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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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340 Wehrbewegung — jedem Versuch, sie zu propagieren, trat er mit Recht entgegen —, aber er hat durch die schlichte Vornehmheit seiner Persönlichkeit dem Ansehen seiner Glaubensgenossen Mehr genützt als mancher, der meint, nur in öffentlichen Versammlungen könnten wir unsere Interessen wirksam vertreten. Daß d'äs Verhältnis zwischen Juden und Christen hier in jeder Beziehung einwandfrei istdanken wir zum güten Teil unserer im Sinne des Verstorbenen stets geübten Taktik. Antisemitische Vorkommnisse, wie sie aus anderen Orten vielfach gemeldet werden, gehören hier zu den Unmöglichkeiten. Charakteristisch für die hohe Wertschätzung, deren Frankenstein sich in allen Kreisen zu erfreuen hatte, ist der warmherzige Nachruf, den der Stadtverordnetenvorsteher Pros. Dr. Nierhoss ihm in der Versammlung widmete. Er rühmte sein reiches Wissen und die Qualitäten seiner Persönlichkeit: „Die Erinnerung an das, was er als Mensch, als Bürger, bekleidet mit vielen Ehrenämtern, gewirkt hat, und was er für Uns als Persönlichkeit gewesen ist, wird auch über das Grab hinaus sortleben. Vorbildlich war sein ganzes Leben. Geschmückt mit reichen Geistesgaben,«hat er jederzeit bereitwillig sein Wissen in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Wir nehmen an dem herben Verlust, den seine Familie erlitten hat, innigen Anteil und bedauern schmerzlich, daß einem so arbeitsfreudigen Leben ein so frühes Ziel gesetzt ist." An der Trauerfeier nahmen die städtischen Behörden in eorporo, ferner die Richter des Land- und Amtsgerichts, der frühere und jetzige Landgerichtspräsident, die Anwälte und zahlreiche Bürger aus allen Kreisen der Bevölkerung teil, und während der Beisetzung wehte von den Zinnen der Sparrenburg die Flagge Bielefelds auf Halbmast: die Stadt erwies einem ihrer besten Bürger die letzte Ehre. Die Frier von H. Cohens 7ll. Geburtstag. jugendlicher Frische feierte Herr Geheimrat Pros. Cohen am Juli seinen 70. Geburtstag. Verwandte, Freunde, Schüler und Vertreter wissenschaftlicher Körperschaften hatten sich zu diesem Tage in Marburg eingefunden. Um elf Uhr morgens begann die Begrüßung, deren jede vom Jubilar herzlich und individuell beantwortet wurde. Als erster Gratulant überbrachte Rabbiner Dr. Munk (Marburg) die Glückwünsche des Marburger israelitischen Schüler- und Lehrlingsheims, einer Schöpfung Prof. Cohens. Es folgten der Rektor und Dekan der Universität Marburg, die ihre Glückwünsche brachten. In diesem Augenblick trat die Tochter Friedrich Albert Langes ein. Herr Professor Cohen bezeichnete dies als ein Symbol, und sagte, er werde sich immer im Geiste und Andenken an seinen verehrten Vorgänger und Freund Prof. Lange mit der Universität Marburg verbunden fühlen. Pros. Natorp überreichte mit herzlichen Worten der Verehrung die philosophische Festschrift, an welcher sich Schüler aller Länder beteiligt haben, und in der alle Richtungen der Schube zu Worte gekommen sind. Herr Justizrat Veit Simon, Berlin, Vorsitzender des Küratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, überbrachte in wärmsten Worten die Glückwünsche der Hochschule, und wies daraus hin, was Cohen für seine Glaubensgemeinschaft und für die Wissenschaft des Judentums zu jeder Zeit in hingebendster und aufrechtester Weise, geleistet habe. Als besondere Ehrung wird Cohen von Max