Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- Seite 309 (sequence 9)
- Language
- German
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Gefühls, Witd düe Sehnsucht beschrieben/ von dem Aufschwung. Mt'-dem.Flügelschläg einer' Taube und - dev Erweckung, der Morgenröte bis zum Brennen der Eingeweide und dem Besetzen herLagerstätte mit .den Tränen, /Es - gibt sicherlich. keinen'^nütÜrlich. Wnlichett/ keineninrpulsiv heftigsten Aus-, druck des' Seelenschmerzes der Sehnsucht,- Herr die .Psalmen nicht ünschlagen, indem - siedie Seele Gott suchen, lassem und diesen Gott als den Schutz und die Zuflucht^der Armen, derer, die gebeugten Herzens sind, - der; Demütigen^ der Redlichen suchen/' Dennoch fehlt jede leiseste Spur einer erotischen Anwandlung -in dieser ganzen großen Dichtung her Liebe." - Wir wünschen dem.Verfasser zur Vollendung-dieses, seines. Werkes, das mit den vorstehenden Worten nicht b eurteilt, sondern nür begrüßt werden sollte, aufrichtig, Glück und hegen, mit seinen zahlreichen Freunden den^ Wunsch, und , die Hoff-, nüng, daß es ihm nun, da er entschlössen ist, sich von seinem akademischen' Berufe . zurückzüzie- .. ' hen, vergönnt fein möge, die großen Arbeiten über Religionsphilo-. sophie/ .auch über die - jüdische in Angriff zu nehmen und in der Zeitseiner Muße sich dem weiteren Ausbau seines Systems und der Durchsicht und Umgestaltung seiner früheren Arbeiten zu widmen. Unserem Blatte würde es zur- Ehre gereichen, wenn der hochverdiente. Mann, von demwir in dieser- Nummer einen Spruch der-. öffentlichen, auch gelegentlich . in. diesen Spalten das Wort ergreifen möchte. . , L. ... Sigismund Stern 'lerit gehört ..wie A. Bernstein, von dem vor einigen Wochen .in diesen Blättern die Rede, war, zu den Begründern der. Berliner Reform; er ist aber durch seine Leistungen weit über Berlin hinaus. bekannt, ein Mann von großer Vielseitigkeit, von einer im-' ponierenden Praktischen und theoretischen.. Wirksamkeit, ein bedeutender Redner, ein trefflicher Charakter. . .. . . - , . Sigismund Stern wurde am 2. Juli 1812 in. Karge in Posen.geboren, kam jung nach Berlin, absolvierte auf der Universität seine Studien in Philologie und Philosophie und übernahm 1834 eine von Dr.. Jost begründete und geleitete' Erziehungsanstalt. Er war auf dem Gebiete der sprachlichen Wissenschaft mehrfach durch gelehrte Arbeiten tätig, zeigte aber vör allem einen regen. Eifer für die Verbindung des Judentums .mit dem modernen Leben, dem' ..er besonders .m seinen Vorlesungen „Ueber die' Aufgaben des- Judentums'und der Juden in der Gegenwart" Ausdruck gab. Diese Vorlesungen würden vom November 1844 bis FebrUar 1845 in Berlin gehalten. Gleich nach der Beendigung der Vorlesung traten die. Männer zusammen, die „die Genoffenschaft -der Reform im Judentume" begründeten und die jüdische ReformgeiNeinde iw Berlin--ins Leben riefen. An dieser tvar Stern, der-1845 feine Schule aufgegeben hatte, mit außerordentlichem -Eifer tätig. Dr. Sigismund Stern. Geboren am 2. Juli 1812, gestorben am 9. Mai 1807. ' Die Zeit von/ 1845. an-benutzte er ferner^, zu dichterischen Arbeiten, von - denen freilich nur wenige der Oeffentlichkeit übergeben wurden und zu -geschichtlichen Studien, die vielfach zuerst in Vorlesungen einem größeren Hörerkreise dargeboten, dann in Buchform. veröffentlicht wurden. Es sind die folgenden:' „Geschichte, des deutschen Volks in den Jahren 1848 und 49.' Berlin 1850"; „Die Zeitgonoffen,. Geschichte '. der Gegenwart-iw vergleichenden Biographien, Berlin 1852";', „Stein und sein Zeitalter, Leipzig 1855"; populäre Geschichtswerke', die durch eine gute Kenntnis des Gegenstandes und lichtvolle Darstellung!sich berechtigtes Ansehen.erwarben. . . 'Im Jahre 1855. folgte, er einer Berufung nach Frankfurt a.M. als Direktor des dortigen Philanthropin; er hat bis zü seinem Tode diese Stelle bekleidet und mit großem Erfolge die Anstalt, die während der Krankheit des früheren Direktors etwas zurückgekommen war, gehoben und ihr die Stellung zu verschaffen gesucht, die sie im Frankfurter Gemeindeleben noch heute hat. Aber die Leitung der Schule allein genügte ihm nicht. Er verstand es auch an den Angelegenheiten der Stadt sich zu beteiligen'. Sein lebhaftes Interesse für allgemeine Politik betätigte er auch in Frankfurt, veröffentlichte 1860 eine Schrift über Oesterreich und Preußen und verteidigte in dem damals republikanischen Frankfurt . den freiheitlichen . preußischen . Standpunkt, den er Zeit seines Lebens eingenommen hatte. Auch feine/historischen Arbeiten ruhten nicht. 'Er gab ein größeres.Werk „Deutsche Geschichteim Zeitalter der französischen Revolution" 1865 heraus, dessen Stoff er zuerst in Vorlesungen, in denen er Meister war, einem größeren Publikum vorlegte. . Durch seinen Beruf angeregt, behandelte er auch pädagogische Fragen, teils in den Programmen in der von ihm geleiteten Schule, die alljährlich eine größere Abhandlung von ihm enthielten, teils in feinem Buche „Die häusliche Erziehung", Leipzig 1867. Während der' praktische Anteil an jüdischen Angelegenheiten in der Frankfurter Periode mehr und mehr zurücktrat, faßte er die Anschauungen, die er über das Judentum und dessen Entwicklung hegte, in dem Buche „Geschichte des Judentums von Mendelssohn bis auf die Gegenwart", Frankfurt 1857 zusammen. Dies Buch ist jedenfalls, die wichtigste Arbeit zur Er- - kenntnis seines jüdischen und seines deutschen Wesens. Es ist dazu bestimmt, die' Gegensätze zwischen alter und neuer Zeit zu vermitteln, zu zeigen, daß die/deutschen Juden der modernen Zeit von dem Streben erfüllt gewesen seien und erfüllt bleiben müßten: treue Bekenner-ihres Glaubens zu sein und doch Anteil zu nehmen an den Bestrebungen der Gegenwart uüd an der Förderung des Deutschtums. Stern gehörte zu der Schar bedeutender Männer, die unter der Einwirkung des Mendelssohnschen Geistes groß geworden, die Versöhnung scheinbarer Gegensätze in sich.selbst vollzogen hätten und der Zukunft als kostbares Erbe zu überlassen bestrebt, waren , . ... L. G.