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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-21 · Heft 25 (21.6.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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volle Einzelheiten. An die hierauf vollzogenen Wahlen für das Kuratorium schloß sich ein außerordentlich lehrreiches und mit' dem allgemeinen Beifall.der Versammlung belohntes Referat des Herrn Dr. Jacob Segall über „Die Entwicklung der Jyden in Preußen während der letzten 100 Jahre." c/s> Berlin, 18. Juni/ Die diesjährige Generalversammlung des Vereins jüdisches Genesungsheim Berlin fand am 5. d. M. im zweiten Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde statt. Aus dem von dem Vorsitzenden Herrn Sanitätsrat Dr. Wilhelm Feilchenfeld erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß im Jahre 1911 560 weiblichen Personen der Aufenthalt in Lehnitz gewährt worden ist, um -sie in ihrer Erwerbssähigkeit zu erhalten. Die außergewöhnlich große, bisher noch nicht erreichte Belegziffer, ließ sich nur dadurch' ermöglichen, daß die regelmäßige Besetzung auch in den Frühjahrs- und Herbstmonaten strengstens durchgeführt I wurde. Es ist das aber nur dann zu erreichen, wenn die Pfleglinge sich rechtzeitig zur Ausnahme melden. Im ganzen sind im Jahre 1911 18 294 Verpflegungstage (gegen 16 686 im Jahre 1910 und 16 475 im Jahre 1909); hierfür wurden — ohne Anrechnung des Grund und Bodens und der Gartenerzeugnisse — für Verpflegung 20 288 Mark .ausgewendet, mithin pro Kopf und Tag 1,109/io Mark gegenüber 1,1034 im Jahre 1910. Nur der außerordentlich vorsichtigen Oekonomie ist es zu verdanken, daß trotz der Steigerung der Lebensmittel sich die Kosten gegen das Vorjahr nicht erhöht haben. Auch in diesem Jahre hat eine große Reihe von Wohltätern ihr Interesse an diesem Wohltätigkeitsinstitut durch Mitgliedsbeiträge und Spenden bekundet. Gesuche um Ausnahme sind an das Bureau des Vereins jüdisches Genesungsheim Berlin, Rosenstrnße 2/4, Zu richten. 22 Berlin, 18. Juni. Einen schönen sportlichen Erfolg vermochte die Sportabteilung des I üdischen. Turnv er e in s Bar Kochba am letzten Sonntag zu erringen. Nachdem es ihr im Vorjahre bei der erstmaligen Teilnahme an dem Stafettenlauf aus der Strecke Potsdam—Berlin gelungen war, unter 38 Mannschaften den 22. Platz zu belegen, zeugte der Erfolg ihres diesmaligen Startes von einem recht erheblichen Fortschritt, indem sie das Rennen als 17. unter 53 Mannschaften beendete.. Somit vermochte' sich die. einzige jüdische Mannschaft — die übrigens durch den Magen David als Sportabzeichen kenntlich war — bei der starken Konkurrenz im ersten Drittel sämtlicher teilnehmenden Verbands-, Vereins- und Regimentsmannschaften zu halten. Die Ausgabe des Rennens ist die, eine in einer Kapsel enthaltene Urkunde durch Weitergabe von Mann zu Mann möglichst schnell von der Glienicker Brücke in Potsdam bis zum Bismarckdenkmal auf dem Königsplatz in Berlin zu befördern. Die Strecke beträgt etwa 25 Kilometer und es dürfen 50 Mann in beliebiger Aufstellung aus dem Wege verteilt werden. Es leuchtet ein, daß eine derartige Aufgabe an die organisatorische Befähigung der Vereinsleitungen und das Pflichtbewußtsein, der einzelnen