Liebermann im Aufträge des Kuratoriums gemalt werden. Das Bild wird dereinst die Hochschule zieren. Justizrat Simon brachte noch die Glückwünsche der. Gemeinde Berlin. Herr Direktor Adler (Frankfurt a.. M.),> überbrachte die. Glückwünsche der Gesellschaft für die Wissenschaft des Judentums. Sodann überreichte er eine Ehrengabe von. Frankfurter Freunden und Verehrern Cohens. Ferner sprach Dr, Adler als Führer einer Frankfurter. Deputation, der sich unter anderem vier deri 'verschiedensten Richtungen angehörende Rabbiner angeschlossen chatten. Dr. Kaufsmann (Frankfurt a. M.) sprach im Namen der Frankfurter Loge und aller Logen Deutschlands/ Am Schluß überbrachte Dr. Munk (Marburg) die Grüße des Rabbinerverbandes Deutschlands und. überreichte den ersten Band einer jüdisch-wisienschastlichen. Festschrift, .der noch zwei weitere Bände folgen werden. Justizrat Blau überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Frankfurt a. M. Nachmittags fand eine Feier in der.Aula der Universität statt. Unter den Klängen der Orgel, Koinpositionen von Prof. L. Lewandowsky, geleitete der Professor der dogmatischen Theologie, Geheimer Konsistorialrat Hermann, den Jubilar in die dicht besetzte Aula, wo er an der Seite seiner Frau Platz nahm. Zwei seiner Schüler, Kand. Noeggerath und Dr. Schier sprächen ihn von dem im schönsten Blumenschmuck prangenden Katheder an. Der erste überreichte als Zeichen der Dankbarkeit eine griechische Büste, „den Hypnos". Der zweite verlas eine Adresse, in der die Bitte ausgesprochen wurde, daß Pros. Cohen seiner Lehrtätigkeit, Mar- .burg und seinen Schülern erhalten bleiben möge. Bewegt dankte Cohen für die Verehrung und Liebe, und versprach, das Band zwischen ihm und seinen Schülern aufrecht zu erhalten. Mit Orgelspiel, Kompositionen von L. Lewandowsky, schloß die erhebende, unvergeßliche Feier. Am Abend gaben Schüler von Cohen ihm ein Fest im Vereinshaus Friedericiana. Es kamen an diesem Äbend eine Reihe von Freunden und Schülern zu Worte, von denen jeder in persönlicher Weise den Jubilar feierte. Prof. Natorp, Dr. Ernst Cassierer, Dr. Gawronski im Namen der russischen Schüler, Prof. Garcia Murente aus Madrid für die spanischen Schüler, Dr. Heymann im Namen der Studenten. Prof. Rade, Herausgeber der christlichen Welt, feierte in besonders herzlicher Weise die Treue des Jubilars, die ihn zeitlebens mit seinen GlaubenZgenofferr verbunden habe, nicht ohne am Schluß in humoristischerMeise aus anders geartete Verhältnisse innerhalb seiner' Glaubensgemeinschaft .hinzuweisen. Nachdem Prost Rade" gesprochen hatte, ergriff Cohen zum Schluß das Wort, dankte allen und ließ seine Worte ausklingen in einem besonderere DanF für seinen Kollegen Natorp, ohne dessen Freundschaft und treue Mitarbeit er seine Lebensarbeit nicht hätte leisten können. Mit einem kleinen Konzert endete die herrliche Feier. Sie wird allen, die daran teilnehmen durften, ein unvergeßliches Erlebnis bleiben. Bit Milchen Bergarbeiter in Merlchleüen. Von S. Wiene r.^) s sind jetzt gerade 2XA Jahre her, daß zuerst der Gedanke bei uns austauchte, und ein Expose, das ich an sämtliche in Betracht kommende jüdische Organisationen, also Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Freie Vereinigung, Großloge, Hilfsverein, richtete, hat überall begeisterte Aufnahme gefunden. Wir haben nun im stillen weiter gearbeitet, und *) Vergleiche auch „Sprechsaal", Iustizrat Dr. Frankenstein.

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