Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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The Jewish Review. Edited by Norman Bentyvjch & Dr. Joseph Höchman. Vol. III. No. 13. May 191|.^ondon^,Geoi<Tloutledge & Sons. i /;? Purim. Predigt, gehalten im Gotteshause der Jüdischen Reformgemeinde von Dr. Joseph Lehmann am-3^März U912,^veröffentlicht vom Vorstand der Gemeinde. "Der Staatsbürger. Halbmonatsschrift' M-PölitischeMildung. Herausgeber Professor Dr. Hanns Dorn in München. .Nr. 9 und 10. Erstes und Zweites Maiheft 1912. Schriften der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Bd. II. Heft 1.: Salomos Tempelbau und Thron in der semitischen Sagenliteratur, von Georg Salzberger. Berlin. Mäher L Müller. 1912. Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverlandvon W. Zuckermann. Hannover, Wilh. Riemschneider, 1912.;■/ Sxrechsaal. 3n dem Monatshefte des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Nr. 5 vom 1. Mai d. I. befindet, sich der Bericht über den 2. Westdeutschen. Verbandstag, aus dessen Inhalt das Referat des Herrn Dr. Jsi Kahn unser ganz besonderes Interesse erweckt hat. Der Redner spricht über das Thema „Praktische Arbeitsmethoden", und zwar in einer Weise, .als habe er sich unsere Jugendabteilung „Außerordentliche Mitglieder des Israel. Frauen-Vereins" als Vorbild für sein Referat genommen. Mit Stolz erfüllt uns das Bewußtsein, wie unsere Institution in jedem Punkte dem Ideale des Redners entspricht. Kaüm haben wir nötig, Einzelheiten unserer Bestrebungen anzusühren, wir müßten nur wiederholen, was Herr Dr. Kahn gesagt, bestätigen können wir ihm aber gleich, daß ganz so segensreich, wie er es erhofft, auch die Wirkung ist, daß das, was der Israel. Frauen- Verein Stettin mit Hilfe der Kommission „Außerordentliche Mitglieder" in zehnjähriger Arbeit erstrebt hat und mit großem Eifer und allerdings nie ermüdender Arbeitslust durchgesührt hat, sein'en Urhebern in vollem Maße seinen Dank abträgt. . Die Bereinigung „Außerordentliche Mitglieder" zählt zirka 300 Mitglieder. Es sind mehrere Kommissionen, aus jungen Mädchen bestehend, gebildet worden, die jede, mit einer Dame des Vorstandes als Vorsitzende, eine selbständige Organisation darftellt und ständig mit dem Vorstande Fühlung-hat; nicht nur' dadurch/daß das der Kommission angehörende Vorstandsmitglied dem'Vorstande Bericht erstattet, es finden gemeinsame Sitzungen statt/in der ' schwierige Fragen zur Sprache kommen. Außerdem sind vierwöchentlich Versammlungen der Mitglieder, in denen Vorträge usw. gehalten werden, mit anschließender Diskussion über das behandelte Thema und daraus folgendem gemültichen Beisammensein. Alljährlich findet eine Generalversammlung mit Vorstandswahl statt. Unserem Vereine angegliedert ist ein Heim für im Berufe stehende junge Mädchen, in dem teils solche junge Mädchen. Aufnahme finden, die mit ihrem knappen Gehalte eine gute Pension nicht zu bezahlen v'ermögen, teils solche, die ein Heim in gut jüdisch geführtem Hause finden wollen. In diesem Heime ist ein Klubzimmer für die Vereinsmitglieder reserviert, in dem sie das Recht haben, sich jederzeit aufzuhalten, in dem die Leihbibliothek untergebracht ist, sowie ein Klavier und Spiele zur freien Verfügung der Mitglieder. Allwöchentlich ist ein Abend angesetzt, an dem unter Aufsicht eines Vorstandsmitgliedes gute Werke mit verteilten Rollen usw. gelesen werden. Diese Abende sind stets gut besucht. Speziell zu bemerken ist die feierliche Gestaltung der Freitagabende und der Feiertage im Heime. Ehemänner der Vorstandsdamen übernehmen es gern, die Zeremonien der Feiertage auszuführen, und ist die Beteiligung, besonders an den Zederabenden, eine große. Jedem Mitgliede ist der Besuch dieser Feiertagsabende gestattet. Die bereits erwähnte Bibliothek wird von einer besonderen Kommission geleitet, dieselbe enthält gute Unterhaltungslektüre, speziell gute jüdische Literatur. Sie steht den Mitgliedern gratis zur Verfügung und wird durch Spenden von Büchern gern bereichert. In jedem Winter sind gut besuchte Kurse eingerichtet, in denen Literatur,. Französisch, Englisch, Buchführung, Stenographie usw. gelehrt wird zu ganz geringem Preise. Mit, dem