Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Mai 1909 fallend, anerkannt worden, so daß Lehrern und Lehrerinnen die bei der Anstalt in Erziehungstätigkeit verbrachte Zeit.als öffentlicher Schuldiensftängerechnet wird. — Der derzeitige Inspektor ist Herr Jonas Uhlfelderi Vor ihm waren im Amte: Dr. Falkenheim, Lehrer Sußmann Katzenstein und Lehrer Hermann Wolfs. — Die Gründung der Anstalt knüpft sich an eine Tat seltenen Edelmutes, welche von keinem Mitglied unserer Gemeinde, ja nicht einmal von einem Genossen unseres Glaubens ausging. Ein Edelmann - im schönsten Sinne des Wortes, evangelischer Konfession, der Freiherr Ernst von Kottwitz auf Fachorze,^ Kreis Bomst, ein Mann, welcher sein ganzes Dasein-än den Dienst per werktätigen Menschenliebe, gestellt, hatte im Jahre 1835 einem Gemeindemitgliede, David Fränkel, den Entschluß.zu erkennen gegeben, eine namhafte Summe „zugunsten einer wohltätigen Anstalt der hiesigen israelitischen Gemeinde zuzuwenden, wenn er zunächst darüber Auskunft erhielte/welche dieser Anstalten am zweckmäßigsten eingerichtet und der Gemeinde am ersprießlichsten wäre." — Unter den. ihm vorgelegten Entwurf schrieb er mit eigener Hand die Worte:'„Mit der Hoffnung auf Gottes Beistand und Mitwirkung vieler guter Menschen unterzeichne ich meine Genehmigung der Grundsätze und . Bereitwilligkeit zur Hingabe eines Kapital-Aktivs von fünf Tausend Talern, sobald die Ausführung durch für wenigstens zwanzig Kinder hinreichend beschaffte Mistel gesichert ist. Am Sonnabend, den. 15. Oktober, dem Geburtstag des Kronprinzen und nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm IV. erfolgte die feierliche Eröffnung der Anstalt. Breslau, 17. Juni. Wie bereits berichtet wurde, beginnt der. diesjährige Ferienkursus in R e l i gio ns w i s s e n- I sch asten am Montag, den 8. Juli und dauert bis Donnerstag, den 26. Juli. Es werden lesen: Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy: [ lieber „sefer hachinuch" . dreimal wöchentlich, Dozent Dr. Brann: 1. Jüdische Geschichte: Geschichte der Judenemanzipation in Preußen, zweimal wöchentlich; 2. Exegese: Ausgewählte Stellen aus dem Kommentar des Nachmanides zum 3. Buch Moses, zweimal wöchentlich; 3. Pädagogik: Methodik des Bibl. Geschichtsunterrichtes mit anschließenden Probelektionen, einmal wöchentlich. Dozent Dr. Horovitz: 1. Maimunis Kommentar zum Traktat Abot, zweimal wöchentlich; 2. Homiletik: Kasualpredigten mit Hebungen, einmal wöchentlich. Rabbiner Dr. Deutsch: 1. Apologetik: Manasse ben .Israels Verteidigung der Juden, zweimal wöchentlich; 2. Ritualien: Ritualgesetz über das Neujahrsfest und die zehn Bußtage. Kapellmeister Elsner: Musiktheorie (für Kantoren) in noch sestzusetzenden Stunden. Auswärtigen Teilnehmern werden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen gewährt. Mit der Leitung des Kursus ist Prediger Falkenstein-Landeshut i/Schl, betraut worden. Der allgemeine Studienplan. wird den sich anmeldenden Kollegen rechtzeitig zugehen. Neben der wissenschaftlichen Arbeit sollen Annehmlichkeiten mannigfacher Art geboten werden. Die Nachmittage, die von Vorlesungen freigehalten sind, sollen besonders dazu benutzt werden, Breslaus Museen, gemeinnützige Institute, Sehenswürdigkeiten usw. unter sachverständiger Führung kennen zu lernen. Weitere Anmeldungen zur Teilnahme an dem Kursus sind schleunigst an Lehrer Mo o p s, Breslau, Ohlauerstr. 1, zu richten, der gern geneigt ist, Auskunft zu erteilen und sich angelegen lassen sein will, den Teilnehmern Preiswerte Wohnungen mit und ohne Beköstigung nachzuweisen. Am 30. Juni wird die Teilnehmerliste geschlossen. m. Hamburg, 14. Juni. Nachdem in den Hamburger Volksschulen seit einigen Jahren der Schularztdienst mit bestem Erfolge eingesührt worden ist, hat die Talmud-Thora-Realfchule in Hamburg, dem Beispiel anderer deutschen Städte (Halle, Mannheim, Meiningen, Berlin usw.) folgend, als erste höhere Schule in Hamburg die Anstellung eines Schularztes beschlossen. Die Wähl des Schulvorstandes ist aus den hiesigen Arzt Herrn Dr. S. Möller gefallen. Der Schularzt wird jährlich ein- bis zweimal tunlichst alle Schulkinder untersuchen, und außerdem in regelmäßigen Sprechstunden die der ständigen Ueberwachung bedürftigen Kinder beobachten sowie diejenigen untersuchen, die ihm vom Direktor oder Lehrer wegen eines Krankheitsverdachtes überwiesen werden. Aerztliche Behandlung findet nicht statt. Wenn eine solche notwendig erscheint, werden dieEltern benachrichtigt.— Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher Kinder(Ferienkolonien) hielt seine Generalversammlun g unter Vorsitz des- Herrn L u d w i g Mat h i a s o n ab. Vor Eintritt in. die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des dahingeschiedenen - langjährigen Vorstandsmitgliedes und Mitbegründers des Vereins, des Herrn Dr. L. L e v y, dessen, Andenken von der Versammlung durch Erheben von den Plätzen geehrt wurde. An seiner Stelle ist Herr Dr. Halberstadt in den Vorstand gewählt worden. . Der Vorsitzende hob bei Erstattung des Jahresberichts hervor, daß im-Kinderhospiz des Vereins in Duhnen auch im verflossenen Jahre 342. und zwar 208 Knaben und 134 Mädchen, einen durchschnittlich vierwöchentlichen Aufenthalt fanden, und zwar zum größten Teil unentgeltlich oder gegen geringe Vergütung. Die Ausgaben auf Verpflegungskonto bezifferten sich auf 13 877.76 Mark, so daß die Kosten pro Kind und'Tag sich auf 1.79 Mark und unter Berechnung sämtlicher Unkosten auf 2.65 Mark beliefen. Außerdem wurden auch im verflossenen Jahre auf Kosten des Vereins einer großen Anzahl von schwächlichen Kindern während der Schulpausen Milch und Eier verabfolgt. Die Kosten hierfür bezifferten sich auf 954 Mark. Ferner wurden auf Kosten des Vereins nach Marienthäl 1 Mädchen und nach Osterode 2 Mädchen und 3 Knaben, sowie nach - Wälsrode, Segeberg und Klangenberg je 1 Kind zu dem ihnen ärztlicherseits verordneten vierwöchentlichen Kuraufenthalt entsandt. ' Auch im verflossenen Jahre erhielt der Verein von verschiedenen Gönnern einmalige Zuwendungen und zwar u. a. an größeren Summen von E. Calmann, Testament 500 Mark, Fr. Ulrike Heine 250 Mark, - H e r m. S. M e h e r, Testament, 300 Mark, N. N. 200 Mark, Frau Amalie Goldsch'midt, geb. Marburg, Testament 400 Mark, und Ludwig Peine, Testament 600 Mark. Der Vorsitzende sprach seinen Dank für die Zuwendungen aus und ersuchte, auch ferner bei außerordentlichen Veranstaltungen des-Vereins zu gedenken. 6. Hannover, 14. Juni. Unsere Gemeinde hat durch den am ersten' Tage des Wochenfestes erfolgten Heimgang des Herrn Julius Frensdorfs, über dessen Leichenbegängnis in der vorigen Nummer dieser Blätter kurz berichtet wurde, einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 59 Jahren erreicht hat, entstammte väterlicher- und mütterlicherseits einer jüdischen Gelehrtenfamilie. Er war der Sohn des bekannten Masorethikers und Leiters des hiesigen Lehrerseminars Professor Salomon Frensdorfs und von mütterlicher Seite der Urenkel des früheren hiesigen Landrabbiners R. Berisch, des Sohnes und Nachfolgers des berühmten Pnearje und Enkels des noch berühmteren . Pnejehoschua. Sein Stammbaum ist neuerdings — doch nicht zum ersten Male — in der Zeitschrift „Ost und West" veröffentlicht worden, wo er aber irrtümlich statt aus ihn auf feine Gattin bezogen wird. Die Abstammung von großen Rabbinern war dem Verklärten der Stolz feines Lebens und in deren Geist fein Haus und sein eigenes Leben zu gestalten, das Ideal seines Strebens. Das Erbe seiner großen Ahnen war feine tiesinnerliche, von Milde und Duldung getragene Frömmigkeit, seine große Liebe zur Thora und zur jüdischen Wissenschaft, an der er sich nach den Arbeiten seines kaufmännischen Berufes erfrischte, und vor allem seine Hervoragenden Herzens- und Charaktereigenschaften. Er war ein Mann von seltener Pflichttreue, von einer rührenden Bescheidenheit, -von einer beispielslvsen, bis zur Selbstverleugnung gesteigerten Friedensliebe, ein Menschenfreund im vollsten Sinne des Wortes, dem es förmlich Herzensbedürfnis war, anderen Liebe und Gefälligkeiten zu erweisen, freundlich und wohlwollend gegen jedermann, eine echte Hillelnatur, an dessen Bahre, wie ein Redner bemerkte, man sagen könnte, wie einst über Hillel: „Hingegangen ist ein wahrhaft frommer, ein wahrhaft bescheidener, ein echter Schüler des friedfertigem Aron." Daß ein solcher Mann bei allen religiösen und wohltätigen Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde nicht fehlte, versteht sich von selbst. Er gehörte der Verwaltung der Chewra Kadischa, des Talmud-Thora-Vereins rrnd anderer Vereine an und hat deren Bestrebungen durch seinen klugen Rat und sein warmes Herz außerordentlich gefördert. Insbesondere aber hat er in seinem pietätvollen Sinn das Andenken seines Vaters, des Leiters des hiesigen Lehrerseminars dadurch geehrt, daß er den „Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer" gegründet, unermüdlich und rastlos an der Herbeischasfung der erforderlichen Mittel gearbeitet und nicht geruht hat, bis es gelungen . war, den Zöglingen der Anstalt-ein eigenes, schönes Heim zu schaffen, wie es für derartige Zwecke in keiner anderen Gemeinde besteht. Es schien wie ein böses Omen, daß der vortreffliche Mann wenige. Tage vorder Feier des 160. Jubiläums der Chewra Kadischa, an deren Vorbereitung er mit besonderer Freude gearbeitet hatte, auf das Krankenlager geworfen wurde. Seine Krankheit hatte große Besorgnis eingeflößt, indessen hatte er sich zur allgemeinen Freude nach einigen .Monaten schon soweit davon erholt, daß er zu,seiner Stärkung nach Kissingen reisen konnte. Aber ckaum angekommen, hat er dort seine