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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-28 · Heft 26 (28.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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ms von seinen Absichten erhalten hatten, kamen ihm aus allen Teilen des mächtigen Reiches Briefe zu,'in denen er flehentlich gebeten wird,' das Land nicht zu verlassen und sich ihrer, auch weiter anzunehmen.; „Die Nachbarvölker verschlingen uns, unsere Spur . verschwindet",; schrieb ihm ein 90 jähriger Mann; in dieser Bedrängnis sind die fer-; nen Glaubensbrüder die einzigen, von denen sie Hilfe erhoffen. Was ihnen hauptsächlich fehlt, ist KulturV Schulen wollen sie'haben und; sie wollen die heilige Schrift in ihrer Sprache, der äthiopischen,, be-? sitzen. Der Vortragende teilte mit,-daß aus seine Anregung, ein - Internationales Komitee Pro Fälascha sich gebildet habe, dem die; vornehmen Persönlichkeiten des Judentums angehören, mit dein : vorläufigen Zweck, die äthiopische Bibel in vielen tausend . Exemplaren unter den Falaschas zu verbreiten und in Erythräa ein jüdisches Lehrerseminar zu errichten. Die dort äusgebildeten jungen Leute könnten dann die Zivilisation ihrem Volke vermitteln. Das Internationale Komitee, dem aus Ungarn bisher nur die Professoren Dr. Bacher und Dr. Blau angehört haben, wünsche in Ungarn ein Lokalkomitee ins Leben zu rufen, wie ein solches in Deutschland, Jta- - lien, England, der Schweiz und in den Vereinigten Staaten bereits > vesteht und wirkt. Zum Schluß forderte Dr. Faitlovitch zum'Beitritt zu diesem Komitee aus, dessen Zweck er als jüdische Ehrensache bei zeichnete. Dem mit großem Beifall ausgenommenen Vortrags ichtoß sich eine lebhafte Diskussion an. Der Zionist Advokat Dr. Nison K ah an behauptet, daß die Förderung der- Kultur der Fa- Usichas vor allem itauenisches Interesie sei', denn Italien wolle in/ Abessinien seinen Einfluß kräftigem. Wäre dies nicht der Fall, so; würde doch die Alliance Jsraelite Universelle Geld hergeben,' wie sie; von ihren vielen Millionen Geld zur Unterstützung der märokkani- '' sehen Juden hergibt, was allerdings hinwieder im Interesse Frank- > reichs liegt. Dr. Kahn wurde erst vom Professor Dr. Blau, dann von dem Vortragenden selbst Antwort zuteil. Dr. Blau wies darauf hin, daß es ein unermeßliches wissenschaftliches Interesse befriedige, ' diese afrikanischen Juden zu konservieren, spiegeln sie doch in vielen ihrer Einrichtungen und Gewohnheiten den Zustand einer längst versunkenen Periode wieder. Der Budapester Vertreter der Alliance | ^l'meine habe ihm eröffnet, daß die Alliance den Bestrebungen der Pro-Falasch-Bewegung, die übrigens wirklich ohne ihr Dazutun zu-! )uuu)e gekommen rst und sich betätigen will, nichts in den Weg stelle, ihnen vielmehr wohlwollend gegenüberstehe.