Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Den Glanzpunkt der Ausstellung bildet wohl unbestritten die zirka 40 Nummern umfassende Kollektivsammlung der Werke Max Levis, die ein getreues Bild von dem umfassenden Schaffen dieses besten Künstlers unserer Kreise geben. Mit dieser Ehrung des leider jüngst verstorbenen Meisters, der von anderer Seite in ganz unbegreiflicher Weise schwere Demütigung erfahren, haben sich die Veranstalter eine Anerkenntnis geschaffen, für das ihnen nicht allein der hochbegabte Künstler, sondern mehr noch die vielen Freunde Levischer Kunst aufrichtig danken werden. An der Hand des Kataloges ist es leicht, die verschiedenen Skulpturen zu würdigen. Hervorheben will ich von den monumentalen „David" (Galerie Moste), „Der Kugelspieler", die eine Figur zur „Ringergruppe" und die durch den Toddes Dichters aktuelle „Strindbergbüste". Hierzu noch eine Reihe lebensgroßer Porträtbüsten „Geheimrat Schmidt" (Albertinum, Dresden) und der Vater des Künstlers in zwei Ausführungen. Endlich eine große Zahl hervorragender klein-plastischer „Genrefigürchen" und Persönlichkeiten „Rudolf Rittner" und „Else-Lasker-Schüler". Neben dieser stattlichen Sammlung meisterlicher Bildhauerei treten die Arbeiten von Herm. Hirsch, I. P l e ß n e r und- F. R o s e n b e r g bedeutend zurück, obgleich auch sie ihre künstlerischen Werte haben. Ungleich reicher an Zahl sind natürlich die Werke der malenden Künste. Bruno Bielefeld zeigt wieder reizvolle Idyllen aus dem alten Berlin. Es ist gut, daß Bielefelds Kunst die alten Schönheiten der Spreestadt für spätere Geschlechter festhält. Ein „Spaziergang" von Grete B e r n st e i n -Landsberg in ihrer bekannten Art. Borghard hat neben verschiedenen Landschaften (Gehöft am Abend) das Porträt eines feschen jungen Mädchens ausgestellt Von Meta Cohn sieht man wieder verschiedene gute Radierungen und von ihren Hochgebirgsbildern einen Blick am „Septimerpaß". Von Oskar F e h r i n g e r ein sicher gemaltes Selbstporträt und einer seiner beliebten Studienköpfe. Von Gertrud F l a t o w eine Ecke aus ihrem Atelier. Ferner „Kastanie" und das „Bildnis meiner Mutter". Hier möchte ich gleich Hinweisen auf die ähnlichen Porträts jüdischer Frauen auf dieser Ausstellung. .Auf Julius R o s e n b a u m s Porträt in Blau und- Rahel L i p p manns „Porträt meiner Mutter". Bei Martin Frost gefallen die Landschaften mit dem lila-rosa Frühlingshauch (besonders „Baumblüte", „Vorfrühling" und „Weiden im Nebel"). In anderer unerschöpflicher Art als Bielefeld bannt Fritz G i e b e l- Hausen das Berlin von heute auf dm Leinwand. „An der Alsenbrücke", „Weihnachtsbuden am Leipziger Platz", „Am Wannseebahnhof" sind glänzend gesehen. Und wenn auch der „Verkehr am Zoo" nicht so sehr seine Art charakterisiert, so hat doch die Wiedergabe dieser Alltäglichkeiten gerade von seiner Hand seine besonderen Reize, im Vergleich zu anderen Künstlern, die Berlin mit dem Pinsel erobern wollen. Von der jungen Malerin Maria Haim sehr respektable Werke, ein Selbstporträt und „Mutter mit Kindern". Besonders das letztere reizt durch die Größe der Komposition und Auffassung, nicht weniger durch die lichten, welligen Töne der Farbe. Von E. K ä m p e r zwei ansprechende Idyllen im Grünen. Bunte, bewegte Szenen von K l o ck e. Einen „Grunewaldsee" in sehr feinen Weichen Tönen von Herbert K u r o n. „Verregnet", ein kleines Bild aus Treptow von dem gleichen Künstler, hat neben seiner amüsanten Darstellung viel koloristischen' Effekt. Von Hertha Kutscha-Arndt ein Interieur „Betten". Heinz L e v y s o h n malt einen Durchblick vom Potsdamer Platz. Für