Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 21. Juni 1912 ,‘ “,!"'"r 2S Der Oemeindebote. Veilgge zur „Allgemeinen Letrung deK Judentums". korrrkponLen^tn und Sschrichten. Deatschland. LZ Berlin, 18. Juni. Der Verein „Lehrlingsheim Pank o w" hielt am 12. d. M. unter Leitung seines Vors., des Herrn Rudolf Masse, die diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Erstattung des Verwaltungsberichtes, der allen Mitgliedern breits zugegangen war. Derselbe geht von der Bedeutung des letzten Jahres für die Jugendpflege im allgemeinen aus. Zu Beginn des Jahres kündigte Se. Majestät der Kaiser in der Thronrede die Einleitung einer planmäßigen Jugendpflege an. Bald darauf erschien der Erlast des Kultusministers vom 18. Januar 1911, betreffend die Jugendpflege, ein Erlaß, der klar erkennen läßt, daß Staat und Gemeinde heute die Fürsorge für die schulentlassene Jugend als eine der Hauptaufgaben der Gegenwart ansehen. Der Verein „L e h r l i n g h e i m P a n k o \v" kann also mit Stolz und Freude seststellen, daß die Ziele, welche er sich vor 16 Jahren bei seiner Gründung gesteckt, aus denselben Grundlagen ruhen, von denen der jüngste Ministererlaß ausgeht, denn der Verein wurde gegründet, um an der Heranbildung einer körperlich leistungsfähigen, sittlich tüchtigen Jugend mitzuarbeiten, um die Erziehungsuitigteit der Eltern, Dienst- und Lehrherren zu unterstützen, zu ergänzen und weiterzusühren. Trotz dieser indirekten Anerkennung, die der Verein in dem erwähnten Ministerialerlaß dafür erblicken darf, daß er feit .1^ Jahrzehnten unter der jüdischen Jugend wirksam Jugendpflege übt, muß aber anderseits leider sestgestellt werden, daß die gesteigerten Ansprüche, die an ihn herantreten, nur in geringem Maße befriedigt werden können, weil die Geldmittel fehlen. Im Berichtsjahre sind 28 Ausnahmegesuche eingegangen, von denen zum größten Bedauern des Vorstandes nur 11 berücksichtigt werden konnten. Es war für das Kuratorium sehr schmerzlich, geeignete Gesuche mit der Begründung ablehnen zu müssen, daß die Geldmittel nicht ausreichten. Es wird daher an alle Freunde und Gönner des Vereins die herzliche und dringende Bitte gerichtet, den Verein d u rch Werbung neuer Mitglieder sowie durch Zuwendung von Stiftungen unterstützen zu wolle n. Entsprechend seiner Ausgabe, tüchtige Handwerker unter unseren Glaubensgenossen auszubilden, hat der Verein in der Zeit von 1895—1911 133 Lehrlinge nach bestandener Gehilsenprüsung entlassen, die die verschiedensten Handwerke ausüben, in lohnender Arbeit sich befinden und zum größten Teil schon jetzt ihren Angehörigen eine wesentliche Stütze sind. Zurzeit sind 36 Zöglinge in der Anstalt, von denen 20 aus Groß-Berlin, 2 aus Ostpreußen, 1 aus Westpreußen, 9 aus der Provinz Posen, 2 aus Brandenburg, 1 aus Schlesien und 1 aus dem Königreich Sachsen stammen. Die Lehrlinge sind bei zuverlässigen, tüchtigen Meistern in der Lehre; ihre Fortschritte und ihr Betragen werden vom Anstaltsdirektor sorgfältig überwacht. Auch für die geistige Weiterbildung sorgt der Verein nach besten Kräften. Die Lehrlinge besuchen neben den Pflichtfortbildungsschulen noch Wahlfortbildungs-, Fach- und Handwerkerschulen. Außerdem erhalten sie im Hause Unterricht, besonders in den Religionsfächern. Um ihre körperliche Entwicklung zu fördern und als Ausgleich für die einseitige körperliche Tätigkeit in der Werkstatt wird das Turnen gepflegt. Aus dem geräumigen Turnplatz der Anstalt können sich die Zöglinge nach Herzenslust tummeln. Der Gesundheitszustand der Zöglinge ist ein vorzüglicher. Mit Freuden ist zu konstatieren, daß im Berichtsjahr kein ernsthafter Krankheitsfall zu verzeichnen ist und daß sich die Knaben an Körper und Geist gut entwickeln. Hierauf erstattete Herr Julius Cohn den Kassenbericht und beantragte die Entlastung, die einstimmig erfolgte. Bei der sodann vollzogenen Wahl der Revisoren wurden die bisher bewährten Herren Julius Cohn und Emanuel Appel wieder, und Herr Jacob Paschaltz Stellvertreter neu hinzugewählt. Die Versammlung genehmigte sodann den Voranschlag des Etats für das Jahr 1912/13 in Höhe von 32 000 M. Hiermit war die Tagesordnung erledigt, und der Vorsitzende schloß mit herzlichen Danke swvrten an die Erschienenen die Versammlung. In der daran sich schließenden Vorstandssitzung konstituierte sich der Vorstand wie folgt: Rudolf Mosse, Vorsitzender. Oscar Tietz, stellvertretender Vorsitzender. Jnstizrat Kraft, Schriftführer. Professor Dr. Strelitz, stellvertretender Schriftführer. Kommerzienrat Leopold F r i e d m a n n, Schatzmeister. Dr. I. G i n s b e r g, stellvertretender Schatzmeister. Dr. S. Feist.- M. D. Feilchenseld. Max Fraenkel. Direktor- Oscar Oliven. Prof. Dr. Paul Friedrich Richter. Der Leiter der Anstalt ist der Direktor O. Israel. L2 Berlin, 18. Juni. Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung des Vereins für Statistik der Jude n in Berlin fand am 29. Mai im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2—4, statt. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Geh. Sauitätsrat Dr. Maretzki, erössnete die Versammlung und hieß zunächst den ' Vertreter der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, Dr.W.H a n a u e r, und den Delegierten des Vereins für die Statistik der Juden in München, Dr. Rudolf Wassermann, willkommen. Sodann legte er in prägnanten Worten die Ziele und Bestrebungen des Vereins und des Bureaus für die Statistik der Juden dar. Er wies mit Genugtuung daraus hin, daß das Bureau trotz der verhältnismäßig kurzen..Zeit seines Bestehens und trotz seiner beschränkten Mittel durch eine Reihe wissenschaftlich wertvoller Arbeiten das Interesse immer weiterer Kreise für die Statistik der Juden erweckt habe. Er schloß mit einem Dank an die Mitglieder des Bureaus für die rastlose Hingabe iin Dienste der jüdischen Wissenschaft. Nach diesen mit Beifall aufge- - nommenen Ausführungen berichtete der Leiter des Bureaus für Statistik der Juden, Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, über die Tätigkeit des Vereins im vergangenen Jahre. Er führte folgendes aus: Wenn auch die Tätigkeit des Vereins nach außen hin. nicht so sehr in die. Erscheinung trete, so habe der Verein im vergangenen Jahre ebenso wie bisher durch Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten seitens des Bureaus für Statistik der Juden seine Ausgabe erfüllt. Von diesen Veröffentlichungen ist zunächst die bereits im 8. Jahrgang erscheinende Zeitschrift für Demvgrapie und Statistik der Juden zu nennen. Sie ist das unentbehrliche Rüstzeug für jeden, der sich ernstlich mit. jüdischen Fragen besaßt und sich über alle Tatsachen des sozialen Leberts der Judenheit in vorurteilsfreier und objektiver Weise informieren will. Im Berichtsjahre veröffentlichte das Bureau ferner eine äußerst wichtige — von Dr. oec. pubi. Anselm Hillmann verfaßte — Monographie über das jüdische Genossenschaftswesen in Rußland. Das bereits früher angekündigte große Quellenwerk der internationalen Konfessionsstatistik tonnte leider noch nicht der Oeffentlichkeit übergeben werden, da das. Rohmaterial, bei der Bearbeitung ständig anschwol! und infolge der Volkszählungen der letzten Jahre durchgreifende Aenderungen erforderlich wurden. Für die geplante Arbeit über die Juden in Berlin sind die notwendigen Vorarbeiten in Angriff.genommen worden. Das Statistische Amt der Stadt Berlin hat sich' bereit erklärt, auf Kostendes Vereins die von uns gewünschten zahlreichen Auszählungen ans dem Material der letzten Volkszählung für.Berlin und die meisten Vororte vorzunehmen, so daß unser Bureau in der Lage sein wird, über viele, bisher völlig ungeklärte Verhältnisse Auskunft zu geben. Auch in diesem Jahre hat das Bureau eine große Anzahl wissenschaftlicher Anfragen erledigt. Die von Jahr zu Jahr sich steigernde Zahl derselben beweist das wachsende Interesse für jüdisch-statistische Fragen..— An.diesen Bericht schloß sich eine überaus lebhafte Diskussion. Als erster Diskussionsredner ergriff Herr Dr. Wassermann das Wort und gab dankenswerte Anregungen für die weitere Ausbreitung der Bestrebungen des Vereins. Er schlug vor, öfter Versammlungen abzuhalten, in denen statistische Themen in populärer Form behandelt werden sollen, geschulte Redner in die Literatur- Vereine zu entsenden usw. Ferner regte er die Frage an, ob in den Veröffentlichungen des Burealls an die statistische - Darstellung Schlußfolgerungen geknüpft und Werturteile, abgegeben werden sollen. Er für seine Person ist dagegen. Sämtliche folgenden Redner, nämlich Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Dr. I. Se g a l l, Rabbiner Dr. E s ch e l b acher, Dr. W. H a n a u e r und Davis Trietsch, stimmten den Anregungen Dr. Wassermanns bezüglich weiterer Propaganga bei lind ergänzten dieselbell dllrch manche wert-