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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-07 · Heft 23 (7.6.1912) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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kein Glaubensgenosse als gewählter Volksvertreter in der Zweiten Kammer zur Seite. Das Ansehen, das die jüdischen Gemeindelehrer bei der Bevölkerung besitzen, wurzelt jedoch wohl so tief, daß sie volle Aufmerksamkeit bei den zur definitiven Gleichstellung der Kultusbeamten benötigten staatsrechtlichen Faktoren erhoffen dürfen. Wir landen -auf unserem Rundgange durch Süddeutschlands Gaue im Großherzogtum Hessen, das sich bekanntlich einer ungewöhnlich stacken, allerdings vielfach zusammenhanglosen, weil außerordentlich verschiedenartigen Jüdenschast erfreut, andernteilß einer Regierung, die stets ihre schützende Hand über „des Reiches Kammerknechte", die als solche im ehemaligen erzbischöflich Mainzer und im Wormser Revier altansässige Büvger gewesen, gehalten hat. Die jüdischen Lehrer stehen in Hessen-Darmstadt mit ihren christlichen Bernfsbrüdern auf eine und derselben Stufe der Allsbildung, Anstellunas-, Gebalts- und Pensionsfähiakeit, obwohl natürlich Anzahl, Möglichkeit und Güte der Stellen mit denen der christlichen Konfession nicht Schritt halten können. In neuester Zeit, wo ja überhauvt in diesem Mittelstaate auf der Grenze Nord- und Süddeutschlands in den oberen Regionen der Wind etwas'mehr von rechts webt, soll die dauernde günstige Aufnahme. welche der israelitische Unterricht und seine Träger beim Ministerilun des Innern am Luisenplatz der alten landgräflichen Residenzstadt zu finden Pflegen, etwas nachgelassen baben. Der ietzige Chef dieses Ministeriums, dem auch Kirchen- und Schulwesen unterstehen, v. Hombergk zu Vach, hatte kürzlich, in der zweiten Märzwoche, einen scharfen Persönlichen Parlamentarischen Zusammenstoß mit dem einzigen Juden der Zweiten Kammer, dem sozialdemokratischen Rechtsanwalt Dr. Fulda (Darmstadt) — einen Zusammenstoß, der zum völligen Abbruche der Beziehungen führte — gerade in denselben Tagen, als der Zentrumsabgeordnete Uebel-Dieburg (bis 1912 im Reichstag für das heißumstrittene Bingen-Alzey) sich der jüdischen Lehrer annahm. Bei Kapitel 41 (Volksschulen) des Finanz-Hauptvoranschlags brachte der Abgeordnete Uebel (Zentrum; Stadtrechner) eine Anzahl von Beschwerden verschiedener jüdischer Religionslehrer wegen ihrer Anstellungsverhältnisse vor. Die Religivnslehrer sollten Pflichtmitglieder der Fürsorgekasse werden, auch könnte der Staat Zuschüsse zu ihren Gehältern beisteuern. Der Abgeordnete Bach (linksnationalliberal; Hauptlehrer in Mainz) schloß sich den Ausführungen des Abgeordneten Uebel über die israelitischen Lehrer an, die Gemeinden sollten aber nur solche Religionslehrer anstellen, die den Anforderungen seines Lehramts entsprechen. Geheimrat Süffert, der Präsident der Schulabteilung d;s Ministeriums, betonte in seiner Antwort darauf, daß die Regierung bei der ihr bekannten Lage der Religionslehrer das Möglichste getan habe, sie zu bessern. Die Schuld sei in den Religionsgemeinschaften begründet, wenn auch anerkannt werden könnt;, daß gerade die Juden außerordentlich viel für Religionszwecke ausbrächten. Nach all diesen Ausblicken sieht sich zwar die Lage dev jüdischen Lehrer in Süddeutschland nicht übermäßig rosig an, braucht aber in Anbetracht einer durchweg unverkennbaren Würdigling ihrer begründeten Anrechte und Ansprüche keineswegs pessimistisch für künftig zu stimmen oder Befürchtungen zu erwecken. Fl. Henrik Wergrlsnd, Heinrich Leile und Steinheim. Von Dr. L n c a s - Glog'iu. u diesem