Läufer ganz außerordentliche Anforderungen stellt. Müssen doch die in Potsdam und Wannsee aufgestellten Teilnehmer bereits vor 5 Uhr morgens aus, den Beinen sein. Es muß gesagt werden, daß die Bar Kochbaner diese Probe aufs beste bestanden und sich damit den Dank der jüdischen Allgemeinheit verdient haben. Denn sie haben durch die sportliche Tat gegen eine jener Verleumdungen wirksam angekümpst, aus denen immer wieder verletzende Waffen gegen unsere Gemeinschaft geschmiedet werden: daß nämlich der Jude zu körperlichen Leistungen und zur Betätigung aller jener Mannestugenden der Unterordnung, Opserwilligkeit und Pünktlichkeit unfähig fei, die zu den Voraussetzungen Änes jeden sportlichen Erfolges zählen. Unsere Sportsleute aber werden , sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben, sondern durch eifriges Heben die Bedingungen für einen noch schöneren Erfolg im kommenden Jahre zu schaffen suchen. y. Berlin, 14. Juni. Nach dem soeben erstatteten Jahresbericht hat der Verein Israelitisches Lehr er innen heim zu Berlin auch im verflossenen Geschäftsjahr eine erfreuliche Entwicklung genommen. Nachdem sich außer Frankfurt neuerdings auch Nürnberg und Beuthen vom Hauptverein abgezweigt haben, um die von ihm angeregte Wirksamkeit lokal auszugestalten, also selbständige Vereine mit dem gleichen Siete, nur lokal beschränkt, zu verfolgen, bestehen Zweigvereine in Eisenach, Grätz, Hannover, Hirschberg, Königsberg i. Pr., Leipzig, Liegnitz, Lifsa, Magdeburg, Posen, Stargard und Stettin. Hinzugetreten ist kürzlich Köln a. Rh., wo sich gleichfalls ein Zweigverein begründet hat. Neu in das Heim - ausgenommen wurden im Berichtsjahre drei Veteraninnen des Lehrerinnenberufs, MM zehn Rekonvaleszenten konnte vorübergehender Aufenthalt 'gewährt werden. Augenblicklich hat. das Heim 24 Insassinnen. Bedauerlich ist, daß nicht weniger als 32 Meldungen hilfsbedürftiger Lehrerinnen einliefen, die einstweilen wegen- Mangel an Platz'nicht berücksichtigt werden konnten. Um die Pforten des Zufluchtsorts möglichst allen alternden, erwerbsunfähigen Lehrerinnen zu öffnen, bedürfte es, eines größeren Neubaues und weiterer Mittel. Es wird nicht verhehlt, daß das wohlwollende Interesse weitester Kveife für dieses sozial bedeutsame Institut sich auch im letzten Jahre wiederum erfreulich betätigt hat und auch ansehnliche Gaben für einen Neubau'wieder gespendet worden sind. Nach der im Bericht gegebenen Aufstellung flössen au Beiträgen zum Erweiterungsbau ein: im Jahre 1909 4410 Mark, im Jahre 1910 7156,40. Mark und im letzten Jahre 1911 6478,45 Mark. / Mit der Ausgestaltung des neuerworbenen Hauses hofft man. in aller Kürze beginnen zu können. Der' Rechnungsabschluß für 1911 schließt mit 31787,98 Mark ab. Die Mitgliederbeiträge einschließlich ’ bet einmaligen Beiträge erreichten die Summe von 14 071,63 Mark. . - L. .Hohensalzä, 14. Juni. Der I sraelitisch e F r a u e nverein in Hoh ens alz a gründete im Jahre 1911 auf Anregung seiner'1. Vorsitzenden, der Frau Dr. Erna Levy-Weigert, ein Ferienheim für erholungsbedürftige Kinder, das nach dem Tode der Gründerin (19. Juni 1911), den Namen „Erna-Levy-Heim" erhielt. — Das Heim ist reizend inmitten der Solbadanlagen gelegen und rings von Gärten, Wiesen