten Jahrhunderts bis zu Leibniz sich erstreckend, in einem Umfange nachgewiesen worden ist, wie er bis vor kurzem nicht bekannt gewesen war. Zu den „großen Philosophen", den führenden Geistern auf dem Gebiete der Wissenschaft kann eben nur ein Denker gezählt werden,.dessen Einfluß sich nicht aus den engen Kreis seiner Glaubensgemeinschaft geschränkt, sondern der nach irgendeiner Richtung hin eine auf das allgemeine Kulturleben befruchtende Wirkung ausgeübt hat. .Und doch ist es ein ehrender Beweis für die wissenschaftliche/Vorurteilslosigkeit der französischen Gelehrtenwelt, daß dem das Geistesleben der Juden im Mittelalter repräsentierenden Denker, aus den in den bisherigen Darstellungen der Geschichte der Philosophie kaum flüchtig hingewiesen wurde, hier ein Platz neben den Größten aller Zeiten eingeräumt wurde. Ob dieses Beispiel in Deutschland so leicht Nachahmung finden dürfte? Die'Würdigung, die Maimonides durch diese Einreihung unter die großen Philosophen erfahren hat, legte dem Bearbeiter der ihm gewidmeten Monographie eine nicht geringe Verantwortung auf. Er übernahm damit die Ausgabe, in seiner Darstellung der Bedeutung des Maimonides als Philosophen in vollem Umfange gerecht zu werden, den Nachweis zu führery daß der jüdische Denker, wenn auch im wesentlichen auf dem Boden der arabisch-aristotelischen Philosophie stehend, sich dieser gegenüber doch seine Selbständigkeit gewahrt und in manchen für die religiöse Weltanschauung entscheidenden Fragen neue Wege eingeschlagen hat, die für die weitere Entwicklung vielfach richtunggebend geworden sind. Dabei aber hatte er die so naheliegende Gefahr zu vermeiden, sich nicht aus Vorliebe für seinen Autor zu Uebertreibungen hinreißen zu lassen, die einer objektiven Beurteilung nicht standhalten könnten.' Der Verfasser, der Rabbiner der-liberalen israelitischen Vereinigung in Paris, Louis-Germain Levy, hat diese Aufgabe, im ganzen und großen in Vortrefflicher Weise gelöst. Wir verweisen besonders, zugleich als auf eine Probe seiner Darstellungskunst, aus die maßvollen und besonnenen Ausführungen, in denen er, sein Urteil zusammenfassend, die geschichtliche Bedeutung der maimonidischen Philosophie zu würdigen versucht (S. 228—231)." -1) Les Grands Pliilosopliesi Mälniofiide par Louis-Germain-Levy, Docteur es lettres, Rabbin de l’union liberale israelite. Paris, Librairie F61ix Alcan 1911. . Es liegt in dem Charakter einer solchen Monographie, wie sie hier, dem Maimonides gewidmet .ist, daß die gelehrte De- *■ tailforschung durch sie keine besondere Bereicherung erfährt.' Sie ist,, dem Plan des ganzen Unternehmens sich' einsügend, aus einen abgemessenen Raum beschränkt und wendet sich nicht : an die Fachgelehrten, sondern an einen weiteren Leserkreis, dem eine Teilnahme an den oft ins Minutiöse gehenden Einzeluntersuchungen nicht zuzumuten ist, sondern, die Ergebnisse' der bisherigen Forschung in einer gefälligen und dem. Ver-' ständnis der Gebildeten, angepaßten Form dargeboten werden/ sollen. Nach dieser Richtung hin werden wir der Leistung des Verfassers unsere Anerkennung nicht versagen können. Seine Monographie - ist ein echt französisches Buch, ausgezeichnet durch alle Vorzüge, die den wissenschaftlichen Darstellungen, der Franzosen mit Recht nachgerühmt iverden. Durch lichtvolle Klarheit und in rhetorischer Lebendigkeit weiß er deu oft recht spröden Stoff zu bemeistern und das Interesse des Lesers für seinen Gegenstand zu erwecken und für die Dauer festzu-' halten. Was die Untersuchungen der Fachgelehrten auf diesem Gebiete ermittelt haben, hat er sich in vollem Umfange angeeignet und für seine Darstellung zu verwerten verstanden.' Daß er es hierbei häufig unterläßt, die Quellen anzugebech aus denen er geschöpft hat, wird man ihm mit Rücksicht aus die populär-wissenschaftliche Tendenz seines Buches zugute halten. Vielleicht aber ist er darin doch etwas zu weit gegangen, wenn er auf den zwölf letzten Seiten seines Buches lediglich meine Abhandlung: „Der Einfluß der maimonidischen Philosophie aus das christliche Abendland" (vgl. das von den Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Heräusgegebene Maimonideswerk I S. 135—230), exzerpiert, ohne anzugeben, daß er sich den Inhalt und auch den Wortlaut meiner Abhandlung, die mühsam gesammelten Belegstellen miteingeschlossen, durchweg angeeignet habe. Von Einzel-, heiten, z. B. von zahlreichen unrichtigen oder ungenauen Zitaten, will ich hier absehen. Völlig zwecklos aber will es mir erscheinen, wenn sich der Verfasser, wie es häufig geschieht, aus angebliche geschichtliche Parallelen beruft, ohne für sie irgend-, einen Nachweis zu führen öder auch nur die Belegstellen, die ihm etwa vorschweben, anzuführen. Was soll z. B. der Leser damit ansangen, wenn S. 160 Anm. 1 gesagt wird: De meme. Abraham ibn, Daoud, Descartev, Spinoza, Leibniz? Doch das sind unwesentliche Ausstellungen, durch die der Gesamtwert des Buches nicht gemindert wird. In gewissem Sinne bietet uns der Verfasser in seiner Darstellung nicht nur eine Wiedergabe, sondern auch eine Ergänzung der maimonidischen Religionsphilösophie dar. Bekanntlich hat Maimonides in seinem philosophischen Hauptwerk, dem Führer der Verirrten, darauf verzichtet, seine philosophischen Anschäungen in einem abgerundeten und in sich geschlossenen System vorzutragen. Er will dem Leser nicht ein aus alle Fragen gleichmäßig sich erstreckendes Handbuch der Naturphilosophie oder der Metaphysik darbieten, sondern er beschränkt sich daraus, eine Reihe von Problemen, wie die Lehren von Gott, von der Schöpfung, von der Prophetie, voni der göttlichen Vorsehung und von der Bestimmung des Men--' scheu herauszugreifen, um sie im Einklang mit den AnschauuN-- gen des Judentums darzustellen und vor allen Zweifeln und- Mißverständnissen sicherzustellen. So wird man sich itt diesem Werke vergeblich nach einer Aufklärung über die spe-- zielten Fragen der Psychologie, nach einer prinzipiellen Be^ gründung der menschlichen Willensfreiheit, nach einer Dar-- stellung der Lehre von dem Fortleben des Menschen nach dem Tode umsehen. Diese Lücke sucht der Verfasser durch die Her-.' anziehung und sorgfältige Verwertung der einschlägigen Be-/ merkungen in. den anderen Schriften des Maimonides, wiein der Logik, dem Mischne Thora, dem Mischnakommenfar u. m auszufüllen. Es. ist freilich nicht, immer so ganz unbedenklich,/