die schwer faßbare Aufgabe eine hübsche Leistung. Von Minna L e w i ein paar Radierungen „Weibliche Akte" und verschiedene fein abgestimmte koloristische Stücke „Kinderstudie" und „Hyazinthen". Margot Lipmann zeigt einige: landschaftliche Studien nach Dachauer Motiven. Das Beste wohl die „Straße". Auch eine seinstrichige Radierung vom vielbeliebten „Krögel" muß den Kenner reizen. Ernst L ü b b e r t fesselt, wie schon oft, durch seine grotesken Jdeenbilder. „Alter Sünder" und „Frühling" bringen den Besucher in die angenehme Stimmung und nicht minder sein Selbstporträt, das--die übermütige Künstlerlaune in einer glücklichen Stunde geschaffen. Ebenso das „Doppelporträt". Von der Holzschnittmeisterin Johanna M e tz n e r sehr, beachtenswerte Arbeiten. Das hier wiedergegebene Tryptychon von Manfred Prager „Erkenne die Wahrheit" möchte ich ohne große Beeinflussung zur Diskussion stellen. Als ich das bedeutende Werk, das in diesem Raum nicht sehr günstig hängt, studierte, äußerte vor mir ein kritisches Mündchen: So etwas malt man nicht! Als ob das Erkennen der Wahrheit, ein doch sympathischethisches Tun, in unserer — gestehen wir es ruhig — verlogenen Zeit, eine, direkte Gefahr sei. Von Prager zeichnen sich noch besonders die beiden Porträts „Lachendes Mädchen" und der „Backfisch" aus, durch ihre frische, farbige Wirklichkeit, mit der sie geschaffen sind. Julius Rosenbaums vielseitiger Kunst verdanken wir außer dem schon genannten Damenporträt in Blau noch ein „Bildnis im Biedermeierkleid". Nur ist die Stimmung hier breiter und in lichteren Farben gehalten. Ein weiblicher Akt auf gelb und grüner Farbenfläche und einzelne bemerkenswerte Radierungen von dem gleichen Künstler. Von Hugo S ch l o m e r dankbare kleine Farbenillustrationen wie „Stammtisch"-und „Musizierende Damen". >,Boote auf der Havel" und ein „Gartenhaus" zeigen E. T a p p e r s starkes Können. Von Helene W o lff ein impressionistisch seines Stillleben. „Zur Arbeit" von Benno W u l s s o h n schätze ich höher als die doch schließlich nüchtern wirkenden Schiffsbilder. Die Breslauer Leser dieser Zeitung -wird es .noch interessieren, daß erstmalig im Galerie-Lichtenstein-Mufeum eine Reihe von Werken des Berliner Künstlerbundes zu einer Separatausstellung vereinigt ist. So ist auch, an dieser Stelle der interessierten Oesfentlichkeit Gelegenheit gegeben, die Leistungen dieser Künstlergemeinschast bequem kennen zu lernen. Erich Grand. •ggUllikggJg- Lin Martyrium. Skizze aus dem Leben von I. H e r z b e r g - B r o m ö e r. g. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) chreckensbleich blickte der Hauptmann auf den Toten, und ein Gefühl der Unruhe beschlich ihn. Trug nicht auch er durch sein Verhalten dem Verschiedenen gegenüber einen Teil der Schuld an dieser entsetzlichen Tat? Konnte er sich des Gedankens erwehren, daß nur die Verzweiflung dem Daliegenden, der durch fein Tun einen seltenen Mut gezeigt, das Gewehr, in dem unerklärlicher Weise eine scharfe Patrone von der Schießübung her verblieben war, in die Hände gedrückt, um seinem Leben ein jähes Ende zu bereiten? Sinnend schaute er auf den Toten, dessen Gesühlsausdruck davon Kunde gab, daß er mit Ruhe und Entschlossenheit in den Tod gegangen war. Nun verließ der Hauptmann die Stube und ließ sie wieder verschließen. Dann veranlaßte er die weiteren Maßnahmen zur Fortschaffung der Leiche. — Beim Verlassen der Kaserne aber winkte er den ihm stumm folgenden: Alfred Heimburg, den das Geschehene tief niedergebeugt hatte, der keines klaren Gedanken fähig und noch immer in voller Rüstung war, zu sich heran und sprach zu ihm: