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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-31 · Heft 22 (31.5.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Erkundigungen über die Art der Stellung und die beanspruchten Leistungen einzuziehen. Durch genauere Information kann zum Beispiel verhütet werden, was beider jetzt so häufig der Fall ist, daß junge Mädchen, ohne mit genügenden Geldmitteln versehen zu sein, und ohne die heute unentbehrlichen Berusskenntnisse zu besitzen, von falschen Berichten verlockt in die Ferne abwandern und dann dort die erhoffte Stellung nicht finden, sondern Mangel leiden oder gar moralisch verkommen. Manche Enttäuschung und oft sicheres Elend könnte verhütet werden, wenn wohlmeinende Berater Mittel und Wege besäßen, sich mit Gleichgesinnten in Verbindung zu setzen. Es ergeht deshalb an alle unsere Glaubensgenossen die herzliche Bitte, die Kommission in ihrer sozialen Wirksamkeit zu unterstützen. Alle Vereine, Anstalten und Einzelpersonen, die sich mit Arbeitsnachweis für weibliche Personen beschäftigen, werden dringend gebeten, der Kommission für Stellenvermittlung ihre genauesten Adressen sowie die ihrer Bureaus, der Bureauleiter und deren Vertreterinnen zuzusenden, mit der Ermächtigung, alle diese Adressen zur erwähnten Tabelle Zusammenstellen und der Oeffentlichkeit übergeben zu dürfen. Jede Mitteilung wird dankbar angenommen, insbesondere auch Wert daraus gelegt, daß sich aus Dörfern (Angabe des Kreises und der Provinz ist nötig) und aus kleinen Städten Persönlichkeiten melden, die gewillt sind, sich in Zukunft mit gemeinnütziger Stellenvermittelung zu beschäftigen, und die mit uns in Verbindung treten wollen. Arbeitssuchende, die zumeist den größeren Orten Zuströmen, sind oft nicht dort unterzubringen und dann sehr froh, in kleineren Plätzen Stellung zu finden, wo ihnen durch freie Station im Hause ihres Arbeitgebers noch neben dem Gehalt ein I Heim, gute Verpflegung und bisweilen sogar Anschluß an die Familie > geboten wird. Andererseits könnte damit dem an kleinen Plätzen so | fühlbaren Mangel an Personal gesteuert werden. Die erbetenen Adressenangaben sind einzüsenden an die Vorsitzende der Kommission für Stellennachweis des jüdischen Frauenbundes Frau Helene Meyer, Stargard i. Pom., Jobststraße 91. 8. Vom Regierungsbezirk Osnabrück, 26.'Mai. Die durch Pensionierung des seitherigen Stelleninhabers, Lehrer Adler, sreigewordene israelitische Volksschullehrerstelle in Quakenbrück ist dem Lehrer Trepp in Meppen übertragen worden. Die allgemein gehegte Befürchtung, daß die Königl. Negierung die vorerwähnte Schulstelle wegen Mangel an Schulkindern — seither waren nur drei vorhanden — auslösen würde, bewahrheitet sich somit nicht. Nachdem der Kultusminister wegen der Frage betreffend dauernde Verbindung der jüdischen Schulämter mit dem jüdischen Kultusamte im bejahenden Sinne entschieden hat, dürfte fortan die geringe Schülerzahl für die Erhaltung der öffentlichen jüdischen Volksschule wenig ausschlaggebend sein, da der Lehrer gleichzeitig auch, den Kultusdienst zu versehen hat, wofür ja in Gemäßheit des § 6 Abs. 5 des Lehrervesoldungsgesetzes vom 26. Mai 1909 eine Gehaltserhöhung 'eiiigetreten ist. - Dortmund, 24. Mai. Das Kuratorium für jüdische K r a n k e n p f'l e g e r i n n e n in Dortmund versendet soeben den Geschäftsbericht für das Jahr 1911. Wie aus demselben zu ersehen ist, hat die Institution im abgelausenen Geschäftsjahr wesentliche Fortschritte erfahren. Das Jahr 1911 wurde mit zwei Schwestern angetreten, am. 1. Juni konnte ihnen eine dritte Kollegin helfend zur Seite gestellt werden. Die Schwestern leisteten im Lause des vergangenen Jahres 738 Tages-, 435 Nacht-, 285 Vollpflegen (Tag und Nacht), 335 ambulatorische Pflegen. Sie assistierten außerdem verschiedentlich hiesigen Aerzten bei Operationen, -nachten sich auch mehrfach im städtischen Luisen-Hospital aushilfsweise, namentlich durch Uebernahme von Nachtpslegen, nützlich. Von diesen Pflegen entfallen auch eine größere Anzahl auf auswärtige Plätze der Provinz. Voll den 121 verpflegten Kranken waren 91 Juden, 30 Nichtjuden. Nur bei 42 von diesen Kranken wurden freiwillig entsprechende Pslegegelder vergütet, die übrigen 79 Pflegen wurden unentgeltlich in Anspruch genommen. Der weitaus größte Teil der geleisteten Pslegedienste kam Patienten zugute, deren Angehörige zu denjenigen Kreisen zählen, deren Mittel es nicht gestatteten, das Kuratorium durch entsprechende Vergütungen für die ihnen und ihren erkrankten Angehörigen gewordene Unterstützung, zu entschädigen. Gegenwärtig verfügt das Kuratorium über 'vier' Schwestern, für ivelche vor kurzem ein eigenes Heim eingerichtet wurde. Infolge der Opserwilligkeit der meisten Mitglieder des Kuratoriums konnte das Heim, ohne allzu hohe Inanspruchnahme unserer Barmittel, zu einem ivirklich schönen, behagliche.n Aufenthalt für die Schwestern! ausgestaltet werden, welcher ihnen, alle Einrichtungen und Bequemlichkeiten bietet, die man in einer guten Familienwohmmg vorzufinden gewohnt ist. Zu besonderem Dank ist das Kuratorium seinen: Mitgliede, Herrn Dr. med. Schild, verpflichtet, der nicht allein die Schwestern in der hiesigen Bürgerschaft jedweden Glaubens als Krankenpflegerin eingesührt, sondern der ihnen auch in bereitwilliger und uneigennütziger Weise jederzeit mit seinem ärztlichen Rät'zur Seite gestanden, auch zur Einrichtung des Heimes durch die Stiftung verschiedener für die Krankenpflege nützlicher Gegenstände beigetragen hat. Das Kuratorium schließt seinen ausführlichen Bericht, den wir nur int Auszug wiedergeben, mit der Bitte: „Möchte uns auch fernerhin das Wohlwollen der westfälischen Synagogengemeinden, der hiesigen städtischen und Gemeindebehörden sowie aller hiesigen und auswärtigen Wohltätigkeitsvereiüe erhalten bleiben, besonders aber dasjenige unserer Freunde und Gönner in Stadt und Land, denen wir durch ihre Jahresbeiträge und gelegentlichen Spenden zu Dank verpflichtet sind. Es würde uns dadurch erleichtert werden, die Institution der jüdischen Krankenpflegerinnen immer mehr und in.weiteren Kreisen zur Geltung und zu Ehren zu bringen." Das Kuratorium besteht zurzeit aus den Herren: Isidor G o l d - s ch m i d t,. Vorsitzender; Jacob Nathan Wolfs, stellvertretender Vorsitzender; L. Cohen, Dortmund, Kassierer und Rechnnngssührer; Dr. David, Rabbiner, Bochum; S. El kan, Rentner, Dortmund; Dr. med. Fi sch b ein, Dortmund; Josef Friede, Rentner, Dortmund, Dr. Jacob, Rabbiner, Dortmund; Dr. med. Schild', Dortmund; Hermann Schüler, Bankier, Bochum; Julius Udewald, Kaufmann, Hörde; David Strauß, Bankier, Hagen; den Frauen: Julie Alsbach, Ehrenmitglied, Dortmund; Justizrat B l u m e n t h a l, Dortmund; S, G o l d s ch m i d t, Dortmund; D. Gr unschild, Dortmund; Moritz Hanf, Witten; Ludwig Lilienthal, Dortmund; Fanny Soudheim, Dortmund: Bankier Stern, Dortmund. Vulgarien. 2. Sofia, 24. Mai. Vorige Woche tagte hier eine Konferenz der Delegierten der israelitischen Kultusgemeinden des Königreichs, bei der sämtliche 24 Kultusgemeinden Bulgariens vertreten waren. Gegenstand der Verhandlungen waren die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten über die Einberufung eines Gemeindekongresses der bulgarischen Juden und die von gewisser Seite gegen die Person des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis gerichteten Angriffe. Das Ergebnis der Zweitägigen Beratungen der Konferenz war, daß 19 Gemeinden sich über die Art der Einberufung des Kongresses einten und ein einmütiges Vertrauensvotum für den Großrabbiner und das Konsistorium gaben, indem sie ihm Dank und Anerkennung für seine bisherige erfolgreiche Tätigkeit ausdrückten und ihn im Namen der Juden Bulgariens baten, die unbegründeten Angriffe nicht zu beachten und seine Tätigkeit in derselben selbstlosen Weise sortzusetzen. Sodann begaben sich sämtliche Mitglieder der Konferenz in die Wohnung des Großrabbiners, um ihm die Vertrauenskundgebung der Konferenz zu überreichen. Heute wurden die Mitglieder der Konferenz vom Ministerpräsidenten Geschow in Kollektivaudienz empfangen. Rußland. L. A. T. Petersburg, 22. Mai. Die Petersburger Advokatenkanuner schlug dem Justizminister acht jüdische Rechtsanwaltsgehilsen zur Bestätigung als Rechtsanwälte vor. Der Minister bestätigte keinen einzigen.— Die sibirischen Zeitungen bringen die Nachricht, daß laut Verordnung des Generalgouverneurs den Juden, wie auch den Getauften aus der Station „Okeansk" und Umgebung in der gegenwärtigen Sommersaison der Aufenthalt verboten sein wird. — Der Vorsitzende des Moskauer Gerichtshofes fragte kürzlich bei der dortigen Advokatenkammer über, die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte in der Gesamtzahl der Rechtsanwälte des Bezirks an. — Das Ministerium des Innern schrieb vor, ungesäumt daraus zu achten, daß die Juden, die außerhalb des Ansiedlungsrayvns bei diplomierten Juden angestellt sind, ausschließlich in deren Wohnungen ihren Aufenthalt haben müssen. — Die Akziseverwaltung verbot in Nikolajew den Juden Patente zum Ausschank von Bier zu geben, weil diese Stadt außerhalb des Ansiedlungsrayons sich befindet. — Der „Neue Woschod" bringt folgende Mitteilung: „Die medizinische Fakultät der Neurussischen Universität in Odessa traf in einer ihrer letzten Sitzungen folgende ungewöhnliche, interessante und bedeutsame Bestimlnung: die Fakultät, in der die große Mehrheit jetzt aus „rechten"

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