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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-21 · Heft 25 (21.6.1912) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
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Gold'ne Stadt, mit ihren Funkeltoren Tauchte wie ein Wunder sie empor, Frauen sangen und es klang verloren. Wie von toten Zimbeln her ein Chor. , Mitten in dem Qualm der Purpurslammen Schöffen Knaben wie Narzissen auf. Nackt und paarweis'gingen sie zusammen Und sie lachten fremd und'süß hinauf. Zu den bangen, schwerbeschwingten Seelen,' Suchend sahen die von Babel her, Wandervögel, die aus ihren Kehlen - Lieder gossen, leist und sehnsüchtsschwer . . . I. B. Schneider. ist Potiphars Weib und trägt Gram im Herzen, und niemand .kann ihn verscheuchen. —- Nun fällt der Frühtau aus die weißen Lilien,in Potiphars Gärten. Die sehen in Tränen gebadet zu den. schweigsamen Zypressen empor, als wollten sie leise stöhnen:: „Bald wird man uns der Stiele beraubendamit wir auf Suleikas Lager dahinsterben. Wir werden sterben müssen, und..noch hat die Sonne uns nicht wachgeküßt." — — — V Fern von allem Getriebe im einsamen Gemach ruht Suleika aus Pürpurkissen. Kein Lichtstrahl wagt sich durch die matten Vhssusvorhänge in die Totenstille des Zimmers, und wenn es einem vorwitzigen Sonnenstäubchen gelingt, sich hineinzustehlen, wirbelt es erschreckt zurück vor der Blässe, die aus dem schönen Antlitz der Fürstin ruht.— Suleika ist krank. Fieberglut brennt auf ihren Lippen, deren Durst kühler Wein nicht löschen kann. Fieberglut brennt auf der kleinen weißen. Stirn, und ihre Hände sind wie in Feuer getaucht. Und alle Fächer und Palmenwedel von ringgeschmückten Sklavinnen geschwungen, können der Glut nicht wehren. Arabiens Wohlgerüche und Sesamöl und Rosenwasser können nicht Linderung schassen. — Teilnehmend sind Suleikas Herzensfreundinnen erschienen. Aus leisen Füßen sind sie gekommen, die Ruhende nicht zu schrecken. Köstliche Gaben breiten sie aus, denn sie-wollen Suleika fröhlich machen: die kleine, muntere Thermutis mit dem silberhellen Lachen, die verständige Derceto mit ihren sinnvollen Rätseln und die sanfte Manoö^ mit den frommen Taubenaügen. — Aber Suleikas Antlitz verrät keine Freude. Regungslos hörte sie besorgte Fragen, was ihr fehle. Und als die Frauen nimmer müde werden, guten Rat und Trost zu geben und mit Worten in'sie dringen, so daß es schier unerträglich wird, da richtet Suleika sich fiebernd. auf und gebietet der Dienerin-nach dem'hebräischen Sklaven zu senden, daß er .den Frauen Labsal reiche.- Und^dann tritt der Sklave in das Gemach. Joses heißt er und stammt aus fernem Lande und ist von edlem Wuchs. In goldener Schüssel bringt er Orangen voller Saft und süße Granatäpfel und weiche Oliven. Kleine scharfe Messer soll er den Frauen reichen, die Früchte zu teilen. — Siehe! Da tropft rotes, warmes Blut von den weißen Fingern der' Frauen,, deren Hände beben, daß sie die Messer nicht beherrschen können. — Und Thermutis silberhelles Lachen Verstummt, und die verständige Derceto weiß keine Rätsel mehr, und Manoös Taubenaugen lodern Flammen, die das nachtschwärze Haar des Hebräers zu versengen drohen. — Der neigt das Haupt tief vor den lieblichen Frauen, und schweigsam und ernst verläßt er das Gemach.-—; „Weshalb rinnt Blut von eueren weichen Händen?" unterbricht Suleika die bange Stille, „und warum schwimmen eure Augen in Tränen?" — Da fallen die Frauen nieder vor Suleikas Lager, und wie aus einem Munde entringt es sich ihren bebenden Lippen: „Herrin, Verzeih', wir wußten nicht, wie schön dein Sklave ist!" — Da beugt Suleika sich zu den erglühenden Frauen herab und sagt: „Und dies ist die Antwort aus eure Fragen! Ein einziges Mal nur habt ihr meinen Sklaven erblickt, und Blut entquillt euren weißen Händen. Ich aber sehe ihn Tag für Tag um mich, und da soll mein Herz sich nicht verbluten?" — . - : - *¥§;<- Sit Jüdinnen im EjriL tte Vögel waren ihre Seelen, Und sie flogen in den grauen Tag, Und sie hörten Wind und Mond erzählen, Wie der Brand auf Sions'Feste lag . . . Literarische Mitteilungen. — Z i o ni s musode r lib erale s Iu d entumvonDr. Max K o l l e n s ch e r. 1912. Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. ' - - „ Eine von mir verfaßte Broschüre (Zionismus oder Liberalismus, Atheismus oder Religion) hatte bisher von zionistischer Seiteckeine sachliche Würdigung erfahren. Mau hatte geglaubt, mich am besten dadurch zu widerlegen, daß man den Kübel gehässigen und verläumderischen Unrats gegen mich schleuderte. Jeder eben nach seinem Können und nach' seiner Veranlagung! Noch vor. kurzer Zeit hat ein Dr G. Wittkowsky unter ausdrücklicher Billigung der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" dieser ebenso bequemen wie überzeugenden Art der Widerlegung sich bedient. Der Herr hat zwar, wie seine Ausführungen es in ganz naiver Weise verraten, von meiner Schrift anscheinend wenig mehr als den Titel gelesen; was ihm aber an Kenntnis und Verständnis abgeht, ersetzt er dadurch, daß er mich, nach radauantisemitischem Muster verleumdet und beschimpft. Habeat sibi! Ebenso wie die früheren charakterisieren diese sinnlosen Wutausbrüche weniger mich als ihre Urheber. Dr. Körst en sch er macht nun — und dasäst an seiner Broschüre« Das Bemerkenswerte — eine rühmliche Ausnahme, und der sachliche Ton, der . sich fast ganz von persönlichen Angriffen sernhält, bedeutet ein erfreuliches'Brechen mit der eingebürgerten zionistischen Kampfestradition, ' Sachlich frei- . lich ist der Versuch einer-Widerlegung meiner Argumente völlig unzureichend ausgefallen. In allen religionsphilosophischen Fragen verryt der Verfasser, daß er auf einem ihm.durchaus fremden Gebiete' umhertappt, und schon die Tatsache, daß er meinen sämtlichen aus diesem Gebiete liegenden Ausführungen ganze drei (l!), Seiten widmet, wird einen Hinweis darauf geben, wie es. mit pdri Mündlichkeit und der Vertiefung, steht. Auf die vielen, oft sehr! drolligen Mißverständnisse werde ich' bei Herausgabe der erforderlich -gewordenen Neuauflage meiner Broschüre eingehen. An sich -freilich liegt hierzu wenig Veranlassung vor, da der geringe wissenschaftliche und agitatorische Wert der Kollenscherschen Schrift auch von sachkundiger Zionistischer Seite mehr oder weniger offen zugegeben wird. ...-Goldmann. — GustavLevinstein, PHilosophische ‘25eiirachtun-- g en. Berlin, Leonhard Simion Ns. 1912. ' r, . Aus dem literarischen Nachlaß Gustav Levinsteins, i ^'verdienten Kämpfers für die Ehre des jüdischen Glaubens, Hat tressenkHstwe fragmentarisch gebliebene philosophische Betrachtungen vfrMßWcht. Sie bieten nicht die fertigen Resultate systematischer Den^ei^kssHtzdkM reflektieren die wechselnden Stimmungen eines Wahrheitsuchers, der mit den letzten Fragen des Menschenlebens ringt. Drei Probleme'geschäftigen ihn vor allem: die Frage der Erkennbarkeit des stniverssims, das. Verhältnis von Natur und Geist und die Stellung und Pedeüstmg des einzelnem innerhalb der Natur. .Sein erkenntnistheörMcher;«Mandptznkt - schwankt zwischen Dogmatismus und Kritizismus, bald stügnet L.^die Möglichkeit metaphysischer Erkenntnis, bald sucht er Kants'kritische Einwände gegen die Metaphysik zu widerlegen und gelangt ^schließlich zu einem energetischen Monismus, zur Annahme eines schöpferischen Weltengeistes, der mit der Seele des Menschen seinem innersten Wesen mach verwandt ist. In tiefer Religiosität empfindet der Verfasser die-Abhängigkeit des Menschen vom Schicksal, das unsere Seele formt, und behauptet trotzdem die Freiheit des Geistes und der sittlichen Entscheidung. So

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