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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-07 · Heft 23 (7.6.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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rat-- Landgerichtsrat a- D. Jakob Wollstein statt. Ungewöhnliche Ehrungen sind dem ungewöhnlichen Manne zuteil geworden. Bedeutete sein Hinscheiden doch nicht nur einen Verlust für seine nächsten Angehörigen und zahlreichen Persönlichen Freunde, /nein, die ganze jüdische Gemeinde stand trauernd an der Bahre des edlen Mannes. Aus der Estrade vor dem Allerheiligsten der Synagoge am Schweidnitzer Stadtgraben, in ihrem der Würde, der Feier entsprechenden stimmungsvollen.Trauerschmuck, war der von vier Postamenten mit silbernen Leuchtern umgebene., und von einer Fülle prächtiger Kränze und Palmen überdeckte Katafalk mit den . sterblichen Ueberresten des Verblichenen ausgebahrt. Unter den Erschienenen bemerkten wir u. a. Oberbürgermeister Dr. Bender, Oberlandesgerichtspräsident Wirklichen Geheimen Oberjustizrat Dr. V i e r h a u s, Landgerichtspräsident Fels mann, die Stadtverordneten, Handelsrichter. M u g d a n, Bankdirektor M ilch, Professor Dr. W o h l a u e r sowie zahlreiche Delegierte und Deputationen von Vereinen. Nach einem Orgelpräludium und einem Psalm des Synagogenchores widmete Rabbiner Professor Dr. Guttmann von der Kanzel herab dem Dahingeschiedenen einen aus warmem Freundschaftsherzen kommenden Nachruf. „In allen Kreisen" — so etwa führte der Geistliche aus — „aus die des Verewigten viel verzweigte Tätigkeit sich erstreckte, lasse er die Empfindung zurück, daß mit ihm ein Mann dahingegangen sei, des gleichen wir wohl nie Wiedersehen werden. Der Platz, den er eingenonunen, werde so leicht von keinem anderen wieder ersetzt werden. Den schwersten Verlust habe durch sein. Heimgang die hiesige Glaubensgemeinde erlitten. Ein Führer und Steuermann sei er der Gemeinde gewesen, nicht nur durch seine ungewöhnliche Begabung, sondern nicht minder durch seine hohe Persönlichkeit, durch den Adel und die Hoheit seiner Gesinnung, durch das ethische Bewußtsein, das sich in seinem Wesen und Wirken ausgeprägt. Wollstein war ein unabhängiger, stark ausgeprägter Charakter, ein Mann von innerer tiefer Wahrhaftigkeit, ein Diener des Rechts in des Wortes wahrster Bedeutung, dabei trotz aller Fülle der Kenntnisse von einer Schlichtheit des Wesens und seltener Anspruchslosigkeit. Seiner nie ermüdenden Fürsorge habe auch das „Jüdische Schwesternheim" seine gedeihliche Entwicklung zu verdanken, und in zahlreichen Vereinen innerhalb der Gemeinde habe er eine überaus ersprießliche Tätigkeit entwickelt. Ueberall war er ein Edler,-der aus Edles gesonnen, dessen Tatkraft nicht erlahmte, ein Stolz, und eine Zierde der Gemeinde, der er angehörte!" — Alsdann ergriff Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort: „Der liberale Verein der Shnagogengemeinde habe den Verewigten mit Recht als den Seimgen bezeichnet. Wenn aber auch der andere,, die konservative Richtung vertretende Verein, von Liebe und Verehrung für ihn erfüllt sei, so sei das ein Beweis, daß er als Vorsitzender der Gemeinde sich aller Sympathien erworbe.n, daß er in seinem Tun und Wirken aus der hohen Warte idealer? Gerechtigkeit,' Nächstenliebe und Fürsorge für alle stand. Für die glühendste Pflichttreue, von der er immer und überall beseelt war, habe er auch Anerkennung und Auszeichnung von allerhöchster Stelle erhalten. Zur Verteidigung des Judentums habe Wollstein seine ganze Persönlichkeit . eingesetzt, zur Förderung der Religionsschule, zur Verbreitung jüdischer Wissenschaft habe er beigetragen. Ganz besonders unterstützte er aber auch alle Bestrebungen, das Leid der Armen und Bedürftigen zu mildern. So habe er gewirkt für die Gesamtheit, fer er ern Segen gewesen sür alle." — Ein Psalm beschloß die erhebende Feier im Gotteshause. Von hier setzte sich der Trauerzug in langer Reihe nach dem Friedhose an der Lohestraße in Bewegung. In der feierlich geschmückten Friedhofshalle sprach nach, kurzem Orgelspiel und anschließendem Gesang der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes, Herr Eduard Sachs, zu Herzen gehende Abschieds- und Dankesworte. Namens der Repräsentanten-Versammlung würdigte ihr stellvertretender Vorsitzender, Professor Dr. W o h l a u e r, die Verdienste des Heimgegangenen um die Gemeinde, deren Empfinden stets einen Zugang zu seinem Herzen gefunden, deren. Willen er nie überhört oder mißachtet habe. Wollstein sei kein Sklave der allgemeinen Gunst gewesen, die ihm von selbst zufiel. Seine Milde und . persönliche Liebenswürdigkeit habe jeden Gegner entwaffnet. In seinem Sinne würde es.sein, nicht trauernd zu verweilen, sondern sich den Pflichten des Lebens zuzuwenden, er habe uns gelehrt, auf- ' recht vorwärts schreitend die Bahn unseres Lebens zu durchmessen. Ihm nachzueisern, darauf sei