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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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1846 übersiedelte Kuranda nach Leipzig, von dort aus das Blatt leitend. Doch 'zog es ihn wiederholt mächtig nach Berlin. - Von dort aus redigierte er einige Monate lang die „Grenzboten". Jedoch war sein Aufenthalt in der Hauptstadt Preußens nicht ohne Dornen und sollte nicht von Dauer sein. Obschon er nichts weniger als radikal war und namentlich in der Form stets die größte Vornehmheit und Mäßigkeit bekundete, erhielt er plötzlich den Befehl, in seiner Eigenschaft als lästiger Ausländer Berlin binnen drei Tagen zu verlassen. Im Juni 1846 schrieb er seinem Freund und Verleger Johann Friedrich Grunow voll Besorgnis: „Sie wissen, ich habe in Berlin keinen anderen Zweck als jenen, in einer großen^ gerstig Bodelschwingh' geladen, um über die Haltung unserer „Grenzboten" mich zu verantworten. Diese Verantwortlichkeit kann ich zwar nicht anerkennen, denn ich bin kein Preuße, und unser Blatt erscheint in Sachsen unter Zensur. Indessen, ist es interessant und wichtig, die Beschwerden kennen zu lernen, die man gegen die „Grenzboten" hat. Es scheint eine abscheuliche Entstellung der Tendenz unseres Blattes dem Ministerium vorgespiegelt zu sein, und ich freue mich Gelegenheit zu haben, sie auf ihren wahren Wert zurückzusühren. Ich habe heute nacht die „Grenzboten" noch einmal genau überblickt und finde nirgends auch rkur die geringsten Anhaltspunkte für die mich betreffende Anklage. Ich werde ehrlich und offen 43H JSrss» mkQ : Prager: Erkenne die Wahrheit. bewegten Stadt zu leben, statt in dem langweiligen, krämerischen Leipzig. Es scheint aber, daß man mir, der Teufel weiß was für Absichten unterlegt hat. Was mich nun bei dieser Plötzlichen Ausweisung am meisten bestürzte, das war die Voraussicht, daß sich jetzt die Presse dieses Skandals bemächtigen wirb, und mein Name nun vier Wochen in allen Zeitungen herumgewälzt werden wird, wodurch ich in eine so schiefe Lage und in eine äußerste Spitze der Opposition gekommen wäre, die meinen Gesinnungen und Empfindungen durchaus nicht zusagt. Sie wissen, ich bin ein ehrlicher, freimütiger Kerl — aber ich bin kein Revolutionär und will nicht einmal als ein Radikaler (was man in Deutschland so nennt) ausgeschrien sein. Von Berlin abzureisen wäre mir ziemlich gleichgültig, aber eine politische Rolle, nach der ich nicht geize, spielen zu müssen, ist mir fatal. Ich wandte mich daher sogleich an die belgische Gesandtschaft und diese nahm sich meiner mit Wärme an. Die Ausweisung wurde vom Ministerium sogleich zurückgenommen, und hrute abend bin ich zum Minister mit dem Minister sprechen. Unser Blatt ist ein Blatt des Fortschritts, aber des ruhigen, gesetzlichen: Schadenfreude, Verhöhnung, Aufstachelung liegt nicht in meiner und seiner Natur. Wäre ich ausgewiesen worden, so hätte der Spektakel unserem Blatte einhundert Abonnenten mehr gebracht, aber ich weiß, Sie geizen nicht nach einem auf solchem Wege erreichten Vorteil, ebensowenig als ich nach einer auf solche Weise erlangten Zelebrität." (Schlutz folgt.) «LMk Serlinrr Mnltlerbund. ^W^ie am 5. Mai eröffnete Frühjährsausstellung dieser ^7 strebsamen Künstlervereinigung zeigt durchgängig sehr erfreuliche Fortschritte/ Außer den bekannten tatkräftigen Talenten sind verschiedene neue Mitglieder mit sehr beachtenswerten Leistungen vertreten, die den Berliner Künstlerbund die besten Aussichten für die Zukunft erhoffen lassen.

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