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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-28 · Heft 26 (28.6.1912) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
Seite 308 (sequence 8)
Language
German
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luomit-Cohen kurz vor dem Abschluß seines 70. Jahres sein System, der Philosophie vollendet hat. Nur ein Hinweis 7 soll es-sein, denn das Werk kam mir wenige Tage vor der Druck-? legung dieser Nummer zu. In wenigen Tagen lassen sich aber zwei Bände, die fast 900 Seiten umfassen, .nicht durchlesen, geschweige, denn gründlich kennen lernen. Darum sei hier nur gesagt, daß der Leser vor dieser außerordentlichen Masse eines, weitschichtigen Materials staunt: außer, der systematischen Grundlegung der Aesthetik werden Dickstung, Musik- Malerei, Bildhauerkunst gleichmäßig behandelt. . Das Buch zerfällt in zwei große Teile. Der erste ist^betitelt: „Die Grundlegung der systematischen Aesthetik" und zerfällt, in folgende Kapitel-: .1. „Das Problem der systematischen Aesthetik", 2. „Der Begriff der Gesetzlichkeit", 3. Die Gesetzlichkeit des reinen Gefühls",' 4. „Der Ausbau des Bewußtseins"- 5. „Der Begriff des Schönen und seine Momente", 6. „Die. Poesie als die Sprache der Künste". Der zweite Teil: „Die Bestätigung der systematischen Aesthetik in den Arten der Künste und an ihrer Geschichte" zerfällt in 8 Kapitel: 1. .„Das Epos", 2. „Die Lyrik", 3. „Das Drama", 4. „Der Roman", 5. „Die Musik", 6. „Die Baukunst", 7. „Die Plastik", 8. . „Die Malerei". . Für die nichtphiloso-. Phisch. geschulten Leser ist dieser zweite Teil naturgemäß von der größeren Wichtigkeit. Welche Summe"./ von feinen Beobachtungen, welche Masse von Kenntnissen tritt dem Leser hier entgegen. Wer den Verfasser unseres Buches jemals in Galerien oder Konzerten gesehen, der hat immer die Empfindung gehabt, daß dieser Mann sich nicht mit einem bloßen Aufnehmen und Genießen begnügte, sondern bei aller tiefen Empfänglichkeit für das Genossene seine Eindrücke kontrolliert und in ein System bringt. ' May würde dem Gelehrten das größte Unrecht tun, .wenn man meinte, daß in diesem von einem Philosophen , jüdischen Glaubens herrührenden Werke irgendwie eine jüdische Betrcichtungsweise vorliegt.; Denn das ist absolut nicht der Fall. Das völlige Schweigen über Richard Wagner, das freilich in einer modernen Aesthetik befremdet, stammt gewiß nicht nur von der Abneigung gegen den Antisemiten, sondern gegen den Vertreter einer Kunstrichtung, mit der Cohen nichts zu tun haben will. Das darf man..aber nicht so verstehen, als wenn Cohen ausschließlich auf klassischem Standpunkt stehend, das Moderne vollkommen abwiese. Denn wenn er auch in der Dichtung nichts davon spricht, von den Neueren wird eigentlich nur Gottfried Keller gelegentlich erwähnt und auch in der Plastik im wesentlichen die Zeit der Renaissance behandelt, so hat er doch bei der Besprechung der Malerei schöne Worte für die Richtung) die von-Millet anhebtvor allem für Israels und Max Liebermänn. Mir speziell war es besonders interessant zu betrachten, wie der Philosoph über Renaissance und über Goethe spricht. Goethes „Wahlverwandtschaften" ist der größere Teil des Abschnittes über den Roman gewidmet; in dem Abschnitt Lyrik steht je ein Kapitel über „Goethes und Schillers Lyrik" und die „Humanität in Goethes Lyrik", und man braucht nur einen Blick in d,as Register zu werfen, um zu sehen, wie unendlich oft von Goethe die Rede ist, Neben Goethe darf man . Beethoven-, Raphael, Michelangelo nennen, um die Großen' zu bezeichnen, von denen am häufigsten hie Redeist. Mer... auch Dante, Dürer, Kaut-, werden häufig erwähnt und be« handelt. Gelegentlich ist natürlich auch von der- Bibel und'vom Juden- ' tum, mit besonderem Nachdruck von den Propheten Jesaijcr und? Jeremia die Rede. Im Register finden, sich, über-Juden-nur drei Stellen, von denen die eine den Judenhaß bei Shhlock be-?