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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-05 · Heft 27 (5.7.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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ein Ergebnis noch nicht gezeitigt haben, hat der Regierungspräsident die Belohnung von 600 Mark auf 3000 Mark erhöht. Hoffentlich verfehlt diese Maßnahme ihren Zweck nicht, so daß. jetzt eine Spur zur Ermittelung der Täter gesunden wird. Es würde das zur Beruhigung der Bürgerschaft unendlich viel beitragen. — Zu stellvertretenden Handelsrichtern wurden ernannt Stadtrat Kronthal und Generalagent Max Czapski. — Bei der Delegiertenversammlung des Vaterländischen Frauenvereins in Berlin wurde u. a. auch Frau Fabrikbesitzer Ephraim von hier der Kronprinzessin vorgestellt. — Bei der Fahnenweihe des Vereins ehemaliger 19 er (von Courbiere) hielt; Herr Vereinsvorsitzender Kaufmann Georg Goldner die Ansprache und schloß mit dem Kaiserhoch. Herr > Goldner hat sich große Ver- : dienste um den Verein erworben. Die Anschaffung der Fahne ist sein Werk. Die Tätigkeit im Verein wurde in den diesbezüglichen Ansprachen der Vereinsvertreter und des Regimentskommandeurs gebührend hervorgehoben. — Schönlanke. Anläßlich seines siebzigsten Geburtstages spendete Herr Rentier Hermann Levy die Summe von 1000 M.; je die Hälfte zum Besten der Stadt und der Synagogengemeinde. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung überreichten dem Spender, welcher dreißig Jahre hindurch in der Stadtvertretung mitarbeitet, eine kunstvoll ausgesührte Adresse. — Buk. Die hiesige Synagogengemeinde erhebt im lausenden Etatsjahre 120 Prozent der Staatseinkommenstener an Korporativatbeitrag und die jüdische Schulgemeinde 80 Prozent der Staatseinkommen- sowie 40 Prozent der Grund- und Gebäudesteuer als Schulgeld. — Schrimm. (Linen bedeutsamen Bürger hat unsere Stadt und ein bewährtes Mitglied die Synagogengemeinde durch den Tod des Rentiers Boas Becher verloren. Der Dahingeschiedene erreichte ein Alter von 75 Jahren. Sehr viel Gutes hat er in seinem Leben vollbracht. Durch Beziehungen zu den Zivil- und Militärbehörden hat er selbstlos sich vielen als Berater und Helfer gezeigt. Auch von auswärts wandte man sich an ihn, und niemand wurde von ihm zurückgewiesen. Bei der Beerdigung konnte man recht deutlich wahrnehmen, welcher Wertschätzung der Verblichene bei allen, Juden und Ehristen, sich zu erfreuen hatte. — Darmstadt, 28. Juni. Die allgemeine Generalvers a m m Jung der isrnelitische n Leh r e r H e s s e n s fand hier vor kurzem in der „Starkenberg-Loge" statt. Der greise Führer des Vereins, der Nestor der hessischen Religionslehrer, Wertst e i m e r - Heldenbergen, begrüßte mit jugendsrischer Kraft die Versammlnng, insbesondere die Gäste, die Vorstände der israelitischen 'Religionsgemeinden. In seiner Begrüßungsrede gedachte er der gegenwärtigen Lage der jüdischen Lehrer, wies aber zugleich aus die ideale Seite des Berufes hin. Herr O. Wolfs, Präsident der Gemeinde Darmstadt, begrüßte mit warmen Worten die Versammlung. Auch Rabbiner Dr. Italiener begrüßte die Erschienenen und freute sich darüber, daß die Versammlung im eigenen Lande tage. Nach Erstattung des Geschäftsberichtes ergriff Herr Isaak-Hungen das Wort zu einem Vortrage über: „Fürsorge für die schulentlassene Jugend". Nicht allein dem Kaufmannsstande sollte die Jugend zugesührt iverdeu, sondern auch dem Handwerk, der Gärtnerei und der Oekonomie. Er empfahl die Gründung von Verbänden. Güte Bibliotheken müßten zur Verfügung stehen, und für geistige Unterhaltung müsse gesorgt werden. Er verglich den Pädagogen mit einem Sämann, der ein reiches Feld zu bearbeiten habe. Die Leitsätze fanden die einstimmige Annahme. Als nächster Ort der Tagung iourde Gießen bestimmt. Bruchsal, 28. Juni. Der Landesverein zur Erzieh u n g. israelitischer Waisen im G r o ß h e r z o gtum Baden versendet soeben den Bericht über seine Tätigkeit im Jahre 1911, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen: Am 3. September 1911 wurde in Baden-Baden die 11. Generalversammlung abgehalten. Ihre Leitung lag in den Händen des Herrn Bezirksrabbiners Dr. M a i e v in Bühl. Im Namen des Vorstandes erstattete dessen Vorsitzender, Herr Stadtrat Louis Marx in Bruchsal, den Rechenschaftsbericht. Der Bericht fand die Zustimmung der Versammlung. Darauf wurden zu Revisoren der Rechnung die Herren Stadtrat Berthold Bär und B. Hilb aus Bruchsal bestimmt. Endlich wurde beschlossen, daß die nächste ordentliche Generalversammlung im Jahre 1913 in Bruchsal stattsinden und mit ihr anläßlich des 25 jährigen Bestehens des Vereins eine Jubelfeier verbunden werden soll. Im Anfang des Jahres erstreckte sich die Fürsorge des Vereins auf 100 Kinder, und da während des Jahres 10 zur Entlassung und 18 zur Ausnahme gelangten, belief sich am Jahresende die Gesamtzahl auf 108 Kinder. " Bei weitem die meisten könnte der Verein bei ihren Müttern belassen, denen er Erziehuugsbeitrüge gewährte. 