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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-12 · Heft 28 (12.7.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Abordnung dem pietätvollen Akte bei, an dem sich auch der.Verein der inaktiven österreichischen Offiziere in Berlin „Habsburg") -durch Nebersendung von. Lorbeerkränzen mit schwarzgelben Schleifen beteiligte. . - M. Breslau, 5. Juli. Wiederum haben wir von einem schmerzlichen Verlust zu berichten, der unsere Gemeindekörperschaften wie die ganze Gemeinde betroffen. AM Dienstag, d. 26.- Juni starb, wie bereits kurz mitgeteilt, der Rentier Louis Bnrgfeld im. 85. Lebensjahre. In Rosenberg (Oberschlesien) als Sohn eines Lehrers geboren, kam er in jungen Jahren nach der Provinzialhauptstadt, widmete sich dem kaufmännischen Beruf und gründete vor etwa 60 Jahren eine Strohhutsabrik, die durch Heranziehung tüchtiger Kräfte bald eine immer größere Ausdehnung erhielt, so daß sein Fabrikat-nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande Anerkennung fand. Wenn Breslau heute Hunderte von fleißigen Arbeitern und Arbeiterinnen in der Strohhutfabrikation beschäftigt und darin eine führende Rolle spielt, so ist dies wohl dem Verstorbenen zumeist zu verdanken. In unserer Gemeindeverwaltung hat-er sich zuerst als Repräsentant, dann als Vorsteher betätigt. Als solcher führte-er viele Jahre den Vorsitz in der Armenkommission. Fast vier Jahrzehnte gehörte er zum Vorstände der Industrieschule für israelitische Mädchen; er war Vorsteher der israelitischen Waisen- Verpflegungsanstalt und des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Zahlreiche Vereine ernannten ihn zum Ehrenmitgliede; wohl - kaum eine Vereinigung wüßten wir zu nennen, zu welcher er nicht als Zahlendes Mitglied gehörte. Sein Vermögen, er stand allein im Leben, verwendete er zur Förderung gemeinnütziger Unternehmungen und zur Unterstützung Armer. Wie viele junge Leute hat er unterstützt, die sich dem Studium oder der Kunst widmen wollten! An ihn wandte man sich zuerst, wenn es galt, ein Werk der Barmherzigkeit zu erfüllen, und nie versagte seine Mithilfe. Mit Vornehmheit und Adel der Gesinnung paarte sich, eine seltene Bescheidenheit,, die ängstlich jedes Hervortreten mied und alle Ovationen von sich wies. In seinen religiösen Ansichten liberal, war er ein begeisterter Anhänger des Judentums, blickte verächtlich auf solche, die aus äußeren Gründen, die Fahnenflucht ergriffen. Der Verstorbene hat. sein großes Vermögen für Wohltätigkeitsanstalten bestimmt. Dazu ßehört auch die Stiftung eines Heims für Unbemittelte, denen neben freier Wohnung ein Zuschuß zum Lebensunterhalt gewährt werden soll, ferner wurden bedacht dashiesige jüdische Krankenhaus, die Gemeinde, die Waisenanstatt, die Industrieschule für israelitische Mädchen u. a. — Ein großes Trauergefolge umstand den Sarg am Tage der Bestattung. Rabbiner Prof. Dr. Guttmann würdigte in trefflichen Worten das Andenken des braven, edlen und gütigen Mannes. Herr Eduard Sachs sprach im Namen des Vorstandes dem Toten Dank für seine Treue und seine Wohltätigkeitsakte und Rabbiner Dr. Nosenthal das übliche Gebet. Gesang eröfsnete und schloß die stimmungsvolle Feier. Unter Vorantritt von Schülerinnen der Industrieschule und