Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- Seite 312 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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hingen in dem russischen Judentum hoben nit ^gesunen kein Obklang nit bei Baksten". Ebenso -glücklich sind-mchere Juden, so lange sie nicht Protestrabbiner sind, Von - dem..ehemaligen - italienischen Premierminister. Luigi Luzzatti. erzählt dasselbe. Blatt, daß er „die Zugehörigkeit znm Juderitum. als einen Ruhmestitel bezeichnte" (1910, Nr. 14). Hingegen finde ich in einem Berichte des „Vessillo Jsraelitico" (1909- S 223—225) einen in einem sozialistischen Blatte erschienen Brief Luzzattis abgedruckt, in , welchem er.sagtz. er,, habe, längst'den engen Kreis der . angestammten Religio^., (cerchia.angusta della religione avita) verlassen, fühle,,fich jedoch als Jude,- wenn man ihn als solchen angreife..,- In, beiden Fällen; bin ich geneigt, das Zeugnis der „Außenwelt" jenem der „Welt" vorzuziehen. Von einem italienischen Premierminister zueinem: Rabbiner in Pohrlitz ist sozial wie-,geographisch ein weiter Weg/ Mir war er notwendig, -umlauf das. wichtige Gebiet 'der systematischen Kritik jüdischer Geschichtsquellen und damit . auf das Prinzip jüdischer. Geschichtsschreibung - zu kommen: Die traditionelle Geschichtsschreibung von Abraham ibn Daud bis auf David Conforte und Jehiel Heilbrin faßte ihre Aufgaben so, als hätte es außer der Abfassung rabbinifcher Gutachten und Kommentärien in jüdischen Kreisen überhaupt nichts Erwähnenswertes gegeben. Selbst bei Graetz ' nimmt die Literaturgeschichte noch -immer einen unverhältnismäßig großen Raum ein. Ich glaube sogar/ daß wir' heute nicht genug Klarheit darüber haben, daß die große Massedes jüdischen Volkes durchaus nicht aus Leuten bestand,' die sich dafür interessierten, was Jomtob ben Abraham, aus Sevilla'zur Umdeutung des talmudischen Reformprinzips, man . solle eingerissene Gesetzesübertretungen lieber schweigend.'tolerieren, als durch aussichtsloses Predigen das Publikum.zu bewußtem Bruche des Gesetzes, veranlassen Wezah 30a, zitiert von Bezalel Aschkenazi zur Stelle),'sage.' Die große Masse bestand auch nicht ausHofärzten und Hofbankiers,' und selbst die -Verordnungen wegen des Judenabzeichens und -die Hausierverbote füllten nicht ihr ganzes Leben aus. Damit kommen wir aus? Pohrlitz und seinen Rabbiner. Nicht weil ich dort vor etwa 45 Jahren die grausamen Regeln Bensews. über die kurzen Vokale hersagte, sondern aus viel -weiteren Gründen hat Pohrlitz.für die jüdische Leserwelt Interesse.' ' Mähren ist ein jüdischer.Mikrokosmus, nicht nur als eine geographische Einheit, was bei der Enge der Lebensverhältnisse auch schon eine Rolle spielt, sondern wegen der Gesetzgebung, die das Niederlassungsrecht so sehr beschränkte, daß die große Mehrzahl froh war, für sich ein Winkelchen erobert zu haben und eifersüchtig sich gegen das Eindringen fremder Elemente wehren müßte. Natürlich war das Getto ebensowenig gegen das Eindringen fremder Juden als gegen das Eindringen nichtjüdischer Gedankenkreise luftdicht verschlossen, aber im großen und ganzen lebte das mährische Judentum seine eigene Geschichte. Pohrlitz spielt darin eine hervorragende legendarische Rolle. Die alte Synagoge, welche im Jahre 1855 einem Neubau Platz machte, soll 1500 Jahre, gestanden haben, und der mährische Topograph Wolny erzählt (die Markgräfschast Mähren, Brünn, 1835—1842), daß die so. genannten „glaubwürdigen Leute" daselbst eine Inschrift gesehen haben, die das Jahr der Erbauung der Synagoge im., vierten Jahrhundert bezeugte. Es ist überflüssig, sich bei der Widerlegung derartiger An- - gaben aufzuhalten. Die erste Nachricht über das Auftreten der Juden in Mähren ist die Zollordnung von Rässelstätten, die sestsetzt, daß Juden ebenso wie andere Kaufleüte von ihren Sklaven und anderen Wären nur den gesetzlichen. Zoll zu zahlen haben. (Mon. Germ., Leges, III, 480). Diese um 906 erlassene Verordnung dürfte sich jedoch kaum aus ansässige Juden/ sondern» nur auf'reisende Kaufleute