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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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*»««».» Dxx Oemetndebote. Vrtlssr zur „AUgemetnen Lettung drß Judentums*. Sorrelpondrn?m und Mschrichtrn Deutschland. SXV Berlin, 11. Juni. Am Dienstag, den 28. Mai, tagte hier im Sitzungssaale der Repräsentanten die Mitgliederversammlung der Vereinigung liberaler Rabbiner unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner Professor Dr. Bloch-Posen. Einziger Gegenstand der Tagesordnung war.- die Beratung von R i ch t l i n i e N s ü r d a s liberale Judentum. Nach der Besprechung und Annahme eines Teiles der von der dazu beauftragten Kommission vorgelegten Thesen mutzten! die Verhandlungen der vorgerückten Zeit halber abgebrochen werden. Mit dem Reste wird sich eine in kurzer Zeit einzuberufende Versammlung zu beschäftigen haben. Anwesend war auch in der Sitzung der bekannte englische Führer des Liberalismus Claude Montefior e. t. Berlin, 11. Juni. Am 2. d M. fand imSitzungssaale der jüdischen Gemeinde unter zahlreicher Beteiligung Berliner und auswärtiger Delegierten die ordentliche G e n e r a l v e r f a m m l u n g des Vereins „Esra" statt. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, eröffnet die Versammlung und teilt in seinem Bericht über die vorjährige Tätigkeit des Vereins mit, daß die Einnahmen 24 634 Mark gegen 17.004 Mark im Vorjahre erreicht haben. Die Bemühungen des „Esra", die bestehenden Kolonien Palästinas mit jüdischen Landarbeitern zu versehen, haben im Berichtsjahre zu einem großen Erfolge geführt. Es ist gelungen, etwa 650 Juden aus dein Jemen (Südarabien) zur Auswanderung nach Palästina zu veranlassen und sie daselbst in verschiedenen Kolonien. als Landarbeiter unterzubringen. Die Juden in Jemen sind bei großem jüdischen Wissen und hoher Intelligenz sehr fleißig und überaus genügsam. Diese vorzüglichen Elemente in den Dienst des jüdischen Kolonisations- Zwecks gestellt zu haben, ist. ein Erfolg, der nicht hoch genug zu veranschlagen ist. Für die Einwanderung dieser Jemeniten hat der Verein „Esra" einen Betrag von 10 000 Fr. ausgegeben, und dadurch die jüdischen Kolonien um 200 erwachsene jüdische Landarbeiter bereichert. Daneben hat der Verein „Esra" seine Pläne zur Seßhaftmachung jüdischer Landarbeiter aus dem Osten Europas weiter betrieben und zu diesem Zweck vor kurzem 30 000 Fr. überwiesen. Der Betrag wird zur Errichtung einer Krankenstation, Herstellung einer Wasserleitung und zum Bau von 10 Arbeiterwohnungen in der Kolonie Chedereh verwendet werden. Auch der Bau von 12 Arbeiterhäufern in Kufr- S ab a dürfte nicht mehr allzulange, auf sich warten lassen, da die Aussicht vorhanden ist, daß die Lokalbehörden die nötigen Bauerlaubnisse endlich erteilen werden. Auf Antrag der Revisionskommission wird hieraus dem Schatzmeister einstimmig die Entlastung erteilt. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wird Herr M. Dorn per Akklamation für die nächsten 2 Jahre wieder zum Vorsitzenden gewählt. Ebenso werden die turnusmäßig ausscheidenden Herren Rabbiner Dr. Eduard Bieberfeld, Dr. Eschelbach er, Geheimrat Landau und Professor S o b e r n h e i m wiedergewählt. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausscheidenden, langjährigen Schatzmeisters des Vereins, Herrn Konsul Julius Friedemann, wird Herr Berthold Israel zum Schatzmeister und Herr Konsul Friedemann selbst zum Mitglied des Zentralkomitees gewühlt. Gleichzeitig wird letzterer unter großen Ovationen der Versammlung zum Ehrenmitglied des Vereins „Esra" ernannt. 22 Berlin, 11. Juni. In den Baruch - Auerb a ch s ch e n Waisenerziehungs >anstalten hat nach dem eben ausgegebenen 79. Jahresbericht der seit der Begründung des neuen Anstaltshauses Jahr für Jahr fortgeschrittene und im ganzen bisher um 13 Stellen erhöhte Zöglingsbestand die Zahl von 59 Knaben und 31 Mädchen' erreicht. Diese besuchen in der weit überwiegenden Mehrzahl höhere Schulen, die Knaben fast durchweg bis zur Ein-, jährig-Freiwilligen-Berechtigung, besonders begabte und würdige sogar bis zur Reifeprüfung, die im Berichtsjahre wieder zwei bestanden haben, während die Mädchen in. der-Regel noch von der Anstalt aus ihre berufliche Vorbildung genießen. Im ganzen sind bisher 425 männliche, 167 weibliche