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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Und der Sprach- und Sprechkenntnis für künftige Zeiten festzuhalten. Vor einigen Wochen ist das genannte Archiv um eine? große Anzahl s e m itische r Phonogramme bereichert lvorden. Professor N. Schlögl nahm auf einer jüngst durchgesührten Orientreise die Gelegenheit wahr, in Kairo und Jerusalem Aufnahmen mit dem Archivphonographen zu machen. Die umfangreiche Sammlung, die eben noch durch Gustav Klameth in Jerusalem vervollständigt wird, umfaßt eine große Anzahl hebräischer Bibelrezitationen und Vorträge in äthiopischer Sprache. Kantor I. Z. Jdelsohn in Jerusalem hat für das Phonogrammarchiv viele Proben hebräischer Sprache und jüdischer Musikstücke ausgenommen. Fürdie Forschung der semitischen Sprachen verspricht man sich in der Akademie durch solche und ähnliche Ausnahmen, die noch fortgesetzt werden, großen Erfolg. — In Anwesenheit eines zahlreichen und distinguierten Publikums fand vor einigen Tagen in B u d a p 'e st die E i n w e i h u n g der n e n e n G a r t e n b a u a n st a l t des israelitischen Handwerker- und Ackerbauvereines statt. Zur Eröffnungsfeier hatten sich u. a. eingefunden: die Vertreter des Ministeriums des Innern, des Handels, der Justiz und der Landwirtschaft (Ackerbau), ferner Delegierte des Magistrates, der . Handels- und Gewerbekammer und Deputationen des ungarischen Landes-Agrikulturvereins und des Landesgartenbauvereins. Eingeleitet wurde die Einweihungsfeier durch ein Lied der jüdischen Hochschüler, woraus Hosrat Dr. Adolf Kohner die Festrede hielt. Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese neue Institution dazu beitragen wird, daß in Ungarn der konfessionelle Unterschied aushören und ein friedliches, arbeitsreiches und religiöses Leben aufblühen werde. Nach einer kurzen Ansprache des Vertreters des Ministers des Innern und des Handelsministers nahm Rabbiner Dr. Simon Hevesi die Einweihung der neuen Anstalt vor und flehte Gottes Segen auf diese Institution, ihre Vertreter und Förderer herab. Die israelitische Gartenbauanstalt bezweckt, die israelitische Jugend für -Garten- und Ackerbau zu interessieren und sie als tüchtige' Landwirte zu erziehen und auszubilden. Wir schließen uns daher dem Wunsche des Vorstandes der Pester Kultusgemeinde an, daß die neue Anstalt blühen Und gedeihen möge zur Ehre Israels und zum Heile der Zöglinge, die sie einst verlassen werden, um ihr Brot als Landwirte zu verdienen. Amerika. 2. New Nort, 28. Mai. Noch ist man in hiesigen Kreisen tiefbewegt über das entsetzliche Unglück, das durch den Untergang der „Titanic" hervorgerüsen wurde. Haben doch so viele hoffnungsvolle Menschen auch der hiesigen Bevölkerung ihr Leben in den Fluten des Ozeans verloren. In schmerzlicher Erinnerung an dieses unheilvolle Ereignis versammelte sich am 10. Mai eine zahllose Menschenmenge in der hiesigen „Carnegie Hall", welche trotz ihrer ungeheuren Dimension zu klein war, um alle diejenigen aufzunehmen, die Einlaß begehrten. Dem Gedächtnis des edlen Philanthropenpaares Isidor Straus und seiner Frau war der Tag geweiht. Unter den zahlreichen Rednern befanden sich auch Bürgermeister G ayno r und Herr Andrew Carnegie, von deren tiefempfundenen Reden ich hier nur einige Stellen wiedergebe. So bemerkte Herr Gahnor mit Bezug auf Isidor Straus: Er war einer der edelsten Menschen; dies kann ich ohne jegliche Uebertreibung sagen, und wer ihn kannte, weiß es. Er war eine gerade, ehrliche Natur. Beständig arbeitete er für das Wohlergehen anderer- , und nur wenig dachte er an, sich.. In der Tat erschien er mir in der Art, seines Auftretens, seines Redens und seiner physischen Existenz dem Dasein entrückt.. Diese zog er überhaupt nicht in Betracht, da sein Geist sich stets mit anderen Dingen beschäftigte, und sein Horizont die ganze Menschheit umfaßte." In gleichem Sinne äußerte sich Herr Carnegie: „Diese beiden engeb haften Naturen, Herr und Frau Isidor Straus, deren Tod wir tief - und dennoch stolz beklagen, haben Generationen zum Segen gereicht und werden noch, Generationen, zum Heile sein. Selten hat ein Ehepaar sich gemeinsam so in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt, die mir als höchste Frömmigkeit erscheint, wie dieses treue Ehepaar. Zahllos sind die segensreichen Einrichtungen, die von ihn'en gegründet, unterstützt oder prote.ktvriert. wurden. . Wo es auch immer galt, einer edlen und guten Sache zu dienen, war man des Beistandes der edlen Dahingeschiedenen sicher, die sich niemals in ihrem Wirken entmutigen ließen, die niemals zu geben müde wurden, und was das Liebenswürdigste war, sie gaben meist aus freiem Willen und unterstützten Bedürftige ohne, Fürsprache." Es, ist mir nicht möglich, alle die warmherzigen