Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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scheidüng bis' nach den Beratungsergebnissender Kommission vorhe-- - hält, ferner Herr Geheimrat Bl u m e n t h a l, der für Kommissionsberatung ist und interessante Mitteilungen' über die Ergebnisse der Forschungen über alte Synagogenbauten macht, gesprochen -hatten, gab auch Herr Sanitätsrat Dr. H o l z einigen Bedenken Ausdruck, die sich der Neuerung vom liberalen Standpunkt ausentgegenstellen. Allein, erst müsse man das Ergebnis der. Kommissionsberatung abwarten. Der Antrag des Ausschusses III auf Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung» der Angelegenheit wurde hierauf angenommen. — Von der Abrechnung über die Ständevermietung in den Synagogen und Betlokalen für das Jahr 1911/1912 mnnnt die Versammlung Kenntnis. — Der Rechnungsabschluß der Armenkommission für die Mazzothverteilung wird auf Antrag des Ausschusses II vertagt. — Bei der Vorlage, das Institut der Ehrendamen an der Mädchenschule aufzuheben, wie es von den Ehrendamen selbst beantragt worden ist, da sich bei den veränderten Verhältnissen die Möglichkeit einer ersprießlichen Tätigkeit nicht mehr ergibt, nehmen der Vorsitzende der Versammlung, Herr Louis Sachs, sowie vom Gemeindevorstand Herr Justizrat Breslauer Anlaß, den bisherigen Ehrendamen, Frau Julie Neumann, Frau Dr. Frankl, Frau Professor B l a-s ch k e und Frau H. Schönwald den innigsten Dank für ihre treue Hingabe und segensreiche Arbeit auszusprechen. — Die inzwischen bereits erfolgte Erhebung einer Klage wegen Rückzahlung .einer für die jüdische Gemeinde eingetragenen Hypothek von 310 000 Mark wird nachträglich genehmigt.— Einem Antrag des Vorstandes entsprechend beschließt die Versammlung, daß die Mädcheneinsegnungen immer an einem Sonntag stattfinden und die Liturgie einheitlich geregelt werden solle. Die hierfür vorgelegte, von den Herren Rabbinern Dr. Rosenzweig, Dr. Warschauer und Dr. Bergmann ausgearbeitete Agende wird gutgeheißen. Dybei spricht Herr Justizrat Dr. Cohn auf Grund von Beschlüssen der Synagogenvorstände Rykestraße und Kaiserstraße den Wunsch aus, daß die Konfirmationsfeiern auch in diesen beiden Synagogen, nicht nur in den Orgelfynagogen, stattsinden mögen. — Eine längere Debatte, ruft dann die Vorlage betreffend Genehmigung ves Abschlusses eines Vertrages zwischen 'der jüdischen Gemeinde, dem Krankenhaus, und dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hervor. Der Vertrag wird schließlich en bloc angenommen.— Einige Abänderungen des Statuts der Bibliothekkommission, die von keiner wesentlichen Bedeutung sind, werden debattelos genehmigt. Dann erfolgen verschiedene Wahlen. In den Vorstand der Synagoge Lützowstraße wird an Stelle des Herrn Justizrat Cohn, der infolge des Gemeindebeschlusses, daß kein Repräsentant dem Vorstände mehrerer Synagogenfortan angehbren darf, sein Amt niedergelegt hah Herr Justizrat Dr. Guttsmann, in den Vorstand der Alten Synagoge Herr Arthur Mar c u s gewählt. Für die Synagoge Fasanenstraße werden in den ersten Vorstand gewählt die Herren Benas L e v y, Emil Cohn, MoritzWolfsoh n, Leopold Aschner und Moritz L e m b e r g. — Die geforderten Beträge zur Deckung der durch die provisorische Unterbringung des II. Waisenhauses in Pankow entstandenen Ausgaben werden debattelos bewilligt. Desgleichen verschiedene andere Vorlagen. — Die dem Religionsverein Gesundbrunnen bereits bewilligte Subvention von 4000 Mark wird auf 6700 Mark erhöht und außerdem zur Schuldentilgung ein einmaliger Beitrag von 700 Mark bewilligt. Desgleichen dem Religionsverein Schöneberg pro 1912/13 die Subvention von 13 500 Mark und zur Deckung eines Defizits weitere 1500 Mark, endlich dem Synagogenverein Moabit und Hansabezirk mit Rücksicht auf die von ihm eingerichtete neue Ventilation eine einmalige Sonderbeihilfe von 568.60 Mark bewilligt. — Der Vorlage betr. Festesetzung von Sonderhonoraren für die Mitwirkung von Chordirigenten, Organisten und Chorsängern bei Gemeindefeierlichkeiten stimmt die Versammlung zu.— Der für die wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen bewilligte Beitrag zu d'en Kosten ihrer Fortbildungskurse wird'-von 300- Mark aus 500 Mark erhöht. Schließlich bewilligte die Versammlung noch 400 Mark für die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes an der Höheren Mädchenschule der. Frau v. Groß in Schvneberg und einen Betrag bis zu 150 Mark zur Bestellung eines privaten Religionslehrers für einen gelähmten und verkrüppelten Knaben .Dann folgte noch eine geheime Sitzung, in der eine Reihe von Vorlagen meist persönlicher Natur zur Erledigung gelangten. §2 Berlin, 4. Juni. Im Anschluß an den schnell fortschreitenden Bau des neuen Krankenhauses der jüdischen. Gemeinde von Berlin, an der Ecke der Exerzier- und