Zöglinge entlassen worden, lieber die Hälfte der letzteren hat sich verheiratet und hierzu beträchtliche Beisteuern aus Stiftungen erhalten. Aus solchen sind wiederum außer zur Verheiratung auch zur Selbständigkeit, zu Kur- und anderen Zwecken größere Summen gezahlt worden. Die unmittelbaren Anstaltsbedürsnisse erforderten einschließlich Bureau, Gottesdienst, Gräberpslege, Renten insgesamt 90 260 Mark (im Vorjahre 88 836 Mark), die Verpflegung 23 846 Mark (23 083 Mark), das ist 60^ Pfennig für den Kopf und Tag. An Zinsen stehen 55 355 Mark, an Renten 1650 Mark, an Jahresbeiträgen Ä400 Mark zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, zu deren Unterhalt weder Stadt noch Gemeinde im geringsten beitragen, nach wie vor aus das Wohlwollen ihrer Gönner wesentlich und dringend angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Professor Dr. Strelitz die Herren Kommerzienrat E. Lohnstein, Generalkonsul E. Landau, Profesior Dr. F. Lieber mann, Dr. Paul L a ch m a n n, Bankdirektor Paul .M a n k i e w i tz und Direktor Oskar Oliven. Ehrenmütter sind Frau Professor Cäcilie Siebermann, Frau Konsul Flora Fraenkel, Frau Kommerzienrat Else I s r a e l und Frau Geh. Sanitätsrat Anna Lewy. g/«> Berlin, 11. Juni. Nur ein Alter von 47 Jahren erreichte der bekannte.Bildhauer Max Levi, der am 5. d. M. seinem schweren Leiden erlegen ist.. Als.Holzbildhauer begann er seine Künstlerlaufbahn. Fern von den Akademien ist Max Levi als Autodidakt eigene Wege gegangen-. Diese ureigene Persönlichkeit spricht schon aus seinen ersten Porträtbüsten, die. ihm 'allgemeine Anerkennung brachten. Wir erinnern an die. A g n e s- S o r m a - B ü ste, die" das Albertinum in Dres-den. besitzt,.. Geheimrat Sette g a st ebendaselbst. Zu einer Größe der Charakteristik erhebt sich Levi in der bekannten S.lrind her g - B ü st eJ die das Intime Theater in Stockholm schmückt. Die gegenwärtig.im Palms Lipperheide zu besichtigende Frühjahrsansstellung des-Berliner Künstlerbundes, dessen Mitglied Max Levi war, gibt einen Gesamtüberblick über sein Schaffen. Gegen 40 Werke zeigen diesen-feinfühligen liebenswürdigen Künstler, dessen früher Tod allgemeine Teilnahme erwecken wird. Der Berliner Künstlerbund wird im Ausstellungshause eine Gedächtnisfeier veranstalten, über-die noch Näheres bekanntgegeben wird. Die Beerdigung Levis fand am 7. Juni auf dem jüdischen Friedhofe in Weißensee statt. Deputationen sandten der Berliner Künstl er - bund und der Verein Berliner Künstler. Am Grabe sprach der Maler- Julius! R o s e n b a n m , Vorstandsmitglied des Berliner Künstlerbundes. 22 Berlin, 11. Juni. In der letzten Sitzung der „Wissenschaftlichen'Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" hielt Herr Dr. Löwen b erg einen Vortrag über „Schulbibel und H a u s b i b e l". lieber Zulässigkeit und Notwendigkeit einer Schulbibel herrscht in evangelischen Kreisen seit den Philanthropen bis zum heutigen Tage Streit. Als die hauptsächlichsten Gründe, warum der evangelische Schulbibelstreit kein Analogon im jüdischen Lager gefunden hat, führte der Vortragende an die mangelhafte Berücksichtigung, die durch die Konkurrenz des Hebräischen das Bibellesen leider häufig im Lehrpläne für-den jüdischen - Religionsunterricht gefunden hat, ferner das Fehlen einer bevormundenden Aufsichtsbehörde und das Fehlen einer Bibelübersetzung mit autoritativem Charakter. Von den beiden Schulbibeln für den jüdischen Religionsunterricht komme nur die von AUerbach in Betracht, da das biblische Lesebuch von Tachau die Poetischen Stellen der Bibel fast ausschließlich in der Kautzschen Uebersetzung bringt, die für den Unterricht wenig geeignet ist. Eine Neubearbeitung der Auerbachschen Schul- und Ha'usbibel, deren Schutzfrist in wenigen Jahren abläuft, ist aus mehreren Gründen erforderlich. Es .spricht dafür ein. wissenschaftlicher Grundweil Auerbach aus — wenn auch gutgemeinter — Tendenz sich mannigfach von dem einfachen Sinn des Urtextes 'entfernt, und weil seit 27 Jahren an das Buch nicht, die bessernde Hand gelegt worden ist. Es sei ferner von der Schulbibel zu verlangen, daß sie nur. S ch u l buch, also nur S ch u l bibel und nicht zugleich auch Haus bibel ist, damit Preis und Gewicht des Buches eine mäßige Höhe nicht überschreite nnd damit

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