Worte, wiederzugeben, die d'em edlen verstorbenen Ehepaar noch von anderen Rednern gezollt wurden. So widmeten neben vieleil andern auch die Herren Ehrwürden Thomas H. Gailor,-Bischof von Tennessee (einer der intimsten Freunde von Mr. und Mrs. Straus) und' I a c ob H. Schifs den Dahingeschiedenen innige Nachrufe der Liebe und Verehrung. — Zum Schlüsse noch die Mitteilung, daß Herr Julius, R o s e n w a l d, der bekannte Chikagoer Philanthrop, seine vielfachen großzügigen, Stiftungen zu wohltätigen und wissenschaftlichen Zwecken um die stattliche. Summe von. 1 Million Dollars vermehrt hat. Die genannte Summe soll zur Förderung wissenschaftlicher und landwirtschaftlicher Zwecke verwendet werden. - Von MH und jfern. — Durch eine namhafte Spende hat der bekannte Berliner Großindustrielle Paul L u b s z i n s k i, Meinekestraße 26, seiner Vaterstadt Samter die Errichtung des neuen Krieger-Waisenhauses ermöglicht. Die Einweihung des Instituts fand dieser Tage in Gegenwart des Prinzen Eitel Friedrich statt, der als Vertreter der Kaiserin Herrn Lubszynski den besonderen Dankder hohen Protektorin für seine hochherzige Spende ausjprach. — Ter „Jüdische Jugendbund" und der »Verein jüdischer Mädchen" veranstalten am Sonntag den 16. Juni einen Dampferausslug nach Hessenwinkel am Dämeritzsee; Abfahrt um 8 Uhr vorm, vom Brandenburger Ufer an der Jannowitzbrücke. Am Bestimmungsorte wird der jüdische Ruderverein „Jvria" die Teilnehmer erwarten. Rituelles Büfett an Bord. Billette sind im K. d. W., bei Tietz und am Dampfer zu haben. — In Antonienhütte ist der Vorsitzende des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herr David'R e ichim 61. Lebensjahre gestorben. — Aus Grünberg i./Schl. schreibt man nns: „Am 1. Tage des Wochenfestes wurde die von Herrn Adolf Selo wsky hier gestiftete Thora feierlichst ihrer Bestimmung übergeben." — Auf Grund des Gesetzes vom 14. Juli 1863 betreffend die Verhältnisse der Juden im Herzogtum Holstein, hat der Regierungspräsident entschieden, daß alle im Kreise Pinneberg südlich der Linie Wedel-Schulau-Pinneberg-Quickborn einschließlich der in diesen . Orten selbst wohnenden. Juden vom 1. Januar 1913 ab Mitglieder der-hochdeutschen Jsräelitengemeinde in Altona sind, während die nördlich dieser Linie wohnenden Juden vom 1. Oktober 1912 ab der israelitischen Gemeinde in Elmshorn angehören. '— Für Volksbildungs-, und Jugenderziehungszwecke stiftete Frau Kommerzienrat Hirschland zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten der Stadtgemeinde Essen 70 000 M., nachdem sie kurz vorher 90 000 M. für die jüdische Gemeinde geschenkt hatte. — An Stelle des am 1. April d. I. in den Ruhestand getretenen Herrn M. L. Wetzstein ist Herr- Daniel Holzapfel aus B o r n h e i m b. Bonn zum Lehrer und Kantor der Synagogengemeinde Elberfeld gewählt worden. — Frau Dr. I. Rülf in Bonn, die Frau des früheren Chefredakteurs des „Memeler Dampsboot" und Rabbiners der' Gemeinde Memel, feierte in voller Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag. — Aus Emden wird uns geschrieben: Gegen die Wahl des Rabbiners Dr. Hoffmann im April d. I. ist seitens vieler Gemeinden und auch aus der Emder Gemeinde durch eine große Mitgliederzahl bei der Kgl. Regierung Protest erhoben. Da die Wähler einzelner Gemeinden gegen die Ministerialverfügungen verstoßen haben sollen, wird die Angelegenheit das Kultusministerium beschäftigen und durch dieses erst erledigt werden müssen. —- Die Kgl. Regierung der Pfalz hat mit Entschlieschließung vom 6. Februar 1912 auf Grund der Minist.-Entschl. vom 24. Januar 1912 Nr. 30 067 angeordnet, waß auch solche Kandidaten zur Neligionslehrerprüfung zugelassen werden können, die keine seminaristische Vorbildung haben, wohl aber eine andere geeignete Vorbildung, die in der Entschließung näher bestimmt ist, Nachweisen. — Am 28. Mai tagte in Kassel die 4 4. Jahresv e r s a m m l u n g der i s r a e l i t i s ch e n Lehrer de r Provinz Hessen-Nassau. Es wurde über Gegenwartsausgaben des jüdischen Lehrers verhandelt und dabei die Notwendigkeit betont, der Landflucht entgegenzuwirken und Jugendpflege im Anschluß an die Volksschulen zu treiben. Bei genügender Beteiligung sollen Fortbildungskurse für israelitische Lehrer' eingesührt werden: - Nach dem Bericht des Almosenkastens der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M.' beliefen sich die Spenden im Vorjahr auf rund 149 000 M. gegenüber 132 000 M. in 1910. Zur Deckung des Defizits mußte der Reserve ein hoher Betrag entnommen werden. Zur Führung der Vormundschaft von. 70 Kindern wurde ein besonderer Beamter angestellt. Das Pflegämt richtet die Bitte an die Gemeinde- ] Mitglieder um tatkräftige Unterstützung, damit man nicht genötigt

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