aller Streben gerichtet. Der treuen Dienste, die der Verewigte Jahrzehnte lang dem „Hilssverein deutscher Juden" gewidmet, gedachte Herr Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer, Nach kurzem.Gebet und einem Orgelpräludium wurde die sterbliche Hülle des verdienstvollen Mannes in das Ehrengrab versenkt. Dresden, 31. Mai. Das Präsidium der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911' hat kürzlich an den Schöpfer und Leiter der jüdischen Abteilung aus der genannten Ausstellung, den Wiener Gemeinderabbiner Dr. Max Grunwald, das folgende Schreiben gerichtet: „Euer Hochwürden! Unsere Ausstellung ist nunmehr aufgelöst, die Verwaltungsarbeiten erledigt, und es kommt für uns die Zeit des Rückblickes. Dabei erinnern wir uns in erster Linie mit Gefühlen des aufrichtigsten Dankes derer, die die Lösung unserer Aufgabe durch ähre wertvolle Unterstützung gefördert, ja vielfach erst ermöglicht haben. Ganz besonderen Dank verdienen Ew. Hochwürden. In eifrigster und angestrengter Arbeit haben Ew. Hochwürden sich bemüht, in allen Teilen Europas und der neuen Welt Material sür die Hygiene der Juden freizumachen und uns zur Verfügung zu stellen. Die Schwierigkeiten, die sich dabei ergaben, waren sehr groß, teils durch die Neuheit der Idee, teils auch durch die geringe Anzahl von Objekten, die für dieses Gebiet jüdischer Kultur existieren. Um so erfreulicher ist der Erfolg gewesen. Mit Stolz können wir und können Sie auf das erreichte Ziel zurückblicken, und das Bewußtsein von dieser Leistung wird Ihnen mehr noch als unser Dank ein reichlicher Ausgleich für Ihre vielen Mühewaltungen sein. Um aber auch unsere Anerkennung sür Ihre Tatkraft und Ihr Interesse an unserer Sache nach außen hin zu dokumentieren, haben wir beschlossen. Ihnen die höchste Auszeichnung, die die Ausstellungsleitung zu vergeben hat, das Ehrendiplom für wissenschaftliche Mitarbeit bei der Historischen Abteilung, zustellen zu lassen, das Ihnen eine dauernde Erinnerung an Ihre wertvolle Mitarbeit bleiben möge. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung verbleiben wir ganz ergebenst Internationale Hygiene-Ausstellung, Dresden 1911. Der Präsident Dr. Lingner, Wirklicher Geh'eimer Rat." §£•> Hannover, 2. Juni. Am 30. Mai fanddie Generalversammlung der Land- und Lehrgutsgesellschast m.b. H. zu Hannover statt, die bekanntlich aus Anregung der Simonschen Stiftung zur Ausbildung israelitischer Landunrte gegründet wurde. Dem neugewählten Aufsichtsrat gehören 4 praktische Landwirte an, nämlich die Herren Gutsbesitzer S e ck e l zu Einzingen, Rittergutspächter D o h r n, Wilhelmshof, Rittergutsbesitzer Mendelsohn, Gutow, sowie der jetzt in Berlin wohnhafte Herr I. Brandt. Weiterhin gehören zum Aufsichtsrat die Herren Sartorius R h e i n h o l d (Vorsitzender), Konsul Jaffe, Justizrat Steinfeldzu Hannover, Herr A. Silberberg, der Direktor der Anstalt Ahlem, sowie Herr Professor Marburg zu Berlin. Geschäftsführer ist der Syndikus der Simonschen Stiftung Dr. Kätz. — Das Lehrgut Steinhorst' zeigt ein fröhliches Aufblühen. Die Zahl der Lehrlinge wächst immer mehr, und in wirtschaftlicher Hinsicht hat die Schaffung von -Kulturland aus Moor und Heide zu so günstigen Erfolgen geführt, daß die Hoffnungbesteht, inspäteren Jahren den ganzen Lehrbetrieb durch die Ueberschüsse der Gutswirtschaft zu erhalten — ein Ziel, das von staatlichen Anstalten in Deutschland noch nicht erreicht wurde. In den nächsten Jahren allerdings ist der Lehrbetrieb noch auf Zuschüsse angewiesen, insbesondere auch, weil die Errichtung eines inodernen Lehrli-ngsheims sehr große Kosten verursachte. Beiträge hochsinniger Glaubensgenossen, die die eminente soziale Bedeutung des Unternehmens zu würdigen wissen, bittet die Gesellschaft ihrem Konto bei der Dresdner Bank, Filiale Hannover, sreundlichst überweisen zu wollen. — Daß das Steinhorster Unternehmen auch regierungsseitig geschätzt wird, mag daraus hervorgehen, daß der Landwirtschaftsminister zur Gründung einer von der Gesellschaft angeregten Moorgenossenschaft eine größere Beihilfe bereitgestellt hat. A. J. Homburg v. d. H., 31. Mai. Dem soeben zur Ausgabe gelangten Rechenschaftsbericht des „Israelitischen Holz- Vereins" und des diesem angegliederten „Vereins zur Ausstatt u n g i s r a e l i t i s ch e r Bräute" entnehmen wir, daß im abgelaufenen Winter mehr als 20. Familien mit Heizung versorgt werden konnten und daß der Mädchenausstattungsverein die Mittel zu einer „ansehnlichen Mitgift" für den nächsten Heiratsfall zur Verfügung hat. Das Spendenverzeichnis des letzgenannten Vereins weist an Einnahmen aus dem Jahre 1911 932 M. aus, dem Holzverein sind 651 M. in der gleichen Zeit zugewandt worden. Einschließlich der Mitgliederbeiträge, Zinsen und Kafsabestand aus dem Vorjahr sowie zurückempsangener Kapitalien beliefen sich die Aktiven des Jahres 1911 beim

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