Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Ausländerin. Die Schlußprüfung legten Ostern d. I. 21 Schüler der 1..Klasse. ab, von denen drei in eine höhere Schule übertraten und . 18 sich dem kaufmännischen Berufe zuwandteli. — Aus der inneren Schulgeschichte ist. hervorzuheben, daß die sog. Kurzstunde, die bereits im vorhergehenden Schuljahr an der Realschule eingdführt: würde, mit Beginn dieses Schuljahres auch im Lyzeum zur Änw'en-! düng gelangt ist. Die neue Einrichtung kam vielfachen Wünschen der Eltern der Schülerinnen entgegen, da dadurch eine weitere Einschränkung des Sonntagsunterrichtes ermöglicht worden ist. Nur die vier oberen Klassen der Realschule erhalten jetzt noch Sonntags Neligions- und hebräischen Unterricht wie Unterweisung in fakultativen Fächern Für die übrigen Klassen der Real- und Vorschule und für alle Klassen des Lyzeums sind sowohl Samstag wie Sonntag unterrichtsfrei. Durch die Veranstaltung von sogenannten Elternabenden: wurde der Zusammenhang von Schule und Haus gefördert. Eine selten reiche Zahl von Gedenkfeiern und festlichen Veranstaltungen wurde den Zöglingen im gegenwärtigen Schuljahre geboten. Zunächst vereinigte die 40jährige Wiederkehr des in Frankfurt geschlossenen Friedens, der am 10. Mai 1871 den deutsch-französischen Krieg beendete, die Zöglinge mit dem Lehrerkollegium zur würdigen Gedenkfeier, aus der Herr Oberlehrer Dr.. Freudenberger die Festrede hielt. Eine weitere Gedenkfeier wurde• am 29. September abgehalten: der Tag, an dem vor hundert Jahren die verewigte Kaiserin Augusta geboren wurde. Hier hielt .Me Festrede die Lehrerin Fräulein Charlotte Falk. Besonders eindrucksvoll und festlich aber gestaltete sich did Feier am 20. Dezember, zur Erinnerung an die Wiederkehr des Tages, an dem vor hundert Jahren den Juden Frankfurts die Bürgerrechte verliehen worden sind. Dem Festakte wohnten staatliche wie städtische Behörden und ein'e Reihe hervorragender Persönlichkeiten der Stadt bei. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des. Gemeindevorstandes Herr Jüstizrat B l a u. Herr Oberlehrer Professor Dr. K r a c a u e r hielt darauf einen Vortrag über die Entwicklung der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. bis zur Emanzipation und Herr Direktor Dr. Adler über die soziale und geistige Lage der Frankfurter Juden. Beide Vorträge, die ein reiches historisches Material enthalten, sind im Wortlaut in dem vorliegenden.Bericht zum Abdruck gebracht. Neben diesen Gedenkfeiern unterbrachen mehrfache Turn- . führten und Ausflüge den Gang des Schullebens. Die . Schüler und Schülerinnen fanden auch öfters durch das Entgegenkommen der Verwaltung der städtischen Bühnen Gelegenheit zum Besuch des Opern- und Schauspielhauses, und die Zöglinge der oberen Klassen wohnten auch der Ausführung von. König Oedipus, die im Mai unter Max Reinhardts Leitung stattfand, bei. — Der Schulbericht gedenkt 'dann ' auch der dauernden Anhänglichkeit ehemaliger Schüler des Philanthropin, die d'er Anstalt zugute gekommen ist. Und mit freudiger Anteilnahme hat sich demgemäß auch die Schule an der 70jährigen Geburtstagsfeier des hochverdienten Herrn Philipp Schiff beteiligt, der seine Vorbildung am Philanthropin erhalten hat und ihm auch als Mitglied des Schulrates besonders nahegetreten ist. Zum Schluffe gedenkt der interessante Schulbericht mit pietätvoller Dankbarkeit der beiden. Hingeschiedenen Mitglieder d'er Verwaltung, der .' Herren Geh. Justizrat Dr. Salomon Fuld und Sanitätsrat Dr. E r n st B l u mentha l. — Der' Schulrat, in den im Berichtsjahre die Herren Heinr. Emden und Rudolf Kahn neueingetreten sind, besteht'zurzeit ans den folgenden Herren: Stadtrat a. D. Anton; Horkheimer (Vorsitzender), I. Ed. Goldschmidt (stellvertre- : tender Vorsitzender), Ludwig Schiff (Kassenführ'er), Prof. Dr. Apol a n t, Heinr. Emden, S. EPstein, Rud. Kahn, Benny Oppen hei m e r., Dr. Rich. S t e r n. Gesterreich-Nngarn. — Meran, 23. Juni. Am 19. d. M. fand unter zahlreicher Bei teiligung die Beerdigung des am 17. d. M. im 76. Lebensjahre ■ hier verstorbenen Preußischen Sanitätsrats Dx. Raphael Hausmann, des hochgeachteten, allbeliebten Nestors der Meraner Kur- ■; ärzte, statt. In Breslau geboren, hatte er hier seit 1868 bis in die: letzten Jahre schwereren Leidens eine äußerst gesuchte Praxis ausgeübt, die ihn oft über die Grenzen Tirols führte. Nur seltene Ener-; gie und. eiserne Willensstärke, gepaart mit einer rationellen Lebensweise, ließen den stets schwächlichen Mann die Strapazen einer ausgedehnten, aufreibenden Tätigkeit bis ins Greisenalter überstehen, ja noch Zeit, und Kraft finden zu einer vielseitigen und gediegenen literarischen Tätigkeit , in den angesehensten Fachzeitschriften, die