11 Kinder kamen in Familienpflege, 1 Kind wurde in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover unterhalten, 1 Kind weilt im Krüppelheim bei Professor Dr. Vulpius in Heidelberg, 3 Kinder sind als Lehrlinge bei Kausleuten tätig, 1 Kind ist im Israelitischen Zentral-Waisen- und Mädchenheim in Ems, 2 Kinder sind im Israelitischen Lehrlingsheim in Karlsruhe. Die hierdurch verursachten Unterhaltungskosten wurden durch die Einnahmen bestritten, welche sich aus den Mitgliederbeiträgen, Spenden und Zinsen der Stiftungen zusammensetzten. An neuen Vermächtnissen zum ehrenden Gedächtnis an Verstorbene sowie größeren Schenkungen erhielt der Verein: Vermächtnis des Herrn Wols Frank, Metzger in EPPingen, Stiftung zum Andenken an Herrn Kallmann Kahn und dessen Ehefrau, Zerline geb. Kochenthaler von hier von deren Kindern, Schenkung von Herrn Cäsar Oppenheimer und dessen Ehefrau. Regine geb. Freund von Hemsbach, Stiftung zum Andenken an Herrn I. K. Marx von hier, gestorben in .Frcmksurt, von dessen Kindern, Schenkung von Frau Johanna Bodeuyeimer, Witwe in Mannheim, Stiftung zum Andenken an Herrn Hermann Marx von Heidelsheim von dessen Ehefrau. Für alle diese Gaben sowie auch für die-sonstigen guten Dienste, welche den Vereinsbestrevungen geleistet wurden, wird im Bericht der Dank des Vorstandes ausgesprochen. Leider haben sich die Jahresbeiträge und Schenkungen der Mitglieder wieder vermindert, sie betragen 3000.— Mark weniger als im Vorjahre. Soll der Verein auf der Höhe bleiben, dann muß wieder aus die Vermehrung seiner Mittel Bedacht genommen werden, da verschiedene Beträge schon durch besondere Verhalinisse ihm verloren gehen. Es gilt daher, dem Verein neue Gönner und Freunde zuzuführen. — Stuttgart, 28. Juni. Am 23. d. M. fand hier die Gener a l v e r s a mm lang des i s r a e l. W a i f e n h n u s v er e i n s statt. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsrat Stern, eröffnete dieselbe mit einem Ueberblick über das abgelausene Jahr, das den Verein vor die wichtige Ausgabe des Neubaues gestellt habe. Dieser sei bereits in Angriff genommen. Nach der Wiederwahl der turnusmäßig ausscheldenoen Ausschußmilglieder erstattete der Kassierer, Herr Louis H. Wormser, den Kassenbericht in erschöpfender Weise. Demselben war zu entnehmen, daß das Vereinsvermögen durch den Neubau überaus in Anspruch genommen ist, und die fortgesetzte nachdrückliche Förderung und Unterstützung des so segensreich wirkenden "Waisenhauses unerläßlich erscheint. Eine längere Debatte entwickelte sich über, die Frage, ob das Waisenhaus in sein Erziehungswerk nicht auch ev. jüngere israelitische, sog. Fürsorgezöglinge einbeziehen solle. Ein Bedürfnis nach dieser Richtung wuroe zwar anerkannt, doch ebenso die schwerwiegenden Bedenken, die dem eutgegenstehen. Oesterretch-Nngarn. K. Wien, 28. Juni. Prinz Sixtus von Parma, der Bruder der zukünftigen österreichischen Kronprinzessin und gegenwärtigen Erzherzogin Zita, und der ordentliche Professor an der Wiener Universität Dr. Alois Musil, sind vor einigen Tagen von ihrer gemeinsam unternommenen Forschungsreise nach Ostasien und Junermesopotamien wohlbehalten nach Europa Zurückgekehrt. Einem Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" machte Prof. Musil einige Mitteilungen über die Reise und deren Ergebnisse, von denen folgendes hier wiedergegeben werden soll. „Am Ehahur", so erzählt der Wiener Gelehrte, „und mittleren Euphrat konstatierten wir mehrere uralte jüdische Kolonien, sichere Ueberreste der verbannten israelitischen Stämme. Aeußerlich unterscheiden sie sich gar nicht von der mohammedanischen Bevölkerung. Ihre Häuser haben jedoch meistens eine eigentümliche Form und erinnern an stumpfe Pyramiden. Der Chacham der jüdischen Gemeinde in Ana erfreut sich in der ganzen weiten Umgebung eines allgemeinen großen Ansehens wegen seiner Freigebigkeit." Die Ergebnisse dieser Forschungsreisen werden demnächst in Buchform der großen Öffentlichkeit übergeben werden, und es steht zu erwarten, daß sie auch jüdische Kreise interessieren werden. — Am 26. d. M., also am ersten Jahrestage der von Unruhen begleiteten Reichsratswahl in Drvhobycz, wurde im „Hotel Arco" in der Leopoldstadt eine jüdisch-nationale Versammlung abgehalten. Nach Schluß der Versammlung, die von mehreren hundert Personen besucht war, zog eine große Anzahl Teilnehmer nach der Stadt und veranstaltete auf dem Schwarzenbergplatz vor der Wohnung des Reichsratsabgeordneten Löwenstein eine lärmende Kundgebung. Es mußte die Wache ein-

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