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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-12 · Heft 28 (12.7.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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. Pflichttreue sein Bankhaus, zur heutigen Höhe geführt und ihm einen weithin angesehenen Ruf verschafft. Von der Hochschätzung,- deren sich der Verstorbene erfreute, zeugte das außerordentlich große Trauergefolge. Am Grabe zeichnete Herr Prediger Dr. Salomon in er- . greifender Rede das Lebensbild des Entschlafenen und pries als besondere Eigenschaften seines Wesens die Einfachheit und Bescheidenheit. -'Nur einen Stolz kannte er:.den Stolz auf sein Judentum. Bescheiden hielt er sich zurück und trat.nur hervor, wenn es. das Gemeinwohl forderte. So . hat er-eine Zeitlang der Stadtverordnetenversammlung angehört, 47 Jahre im Repräsentantenkollegium der Shnagogengemeinde segensreich nütgewirkt, und alle Institutionen unserer Gemeinde lebhaft gefördert.--Ehre seinem Andenken. . 22 Stuttgart, 5. Juli. Der englische Vizekonsul, B. E h r e nb a ch e r, ist nach längerer schwerer Krankheit im Älter von 48 Jahren gestorben. Er war in Columbia in Kanada geboren und hat sich nach seiner Verheiratung mit einer Tochter des Privatiers Edenfeld hier in Stuttgart niedergelassen.' Seine Frau ist in weiteren Kreisen als Sängerin bekannt, welche ihre hervorragende Kunst gerne in den; Dienst der Wohltätigkeit stellte. Seit 11 Jahren versah der Verstor- ' bene das hiesige englische Vizekonsulat und hat sich durch-seine Erfahrung und Kenntnisse, wie durch seine persönliche Liebenswürdigkeit und Dienstwilligkeit speziell auch bei der englischen Kolonie große Verehrung erworben. Als Vorstand des Overseäklübs hat er sich auch um den gesellschaftlichen Zusammenschluß seiner englischen Landsleute Dank verdient. Im Geschästsleben genoß er den Ruf eines tüchtigen Kaufmanns, und war im Laufe der Jahre an verschiedenen größeren Unternehmungen beteiligt. Die Beerdigung fand unter überaus zahlreicher Beteiligung, besonders der englischen Kolonie, aus dem hiesigen israelitischen Friedhofe statt. Eine Fülle von Blumen und Kränzen bedeckte den Sarg. Die ergreifende Grabrede hielt Herr Kirchenrat Dr.'Kroner. * '■ Frankreich. 2. Paris, 6. Juli. Vorige Woche fand hier unter dem Vorsitze des Grand Rabbin von Frankreich, A l f r e d L evh, die 7. Generalversammlung des sranzösischenRabbinerverballdes statt. An der Konferenz haben 85 Rabbiner aus.chllen .Teilen. Frankreichs teilgenommen. Ten wichtigsten Teil der Tag^ördnungBildete, die Get-Frage, über welche Rabbiner Hagenau das Referat; erstattete und den Antrag stellte, daß zur Vermeidung der Unzukömmlichkeiten bei den jüdischen Ehescheidungen, und um den Mann schon bei.der .Eheschließung zu veranlassen, für den Fall der späteren Ehescheidung die Verpflichtung auf sich zu nehmen, seiner Frau den in den'jüdischen Religionsgesetzen vorgeschriebenen Get (Scheidebrief) zu überreichen,.in Zukunft jede Kethuba auch die folgende Formel zu enthalten habe: „Für den Fall, daß das Zivilgericht die' Auslösung der . Ehe jemals aussprechen sollte, verpflichte ich mich mit Gegenwärtigem vor der kompetenten Stelle behufs religiöser beziehungsweise religionßgesetzlicher Lösung der Ehe einzuschreiten." Der Antragsteller erwartet von dieser Maßregel, daß das Zivilgericht dieser Verpflichtung durch Auferlegung von Strafen und Verurteilung zu noch sestzustellenden Schadenersatzsummen an die geschiedene Frau Geltung verschaffen werde. Nach eingehender Debatte wurde der Antrag einer Spezialkommission zugewiesen. Ein Antrag auf Einführung einer Zeremonie im. Tempel bei Leichenbegängnissen wurde von der Versammlung mit der Begründung einstimmig abgelehnt, daß vor dem Tode alle Menschen gleich seien und eine solche neue Einführung, die bei jedem Leichenbegängnisse einzuhalten unmöglich wäre, dieses Prinzip der Gleichheit umstoßen müßte. Nach einer Diskussion über eine Reform.des Lehrplanes .für den Religionsunterricht mit größerer Berücksichtigung der hebräischen Sprache wurde Rabbiner Metzger beauftragt, einen solchen Reformlehrplan anszuarbeiten. Die Beratung über die Frage der Unkündbarkeit der Rabbiner wurde vertagt. Der Präsident verliest ein von ihm verfaßtes Zirkular, betreffend die Gründung einer Gesellschaft zur Her- . . ausgäbe von Jugendschristen, durch welche die jüdische Jugend Frankreichs über die Geschichte^ der Juden und die bedeutenderen Werke der jüdischen Literatur belehrt werden sollen. Türkei.. 