beziehen, drtihrd' Waren, und besonders Sklaven aus den slavischen Ländern/ woher, .ja der Name Sklaven kommt,' bezogen. ‘ Im' elften Jahrhundertmögen? Juden tatsächlich schon - in - den Ländern ' . der--böhmischen- Krone gelebt Habens wenn' auch' die 'Angabe desl.Cösmas von Prag, daß der- Herzog Bretislav ahnen 'rhre . Habe abgenommen und sie aus dem Lande - Vertrieben habe Mon. 8er., - IX, 103^.104), was so Wenig/zw derLtzwJderr, KreuzzüUern beliebten Methode paßt,' .verdächtig-^erfchd'nts- Vielleicht war Her ^böhmische' Prälat äuf-^stwe/'westHEfchen' - Kollegen neidisch,, die so/eifrige Betätigungen'^de'^/CWften-; tums"seitens/ih'rer Diözesanen zu. melden hatten..^Sicher geht jedoch daraus-hervor/daß an jenen Ländern beredsam zwölften- Jahrhundert Juden wohnten, /was. ausdrücklich, .durch j Jsaac von Dürbato bestätigt wird', der bereits von lokalen Synagogengebräuchen in Olmütz - zu berichten -weiß (Machsor Vitry, S. .388). Begreiflicherweise lebten die Juden als Schutz-, befohlene; des römischen Kaisers' in den königlichen Stätzkdn.. Im dreizehnten Jahrhundert, infolge der stets zunehmenden' Schwäche der Neichsgewalt, erlaubte sich. Przemysl Ottokar.11/ ebenso wie sein Nachbar, der österreichische Herzog Friedrich; der Streitbare, das Judenregale an sich zu reißen, indem -er? zehn Jahre später als Arredrrch / ein Judenstatut für seine Länder erließ (1254). Mvolf von Habsburg .hingegen, nimmt dieses Recht wieder für das Reich in Anspruch, und entweder um ' die. Städte auf seine Seite' zu bringen oder aus. allge'-- ' meinen Prinzipien verordnet'er,/ daß die Juden von Brünn und Olmütz zu den städtischen- Bedürfnissen beitragen müßten ' (1278).. ' (Fortsetzung folgt.) / / ' / Litersrilche Mittrllungkm ' Felix Portes, Jüdische' Skizzen. ' Leipzig 1912. Verlag von Gustav Engel. - ' / /' Es war ein guter Gedanke vom-Verfasser, seine in verschiedenen. Zeitschriften erschienenen Aussätze, Von denen die meisten einen Mei-i benden literarischen Wert besitzen, gesammelt in Puchsorln herauszsl// geben. Das hübsch ausgestattete, 313 Oktavs'eiten umfassende Buch tzt-. aus folgenden fünf Abteilungen zusammengesetzt: Jüdische. -CharakMi köpfe (Moses Maimonides, Zacharias Frankel, Abraham Geiger,,Pchx, Grünbaum), die Wissenschaft vom Judentum, zu Bibel, Talmud ünpl Midrasch, Neligionsgeschichtliches, zur 'Literaturgeschichte und BolW? künde. In allem zeigt sich der Verfasser auf der Höhe wisienschafMHH Forschung' als-gründlicher Kenner der jüdischen Literatur, der/-- Mi/ mit seinen eigenen Worten zu reden — „eine durchgehends aus d.eU ersten Quellen geschöpfte und dennoch jedem Gebildeten verständlichi'j Darstellung von den wichtigsten Seiten - des - Judentums" bietet.; Ejtzirs außerordentlich wertvolle Beigabe bilden zwei, bisher ungedrucktih Vorträge: „Entstehung und Bedeutung des Talmuds" und. k,Ju>M^ tum und Griechentum in ihren gegenseitigen Beziehungen/, von imjj chen ich ganz besonders den zweiten als eine für unsere moderngÄflMU Jugend vorzüglich gegeignete Lektüre empfehlen möchte. MÄ durchdachte Vortrag) in dem uns der Verfasser den kölosialew Einfluß . der' griechischen Kultur auf das Judentum seit der Zeit'Alexanöet/dW . Großen vor Augen führt, schließt -mit einem'Hinweis' auf'MMW ' Halevi, der in seinem Kusari gezeigt hat, wie jüdische Innigkeit ün dvh anmutigen Form eines-platonischen Dialogs erst zur.vollen GeschßW kommen kann, sich doch nicht über den;prinzipiellen Unterschied:zw-isch^r. jüdischer und 'griechischer Weltanschauung getäuscht und vor .einseitiger ' Ueberschätzung des Griechentums mit den.Worten warnt: LM griechische Weisheit nimmer dich berücken, wo Blüten nur,'Loch keind ' Frucht zu pflücken." Nicht minder interessant und lehrreich sind/die/; übrigen -Mönographien, insbesondere die vier Biographien (jüdische?- Charakterköpfe), zur Würdigung der -Sittenlehre des Talmuds, soziale: Gerechtigkeit im alten Judentum und die Poesie, der Juden sm Mittels alter, .die -in Inhalt und Form dem Leser einen ästhetischen Genuß. ' bieten und dem Verfasser-zum Ruhme gereichen. Ä. K,