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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-21 · Heft 25 (21.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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fromme Seele ausgehaucht. Die große Liebe und Verehrung, -deren sich der Verklärte in allen Gesellschaftskreisen erfreute, bezeichnet^ ein Trauergefolge, wie es seit Jahren hier nicht gesehen worden ist. Ain Grabe schilderte zuerst der Landrabbiner Dr. - G r o n e m ann das, gesamte Leben und Wirken des Verewigten, hierauf entwarf Rabbiner Dr. Freu n d ein Bild des musterhaften, echt jüdischen Familienlebens, das derselbe cm. ber Seite einer wackeren Gattin und im Kreise von fünf begabten und wohlerzogenen Kindern gefunden hatte. Dann schilderte der Direktor der Bildungsanstalt Dr. K n o l l e r die großen Verdienste, die sich der Verstobene um die Anstalt und ihre Zöglinge erworben, und zuletzt widmete ihm der derzeitige Präsident der hiesigen Zionsloge, Lehrer M. Zucker mann einen kurzen Nachruf namens der Loge. Das Andenken des Edlen wird in der Gemeinde und ihren Institutionen zum Segen fortwirken. Gefterretch-Angarn. K. Wien, 14. Juni. Das Kuratorium der Baron Hi r sch- Stiftung zur Förderung des Volksschulunterrichts in Galizien und im Herzogtum Bukowina, dessen Präsident der am 14. Mai verstorbene Herr David Ritter von Gutmann war, hat in seiner Generalversammlung vom 11. d. M. den Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolf Stein in Wien zum Präsidenten gewählt. Die Herren Wilhelm Ritter von Gutmann, der Enkel des verstorbenen Präsidenten, und Moritz Edler von Kusiner wurden als Mitglieder des Kuratoriums kooptiert. — Anläßlich der Beratung über die Dienstpragmatik im österreichischen Reichsrate stellte der Abgeordnete Dr. Schmeral folgenden Antrag: „Politische, konfessionelle und nationale Gründe dürfen bei Anstellung eines-Staatsbeamten keinen Einfluß ausüben." Der Antragsteller verwies auf die Bevorzugung von Adligen bei Verleihung von Aemtern und betonte, daß es ganze Gebiete in der Staatsverwaltung gibt, wo bei Besetzung von Staatsbeamtenstellen ganz deutlich eine antisemitische Tendenz zu bemerken ist. Ebenso ist bei der Besetzung höherer «stellen die Konfession oft viel wichtiger als die Qualisitation, ein Umstand, der ja oekanntlich einen ständigen Gegenstand oer Beschwerde im Reichsrate bildet. Dieser Antrag, der übrigens in den Staatsgrundgesetzen schon längst begründet ist, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Bemerkenswert ist, daß die Christlich sozialen und Deutschnatioualen gegen den Antrag Schmeral stimmten. Für diese Herren scheinen die Slaatsgrundgesetze einfach nicht zu existieren. — Am 7. d. M. wurde der Hauptkafse des Wiener Magistrats eine Summe von acht Mill. Kronen für den allgemeinen Bersvrgungsfvnds aus der Berlassenschaftsabhandlung nach dem verstvrvenen narvn Albert von Rorhschud übergeben. (Lineweitere Stärkung des allgemeinen Bersbrgungsfonds wird von dem Nachlaß des verstorbenen David Ritter von Gutmann erwartet. Dieser Nachlaß wird auf. zwei Millionen Kronen bewertet. Ein Teil dieser summe, und zwar drei Millionen Kronen wird zur Erbauung drei neuer Pavillons im städtischen Bersorgungsheim Verwender iverden. — ^m Israelitischen Kalser-Franz-Fvsefs-Aroeiterinnen-ErhoUlngsheim fand vor einigen Lagen die feierliche Enthüllung des von Maler Krestinn lebensvoll gemalten Porträts der ersten Präsidentin des Frauenhorts, Frau Rosa Zifferer, statt. Frau Regine Kopstein, die.gegenwärtige Präsidentin, hielt die Gedenkrede, in der sie die Verdienste der Verstorbenen um die arbeitenden jüdischen Frauen und Mädchen in Wien eingehend würdigte. An dieser schönen Feier nahmen die Vertreter aller religiösen und Humanitären Anstalten der Wiener Kultusgemeinde teil. Außerdem sind dem Vereine zahlreiche Telegramme zugegaugen, so von den Freiherren Louis, Eugen und Alfons von Rothschild, der Baron Hirsch-Stiftung und vielen anderen Korporationen und Philanthropen. Die verstorbene Präsidentin des Erholungsheimes für jüdische Arbeiterinnen, Frau Rosa Zifferer, geb. Schüller, stammte aus Berlin und entfaltete auf humanitärem Gebiete innerhalb der Wiener Kultusgemeinde eine überaus segensreiche Tätigkeit. — Die „Wiener Sonn- und Montagszeitung" veröffentlichte vor kurzem von einem stellensuchenden jungen Kaufmann eine Zuschrift, die ein merkwürdiges Licht auf die Tendenzen des Kaufmännischen Vereins „Merkur" in Graz wirft. „Ich bin", so heißt es in der genannten Zuschrift, „Kaufmann, rechtschaffen, gebildet, 45 Jahre alt und verlor durch geschäftliche Aktionen mein weniges Geld und suchte in Graz Stellung. Der „Merkur" fand mein Gesuch, meine Bildung und mein Auftreten usw. tadellos und stellte mir ob dieser guten Eigenschaften baldige Erfüllung meines