Zöglingen der Waisenanstalt wurde dann die Leiche zu Grabe geleitet und in die kühle Erde gesenkt Freienwalde, 5. Juli. In Verbindung mit dem Abendgottesdienst fand, hier am 22. v. M. die feierliche Ei n f ü h r u n g des neuen Kantors der -hiesigen jüdischen Gemeinde statt! Das Gotteshaus, welches für diesen Zweck schön geschmückt war, hat nun auch ein schönes Harmonium erhalten. Der Repräsentant der Gemeinde, Herr Rautenb er g, dankte erst in warmen Worten dem bisherigen Kantor. Herrn Cohn für seine 50 jährige segensreiche Tätigkeit am hiesigen Ort. Nachdem begrüßte er den nougewählten Kantor Herrn Trachmann und ermahnte ihn zur seelsorgerischen Tätigkeit. Mit abwechselndem Gebet und Gesang eines Damenchors fand die erhebende - Feier ihren Abschluß. Ganz besonders überraschte Fräulein Trachmann die Gemeinde mit einigen sehr schön zu Gehör gebrachten Gesangssolis. Bochum, 5. Juli. Der Verband d er S y nago genge m e i n d e n W e st s a l e n s hielt hier -am 23. v. M. seinen 21. Gemeindetag ab, an dessen Verhandlungen 24 Gemeinden mit 53 Stimmen teilnehmen. Der stellvertretende Vorsitzende Herr M. L i e b e n f e l d (Bochum) eröfsnete um 11 Vs Uhr vormittags den Gemeindetag und gedachte zunächst des am 16. Februar 1911 verstorbenen früheren ersten . Vorsitzenden des Verbandes Herrn S. Flörsheim (Dortmund). Er widmete dem um den Verband hochverdienten Manne warmherzige Worte des Dankes und der Anerkennung. Sodann gedachte er des am 4. August 1911 entschlafenen Rabbiners Herrn Dr. Heinemann Vogelstein (Stettin), der. durch die Abfassung der westfälischen Gebetbücher in enge Beziehung zu unserem Verbände getreten sei. Zuletzt gab Herr 'Liebenfeld der Versammlung' Kenntnisvon dem am - 21. Juni; erfolgten Hinscheiden, des seitherigen Verbändsvorsitzendeu Herrn Juftizrat Dr. F r a n k e n st e i n (Bielefeld). Selbst tiefbewegt schilderte der. Vorsitzende die hohen Verdienste dieses prachtvollen Menschen, in dem der Verband eine Persönlichkeit von ungewöhnlicher' Begabung verloren habe. Zum Leiter der Versammlung wurde sodann . Herr M. Liebenfeld durch Zuruf 'gewählt, der.seinerseits die Herren Sanitätsrat Dr. B o n n i n, Kommerzienrat S ch ü l e r, G. L a n g st a d t, Dr. S ch ö n e w a l d, Dr. Cob len z und Dr. K atze n st ei n an den Vorstandstisch ber^s. Zu Schriftführern wurden die- Herren O st erm ann und P r o s - -kauer'ernannt. Nunmehr begrüßte Herr Liebenseld die erschienenen Delegierten und erteilte Herrn Kommerzienrat Schüler, dem Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde Bochum, das Wort, der seinerseits Herrn Oberbürgermeister Gr af f (Bochum), für sein Erscheinen dankte und den Verhandlungen einen guten Erfolg wünschte. Nach Eintritt in die Verhandlungenschlägt der Vorsitzende eine Aenderung der Tagesordnung in der Weise vor, daß Punkt 6: Vortrag des Herrn Rabbiners^fDr. David (Bochum) über die „Thora als Grundlage .des Verbandes" an erste Stelle gesetzt wird. Die Versammlung beschließt demgemäß. Der ungemein fesselnde Vortrag findet den lebhaften Beifall des Gemeindetages. Aus Antrag des Herrn S.