- Diesen Worten.fügte Dr. Faitlovitch nur soviel hinzu, daß er eine Sache der Judenheit auch dann für fördernswert hält, wenn sie zufällig mit den Interessen : einer bestimmten Nation zusarmnensällt und das auch sonst der Schutz eurer europäischen Großmacht den Falaschas nur nutzen könne. Indem er die Sache der afrikanischen Brüder noch einmal den ungarischen Juden ans Herz legte, apellierte er an das jüdische Ehrgefühl. Zahlreiche Anwesende zeichneten sich darauf in den ausliegenden Bogen : i als Mitglieder des „Pro-Faläscha-Komitees" ein. — Krakau, 21. Juni. Vor einiger Zeit wurde es bekannt, daß ein kaum oem Kindesaller entwachsenes jüdisches Mädchen gegen den Willen seiner Eltern in dem Kloster der Felizianerinnen in Krakau, das schon so viel Leid über jüdische Eltern gebracht hat, getauft wurde. Den Bemühungen des'Advokaten Dr. Rafael Landau in Krakau glang es, einen Gerichtsbescheid zu erwirken, auf Grund dessen die Klosterleitung verpflichtet wurde, das Kind den Ettern auszufvlgen. Vorigen Samstag, kamen nun die Eltern ins Kloster, um ihr Kind in Empfang zu nehmen, erfuhren jedoch daselbst, daß das Mädchen angeblich sich nicht mehr im Kloster befinde, sondern vor einiger Zeit nach Lemberg gegangen sei. Die Eltern schenkten dieser Behauptung keinen Glauben. Vorigen Freitag wurden in demselben Kloster abermals vier jüdische Mädchen unter großem Pomp der Taufe zugesührt. Die Taufpatinnen rekrutierten sich aus den Kreisen ' der höchsten polnischen Aristokratie. .Wie der Krakauer „Tog" zu berichteu weiß, befinden sich in diesem Kloster noch neun jüdische Mädchen, welche demnächst der Taufe, zugesührt werden sollen. Eines dieser Opfer entfloh vor einigen Tagen aus dem Kloster, um zu ihren Eltern nach Przemysl heimzukehren. Ein zweites Mädchen aus Lemberg, das bereits getauft wurde und sich noch im Kloster befand, floh gleichfalls und will nun freiwillig zum Judentume zurück- . kehren. Es ist einfach unverständlich, weshalb diesem unwürdigen Seelenfang in Krakau uicht endlich einmal ein Ziel gesetzt wirdl Wie nur erfahren, soll die von der letzten Czernowitzer Konferenz der; Rabbiner zu schaffende Organisation auch zu dieser Frage Stellung nehmen und eine entsprechende Aktion einleiten. v ' Äutzland. L. Ä. T. Petersburg, 20? Juni. Der „Reue Woschod" schreibt: „Man. fühlt' das Herannähen Des Sommers.' Die/Herren Gouverneure erinerten sich an die Landhäuser. Der Hauptpachtinhäber des wah- ' ren Patriotismus — der Kiewer Gouverneur — steht allen voran. Der Kiewer GH es der Landpolizei (I s p r a w n i k) Fallet sandte dieser- Tage ein Zirkular den Kreisrichtern (Stanowiö Pristaw), in Welchem er erklärt, daß die' Art der Erlaubnis d e s W ö h n r e ch t s Dir Juden in Swjatoschino und anderen'ländlichen Ortschaften > ohne Veränderung bleibt: Die Juden werden zum Aufenthalt nur mit Erlaubnis. des G'eneralgouverneurs zügelassen.. Die ungesetzlich dort Wohnenden werden nach dem Ort ihres ständigen Aufenthaltes ausgewiesen. Der' Eifer der Kiewer Polizei wird zweifellos nach ihrem Verdienste geschätzt werden. Ist doch dieser Eifer von einer solchen Beschaffenheit, daß man manchmal' den seelischen Gleichgewicht der Personen, die an 'der Spitze der. Kiewer Polizei stehen, . bezweifeln muß." — Im ' Sestrojezker ' Kurorte prangen folgende öffentliche Ankündigungen mit' Unterschrift des Kreisrichters: „Personen jüdischen Glaubens, die Nicht das Recht besitzen, im Petersburger Gouvernement zu wohnen, werden im Polizeiamt n i ch t r e g i ft r i e r t; die. Landhausbesitzer werden hiermit benachrichtigt, den Juden die Villen n i ch t zu vermieten." —:Aüf der Station Grafskala der finnlündischen Eisenbahn wird vorher benachrichtigtdaß d i e L a n d h äuseranIude n n'i ch t v e r m i e'k e t werden. — Im.Namen des Wyborger Gouverneurs sind in den ländlichen Ortschaften des dortigen Gouvernements Anzeigen veröffentlicht, daß die» LandH au sbes i tz er ü n ter Droh uh g einer Strafe von Hundert Mark nicht das Recht haben, ihre Villen an Juden zu vermieten, die nicht . den Nachweis ihres. Wohnrechtes im Gouvernement vorzeigen können. — In Ekaterinburg. unternahm die Polizei, infolge eines Zirkulars des Gouverneurs, neue V e r so l g un gen g eg en die lokalen Juden. Es wird eine sorgfältige. Prüfung der Rechte der. dort wohnenden Juden betrieben. Eine ganze. Reihe von jüdischen Familien tritt zu oie>em Komitee, dessen Zweck/ er als. jüdische Ehrensache beländische Gouvernialverwaltung den Kreisches im Bezirksgericht einen -Prozeß anzuregen, um vier jüdische. Hausbesitzer aus Grund einer Senatsentscheidung über Erwerb von Immobilien durch Juden zu zwingen, ihren unbeweglichen Grundbesitz zu verkaufen, der einen Wert von .40—60 000 Rubel hat. — . Der Justizminister Tscheglowitow hat-, den Antrag des Kiewer Bezirksgerichts, die jüdischen Rechtsanwaltsgehilsen Zeillin und Macho.wer zu Rechtsanwälten, zu ernennen für die Vakanzen,, die nach den Regeln der 10 prozentigen Norm vorhanden waren, ohne jegliche Motivierung abgelehnt. — Im Odessaer -Gerichtshosbezirke befinden ..sich 254. -nichtch ristl i ch e Rechtsanwaltsgehilfen. Viele gehören diesem Stande schon mehr als zehn Jahre an. Es gibt sogar einen Rechtsanwaltsgehilsen, der s e i t d e m I a h r e i 8 8 8 vergeblich auf die Ernennung zum .Rechtsanwalt wartet. Nach dem Gesetz hat die Ernennung nach fünf Jahren zu erfolgen. ' Amerika. Z:. New Nork, 14. Juni. Vor kurzem verschied in B a l-t i m o r e, wo sie von längerem Leiden Genesung zu finden-hoffte, die allgemein verehrte Gattin des Rabbiners Dr.- Max L a n d s b e r g vom Verith- Kodesch-Tempel in Rochester, N. P. Die Entschlafene war eine geborene Deutsche und folgte' kurz nach'ihrer Verheiratung (1871) . ihrem Gatten nach Rochester? wo sie länger als '40 Jahre in aufopferungsvoller Weise an allen Humanitären Bestrebungen der-, jüdischen Gemeinde teilgenommen hat. Neben einergewinnenden Persönlichkeit versügte Mrs. Landsberg über hervorragende Gaben des Herzens und des Geistes, die sie befähigten, einen führenden" Anteil an zahlreichen Wohlsahrtseinrichtungen zw nehmen. So war die Dahingeschiedene Vizepräsidentin der'. WömenV' Educatiönal - and -Industrial Union, Vizepräsideutin ' der' Söcifcty foithe 'Prevention of Cruelty to Children, Vorsteherin der Social Settlement of Rochester. Sie stand ferner an / der Spitze der Nen AorL State Conference ol' Cliarities and. Collection und - war auch Vizepräsidentin der großen National-jüdischen Fvauenvereinigung. Neben einer-großen Anzahl anderer gemeinnütziger -Institutionen gehörte sie auch dem großen N o ch e st e r - H o's P i t a lan,- das ihr einen tiefempfundenen Nachruf zollte. Es dürste an. dieser Stelle vielleicht von Interesse sein,Daran zuerinnern, daß Mrs.' Ländsb'erg die-erste Frau war,- welche als Delegierte an d'er Versammlungdes- Verbandes amerikanisch-jüdischer

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