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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-12 · Heft 28 (12.7.1912) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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Es ist zu wünschen und zu Höffen, daß das Werk unter seiner bisherigen Leitung weiter wachse undgedeihe, vielen zum Trost und zur Errettung als eine neue Perle in der Krone jüdischer Menschenliebe. Und es liegt in der Hand eines jeden einzelnen, auch sein Scherflein hierzu beizutragen. Mäimonides als Hygieniker. in allgemein interessantes Bild der Hygiene im 12. und 13. Jahrhundert zeichnet uns Dr. Krone.r, Oberdorf- Bopfingen, in seiner Schrift, die er betitelt: „Mäimonides als Hygieniker". Das Werk verdankt seine Entstehung der Internationalen Hygieneausstellung in Dresden. Dort veranlaßte Dr. M. Grunwald die Herausgabe einer Schrift, die sich mit der gesamten Hygiene der Juden besaßt. Einen Teil dieses Gesamtwertes hat nun Dr. Kroner unter obigem Titel als selbständige Broschüre erscheinen lassen. Der Verfasser behandelt darin in anregender Weise die Anschauung über Hygiene, die der berühmte jüdische Arzt des Mittelalters Mäimonides. vertrat. In neun Rubriken teilt er die damalige Hygiene, die sich mit Klima, Kleidung, Bad, Schlaf, körperlicher Hebung, Aderlaß, Sexual- und Eheleben und Ernährung befaßt. So ist es ihm gelungen, uns ein übersichtliches und klares Bild der damaligen Hygiene zu geben. Besonders interessant ist der Vergleich mit der modernen Anschauung auf diesen Gebieten. Manche der damaligen Grundanschauungen sind uns bis auf den heutigen Tag erhalten. So z. B. die Ansicht über den Nutzen der körperlichen Hebungen. Schon Mäimonides betont, daß die Gymnastik nur dann von vollem Werte ist, wenn sie mit Lust und Liebe betrieben wird. Deshalb sei sie in Form von Spielen zu bevorzugen. Auf eben diesem Gedanken beruht die moderne Einrichtung der Turnspiele in allen Schulen. Und keiner anderen Ueberlegung verdankt der heutzutage von jung und alt betriebene Sport seine Verbreitung. . Besonders eingehend ist die Ernährungshygiene behandelt. Die Nahrungsmittel sind einzeln aufgeführt, und ihr Nutzen ist ausführlich besprochen. Mäimonides stellt die auch nach heutiger Anschauung so wertvolle hygienische Forderung auf, nur reines, sterilisiertes Wasser zu genießen. Ein besonderes Kapitel widmet er der zweckmäßigen Reihenfolge der Speisen. Alle diese Punkte, mit denen Mäimonides sich befaßt, herauszufinden und zusammenzustellen, war für den Verfasser eine wegen ihrer Schwierigkeiten nicht zu unterschätzende Arbeit, denn aus zum Teil noch ungedruckten Handschriften, die der Wissenschaft bis jetzt vorenthalten waren, mußte er sich seinen Stoff mühsam zusammensuchen. Deshalb müssen wir das Werk, das eine Menge wertvoller Gedanken enthalt, dankbar aufnehmen und ihm das gebührende Interesse entgegenbringen. Hedwig Preßburger. Lrr Medhvk in Mkihenlrk. Von Negierungsbaumeister Alex Baerwald, Berlin-Dahlem. inen güten Maßstab für das künstlerische und ethische Empfinden eines Volkes gibt die Art und Weise, wie es seine Toten ehrt. So zeigen Epochen mit ausgeprägtem Stilgefühl wundervolle Friedhöfe voll Ruhe und Frieden, in denen der Leidtragende den Ernst und die Majestät des Todes lebhaft empfindet. Und gerade die Judenheit besitzt im Prager Judenfriedhof eines der erhabensten Denkmäler der ganzen zivilisierten Welt. . Auch ' in Berlin haben wir Friedhöfe von eigenartiger herber Schönheit. Der alte von Häusern eingerahmte Friedhof in der Großen Hamburger Straße, der leider nur sehr wenigen bekannt ist, atmet diese erhabene Ruhe und Schönheit, ebenso ist der Friedhof in der Schönhauser Allee in seinen alten Teilen von hohem Schönheitsreiz, und im Jüdischen Friedhof in Potsdam, am Abhang des Pfingstberges bietet sich uns ein stimmungsvolles Denkmal alter Kultur. Bei den genannten Friedhöfen ist es leicht, nachzuweisen, wodurch diese Wirkung auf Auge und Gemüt erreicht wird. Es sind auch hier die alten großen Schönheitsgesetze von 1)er Einheit der Farbe und der Form. Hundertfach kehren. in gleichem Rhythmus dieselben Taselformen der Grabspeine wieder und bewirken in ihrer Gleichheit der Form die beruhigende Mo- .nvtonie, die in ihrer Gesamtheit doch wiederum von monumentaler Wirkung ist. Und über dem ganzen Friedhofsbilde liegen nur drei Hauptfarbtöne, das silbrige Grau des Sandsteins, das beruhigende Grün der Bäume und Pflanzen in seinen tausendfältigen Schattierungen und das Braun des Erdbodens. Dazu kommt der Reiz, den das Alter über alles ausbreitet, die gleichmäßige Patina der Verwitterung auf allen Monumenten, das Rauschen der alten Bäume und der allmählich alles zudeckende Efeu. Es gibt keine sorgfältig abgezirkelten Wege, die Gassen zwischen den Gräberreihen sind geschwungen, wie es der Zufall ergab, und so fügt sich alles zum malerischen Gesamtbilde. Heutzutage wirken Friedhöfe anders. Leider! Während die Pflege, die Ordnung und die Bewirtschaftung des Friedhofs über jedes Lob erhaben sind, ist die künstlerische Seite zu kurz gekommen. Die Ursachen dieser bedauerlichen Erscheinung sollen im folgenden untersucht werden. Die Anlage des Weißenseer Friedhofs fiel in eine Epoche, die heute als eine Zeit allgemeinen Tiefstandes in allen künstlerischen Fragen betrachtet wird. Zirkel und Lineal teilten die zur Verfügung stehende Fläche in rein mechanischer Weise in quadratische Felder. Diese wurden ihrerseits wieder aufgeteilt, bis der Nvrmalgrabplatz als kleinster-Teiler herauskam. Daß diese trockene, schematische und gedankenlose Anlage schon von. vornherein keine monumentale Wirkung aufkommen läßt, liegt auf der Hand. Man könnte -aber hoffen und erwarten, daß der Einzelne auf dem für seinen Toten reservierten. Fleckchen Erde etwas Künstlerisches hätte entstehen lassen. Aber auch hier beim Publikum hat eine Geschmacksverbildung und Unkultur geherrscht, die tief zu beklagen ist, die aber auch heute noch durchaus nicht überwunden ist. Man kannte nicht mehr die bescheidene Zurückhaltung, die darin liegt, den Einzelgrabsteinen der monumentalen Gesamtwirkung zuliebe einheitliche Formen zu geben, Formen, die nur im Stein ausdrücken sollten, daß der Tod alles gleich macht und daß reich und arm im Tode nichts mehr voreinander voraus haben. Ja, es kommt dem Beschauer vor, als ob noch nach dem Tode ein Wettrennen der für die Monumente aufgewandten Kapitalien stattfände. Wäre es nicht mehr im Sinne mancher Verstorbenen, wenn man ihm ein schlichtes Denkmal in Stein setze, und dafür ihm im Gedächtnis der Armen einen einfachen Grabstein, rnomimentuni aero perennius, hinterließe. — Aber leider. — Kein Material ist zu kostbar. Niemand empfindet mehr den Reiz eines einfachen Grabsteines aus körnigem Steinmaterial. Die kostbarsten Marmore, geschliffene und polierte Granite, Syenite, Labradors werden ■ in ungeheuren Stücken herbeigeschafft. Gewaltige geschmiedete Rückwände mit wahrhaften Blumenorgien aus Schmiedeisen grenzen das Grab des Neichen von dem des Minderbegüterten ab. Tempel wölben sich über dem Toten. Blaue Oberlichte wollen ein magisches Licht im Innern dieser Gewölbe verbreiten und so Stimmung machen. Glasmosaiken, leuchten farbenfreudig über der Nacht

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