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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-31 · Heft 22 (31.5.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Arbeitsstätte aber eine nutzbare Verwendung findet, könnte das Unternehmen sehr gefördert werden.' ' — Die Abholung erfolgt auf kurze Meldung an die Verkaufsstelle Breslau, Kl. Holzstr. 8/10 oder auf telephonischen Anruf Nr. 3881, völlig kostenlos. Auch von auswärts werden Sendungen gern entgegengenommen. Um die Ausgestaltung des Unternehmens haben sich die Damen Frau Justizrat Hentschel und Hedwig Engel, wie Herr Engen Perl6 besonders verdient gemacht, die Zeit und Opfer nicht scheuen, um für die Sache nach allen Kräften zu wirken. W. Aus der Provinz Posen, im Mai. Schwester Dorothea Koch mann, welche eine lauge Reihe von Jahren im Nöhrschen Krankenhause Hierselbst, tätig gewesen und gegenwärtig im Königswarter Hospital zu Frankfurt a. M. stationiert ist, ist.zum 1. Juli d. I. nach dem Friedrick>Luisen-Hospiz in Dürcheim (Baden) als Oberin berufen worden. Dortselbst wird am 1. August das Solbad und Erholungsheim für israelitische Kinder und erwachsene Mädchen, eine für 70 Insassen bestimmte und mit den modernsten Einrichtungen versehene Anstalt, eröffnet werden. — Die „Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums" hielt Hierselbst eine Versammlung ab, die von vielen Rabbinern besucht war. Herr Rabbiner Dr. Wresehner-Samter leitete die Versammlung. Auch Herr Oberrabbiner Dr. W. F ei lch e nf eld - Posen nahm teil daran. Der Vorsitzende referierte über einen halachifchen Grundsatz. Herr Dr. B a m b e r g e r - Schönlanke hielt sodanu Bortrag über talmudische „Sittenlehren und Charakter im Religionsunterricht" und führte aus, wie bei geeigneten Stellen aus Gebetbuch und Pentanteuch nicht nur die Gebote der religiösen Praxis veranschaulicht, sondern auch die erhabenen Sittenlehren und leuchtenden Beispiele des Edelsinns und der tiefsten opferfreudigen Religiosität in erziehlicher Weise gewürdigt werden fömteu. In der sich anschließenden allgemeinen Besprechung wurden auch die gegenwärtigen Zustände in der Alliance lebhaft besprochen, indem die einen für den Anschluß an Berlin, die anderen entschieden dagegen sprachen. Die meisten entschieden, sich für den Rat des Herrn Oberrabbinecs Dr. Feilchenfeld, nach welchem die einzuziehenden Gelder zunächst dem Schatzmeister in Poser, abgeliefert werden und dort bis zur Klärung der Angelegenheit verbleiben sollen. — O st r v w o. Der Oberpräsideut der Provinz Posen besichtigte bei seinem Aufenthalt hierfelbst auch unsere Synagoge. — R v g a s e u. Ein jüdisches Siechenheim will inan am hiesigen Orte errichten, um den hilflosen Kranken, welche jahrelang an das Bett gefesselt sind, eine menschenwürdige Unterkunft zu schaffen. In den nächsten Tagen wird sich ein Komitee konstituieren. — Posen. In den ersten Tagen des Monats Juni soll hier eine „Flug- und Sportwoche" abgehalten werden. Für diese Veranstaltung wurde ein Ehrenausschuß gebildet, zu dem auch Herr Major a. D. Endell gehörte. Daraufhin haben sämtliche Posener jüdischen Mitglieder dieses Ehrenausschusses, und zwar die Herren Kommerzienrat Hamb n x g e x, Kommerzienrat Kantorowicz, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat P l a c z e k und Bankdirektor Wolfs ihre Namen zurückgezogen, da sie nicht mit Herrn Endell zusammen einem Ausschuß angehören wollen. Herr Major Endell hatte nämlich unlängst in der „Deutschen Tageszeitung" eine Erklärung veröffentlicht, in derer seinen Bundesbrüdern die folgende Wichtigkeit mitteilte: „Ich kann mich .... dem „Deutschen Wehrverein" unter keinen Umständen anschließen, so lange sich in seinem Vorstand, ein Mann befindet, der einerseits öffentlich die Zulassung der Juden in unser Ofsizierkorps fordert und anderseits eine einflußreiche Stellung in einer Partei bekleidet, deren Vertreter im Reichstage in ihrer Mehrheit einen Bebel und Scheidemann zu Präsidenten des Reichstags gewählt haben, der einem Sozialdemokraten vermutlich selbst seine Stimme gegeben, jedenfalls eine solche Wahl nicht verhindert hat. Herr Geheimrat Paasche und ebenso Männer seiner Gesinnung mögen sich dem Wehrverein als Mitglieder meinetwegen anschließen, unter seine Führung kann ich mich unter keinen Umständen begeben." — O b ornik. Eines der geachtetsten Mitglieder unserer Synagogengemeinde Rentier Jacob Zwirn ist, 73 Jahre alt, gestorben. Der Dahingeschiedene zeichnete sich durch Frömmigkeit und Wohltun ganz besonders aus. Seh. Liffa i. P., 22. Mai. Am 16. Mai verschied Dr. Samuel Bäck, der 48 Jahre in segensreichster Tätigkeit als R a b b i n er unserer Gemeinde gewirkt hat, im 79. Jahre seines Lebens. Der Verstorbene war in den weitesten Kreisen bekannt und geschätzt, besonders verehrt aber wurde er in seiner'Gemeinde. Bei