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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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er sich nicht, Heine einen E r p r e s s e r, R e k l a m e m a ch e r, Revolver'jour na listen, Zuchthauskandidaten zu. nennen und den' Hamburger Senat zu mahnen, einem solchen Menschen kein Denkmal zu errichten. Das nennt man wissenschaftliche Quellenbenutzung. Mit solchen Leuten ist nicht zu streiten. Bartels beginnt seinen Aussatz mit den Worten, sein Heinebuch sei noch nie gründlich widerlegt worden, während es von allen n. b. christlichen Forschern aufs Entschiedenste und Gründlichste abgetan worden ist. ■ * lim die Schmerzen des Herrn Bartels zu vergrößern, sei solgende Notiz hier ausgenommen: Die Freie Literarische Gesellschaft hat, wie wir früher berichteten, seit einigen Jahren Sammlungen für ein Heinedenkmal in die Hand genominen und jetzt eine genügende Summe beisammen. Wegen Ueberlassung eines Platzes wandte sich das Denkmalskomitee an den Frankfurter Magistrat. Dieser hat nun, wie uns unser Frankfurter l.-Korrefpondent telegraphiert, einen geeigneten Platz in der Friedeberger Anlage, in der Nähe des Urtürmchens, zur Verfügung gestellt. * Vielleicht findet Herr Bartels einen kleinen Trost in nachstehender Anzeige:; Ein im Februar in Berlin gegründeter „Verband gegen l! e b e r h e b u n g d e s I u d e n t u m s" tritt jetzt mit der ersten Nummer seiner Mitteilungen „Auf Vorposten" an die Oeffentlichkeit. Nach den Satzungen bezweckt der Verein „jeglicher Ueberhebung des Judentums entgegenzutreten". Vorsitzender ist der Schriftsteller Müller v. Hausen. Wir sehen der Tätigkeit dieses Verbandes, von dessen Begründung wir früher schon gesprochen haben, mit voller Seelenruhe entgegen. - . * Von einem antisemitischen Flugblatt in hebräischen Lettern berichtet die „N. I. In der Parlamentssitzung vom 5. Juli wies der bukowinensische Abgeordnete Grigorovici ein eigenartiges Dokument Vor: Ein christlichsoziales Flugblatt — in hebräischen Lettern. In der erbaulichen Druckschrift, mit welcher die Antisemiten im' Drei-Städte-Wahlbezirke der Bukowina während der letzten Reichsratswahlen die jüdischen Wähler „bearbeiten", heißt es unter anderem: ...... „Liebe Brüder aus den drei Städten? Wir zittern am ganzen Leibe, wenn wir hören, daß ihr für Luzian Brunner stimmen wollt... Wer kann für uns beim Landespräsidenten, beim Minister, mit Erfolg intervenieren? ' Nur ein Christ! Wenn-man uns die Scheiben einschlagen wird, wird Brunner in Wien weilen, und wir werden niemanden haben, der uns vertritt ... Wir sind in einem fremden Lande und dürfen nicht der Regierung Zuwiderhandeln, die auf Seite . Eduard Hruschkas steht . . ." Mit solchen Mitteln kämpft die christlichsoziale Partei in Oesterreich gegen die „jüdische Korruption". Der jüdisch-nationale Abgeordnete Dr. Straucher griff in die Debatte ein, und wies an der Hand des von ihm gesammelten Tatsachenmaterials nach, daß die Judenschaft der Bukowina durch unerhörte Machinationen um ihre Vertretung gebracht wurde. Nur durch Terror und Betrug gelang es dem Antisemiten Hruschka, der dezidiert erklärt hatte, der christlichsozialen Partei nicht beizutreten und heute,im reichsrätlichen christlichsozialen Klub sitzt; das Mandat in einem' Wahlkreise zu sichern, der mehr als 42 Prozent jüdischer Wählerschaft zählt. * . Dasselbe Blatt schreibt aus Wien: Bekanntlich dürfen ausländische Juden, sofern sie nicht Inhaber oder Vertreter protokollierter Firmen sind,-in Rußland nicht reisen, wenn sie nicht das Paßvisum erhalten, das nur mit besonderer Bewilligung des russischen Ministers des Innern erteilt wird. In einzelnen Landesteilen ist ihnen der Aufenthalt überhaupt verboten. und Fristerstreckungen über, die. Maximalaufenthaltsdauer von sechs Monaten sind nur äußerst schwer zu erzielen.'