Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- Seite 323 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Man hat Humboldt oft den Vorwurf gemacht, er fei unwahr in feinem Empfinden gewesen, er habe zur Sclbstbespiegelung geneigt, aber wir sehen, daß diese Annahmen jede Berechtigung verlieren, immer zeigt er sich vornehm und gütig in seiner Art wie in seiner Lebensauffassung und „bekundet, das; er gleich trefflich verstand, sich in Glück und Unglück zu'bewähren. Von dieser Briessammlung liegt nun eine Auswahl vor uns, die wir mit hoher Freude begrüßen und dem geschätzten Leserkreise dieses Blattes, insbesondere. als Festgabe für unsere Frauen und Töchter, nicht warm genug empfehlen können. Wir sind jetzt so vielfach geneigt, Emerson und Ruskin als Erzieher des Menschengeschlechts dankbar zu Preisen. 'Möchte doch die deutsche Nation sich ihrer großen und bedeutenden Geister aller Zeiten dankbar erinnern, deren unschätzbarer Einfluß aus die spätesten Geschlechter unvergänglich segensvoll fortwirkt. Wohl denen, die sich durch Wilhelm v. Humboldts Briese an eine Freundin erziehen und bilden lassen! Breslau. Regina Neisser. * — Mitteilungen des Israelitischen Landes- L eh r erv e r ei n s in Böhmen. Zusammengestellt von Rabbiner Dr. Freund, Bodenbach. Verlag des Vereins. 7. Jahrgang, 11. Heft. Diese kleinen Hefte, von denen schon manchmal Notiz genommen wurde, sind hauptsächlich von lokalem Interesse. In einem Sitzungsbericht wird das Wesen der Mitteilungen charakterisiert und verteidigt. In dem vorliegenden Heft findet sich unter 'anderem der Schluß einer längeren Besprechung über die von I. Ziegler herausgegebenen Gedanken eines Laien in ungarischer Uebersetzung. Der Verfasser der Beurteilung steht auf streng orthodoxem Standpunkt ulld polemisiert von diesem aus sehr stark nicht nur gegen die Gedanken, sondern gegen alle Reformplüne. Die am Schluß der Besprechung stehende Bemerkung, daß das Heil Israels nicht von Berlin ansgehe, erscheint mir recht überflüssig. L. G. «ft Liicheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Biblische Novellen: Esther, Ruth, Jona. Aus dem Hebräischen von Otto Hauser, Weimar. Verlag von Alexander Duncker. K. C. Blätter. Monatsschrift der im Kartell-Konvent vereinigten Korporationen. 2. Jahrg. Nr. 9. 1. Juni 1912. Im Deutschen Reich. Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. XVIII Jahrg. Nr. 6. Berlin, Juni 1912. Vom Berge Sinai, eine neue Gesetzestafel. Von Terrestis. Erd. Verlag, Elberfeld 1912. Der Säbbath. Monatsblatt zur Förderung der Sabbathheiligung im sozialen' und wirtschaftlichen Leben der Gegenwart. 12. Jahrg. Nr. 5 und 6. Mai-Juni 1912. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Israelite Universelle. XII. Jahrg. Heft 6. Juni 1912. Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin. 2. Jahrg. Nr. 6. Berlin, den 7. Juni 1912. System der Philosophie. Dritter Teil: Aesthetik des reinen Gefühls von' Hermann Cohen, Professor an der Universität Marburg. Erster und zweiter Band. Berlin, Bruno Cassirer 1912. Talmud-Legenden. Dem Talmud nacherzählt und eingeleitet von Hans Ludwig Held. Hans-Sachs-Verlag, München, 1912. Die jüdische Gemeinde von Elephantine und ihre Beziehungen zum Alten Testament von Dr. Phil. Anton Jirku. VII. Serie II. Heft. Biblische Zeit- und Streitfragen zur Aufklärung der Gebildeten. Herausgegeben von D. Friedrich Kropatschek. 1912. Verlag von E. Runge in Gr.-Lichterfelde-Berlin. Schriften, herausgeegben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums: v. Dr. Nikolaus Müller: Die jüdische Katakombe am Monteverde zu Rom. Mit 12 Abbildungen. Leipzig 1912. Buchhandlung Gustav Fock G. m. b. H. Kleine Texte für Vorlesungen und Uebungen, herausgegeben von Hans Lietzmann: Alte und neue aramäische Papyri. Uebersetzt und erklärt von Prof. v. Dr. W. Staerk. Bonn, A. Marcus L E. Webers Verlag 1912.. - The Jewish Quarterly Review. Edited by Cyrus Adler and S. Schechter.. Vol.IL No. 4.