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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-12 · Heft 28 (12.7.1912) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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daß die Librettisten und Tondichter der gegenwärtigen Wiener Operette, zu welcher sich das ganze Behagen der österreichischen Gegenwart von den unerquicklichen Politischen Verhältnissen hinwegflüchten muß, zum allergrößten Teile Juden sind. Und so wird uns auch jene dichterische Individualität, der Arzt Dr. Arthur Schnitzler, erklärlich, welche aus der sowohl materiellen, als auch intellektuellen Uebersättigung der großbürgerlichen -Gesellschaft heraus den Anatol-Typus erschuf, um mit beginnender Regenerierung ihrer Umwelt gefestigtere Gestalten mit reiferen, wenn auch weniger harmlosen Antrieben ins Dasein zu stellen. Schnitzlers Werdegang ist in allen Tages- und Literatürblättern ausführlich zu lesen. Seine wahrhaft vornehme Natur wird in zahllosen Festartikeln in das Helle Licht gerückt. Seinev Sprache, seine Konzeption sind als meisterhaft anerkannt. Die Kultur des Wortes, die Geschliffenheit des Gedankens sind in seinen Werken von einem Hochstande, der weit über dem kulturellen Durchschnitt unserer Tage sich erhebt. Ein wienerischer Ariost, ist er der Dichter des reinen, auf sich selbst gestützten Gefühles, welcher sich seine eigenen Gesetze gibt. Von diesem Gefühl der Liebe in allen erdenklichen Beziehungen, in allem Arten und Abarten, strömt alle Kraft zum Tun und zum Leiden ans. Die Darstellung der Liebe, von der zartesten Zeichnung bis zur greifbar deutlichen Gravüre läßt diesen Forscher der speeies lloiaiuis immer als Psychologen, niemals als Erotiker erscheinen. Von der gesamten Kritik als der Schöpfer des zeitgenössischen Wiener Nomanes gepriesen, vvn den Theaterdirektoren als jener Autor hochgeschätzt, dessen Dramen die reichsten an Stimmungsgehalt und dabei die bühnensähigsten sind, wird Schnitzler als Führer und Repräsentant von Jung-Wien in allen Landen verehrt und gefeiert. Er vergißt darüber jedoch nicht, daß ihm diese Aufgabe und Bestimmung, der Beste unter jenen zu sein, welche das zeitgemäße Wort in ihrem Heimatlande zu sprechen haben, nur deshalb zugesallen ist, weil er als Jude geboren worden und in den rein monotheistischen Anschauungen des Judentums das Weltganze zu erfassen gelehrt worden ist. Und wenn er auch in seinem weiteren Schassen kein Wort und keine Zeile schreiben wird, das chauvinistisch-jüdisch gedeutet werden und nationale Gemüter befriedigen' könnte, so wird doch in ihm jener Jude zu schätzen sein, der für seine Zeit und sein Land diese einem Juden zuerteilte Bestimmung erfüllt hat. Ebenso begrüßen wir in Ludwig Fulda jenen hervorragendsten Vertreter der literarischen Gegenwart des Deutschen Reiches, welcher die Ausgabe löst, das dichterische Wort des Tages vollinhaltlich auszusprechen. Das wuchtigere Deutschtum des Werdens tritt eben in Fuldas Werken zutage, der Reichtum des Stimmungsgehaltes bei Schnitzler wird von der Fülle des Gedankeninhaltes bei Fulda ausgewogen. Mehr reflektierend als deskriptiv läßt Fulda den sittlichen Vollwert nicht aus der Untadelhastigkeit des Gefühles erblühen, sondern aus tief begründeten Normen des Rechtes erwachsen. So steht er fest auf dem Boden Moliöres, dessen trefflichster Interpret er als sein Verdeutsche:: ist, und sucht gleich diesem dem Rechte gegen die Uebergriffe des Gefühles zu Hilfe zu kommen. Auch diese anscheinend schwerfälligere Auffassung in das fließende Gewand reizvoller Lyrik zu kleiden, kann nur einem echten Dichter gegeben sein. So stehen Fuldas dramatische Werke hoch über dem dichterischen Mittelgut, das die zeitgenössische Produktion Deutschlands bietet. - Die Vornehmheit seiner literarischen Geste stellt sein Schaffen auf ein weit höheres Niveau als das der gleichzeitigen, einem anwidernden Naturalismus huldigenden deutschen Literatur-Erzeugnisse ist. Die Nachwelt, welche Fuldas Zeit und Heimat nach Fuldas Werken beurteilen wird, wird . das Edelste und Geläutertste als Maßstab zur Hand bekommen. Auch Fulda hat das -Beste aus seiner Zeit und aus seinem Lande geschöpft, er hat es mit seinem durchaus schönen Dichtertum durchsetzt und es als ein Reines und Feines an die Umwelt wieder abgegeben. So ist auch sein Schaffen von dem Gesetze diktiert, das einen Juden anweist, das Beste vom Besten aus Zeit und Raum loszulösen und es für immerdar bestandfähig zu machen. Fragen wir nicht, welcher von beiden, Schnitzler oder Fulda, der größere sei, sondern freuen wir uns, daß wir zwei solche Männer als echte und rechte Juden besitzen! gaa jüdische Schulwesen in Bulgarien. Von Rabbiner Dr. Nosenwasser (Sofia.) re jüdischen Gemeinden in Bulgarien hatten bis vor ganz kurzer Zeit keine Schulsorgen. Die Alliance und in letzter Zeit auch der Hilfsverein der deutschen Juden nahmen diese Sorgen auf sich. Unsere Gemeinden gewöhnten sich -- '

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