seinem 25jährigen Amtsjubiläum, seiner goldenen Hochzeit und seinem goldenen Doktvrjubiläum. bei dem ihm von der Universität Leipzig das Diplom erneuert rvurde, wurden ihm zahlreiche Beweise seiner Beliebtheit dargebracht. Neben seiner Tätigkeit als Rabbiner, Netigivnslehrer am Gymnasium und im Lyzeum und als Kgl. Lokalschulinspektor war er auch als städtischer Waisenrat und in der Armenkommission beschäftigt. Auch war er im Vorstande des Vaterländischen Frauenvereins, Vorsitzender des jüdischen Literaturvereins, vieler Stiftungen usw. Seine reichen Verdienste um Staat und Gemeinde fanden auch die Allerhöchste Anerkennung durch die Verleihung des Roten Adlerordens 4. Klasse. Er war ein hervorragender Kanzetredner und besaß ein unifassendes, tiefgründiges Wissen, namentlich im Hebräischen und in der jüdischen Geschichte und Literatur. Aus letzterem Gebiete war er als Meister anerkannt, und seine „Geschichte des jüdischen Voltes" ist in vielen Schulen eingeführt und hat mehrere Auflagen erlebt. Von anderen feiner Werke sind besonders die „Religionsgesetzliche Literatur", die'„Erzählungen.und Religionssätze der heiligen Schrift" zu nennen. Seine so überaus segensreiche Tätigkeit, sein unvergeßliches Können und Wirken fanden denn auch bei j einer Beerdigung, gelegentlich der Trauerfeier in der Synagoge imd bei der Beisetzung auf dem Friedhofe volle, verdiente Anerkennung. Rabbiner Prof. Dr. Bloch in Posen ging in seiner Leichenrede im Tempel aus von den Worten jenes alten Rabbi, der beim Tode seines Freundes Antonius ausrief: „Ein Band ist zerrissen! So wäre hier ein dreifaches Baud zerrissen worden, das den Hingeschiedenen mit seiner Gemeinde, seiner Familie und seinen Freunden und Kollegen verband^ Aber das Andenken an sein segensreiches Wirken werden die Erinnerung an ihn stets lebendig erhalten." Nach ihm rühmte Justizrat Wolfs im Tempel feine berühmte Liebenswürdigkeit, seine Klugheit, seinen Takt und seine Friedensliebe. Justizrat Nürnberg verglich ihn in seinem Nachrufe auf dem Friedhofe mit Samuel, nach dem er den Namen trug. Von prophetischer Begeisterung getragen, stets aufrecht, ein Mann der strengsten Pflichterfüllung, ging er durchs Leben,' und sich selbst treu und geivissenhaft war er bis in seine letzten Lebenstage. Sein Sohn Rabbiner-Dr. Leo Bück aus Düsseldorf pries seine hohe Liebe zu seinen Kindern und Enkeln, seine freundliche Bereitwilligkeit zu Rat und Tat gegen jeden in seiner Gemeinde, seinen Edelsinn und seine Toleranz. Er gehörte keiner Richtung an, weder der liberalen, noch der orthodoxen, für ihn gab es nur sein Judentum. Als Prediger lag ihm jede Eitelkeit, jede Polemik fern, nur zu den Herzen feiuer Zuhörer wollte er sprechen, voll Güte imd Liebe, wie ein Vater zu seinen Kindern. Am Grabe rühmten dann noch seine Schwiegersöhne, Rabbiner Dr. Mandl aus Neutitschrin und Prediger Dr. Salvmon ans Iserlohn seinen innigen, treuen, hingebenden Familiensinn. Das Andenken an Rabbiner Dr. Samuel Bäck wird in Lissa unvergessen bleiben.' 22 Stirrgard i. Pom., 22. Mai. Der jüdische Frau enb it n d hat, um eins seiner wichtigsten Arbeitsgebiete, das der. gemeinnützigen -Arbeits- und Stellennachweise, intensiver bearbeiten zu ckönnen, eine Kommission eingesetzt, die als „Kommission für Stellennachweis des jüdischen Frauenbundes" ihre Tätigkeit bereits ausgenommen hat. Um in großzügiger und übersichtlicher Weise auf diesem Gebiete etwas leisten zu können, hat die Kommission zunächst die Zusammenfassung aller sich mit Arbeitsnachweis uder Stellenvermittelung befassenden jüdischen Vereine und Einzelpersonen beschlossen. Die Namen derselben sollen alphabetisch auf eine Tabelle geordnet, und diese Tabelle nicht nur allen mit sozialer Stellenvermittelung sich'beschäftigenden Persönlichkeiten und Vereinen zugestellt, sondern auch den leitenden Stellen jeder Geineinde zur möglichst breitesten Veröffentlichung unentgeltlich zugesandt werden. Zweck dieser Tabelle ist es 1. Arbeitssuchenden und deren'Beratern eine Anzahl Adressen möglichst überall bekannt zu geben, an die sie sich im Bedarfsfall zu wenden haben, und von denen eine gewissenhafte, auf Grund jahrelanger Erfahrung gegebene Auskunft zu erhalten ist; 2. soll die Tabelle Arbeitssuchenden und deren Beratern die Möglichkeit gewähren, mit anderen Stellennachweisen in Verbindung zu treten und einen Austausch von Arbeitsangebot und Nachfrage herbeisühren. Dadurch wird manches Engagement Zustandekommen, welches sonst aus Mängel an eigenem geeigneten Material nicht erledigt werden konnte; 3. soll die . Tabelle dazu beitragen, daß sowohl den Stellensuchend'en wie den Nachweisstellen Gelegenheit gegeben ist, bei Stellungen nach außerhalb vorher bei der in oem betreffenden Ort befindlichen Nachwrisstelle oder Vertrauensverson

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