Heime verbindetsich eine Kochschule, die unter täglicher Aufsicht der Vorsumdsd'amen steht. Auswärtige Schülerinnen finden im Heime'selbst gleich billige Pension. v Vieles könnten wir noch berichten, vieles leisten wir, doch vieles bleibt uns noch zu tun,, unsere Mittel sind leider nur beschränkt, doch unser Interesse an der Sache erlahmt nix. Einen. Sommerschlaf halten wir nicht, wir bleiben in ständiger Arbeit, da der große Apparat unseres Heimes schon das ganze Interesse in Anspruch nimmt. Ebenso halten wir auch ständig die Aufmerksamkeit unserer Mitglieder wach, damit die Vereinigung stetig an Ausdehnung zunimmt. Während mehrerer Jahre konnten wir in einem nahegelegenen Ostseebade ein Sommerferienheim für unsere Mitglieder unterhalten, das wir leider wegen der zu großen pekuniären Opfer in den letzten Jahren nicht mehr einrichten konnten; wir haben jedoch die bestimmte Hoffnung, daß es uns im nächsten Jahre wieder möglich sein wird. Nie hören unsere Wünsche auf Erweiterung unser'er Tätigkeit auf, denn unbegrenzt sind ja auch die Erweiterungsmöglichkeiten. Großes wollen wir erreichen, groß sei unser Ziel! H. Sch., Mitglied der Abteilungskommission „Außerordentliche Mitgieder des Israel. Frauen-Vereins, Stettin". - * Kannte der Talmud bereits die Mikroben? ie viele Engel können auf einer Nadelspitze tanzen? Diese Frage wurde allen Ernstes von gelehrten Philosophen des Mittelalters erörtert. 11ns erscheint das lächerlich, und wir verstehen nicht, inte sich gebildete Menschen mit einer solchen Frage beschäftigen 'konnten. Es ist aber möglich, daß diese alten Gelehrten größere Kenntnisse hatten, als wir ihnen zutrauen. Die Mikroben gelten zwar als eine Entdeckung des vergangenen Jahrhunderts, aber es mag doch sein, daß man schon vor langer, langer Zeit ihr Vorhandensein und ihre schädlichen Wirkungen kannte. „Jüngst besuchte ich einen befreundeten Rabbiner", so erzählt 'ein jüdischer Gelehrter in einer englischen Zeitschrift, „und während ich auf ihn wartete, nahm ich einen Band des Talmud zur Hand und blätterte darin. Mein Auge fiel auf eine mit Bleistift angestrichene Stelle, die in deutscher Uebersetzung lautet: „Die ganze Welt ist voller Mazzikim". Das hebräische Wort „Mazzikim" wird in der Bibel mit „Teufel" wiedergegeben. „Teufel" ist aber ein Wort', das die alten Juden nicht kannten. Die wahre Bedeutung von „Mazzikim" ist „böse Dinge" oder „Dinge, die böses Hervorrufen", oder „giftige, verderbliche Dinge". An der. betreffenden Stelle hieß es weiter: „Um uns in der Luft schweben so viele Mazzikim, daß, wenn sie ein Mensch' sehen möchte, er verrückt werden würde. So unendlich groß ist ihre Zahl, daß eine Myriade von ihnen auf einem Quadratzoll von dem Saume des Gewandes eines Mannes Platz fände." . „Der Gedanke schoß mir durch den Kopf, daß, wenn eine Myriade Mazzikim auf einem Ouadratzöll Zeug Platz hätte, eine Myriade Engel auch auf einer Nadelspitzetanzen könnte. Denn das hebräische Wort, das mit „Engel" übersetzt wird, bedeutet eigentlich „wohltätige Dinge" — Wesen, die für den Menschen Gutes wirken. Diese Sätze wurden vor zweitausend Jahren geschrieben. Ließe sich nicht vielleicht richtiger „Mazzikim" mit „Mikroben" od'er „Bakterien", das heißt mit Lebewesen, die Krankheiten verursachen, übersetzen? Und das hebräische Wort, das mit „Engel" übertragen wird, ließe sich vielleicht richtiger mit „wohltätige Mikroben", denn solche gibt es ja auch, wiedergeben? Auch andere Stellen im alten hebräischen Gesetz scheinen mir für diese Auffassung zu sprechen. So ist es uns zum Beispiel verboten, von stillem Wasser zu trinken, weil das „ein Lieblingsausenthalt der Mazzikim ist", und wir sollen uns am Morgen dreimal die Hände in fließendem Wasser waschen, „weil sich die Mazziknu mit Vorliebe aus den Fingerspitzen, besonders unter den Nägeln, aufhalten", und wer sich, .ohne sich vorher gewaschen zu haben,, mit den Fingern Augen, Mund oder Nase berührt, könnte dann leicht Mazzikim in seinen Körper einführen." Beweisen nicht solche Stellen auf das deutlichste, daß die alten Rabbin'en, die vor zwei- bis dreitausend Jahren lebten, Kenntnisse von den krankheiterregenden Mikroben hatten? J.Cassirer. ,