und Feldern umgeben. Die Räume, die zirka 25 Kindern Ausnahme gewähren, sind nach allen Anforderungen der Hygiene modern eingerichtet, überaus freundlich Und behaglich ausgestattet und bieten mit ihren frohen Farben einen anheimelnden Eindruck. Ein ausgedehnter Garten und eine große Spielwiese gehören zum Heim. Der Haushalt und die Hausordnung werden nach streng rituellen Grundsätzen geführt und unterstehen der Aufsicht des Ortsrabbiners Dr. Kohn. Besondere Sorgfalt wird auf die Verpflegung verwandt; das Essen wird regelmäßig von Vorstandsdamen kontrolliert. — Zwei im Pestalozzi-Frübel-Haufe zu Berlin ausgebildete Kindergärtnerinnen überwachen die Kinder. Es wird besonders auf ein samilienhaftes Zusammenleben Wert gelegt. — Sämtliche Kinder stehen unter ständiger-ärztlicher Kontrolle. Je nach der Verordnung werden Sol-, kohlensaure und Fichtennadelbäder im gegenüberliegenden Solbade verabfolgt. — Ein vierwöchentlicher Kuraufenthalt im Erna-Levy-Heim kostet nur 45 Mark, wofür außer Wohnung und Verpflegung auch ärztliche Behandlung und Bäder gewährt werden. Gute Erfolge werden erzielt gegen Bleichsucht, Unterernährung, Skrofulöse, Blutarmut und allgemeine Körperschwäche. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind: Ansteckende Krankheiten, Tuberkulose und Epilepsie. — Aufnahmegesuche sind zu richten an das Komitee des Erna-Levy-Heim zu Hohensalza. W. Posen, im Juni. Seit der Gründung der hiesigen isra>elitischen Waisen-Knaben-Anstalt sind fünsundsiebzig Jahre vergangen. Nachdem die Anstalt in den ersten fünfzig Jahren sich in ihrem Bestände gefestigt hatte, regte sich der Wunsch, einer größeren Zahl von Zöglingen Unterkunft zu gewähren, was aber ohne Erweiterung der vorhandenen Räume nicht möglich war. Im Jahre 1887 wurde deshalb das angrenzende Grundstück, welches der Synagogengemeinde gehörte, für 30 000 Mark gekauft, um darauf einen Erweiterungsbau auszuführen. Dieser ursprüngliche Plan wurde jedoch aufgegeben und an seiner Stelle in den Jahren 1890 und 1891 nur ein Umbau ausgeführt, der in dem Aufsetzen eines Zweiten Stockwerkes und eines -Obergeschosses und in der Anlegung einer Nvttreppe bestand. 1905 wurde nach vollendeter Durchlegung der Straße dem. Grundstücke durch einen kleinen Anbau ein besseres Aussehen gegeben. — Zu Beginn des Berichtsjahres betrug die Zahl der unter Obhut der Anstalt stehenden Zöglinge 28; davon waren 23 Schüler und, 5 Lehrlinge. Der Gesundheitszustand war im abgelaufenen Jahre ein durchaus günstiger. —: Schenkungen und Legate betrugen zusammen 11100 Mark. An lausenden Beitrügen gingen 3373.45 Mark und an Spenden in Einzelbeträgen von 350 und unter 15 Mark im ganzen 4586.50 Mark ein. Die Gesamteinnahme belief sich auf 39 890.91 Mark, und der Ueberschuß der lausenden Einnahmen betrug 686.77 Mark. Für die Mundverpflegung, kommen nach statistischen. Aufzeichnungen 10 902 Berpslegungstagein. Betracht. Das ist also pro Kopf und Tag . ein Betrag von 6334 Pf. — Durch Verfügung des Königlichen Ministeriums, Abteilung für Kirchenverwaltung und Schulwesen vom 13. Juli 1911 ist die Anstalt in ihrer gegenwärtigen Verfassung als unter § 35 Ziffer 2 des Lehrer-Besoldungsgesetzes vom

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