Wunsches in Aussicht. Plötzlich gewahrte der Sekretär des „Merkur" in meinen Papieren, daß ich der mosaischen Konfession angehöre. Dies hatte, zur Folgedaß ich sofort abgewiesen wurde mit dem Bemerken,'daß Juden im „Merkur" als Postensuchende nicht figurieren dürfen." Ein Kommentar zu diesem Vorgänge ist wohl überflüssig. , Frankreich. z. Paris, 14. Juni. Unter dem Vorsitz des Barons Edmund de Rvth sch i l d fand' vor einigen Tagen die diesjährige Generalversammlung des israelitischen Konsistoriums statt. Der. zur Verlesung gelangte Jahresbericht enthält unter anderem einen warmen Nachruf für den im Berichtsjahre verstorbenen Ehrenpräsidenten Baron Gustav de Rothschild, einen Bruder des Baron Edmund. Vor Schluß der Versammlung ergriff Baron Edmund de Rothschild das Wort zu einer längeren Rede, in ivelcher er unter anderem ausführte: „Ich bin noch ganz gerührt von dem ehrenden Nachrufe, den Sie soeben meinem armen teuren Bruder gewidmet haben. Er hatte ein tiefes jüdisches Herz. In der .letzten Zeit'seines Lebens waren alle seine Gedanken, alle seine Sinne dem Konsistorium und der Reorganisation des Kultus gewidmet. Zur Zeit, als die Trennung des Staates von der Kirche zum Gesetz erhoben wurde, lvar er von tiefer Besorgnis erfüllt. ' Er frug sich, ob unsere Glaubensgenossen, die seit langem gewöhnt waren, immer auf den Staat zu rechnen,, noch soviel Anhänglichkeit an das Judentum empfinden würden, um die Opfer zu bringen, welche zur Erhaltung einer so großen und wichtigen Gemeinde,, wie diejenige von Paris,, notwendig sind. Aber er hatte auch den Glauben an die gewohnte Opserwilligkeit unserer Glaubensgenossen, und dieser sein Glaube hat sich als berechtigt. erwiesen. Bei uns Juden gehört die Bildung von Vereinen, von Chewroth zur Förderung des Kultus und der Wohltätigkeit zu. einer alten, schönen Tradition." Nachdem Baron Rothschild noch auf die Notwendigkeit mancher neuer Schöpfungen innerhalb der Pariser Judengemeinde und besonders aus die Unerläßlichkeit jüdischer Patronagegesellschasten Hingelviesen hatte,, schloß er seine Rede wie folgt: „Meine Herren! Ich habe das volle Vertrauen und die beruhigende Ueberzeugung, daß wir.nach wie vor treu bleiben werden unseren ehrenvollen Traditionen,, gerade jetzt in einem Momente, ivo die Prinzipien des Judentums in der ganzen Welt Triumphe feiern. Vergessen sie nicht, meine Herren, daß die Solidarität der Menschheit, von welcher jetzt so viel gesprochen wird, zum erstenmal von den Propheten Israels der Welt proklamiert wurde." Lutzland. L. A. T. Petersburg, 12. Jünst Alm 12. v. M. fand hier anläßlich des 75. Geburtstages von Atichäel Grigorjewitsch Morgulies eine erhebende Feier statt. Der sehr große Saal der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung" war'überfüllt, und die 'ganze Gesellschaft trug einen festlichen Charakter. Die' einleitende Rede hielt der Vorsitzende des 'Komitees,' Geheimrat-'I. M. Halpern: „Der Gedanke der Notwendigkeit, in würdiger Weise den 75. Geburtstag von M. G. Morgulies zu feiern, hat die Mitglieder des Komitees zu Förderung der Bildung mit'den Vertretern anderer Gesellschaften und der-jüdischen Presse vereinigt. Die zu'diesem Zwecke gebildete Kommission beschloß, sich mit einem Aufrufe an die weiten Kreise des Judentums zu wenden, an der Schaffung eines Spezialfonds teilzunehmen,"der zu einem Teil zur Gründung einer allgemeinjüdischen Bildungsanstalt, zum andern Teil zur Herausgabe der Werkedes Jnvitars "verwendet" werden "soll. Vis zum heutigen Tage sind aus Petersburg zu diesem Zwecke 6 2 5 0 Ru b'e l, aus der Provinz, mit Ausnahme von Odessa, 2301 Rubels und zusammen mit. Odessa u n g e sähr 2 5 0 0 0 Rubel eingelaufen. Wir glauben und hoffen, daß der Strom der Gaben nicht aufhören wird. Sehr groß und fruchtbar war Morgulies' literarische und kulturelle Wirksamkeit, daß der Gedanke einer gebührenden Feier seines Jubiläums nicht lebendigen warmen Widerhall finden sollte. Seine Verdienste um das Judentum sollen von den nachfolgenden Rednern gewürdigt iverden. Es bleibt mir nur noch übrig, zu sagen, daß die gegenwärtige Feier ein Fest der jüdischen Kultur ist, die in Morgulies einender kühnsten und rastlosesten Kämpfer gefunden hat. Wünschen'wir dem teuren Jubilar dieselbeRüstigkeit des Geistes, die Frische des Gefühles und der-unerschöpflichen Energie auf viele, lange Jahre." — Hierauf gab Rechtsanwalt M. I. Ku-li scher auf Grund eigener Erinnerungen eine Charakteristik der Persönlichkeit und Wirksamkeit des Jubilars, welche warme Beifallsrufe des Auditoriums hervorries. Rechtsanwalt 'L. M. B r a m f o n hielt sich lange und ausführlich bei der Charakteristik der gemeinschaftlich-kulturellen Tätigkeit Morgulies' auf. Zwei Grundzüge charakterisieren Morgulies - als; Gemeindearbeiteru

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