Schulstraße belegen, dessen Hauptgebäudeün Rohbau, bereiM unter Dach stehen, wird: nunmehr: 'der Bau des neuen S ch west e r n h e i m s begonnen, welches an der südwestlichen Ecke des dreizehn Meter großen Krankenhausterrains belegen, sein wird. Der hinter dem Heim befindliche Garten wird direkt in das'Krankenhaus führen, ohne daß die Aerzte, die Oberin oder Schwestern die Straße- -zn-^berüh ren brauchen. DieMtäne^sind nach gemeinschaftlicher Beratung Zwischen dem Vorstand der jüdischen Gemeinde und dem Vorstand des Vereins für. jüdische Krankenpflegerinnen festgestellt worden. Das neue Schwesternheim wird allen modernen Anforderungen genügen und Raum für achtzig Schwestern und zwanzig Schülerinnen bieten. Es ist für jede Schwester ein besonderes Wohnzimmer vorgesehen. Es wird im Souterrain belegene Küchen- und Wirtschaftsräume, einen im ersten Stock gelegenen großen Speisesaal, Unterhaltungszimmer, Unterrichtssaal, Wohn- und' Bureauräume der Oberin und reichliche Baderäume enthalten: Insbesondere ist auch Fürsorge getroffen, daß für'die aus Jnsektionspslege heimkehrenden Schwestern in völlig gesonderten mit besonderem Eingang versehenen Räumen, Gelegenheit zum Baden und Wechseln der Kleidüng vorhanden ist, ohne mit anderen Personen Zusammenkommen zu müssen; auch werden einige Räume für erkrankte, besonderer Ruhe bedürftige Schwestern vorhanden sein. Das Schwesternheim enthält Dampfheizung, elektrische Beleuchtung, Anschluß an die Wasserversorgung des Krankenhauses und wird somit unseren jüdischen Schwestern ein Heim bieten, in welchem sie sich nach ihrem schwer'en Dienst wohl und behaglich fühlen können. Es ist dem Borstande der jüdischen Gemeinde und dem Krankenhause zu danken, daß sie in Erkenntnis der Wertschätzung und Bedeutung der Krankenpflege innerhalb unserer Gemeinde, gemeinschaftlich mit dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen fo erhebliche Opfer bringen, um eine, aller: modernerr Ansralten ebenbürtige Anlage zu schaffen und ist zu hoffen, daß diese Anerkennung der Dienstleistungen unserer jüdischen Schwestern immer mehr gebildete Mädchen und unabhängige Frauen ermuntern lvird, den ehrenvollen und hochbesriedigenden Beruf der Krankenpflege zu ergreifen, der ihnen aber auch dre Sicherheit bietek, daß sie bet Uufüuen, im Alter oder sonstiger Leistungsfähigkeitc durch die zugepcherte Pension von jeder Sorge für die Zukunst befreit sind. Meldungen von Schülerinnen werden im Schwesternheim des Vereins für jüdlfche Krankenpflegerinnen, Auguststraße 17, durch die Oberin, Fraulein Rose Blau entgegengenommen, auch wird von dort jede Auskunft erteilt. - y. Berlin, 4. Juni. Bekanntlich hatte sich seinerzeit unter dein Vorsitz des Herrn Louis Sachs auch in Berlin ein jüdisches Kornitee zur Beschickung der I n t e r n a t i o n a l e n H y g i e n e - aus st e l l u nginDres d e n gebildet. Jetzt ist von dem P r ä s i - denten der Dresdener Hygieneausstellung Wirkt. Geheimrat Dr. Lingner das folgende Dankschreiben an das Berliner- Komitee eingelaufen. „Die internationale Hygieneausstellung Dresden 1911 gehört nunmehr der Vergangenheit an. Die reichen Schütze, die hier vereint waren, sind wieder in alle Welt Zurückgegangen,, und für die. Ausstellungsleitung kommt jetzt die Zeit des Rückblickes. Dabei werden wir uns vor allem der Dankespslichl bewußt, die wir unseren Mitarbeitern und Förderern schulden. In besonders erfreulicher Weise hat das Berliner Komitee die Gruppe ,,.H y g i e n e der Juden " unserer historischen Abteilung unterstützt, namentlich auch in der Herausgabe des Werkes „ H y g I. e n e >de r I u d e n". Von dem allgemeinen Beifall, den die aus Kosten Ihres Komitees, ausgestellt gewesene Sab bat st u b e gesunden hat, ist das verehrliche Komitee ja wohl bereits unterrichtet, und es lvird dieser von allen Seiten-anerkannte Erfolg einer der w e s e n t l i ch st e n Er r u n g e n sch af t e n j üd.i s che r K u l t u r, den Herren, die in opferfreudigster Weise sich uns zur Verfügung gestellt haben, gewiß der schönste Dank sein, den sie erwarten konnten. Nichtsdestoweniger fühlen wir - es als angenehme Pflicht, unserer» Dank in aufrichtigster und wärmster Weise hiermit zum Ausdruck zu bringen. Um aber auch nach außen hin diesem Dank- sowie der Anerkennung für die wertvolle Beihilfe seitens des verehrlichen Komitees Ausdruck zu verleihen,, haben wir beschlossen, eine Plack echte dein verehrlichen Komitee zuzuerkennen, und bitten wir Sie, diese Plakette in Empfang zunehmen und den Mitgliedern des Komitees vor: der zugedachten Auszeichnung gütigst Kenntnis geben zu'wollen." Es ist zweifellos, daß eine so lvarme Anerkennung mt§ nur zur Genugtuung gereichen kann. ftP Breslau, 2. Juni. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand am vergangenen Freitag die Trauerfeier'für Geheimen Justiz-