22 Jerusalem, 26. Juni. Das Ko m i t ee zur Beschaffung eines Fonds für die Herausgabe des „T a l.m u d - I. er u s ch a l mä" erlaubt sich, allen Freunden der Palästinaliteratur in Erinnerung zu bringen, daß das Jubiläum der 30 jährigen wissenschaftlichen Tätigkeit des Herrn A. M. Luncz, des verdienstvollen Herausgebers des „Talmud-Jeruschalmi", aüf Sonntag,, den 28. Juli fällt. Beiträge für den genannten Fonds wolle man'direkt oder durch'Vermittlung der Gemeinderabbiner an die Anglo-Palestine-Cö. in Jerusalem gelängen lassen. Allen Förderern dieses für die jüdische Wissenschaft hochwichtigen Werkes sagt im voraus innigsten Dank das Komitee: Ephraim C o h n, Markus K a h a n, Dr. L. L e v h ,: Dr.' A. M a s i e, David U e l l i n. — Wie die hier erscheinende hebräische Zeitschrift „Hacheruth" meldet, erschien dieserTage in Liberias ein Jude, der sich der hebräischen Sprache bediente, und erzählte, daß er einem jüdischen Stamme angehöre, welcher in der Gegend von Aleppo in Zelten wohnt. Er erklärte. im Austrage seines Stauunes gekommen zu sein, um nun in der Nähe von Liberias ein Terrain ausfindig zu machen, aus welchem die Mitglieder des Stammes, ihre Zelte für die Dauer ausschlagen können. Weiter erzählte dieser jüdische Nomade, daß sein Stamm infolge eines Krieges mit benachbarten Beduinenstämmen gezwungen wurde, seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort zu verlassen. Da sie nun erfuhren, daß es in der Nähe von- Liberias jüdische Kolonien gebe, hätten sie beschlossen, dahin auszuwandern, um neben ihren Brüdern leben zu können. Seine Aufgabe sei nun, sich von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen und selbst zu sehen, ob diese jüdischen Kolonien tatsächlich existieren. * Van Sah und Mn. - — Der bekannte Berliner Spezialarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Sanitätsrat Dr. Theodor Flat au, ist zum Abteilungsleiter der Ohrenklinik'der Charit« und zum Professor ernannt worden. Professor Dr. Flatau ist auch Dozent an dem staatlichen höheren Fortbildungskürsus für Lehrer und Generalsekretär -der Humboldt-Akademie. — Der Mationalökonom Dr. Otto Warschauer, der zum Honorarprosessor in der Abteilung für allgemeine Wissenschaften an der technischen Hochschule zu Berlin ernannt worden ist, ist schon: längst aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgeschieden. — Herr Dr. Gotthold W e i l ist zum Privatdozenten der orientalischen (Sprachen an der Berliner Universität ernannt worden. —7 Am 27. v. M. ist Professor Dr. Julius Strauß und am 2. d. M. Sanitätsrat Dr. Joseph Hamburg gestorben. Äie Entschlafenen waren treue Anhänger unserer Glaubensgemeinschaft und wegen ihrer vorzüglichen Charaktereigenschaft allgemein geschätzt und geachtet. — Aus Gallub (Westpreußen) schreibt man uns: Die auf Anregung der Regierung vom Magistrat beschlossene Aufhebung der nur von 18 Kindern besuchten jüdischen Volksschule, und deren Ausnahme in die evangelische Schule, fand seitens der Stadtverordnetenversammlung erheblichen Widerspruch. Obwohl der. jetzige jüdische Lehrer weiter an der Stadtschule beschäftigt werden soll, befürchtete man, daß der Religionsunterricht der jüdischen Kinder dauernd leiden könne.. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen, sie soll erst nach einigen.Wochen erfolgen. — Der Gastwirt Ko h n, der in Königshütte mit seiner Frau in seiner Gaststube zwei Einbrecher überraschte, ist von ihnen erschossen worden. Der Täter ist. unerkannt entkommen. — Der kürzlich in Breslau verstorbene Rentier Louis V u r g f e l d, hat sein gesamtes. Vermögen (Siehe Korresp. Breslau) im Betrage von.rund einer Million für humanitäre Zwecke testamentarisch bestimmt. Die Hälfte, also eine halbe Million, wird der dortigen Shnag 0 geng e m e i n d e überwiesen, die dafür ein Heim für bedürftige jüdische Lehrerinnen errichten soll. Weitere 490 000 M>, in denen auch Legate für Anverwandte inbegriffen-sindsind .für andere wohltätige Institute und Körperschaften bestimmt/darunter befindet sich u. a. auch.e'in Betrag von 30 000 M., der der Stadt Bres- . lau für derartige Zwecke zur Verfügung gestellt wird. — Aus Göttin- . gen wird uns geschrieben: Von der Anerkennnung, die sich/der Allgemeine Deutsche Kantorenverband in den weitesten Kreisen der Kultusbeamten. erfreut, zeugt wohl am besten die Tatsache, daß im Monat Juni zwei größere Vereiyigungen diesem Verbände sich korporativ angeschloffen haben. Es sind dies, der Kantorenverband Elsaß- Lothringen mit 120 Mitgliedern und der Verband der jüdischen Kultusbeamten. Oberschlesiens mit 56 Mitgliedern. Weitere Anschlüsse stehen bevor. — .An den X.antener Ri tualm0rdP r0zeß

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