- handelt, die andere.sich über Rembrandts Judenbilder ausspricht, die letztere Stelle lautet so : „Vielleicht. erklärt: sich so - auch am leichtesten. Rembrandts Vorliebe für jüdische Typen- - die doch nicht allein aus-feinem Wohnen in,der Amsterdamer Judengasse erklärt werden kann, wodurch die Frage nur zurückgeschoben würde. Es sind auch nicht die Gestalten; dffr spanischen und portugiesischen Juden, die von ihrer.spanischen Haltung her ihn reizten, sondern es sind vorzugsweise die Köpfe, welche er auswählte. Es ist die Seele, welche in. dem Gettoblick dieser.. Augen wehmutsvoll ruht, - die seinen Aus-s. gangspunkt bildetvon dem aus er die gesamte Gliederung und Gestaltung des Körpers durchführt. , Es ist keinerlei Sentimentalität dabei-sie würde den Humor entsetzeru 7. Es! ist . ebensowenig aber der lei-: feste Anflug.. einer Kar-ikatur dabei zu.bemerken;- völliger harmonischer Ein-, klang dieser Gestalten mit .ihrer Seele."?. -;.:j. Mit besonderem Nach-, drucke sei aber - an . dieser, Stelle aufmerksam ge-, macht . auf das Kapital:) -„Die Liebe im ältest'MÄ. . stament". Aus - djeserst? schönen Kapitel soll hie^- ein Stück-über Propheten- und Psalmen unseren.'Lasern mitgeteilt werden) aifti; ihnen einen Vorgeschmack; dessen zu-geben, was si^ bo^ der Lektüre des Ganzen erwartet. Es lautet: „Die P r 0 p t e n haben ebenso nachdrücklich die L i e b e wie die G er eMt i g feit Gotte s zur Erkenntnis gebracht. Und. die LÄHe-. ist ihnen nicht allein als die milde, nachsichtige, vergebetlhäj Eigenschaft Gottes, durch welche sie, gleichwertig und . artig mit der Gerechtigkeit das Wesen Gottes bestimmt, söst-i^ dern sie wird ihnen auch zum Gleichnis für das D e rch Om n is Gottes zu Israel und dadurch zur messtan.is-chew' Menschheit. Nicht allein wie ein V a t e r -seinen liebt, nicht allein wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, MM Gott sein Volk und seine Menschheit, sondern auch wih B r ä u t i g a m die Braut, wie der G a t t e die . Geliebte ffiipßVf Jugend. Ja, auch den Scheide b r i e s gibt. er ..Israel seiner Verwerfung. Es gibt kein Verhältnis der menschlicher der sittlichen Liebesverfassung unter den Menschen, unter. deM die Propheten nicht den liebenden Gott besingen. „Ist,Mp; denn ein teurer Sohn Ephraim und ein Schoßkind?"? .-„Ich-? gedenke dir'die Liebe deiner Jugend, die Liebe deiner Braut--, schaft, da du mir nachzogest in die Wüste."* So läßt Jeremia seinen Gott an Israel für seine Liehe zu ihm.dankeM) Wie Gott in. allen menschlichen Formen der Liebe liebt, - jjo.- auch liebt der Mensch seinen Gott.. ' H Es besteht auch -hierin - ein) .innerlicher Zusammenhang.) zwischen den -Propheten und .den Ps ahmen. Das Gebet do^ kumentiert diese Einheitlichkeit.:,,Wir, hghen,dje Seh.nsstcht/,als. den -charakteristischen? Affekt .der rernen Liehe ..erkstnnt:'..jn .de.N i Psalmen ist. sie der Grundafsekt.. - „Meine ^eele Mntr stch^nach,' Gott." In der ganzen Stufenleiter,

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