-R. Dr. Bottnin wird einstimmig beschlossen, den Vortrag durch Druck den Perbandsgemeindcn. zugänglich zu machen. Im Anschluß an Punkt 1 der Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit des Verbandes im 20. und 21. Geschäftsjahr entspinnt sich eine lebhafte. Debatte über die. Inspektion des Religonsunterrichts. Der Standpunkt der Versammlung.findet seinen Ausdruck in der einstimmig erfolgten Annahme des Antrages Keßler (Münster)': Der Gemeindetag des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens beauftragt den Ausschuß, bei dem Provinzial-Schulkollegium in Münster und den 3 Bezirksregierungen bal)in vorstellig zu werden, daß eine Inspektion des Religionsunterrichts. neben. der Inspektion der Kreisschulinspektoren nicht durch eine bestimmte, von der Regierung damit beauftragte Persönlichkeit vollzogen werden soll, sondern nur von Inspektoren, die in- Uebereinstimmunh mit den. beteiligten Gemeinden und Lehrern vom Verbandsausschuß unter Zustimmung der Regierung ernannt werden,. Hierauf erstatteten die Revisoren Herr . Hühnlein, und. Herr Langst ad t (Bochum) den Kassenbericht und beantragen die Entlastung des Kassensührers und des Ausschusses, die von der Versammlung einstimmig erteilt wird. Zu Punkt 5 der Tagesordnung: Neuauflage des Schulgebetbuches und Druck der Agende von Rabbiner Dr. Vogelstein s. Ä. teilt , der Referent Herr Dr. David mit, daß Frau- Dr-. Vogelstein (Stettin) noch etwa 700 Exemplare der österreichischen-Ausgabe des Schulgebetbuches besitze, die sich nach kleinen Abänderungen auch für die preußischen Schulen eignen. Frau Dr. Vogelstein hat sich bereit erklärt, die Bücher .dem Verbände zur Verfügung zu stellen und selbst .den Vertrieb zu behalten. Die Versammlung nimmt mit Dank von dieser Erklärung. Kenntnis und beschließt aus Antrag des Referenten einstimmig, das Anerbieten von Frau' Dr. Vogelstein anzunehmen.. --Da sich in absehbarer Zeit ..die.Notwendigkeit einer Neuausgabe, sämtlicher. Vogelsteinschen Bücher ergeben werde, beantragt der Referent ferner, . schon heute eine Kommission zu. wählen. Er schlägt als Mitglieder dieser Kommission, mehrere bekannte und. geeignete Herren aus Westfalen vor. Ferner Rabbiner Dr. Vogelstein (Königsberg) als Sohn des verewigten Verfassers sowie Rabbiner Dr. .Wiener (Stettin) und Dr. Straßburger (B.irkenseld), da in den Gemeinden dieser Herren die Vogelsteinschen Gebetbücher bereits eingesührt .seien. Die Versammlung .stimmt dem Vorschlag zu. Bei den sodann vollzogenen Neu- und Ersatzwahlen zum Ausschuß werden die turnusmäßig Ausscheidenden durch Zuruf wieder- und an Stelle des HerrnDr. Frankenstein Herr M. Windmüller (Rheda) sowie die Herren Lehrer Vorsänger (Neuenkirchenh Siegfr. Feibes (Münster) und I. R. Bendix (Münster) einstimmige neugewählt. Auf Einladung des. Herrn Koppel-Bamberger beschließt, die Versammlung, den nächsten Gemeindetag in Hamm stattfinden zu lassen. Zum.Schluß sprach Herr Häh nlei n (Bochum) der-Verhandlungsleitung den Dank der Versammlung, aus. Damit hatte der 21. Gemeindetag um 3 Uhr nachmittags sein Ende.erreicht. Im Anschluß.an die Verhandlungen fand ein Orgelkonzert in der Synagoge statt, das von den. Delegierten sehr stark besucht war. . L2 Iserlohn, 5. Juli. Im 85. Lebensjahre verschied yier.selbst Herr Julius Eisberg, Senigrchef des Bankhauses A. I. Elsberg. Der Verblichene hat durch unermüdliche Tatkraft und .vorbildliche

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