- . .. . In einer Interpellation.'an den Minister' des Aenßerm wies Abgeordneter. Dr. Straucher daraus hin, daß die nordamerikanische Republik das Zustandekommen ihres neuen Handelsvertrages mit Rußland von der liberalen Behandlung ihrer jüdischen. Bürger in der Paß- und Ausenthaltsfrage abhängig zu machen gesonnen ist. Das Vorgehen Nordamerikas müsse von Oesterreichs Auswärtigem Amte zum Anlaß genommen werden, um auch für österreichische jüdische Reisende in Rußland ebenbürtige Behandlung zu erwirken, zumal der gegenwärtige, unwürdige Zustand die Handelsinteressen des Reiches arg beeinträchtige. j | Uufti-rat Dr. franfetnörin. | . Von Dr. CobleHZ in Bielefeld. - m 21. Juni d. I. ist Justizrat Dr. Frankenstein in Blankenburg i. Th., wo er Genesung von schwerer Krankheit gesucht hatte, im Alter von nur 51 Jahren gestorben. In ihm verliert der Verband der Synagogengemeinden Westfalens seinen ersten Vorsitzenden und die westfälische Judenheit einen der Besten und Angesehensten aus ihrer Mitte. Ueber die Provinz hinaus ist er allerdings nicht hervorgetreten. Als er das Amt des Verbandsvorsitzenden übernahm, lehnte er ausdrücklich die ihm von uns angetragene Delegation in die großen jüdischen Organisationen Deutschlands ab, weil seine beruflichen Arbeiten und seine ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste seiner Vaterstadt und der westfälischen Judenheit jede weitere Belastung ausschlossen, und er wollte nickst nur repräsentativ den großen Verbänden angehören. In Westfalen aber hat er Tüchtiges geleistet,' sei es als' Leiter der hiesigen Synagogengemeinde und des westfälischen Verbandes, oder als Mitglied des Kuratoriums der Marks-Haindvrfschen Stiftung, oder als Vorsitzender der größten westfälischen Ortsgruppe für das liberale Judentum. Er war der geborene Führer: eine innerlich vornehme Natur mit scharfem Verstand und warmem Herzen, von wohltuender Sachlichkeit, aber auch mit vollem Verständnis für die Eigenart der Menschen, und unbeugsam rechtlich in seiner Gesinnüng. Vor allem aber zeichnete ihn ein hohes Pflichtgefühl aus: was er einmal übernommen hatte, das führte er.zielbewußt und mit ruhiger Sicherheit durch; Man konnte auf ihn bauen. Dabei blieb er immer einfach und bescheiden. , Was er tat, schien ihm selbstverständlich, und das Selbstverständliche wollte er nicht hervörgehoben wissen. Menschen, die so geartet sind, werden gesucht. Auch Juftizrat Frankenstein hat man gesuchte .In allen Kreisen der hiesigen Bürgerschaft war er hochangesehen. Seme Berufsgenossen schätzten ihn als eine Zierde ihres Standes: er gehörte zu den ersten.Anwälten der Stecht. Auch an dem öffentlichen Leben seiner Vaterstadt nahm er seit Jahren als Stadtverordneter regen Anteil; 1909 wurde er einstimmig — auch die Stimmen der konservativen Stadtverordneten Hatten sich auf ihn vereinigt zum unbesoldeten Magistratsmitglied gewählt. Ueberall erwarben ihm fein reiches Wissen, seine tüchtige Arbeitskraft und die hervorragenden Qualitäten seiner Persönlichkeit Ansehen und Einfluß. Tüchtiges hätte er noch leisten könnest wenn' nicht.ein' vorzeitiger Tod ihn hinweggerafft hätte. Insbesondere den Juden unserer Provinz ist er zu früh gestorben. Wir haben, keinen Ueberfluß an geistig und sozial hochstehenden-^Menschen, die zugleich selbstbewußte, aufrechte Juden sind. - Und.selbstbewußt und aufrecht ist Frankenstein als Jude immer.gewesen. Zwar liebte er nicht' die" 'VölksverscttttnÄungsn ^'der- ''MübÄückil

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