- April 1912. Purim. Predigt, gehalten im Gotteshause der jüdischen Reformgemeinde von Dr. Joseph Lehmann am 3. März 1912. Veröffentlicht vom Vorstände der Gemeinde. Rede zum 100. Geburtstage Aron Bernsteins, gehalten im Gotteshause der Jüdischen Reformgemeinde von Dr. Joseph Lehmann bei der Seelenfeier am 7. Tage des Passahsestes 8. April 1912. Veröffentlicht vom Vorstande der Gemeinde. Festschrift zur Erinnerung an die feierliche Einweihung der Synagoge zu Goch. -Bei Gelegenheit des 100jährigen Bestehens am 7. Juni 1912. . Der Staatsbürger. Halbmonatsschrift für politische Bildung. Herausgeber Prof. Dr. Hanns Dorn in München. Nr. 11. 1912. Erstes Juniheft. Militär-Verein Deutsches Vaterland. Bericht über ds 17. Geschäftsjahr 1911 nebst Mitgliederverzeichnis. Ausgabe für 1912/13. Die Philosophie Salomon Maimons von Friedrich Kuntze. Heidelberg 1912. Carl Winters Universitätsbuchhandlung. Sxrechsaal. s ist selbstverständlich, daß ich die wissenschaftlichen Leistungen Professors Hol2manns, denen ich selbst eine Fülle ernster Anregungen verdanke, voll anerkenne. Ein Meister der Malerei kann aber ein arger Dilettant im Flötenspiel sein. Und wer in zwei Sätzen tlieüillath ha-ereb en Iah kebä „das Abendgebet hat keine Regel" (statt: ist zeitlich nicht fixiert), pelag ha-minchah „die Mitte des Speiseopfers" (statt: der Speiseopferzcit), sclielo jeerä debar thakälah äl jodi „daß nicht falle ein ärgerlich Wort durch meine Schuld" (statt: daß nicht ein Aergernis durch mich eintrete) übersetzt, und diese Uebersetzungen noch zu verteidigen sucht, der muß es sich gefallen lassen, als arger Dilettant auf demj Gebiete des jüdischen Schrifttums bezeichnet zu werden — und wenn er sonst ein Gelehrter von Weltruf ist. Wer die Grundanschauung der altjüdischen Literatur, die Idee der Kontinuität der Geistesentwicklung des Judentums von der sinaitischen Offenbarung an — das ist der Sinn des maimonidischen Wortes — nicht kennt, ist eben mit den Eleinentarbegrissen der jüdischen Traditionsliteratur nicht vertraut. Wer die Punktierung mäh makom (statt mah mit Pathach, sodann Makkef und Daggesoh im Mem) vertritt, der hat leider böse Lücken in der Kenntnis der hebräischen Graminatik. Ich habe natürlich nicht das Neue Testament mit einer Biographie Wilhelm II. verglichen, sondern gesagt: wer das Neue Testament mit der Mischna vergleicht, begeht denselben Irrtum wie der, welcher eine Biographie Kaiser Wilhelms mit dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch vergleichen will — eine Behauptung, die jeder Sachkenner ohne weiteres unterschreiben wird. Wie.soll ein „Unternehmen gerade dem Judentum zum Segen gereichen", das die alten Vorurteile von der Minderwertigkeit des Judentums und der „öden Gesetzlichkeit und rein formalen Fröm'migkeit" seiner Schristgelehrten in Kreise trägt, die sich kein eigenes Urtei-l über die Irrigkeit dieser Anschauungen bilden können? P. R.!* Herr Redakteur! bwohl meine Mitteilung von der Absicht diktiert ist, das europäische Publikum über amerikanische Verhältnisse auszuklären, über welche von anderer Seite irreführende Berichte verbreitet werden, bedarf es doch einer Aufklärung, warum ich für diesen Zweck mich der Gastfreundschaft Ihres geschätzten Blattes bediene. Die Nachricht, welche ich korrigieren will, findet sich in der „Welt", Nr. 21, und stammt aus der Feder Helene Hanna Cohns, die auch Mitarbeiterin Ihres Blattes ist, ein Typus jener vom Talmud (Jer. Schekalim, 45, d) gerühmten altjüdischen Liberalität, die ebenso willig zum goldenen Kalbe-wie zur Stiftshütte beiträgt. Die Dame meldet, daß die- Vorsteher des New Parker Gemeindebundes Kehilla, vor: denen Magnes, Friedländer, Schiff, Marburg usw. genannt werden, „in die Bahn einlenken, die unser Größter gewiesen hat: Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland".