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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gemeinen Äerkehr geschloffen' bleiben, begrüßen .wirr' aufs wärmste und ersuchen Eure Exzellenz ganz ergebenst? für die Beibehaltung dieser Bestimmung, die unseres Wissens von anderer: Seite angefochten wird, eintreten zu wollen. ' Sie kommt.in zweckmäßiger: Weise, den Bedürfnissen derjenigen Geschäfte entgegen, deren Inhaber sich aus religiösen Gründen-genötigt suhlen, schon einen. Tag: in der Woche zu feiern und ^die jüdischen Angestellten mitfeiern zu lassen.. Da aus diesem Grunde die' Gewährung der Sonntagsbefchästigung keine Bevorzugung dieser Geschäift'ä darstellt und dadurch auch' die Interessen irgendwelcher anderer Personen nicht, geschädigt werden können, erhoffen wir im JnttzreffeHe^nviUnseFerm HezirL 'ansässigen und hier in Betracht kommenden jüdischen Käusleute die Gesetzwerdung dieser Bestimmung. - .; e/t> Köslin, 7.! Jum.. Die in Nummer 21. d.. Bl., erschienene Notiz der „Kösliner Zeitung" über Ablehnung, einer Remuneration für den Religionsunterricht ist dahin zu ergänzen,, daß.-nur mein Gesuch, um Erhöhung der Remuneration seitens der Stadt abgelehnt wurde mit der Begründung, daß eine Zahlüng von 300 Mark — die ich schon von j eher für den Religionsunterricht in der Stadtschule erhalte—„für die drei jüd. Schüler (alle anderen befuchen höhere Schulen, wie Gymnasium, Realschule, Lyzeum), für genügend zu erachten sei. Der katholische Pfarrer und ich hatten zu gleicher Zeit ein Gesuch um Erhöhung, eingereicht; das meinige wurde aber wegen der. geringen Schülerzahl abgelehnt, dem katholischen Pfarrer erhöhte man den Betrag um 140 Mark mit dem Hinweis, daß er zirka 60 Schüler in der Stadtschule zu unterrichten habe. — Die Sache ist also nur halb so schlimm! Prediger Kahn. M. Hamburg, 7. Juni. Das Repräsentantenkollegtum der Deuts.ch - Ifr äelitischen Gemeinde hielt im Gemeindebureau, eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Ad. K i mm e l st i e lab. Der dringliche,Antrag des Gemeindevorstandes aus Vornahme von baulichen Veränderungen an der Israelitischen Töchterschule (Carvlinenstraße) wurde nach einer Begründung durch Herrn Gemeindevorsteher M. B ei th einer dreigliederigen Kommission, bestehend aus den Herren E. Helft, W. Peine und A. Lisser, überwiesen. Den Bericht des Ausschusses zur Beratung des Siechenheims und der Pflegestätte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde erstatteten die Herren Oettinger und Lisser. Nach den vom Nepräsentantenkollegium genehmigten Statuten bezweckt die Anstalt, bedürftigen, dauernd erwerbsunfähigen Angehörigen der hiesigen Gemeinde beiderlei Geschlechts (Siechen) freie Wohnung und freien Unterhalt zu gewähren. Die Stiftung eines Bettes, das für alle Zeiten den Namen des Stifters tragen soll, ist gegen eine einmalige Zuwendung von 3000 Mark zulässig. Zur Erinnerung an die Begründer der Anstalt ist an geeigneter Stelle für einen Teil des Hauses die Aufschrift „Hermann und Friederike Lachmann, Siechen- und Alterversorgungshaus" anzubringen und dauernd zu erhalten. Ferner ist an einer Außenseite des Hauses die Aufschrift „Hermann- Pinkus-Stistung" dauernd zu erhalten. Bei Zuwendungen von mindestens 4000 Mark durch einen Spender können ähnliche Stiftungsbezeichnungen dem Hause hinzugesügt werden. Den Bericht der Kommission betr. der vom Gemeindevorstande beantragten Anstellung eines Bureaubeamten erstattete Herr O e t t i n g e r. Nach der vom Kommissar des Gemeindevorstandes dem Ausschuß gegebenen Erklärung dürste die vom Nepräsentantenkollegium bereits seit längerer Zeit gewünschte Reorganisation des Gemeindebureaus und die Anstellung eines Gemeindesyndikus in absehbarer Zeit erfolgen. Die Kommission beantragte daher die Bewilligung der gewünschten Beamtenstelle unter gewissen Bedingungen. Das Repräsentantenkollegium stimmte diesem Anträge zu. ' A. R. Hannover, 7. Juni. Ein grauer Regenhimmel spannte sich über die Gartenwege des Hannoverschen Friedhofes, den eine zahlreiche Menschenmenge erfüllte. Die Halle hatte sich zu klein erwiesen, und so war man hinausgezogen, quer durch den Gottesacker, und aus einenl freien Rondel tief, im grünen Halblicht blühender Linden hatte man den. Sarg aufgebahrt. Und als die unabsehbare Menge der Leidtragenden sich Kops an Kopf üm ihn geschart, da war es, wie wenn auch die Natur teilnehmen, wollte an der Totenfeier des frommen und edlen Iulius Fr ens dor fs. Siegreich brach die Sonne durch das Gewölk und spiegelte sich golden in den Myriadentropfen an Strauch und Baum. /Unter den Bäumen war ein Pult ausgestellt, das als erster Landrabbiner Dr. Gronenmann betrat, um in längerer, wohldurchdachter Rede, oft von. Rührung übermannt, den Lebenslaus des Verewigten zu schildern. Von seiner Treue sprach er, die der .Gründzug in Frensdorffs Leben gewesen;, von seiner tiefen Religiösität und seiner großen Duldsamkeit.. Seine Ausführungen wurden von den Herren Rabbiner Dr. F r e u n d und Seminardirektor Dr. K n o l l e r ergänzt. Herr Lehrer Zucker mann rief ihm die letzten Grüßd zu ün. Namen der Zionsloge, der der Verblichene lange: angehörte.. Nach ' dem von. Herrn Oberkantor L i e n h a r d t ergreifend zu Gehör gebrachten Elnole rachamim Gebet wurde der Sarg in die Gruft gesenkt, und die Teilnehmer an dem Begräbnis verließen die Friedensstätte mit dem Bewußtsein, die Hülle eines Braven dem Mutterschoße dtzr Erde übergeben, zu haben, wie seinesgleichen nur wenige unter uns zurückgeblieben. Eine Frau und drei Kinder betrauern 'einen Gatten und Vater von seltener Treue,, und eine unabsehbare Reihe von Armen ihren Freund und Helfer. Ehre seinem Andenken. in. Essen, 7. Juni. Große Zuwendungen,, die ein ehrendes Zeugnis ablegen von dem religiösen und humanitären Sinn, wie er stets im Hause Hirsch land seinen Platz, hatte, wurden soeben von d'er Witwe und den Kindern des jüngst verstorbenen Kommerzienrats Hirschland dem Vorstand der Synagogengemeinde überwiesen. Einem Wunsche chres Heimgegangenen Mannes folgend, stellte Frau H.enr ietteHir s chland 15Ö00 Mark zur Verfügung mit der Bestimmung, daß diese Summe zur Ausschmückung des Allerheiligsten in der Neuen Synagoge verwandt werden soll.. (Die gleiche Summe hat vor kurzem aus Anlaß. seines 70. Geburtstages Herr Herrn. H i rschländ für denselben Zweck bestimmt.) Gleichfalls dem Neubau des Gotteshauses dient eine Stiftung von. 6000 Mark, die. Franz und Gula Hirschland, Kürt und Harrie Hirschland und Georg Simon Hirschland machten. Mit dieser sollen die Kosten für Bronzeportale des Gotteshauses bestritten werden. Eine von der Synagogengemeinde dem verstorbenen Komnierzienrat Hirschland aus Anlaß seines 25 jährigen Wirkens im Gemeindevorstand am 2.. Dezember, jd01 überwiesene Sammlung von 5000 Mark ist. durch Zuwendungen.des Heimgegangenen und seiner Familie auf etwa 26 000 Mart angewachsen. Einem Wunsche des Verstorbenen folgend, erhöhte Frau. Henriette Hirschland diese'Summe auf 30 000 Mark. Der Zinsertrag, dieser Stiftung, die den Namen Jsaac-Simon-Hirschland-Stiftung.für das jüdische Kinderheim führen soll, ist zur. Unterhaltung, und Erweiterung des hier bestehenden jüdischen. Kinderheims bestimmt. Die Verwaltung d'er Stiftung soll nach Maßgabe der Stisterin einem Kuratorium unterstellt werden, das aus dem Vorsitzenden des jüdischen Kinderheims und zwei von der jüdischen Gemeindevertretung zu wählenden Mitgliedern besteht, in dem stets ein Mitglied ein direkter Nachkomme der Stifter ist. In der - Richtung der Fürsorge, die ihr Gatte stets dem Wohle der Jugend lvidmete, liegt eine weitere Stiftung von 20 000 Mark, die Frau Henriette Hirschland in Gemeinschaft mit ihren Kindern machte mit der Bestimmung, daß der Betrag zum Ankauf eines. Grundstückes für das jüdische Kinderheim verwandt wird. Für die Zwecke der Chewrah- Kadischah, des Jüdischen Frauenvereins, des Vereins für Ferienkolonien und des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen wurden von Frau Kommerzienrat Hirschland je 500 Mark zur Verfügung gestellt. Gesterreich-Nngarn. K. Wien, 7. Juni. Vor kurzem fand im hiesigen Veth- Hamidrasch die Enthüllüngsseier der Gedenktafel für den' sel. Lektor M.. F r i e d ma n n. statt. An derselben, nähmen teil: Vertreter des Vorstandes.der Kultusgemeinde, des hiesigen Rabbinerseminars, des Rabbinats, der Presse und der gesamte..Vorstand des Beth-Hamidrasch, der langjährigen segensreichen Wirkungsstätte des unvergeßlichen Gelehrten. Die Festrede hielt Lektor Dr. S.. Rubin.. Nach einer Ansprache des Herrn Dr. Markus Spitzer , sang Oberkantor Morgenstern einen Trauerpsalm, womit, die erhebende Feier ihren Abschluß fand. — In der Neichsratssitzung vorn 20. v. M. hielt der Abgeordnete Dr. S t r a u ch e r aus Czernowitz eine Rede,, in der er die - Aufmerksamkeit der Regierung aus die wirtschaftlichen Verhältnisse, namentlich der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina lenkte.. Redner beklagte sich, daß die Regierung dem tvirtschastlichen Niedergange der jüdischen Bevölkerung in der Bukowina und'der immermehr überhandnehmenden Proletarisierung der jüdischen Massen untätig zusehe. Dr.. Strauch er erklärte schließlich, daß die jüdische Bevölkerung die Bestrebungen des ruthenischen Volkes nach Errichtung einer; Universität aufs wärmste begrüße und aufs kräftigste fördere im Gegensatz zu den Polen, die das Projekt einer ruthenischen Universität aufs heftigste bekämpfen. —Bekanntlich hat die Kaiser!. Akademie der Wissenschaften vor einigen Jahren: ein Phonogrammarchiv eingerichtet, um sprachliche Idiome als unentbehrlichen Behelf für die Dialektforschung

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