Thema, das in der Nr. 16 der Allg. Zeitung von Dr. Kohut behandelt wurde, möchte ich wichtige Ergänzungen vornehmem Steinheim war in der Tat mit Wergeland und Zeise befreundet. Diese Freundschaft mit Wergeland trug wesentlich zur Emanzipation der Juden in Norwegen bei. - Ich beginne die Darlegungen mit der Veröffentlichung der beiden folgenden Briefe von Steinheim und seiner Gattin. Sie sind an Henrik Wergeland gerichtet und erwähnen auch den damals erst 21 jährigen Herrn Heinrich Zeise, den jetzt 90 jährigen, hochverehrten Jubilar. Hochgeehrter Freund! Wie Sie aus der anliegenden 321. Nummer des Hamburg, Correspondenten vom Jahre 1843 ersehen, hat hier der mir übersandte Artikel seine Stelle gefunden. Es hatte einige Schwierigkeiten, ihn hinein zu bringen. Gleich nach Empfang Ihrer werthen Zuschrift that ich die nötigen Schritte. Lange wartete ich vergebens. Endlich, als ich einen andern Artikel, eine Anzeige der Simonffchen. Schrift über die Contagiosität der Pest für den Correspondenten geliefert hatte, nahm ich Gelegenheit Herrn Sunket . wegen des questionis Artikel zu befragen. Ich erhielt ihn mit dem mündlichen Bedeuten, daß er schwerlich und in seiner dermaligen Form, gar keine Aufnahme finden könne, wieder zurück. Sie sehen ihn vor sich in der neuen Form, in die ich ihn umgießen mußte; denn in der That war er in herzlich schlechtem Deutsch abgefaßt. Nun! Es macht mir wahre Freude, Ihnen diesen geringen Dienst ge-, leistet zu haben, und bitte Sie, mir nur öfter Gelegenheit zu geben. Ihnen meine Bereitwilligkeit, Ihnen gefällig sein zu können, darzulegen. Soviel sich es thunließ, habe ich der Züchtigung des verleumderischen Anzeigers nichts geschenkt, und insofern dürften Sie mit der kleinen unvermeidlichen Abänderung zufrieden sein. Nächstes Jahr geht es ja wohl wieder im Storthing darandie Schmach des § 2 auszutilgen. Wann mag das Vorkommen? Ob wohl, vor, oder nach der Versammlung der Natur-, forscher in Christiania? Leider wird wohl die Entscheidung im günstigsten Fälle zu spät eintreffen, und so freue ich mich, daß mindestens Einer unserer berühmten Naturforscher uns nicht die Schande machen kann, trotz jenes entehrenden Artikels in Norwegen Theil an jener Versammlung zu nehmen, was er, wie ich ihn leider kannte, hätte er das Leben behalten, wohl schwerlich unterlassen haben würde. Adieu! Glück auf zum neuen Jahr. Viele Grüße Ihrer geehrten Frau Schwester von Ihrem ergebenen Steinheim Dr. Altona den 5. Novbr. 1843. Hochgeehrter Herr! Wenn ich Ew. Wohlgeboren für das mir übersandte schätzbare Werk Ihres Geistes' noch nicht gedankt, und das für mich so schmeichelhafte Schreiben, mit dem es begleitet war, nicht sogleich beantwortet habe, so dürfen Sie lediglich den Grund darin suchen, daß ich Ihr Werk, um dafür zu danken, auch verstanden haben wollte. Da mir aber leider dazu die Kenntniß der norwegischen Sprache abgeht, so wandte ich mich an einen jungen Freund, den Herrn Zeise in Kopenhagen, der mir denn auch mit liebenswürdiger' Bereitwilligkeit versprach, so bald als möglich ans Werk zu gehen, und mir eine deutsche Uebersetzung zu schicken. Bis jetzt hat er, da seine Zeit fehv beschränkt ist, nur den ersten Act übersetzt, der mir aber hinlänglich zeigt, daß mir beim Durchlesen des Ganzen ein großer geistiger Genuß bevorsteht. Es ist mir ein großes Bedürfnis mich geistig zu beschäftigen, und meine höchste Freude besteht darin mich mit den Schriften der edelsten Geister aller Nationen und, Zeiten bekannt zu machen. Man sollte in der Jugend, schon aus dem Grunde recht viele Sprachen lernen, um so recht an der Quelle

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