nicht allein Hausmanns Namen zu einem weitbekannten und sehr -geschätzten machten, sondern auch außerordentlich viel zur Blüte Merans als Kurort beitrügen. Seine gediegenen Kenntnisse, seine peinliche Gewissenhaftigkeit, seine Geschicklichkeit und entgegenkommende Herzensgüte und innige Teilnahme an jedem Leide machten ihn in Tausenden von Fällen zum Retter an Krankenlagern und Helfer in der Not. Die Armen und Hilfsbedürftigen lagen ihm stets besonders am Herzen, und darum ergriff er. auch jede Gelegenheit, um dauernde Wohltätigkeitsinstitute ins Leben zu rufen und sie opferfreudig mit großen-Geldmitteln zu unterstützen. - Die Königswarter-, die Schweizer-, .die Steinseld-Stiftung, der Fröbelsche Kindergarten hier verdanken ihm das Dasein. Ob seiner Verdienste um den Kurort war er zum Ehrenmitglied in der Kurvorstehung ernannt Nwrden. Den Leichenzüg vom Trauerhause Villa Jmansruh zum neuen israelitischen Friedhose erössnete der Meraner Kindergarten, ihm folgten der Veteranen- und Kriegerverein mit Musik und umflorter Fahne, die freiwillige Feuerwehr Untermais, Kranzwagen und die Geistlichkeit. Hinter dem Leichenwagen schritt der Wiener Privatdozent Dr. Walter Hausmann, der Sohn des Heimgegangenen, mit Gemahlin.. Es schlossen sich an Bezirkshauptmann v. G a l l i, Bürgermeister Dr. Weinberg er mit Gemeinderäten, Kurvorsteher Dr. Sebastian Huber mit der Kurvorstehung, die Aerzteschast, Advokaten, Vertreter der Kausmanschaft, Hoteliers, Dr. v. H e l l r i e g l (Bahrn), Direktor F. W. Ellmenreich, Komponist Schütt, evangelischer- Pfarrer- Ja e s e r i ch , düs Kuratorium der Königswarterstiftung und des Asylvereins für unbemittelte kranke Israeliten und viele. andere Leidtragende. In'der Zeremonienhalle des Friedhofes hielt Rabbiner Dr. Kur ein die Gedenkrede. Er pries Hausmann als prächtigen Menschen, als Zierde seines Standes, als Menschenfreund, der nur . um das Wohl der Gesamtheit sorgte. Am offenen Grabe sprach Dr. ' G a r a namens der Königswarterstiftung und Dr. Pick im Namen des Vereins für arme kranke Israeliten in Meran. Es war ein wolkenloser " Prachttag, tiefer Friede lag in der Natur,- als auf demfrischen Grabhügel Dr. Raphael Hausmanns duftende Kränze mit prächtigen Wi'dmungsschleifen dankbarer Korporationen und tief ergriffener Freunde niedergelegt wurden. 1 L2 Budapest, 21. Juni. Im Anschluß an die Jahresversamlung des israelitischen Landeskulturvereins hielt Herr Dr. Jacques Faitlovitch, Mitglid der Gesellschaft der Orientalisten in Paris, im -Festsaal der israelitischen Religionsgemeinde einen sehr interessanten Vortrag über die Falaschas, dem die hervorragendsten Mitglieder der jüdischen Gesellschaft beiwohnten. Der Vortrag hatte den Zweck, für die in ihrer Existenz bedrohten Falaschas die werktätigen Sym- . pathien der ungarischen Juden zu gewinnen. Die Falaschas sind, so führte Redner aus, mindestens 2000 Jahre in Abessinien ansässig, vor 100 Jahren noch die herrschende Klasse des Landes, jetzt sind sie im Untergang begriffen. Sie, die wie der schottische Reisende James 'Bruce bezeugt, noch am Ende des achtzehnten Jahrhunderts 300 000 bewaffnete Männer aufzustellen imstande warensind während des verflossenen Jahrhunderts zu der Zahl von 100 000 Köpfen herabgesunken, von denen nurmehr die Hälfte Juden sind. Die jüdischen Falaschas stehen auf der Grundlage der Bibel, beobachten die mosaischen Speisegesetze in einer verschärften Form, führen ein inniges sittliches Familienleben. Dieser weitversprengte Zweig der Judenschaft nun, der 2000 Jahre lang in vollkommener Abgeschlossenheit, dahinlebte, hatte im Lause der Zeiten die Überzeugung gewonnen, daß sich außer ihnen nirgends aus der Welt auch nur ein einziger Jude befinde. Als. Joseph Halävy, der berühmte Gelehrte, sie vor 40 Jahren besuchte, wollte ihm niemand glauben, daß er ein Jude sei und dazu nur ein einzelner aus dem überall verbreiteten Stamme der Juden, dem auch die Falaschas attgehören. Da er der Landessprache nicht mächtig war, gelang es ihm auch nicht die-Falaschas in ihrer Neberzeugung wankend zu machen. Diese Ausgabe war seinem Schüler Dr. F a i t l ov i t ch Vorbehalten, der 1904 mit-allen .wissenschaftlichen und dank der Freigebigkeit des Freiherrn Edmund -von R o t h sch i l d auch materiellen Hilfsmitteln wohl ausgerüstetseinen ersten anderthalbjährigen Aufenthalt im Falaschalande nahm.' Als Bauern und Gewerbetreibende sind sie der Kriegerkäste'des Landes dienstbar, sie werden unterdrückt und in der Ausübung ihrer ererbten Gebräuche beunruhigt. Es war die höchste Zeit, als Dr. F. nach Abessinien-kann Er wurde als Messias begrüßt. Bei seinem zweiten Aufenthalt im Jahre 1908, nachdem schon alle Falaschas aus einer Broschüre Kennt-