Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zwischen Faust und Moses gezogen und das Ganze zu den^'üblichen' VeruÄKrMungen des Juden und des Judentums benutzt. Die Herren Burdach und Schlenther müssen sich dabei einige Liebenswürdigkeiten gefallen lassen. Dem ehrenwerten Blatte ist es dabei vielleicht gar nicht zum Bewußtsein gekommen, daß die beiden Gelehrten, von deren besonderem Philosemitismus man nichts weiß, protestantische Christen sind, und daß bei beiden nur reines wissenschaftliches Streben, jedenfalls nicht das- Verlangen vorliegt, das Judentum zu verherrlichen. Aber ein solches Blatt verliert jede ruhige Ueberlegung, sobald das Judentum oder auch nur sein Begründer in Frage kommt. Denn was hat schließlich eine Parallele zwischen Faust und Moses mit dem heutigen Judentum zu tun? Ich selbst nehme in der wissenschaftlichen Frage einstweilen keine Stellung ein, Burdachs Vermutungen sind jedenfalls geistreich und originell, wir wollen seine Begründung abwqrten, um selbst unser Urteil auszusprechen. L. G. ■ ■ Me Mache. Berlin, 1«. Juni 1912. as große Geheimnis ist enthüllt. Zwei Berliner Zeitungen teilten vor einigen Tagen mit, „ein Verband gegen Ueber Hebung 'des Judentums" habe sich gegründet, und nannten als Hauptunterzeichner die Herren Fritz Bleh, v. Reventlow und Kropatschek. Obgleich diese Nachricht kein weites Echo fand, fühlt sich die „Deutsche. Tageszeitung" nun bemüßigt, den Ausruf, den die genannten Herren und einige andere v o r M o n a t e n an Gesinnungsgenossen geschickt, aber nicht zur Veröffentlichung bestimmt hatten, zu publizieren. Er knüpft an die letzten Wahlen an und will dem deutschen Volke die Augen öffnen. Dann orakelte er: „Das Judentum ist international im Sinne des Schopenhouerischen Wortes „Das. Vaterland der Juden sind die übrigen Juden"; es ist ein Netz, das alle Nationen überdeckt, dessen Maschen um so enger und fester 'werden, je mehr die nationale Kraft und Geschlossenheit der einzelnen Völker abnimmt, in denen die Juden als Gäste wohnen und handeln. Daß es in diesem Sinne international ist, daraus machen wir Deutschen dem Judentum keinen Vorwurf; daß es den einzelnen Deutschen.als Deutschen innerlich, wirtschaftlich und politisch zu entwurzeln und den Volksorganismus als Ganzes zu schwächen trachtet, das bedeutet eine Ueberhebung des jüdischen Gastvolkes, gegen die und gegen deren Erscheinungsformen mit aller Kraft zu kämpfen jedes Deutschen heilige Pflicht ist. Auf beinahe allen Gebieten des deutschen Lebens arbeitet das Judentum planmäßig, organisiert und systematisch, um den Deutschen zu verdrängen oder zu beherrschen, um den jüdischen Einfluß als maßgebend durchzu-setzen. Das gilt nicht nur für das Gebiet der Politik und Wirtschaft, sondern auch für das der. Literatur, der Kunst, des Theaters, der Wissenschaften, des Hochschul- und Schulwesens, der Rechtspflege; nicht zum wenigsten der Arbeiterbewegung und Frauenbewegung." - Nach einer Anrufung des Schutzheiligen Richard Wagner heißt es dann: „Auf einer Versammlung orthodoxer Juden in Berlin wurde Anfang des Jahres 1912 das Wort geprägt: An Stelle des früheren Schutzjudentums müsse heute ein Trutzjudentum treten. Den Gipfel bildete aber der Ausspruch: Der christliche Staat sei mit den Interessen des Judentums unvereinbar: er müsse beseitigt werden." Zum Schluß kommen die üblichen. Phrasen, man wolle den Juden kein Unrecht tun, sie nicht in ihren Gefühlen verletzen, sondern nur'das deutsche Volkstum schützen. Solchen Ausführungen gegenüber will ich nur bemerken, daß mich und viele andere deutsche Juden dieser Aufruf völlig kalt läßt, und daß ich erst davon Notiz nehme, nachdem die „Deutsche Tageszeitung" ihn dem . Häuflern ihrer Anhänger verkündet hat. > Zu bemerken ist nur folgendes: Der Aufruf enthält zwei grobe Unwahrheiten, die dadurch nicht wahr , werden, daß sie beständig wiederholt werden: . 1. Das Judentum ist nicht international. Die Juden Frankreichs, Englands, Italiens, Deutschlands haben zwar einen Glauben, haben aber nur dadurch einen Zusammenhang, daß sie ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern unterstützen, nicht weil sie sie als Volks-, sondern weil sie sie als Glaubensgenossen betrachten. Sie sind Söhne ihres Vaterlandes, das heißt. Deutschlands, Frankreichs ustv. und haben kein größeres Verlangen, als diesem ihrem Vaterlande zu dienen, keine heißere Sehnsucht als die, vollberechtigte Söhne dieses Vaterlandes zu sein. 2. Es ist absurd, den deutschen Juden eine Verdrängung des Deutschtums schuld zu geben. Wir streben danach, ganze Deutsche zu sein und die unter uns, die es noch nicht sind, dazu zu machen; wir wollen an unserem Teil am deutschen Gewerbe, an Kunst und Wissenschaft Mitarbeiten; wie kann derjenige, der dieses Deutschtum bereichern will, beschulidigt werden, das Deutschtum zu verdrängen? Der Vorwurf ist zu lächerlich, um ernst darüber zu reden. 3. Den Ausdruck „Schutzjudentum" verwerfen wir, weil wir keinen Schutz verlangen, sondern Gleichberechtigung,^ die uns gesetzlich gewährleistet ist. Wenn statt dessen in einer Versammlung „Trutzjudentum" gesagt worden ist, so ist das eine Phrase, auf die wir uns nicht festnageln lassen. 4. Der Ausdruck „christlicher Staat" ist ein von einem ge-- tauften Juden geprägter Ausdruck. Wir perhorresz'ieren ihn nicht als Juden, sondern als freidenkende Männer. Der Staat hat es mit dem Bürger zu tun, nicht mit dem Gläubigen; er hat, wenn er in feiner Mitte Bekenner verschiedener Glaubensansichten hegt, die Aufgabe, allen gleichmäßig Recht und Freiheit zu gewähren. Der „Reichsbote" schließt eine Serie von Artikeln „Staat und Judentum" mit einer Polemik gegen "die „Deutsch-israelitische Zeitung" in Regensiburg. Diese hatte geschrieben: , „Der „Reichsbote" bringt am 8. Mai einen Artikel „Staat und Judentum", in welchem er nach Eisenmenger, Ecker, Justus (i. e. der getaufte Ahrvn Briemann), Fritsch, davon spricht, daß im Talmud die Christen und das Christentum gelästert werden. Der Redakteur des „Reichsboten" dürfte wissen, daß im Talmud nicht von Christen, sondern von: „AKUM" (Äubde kochabin umasaloth), „den Anbetern von Sternen und Planeten" die Rede ist; aber selbst von diesen wird das -dort durchaus nicht, gesagt, was die vom . „Reich,sboten". zitierten Schreiber sagen. Will der „Reichsbote" nicht Hetzen, sondern die Wahrheit wissen, so möge er sich in dem Buche „Zur In densrage nach 'den Akten des Prozesses Rohling-Bloch" von Dr. Jos. Koopp (Christ), Leipzig 1886, Julius Klinghardt, Ausschluß holen. Auch Professor Dr. Hermann Strack, ein frommer Christ in Groß-Lichterselde, kann dem „Reichsboten" Auskunft geben. Der Talmud enthält die gleiche Ethik wie die Evangelien, die aus der gleichen Zeit stammen." - Ich kann dies nur unterschreiben. Wenn der „Reichsbote" dagegen die Herren Fritsch, Eisenmenger und Konsorten zu Felde führt, so ist gegen solche Fechterkünste ein ernstliches Parieren nicht nötig. Nur muß diesen Herren ein für allemal gesagt werden, daß für uns der Talmudden unter tausenden deutscher Juden nur eine verschwindende Minorität lesen kann, durchaus keine verbindliche Kraft hat. Sollte wirklich, was nie bewiesen, worden ist, in einer einzelnen. Stelle einchristenfeindliches oder der Ethik, widerstreitendes Wort stehen, so.ist . dies die Aeußerung eines einzelnen, in Zeiten der Bedrückung oder der Verzweiflung geschrieben, aber nicht das Bekenntnis einer Glaubensgemeinschaft, nicht der ewig gültige Ausdruck einer Religion. Was würden die Herren des „Reichsboten" dazu sagen, wenn wir sie verantwortlich machen wollten für