Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- Seite 264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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J&V' lassen sie nicht auch das große Publikum an ihren Arbeitenteil- - : nehmen? Wie eifrig sind diese amerikanischen Geistlichen! Was? ' haben sie alles für Kommissionen: für soziale und religiöse Eini- . gnng, für die Aufnahme ins Judentum, für zeitgenössische Geschichte, für synagogale Musik, für systematische Theologie, für ' Kirche und Staat,' für die russische Paßfrage, für Predigt-' Literatur, für zivile und religiöse Trauung usw. Der vorliegende ausführliche Band teilt Berichte aus allen diesen Kommissionen mit, veröffentlicht einzelne Reden, z. B. zum Andenken von Leopold Stein, Ludwig Philippson, Leopold Löw, Ephraim Feldmann. Ein sehr großer Abschnitt enthält Ansichten über-jüdische Zlpologetik. Es würde sich lohnen, wenn einer unserer Herren Rabbiner einmal von seinem Standpunkt aus über die Tätigkeit der amerikanischen Kollegen handeln und seinen Genossen diese Rührigkeit zum Muster Vvrstellen wollte. Um nur eine Einzelheit.hervorzuheben, weise ich auf einen Kommissionsbericht hin über die Entfernung des-„Kaufmanns von Venedig" aus der Lektüre der Schulen. Der einzige, der sich dagegen erklärte, war G. Deutsch; von dem Standpunkte aus: Klassische Werke, z. B. Goethes Faust, müßten trotz einzelner böser Anspielungen aus Juden beibehalten werden; dagegen traten Schulmann und Heller sehr energisch für die Entfernung ein, weil das ganze Werk geeignet sei, Vorurteile bei christlichen Kindern zu erwecken und unangenehme Gefühle Lei den jüdischen zu erregen. Der Antrag der Kommission, auf die Entfernung des Buches hinzuwirken, wurde angenommen. L. G. -fc ° — Bilder von der Entstehung des Deutschen R eiche s. Schilderungen von Gustav Frehtag. Gesammelt -und herausgegeben von Wilhelm Rudeck. > Leipzig, Walther Fiedler. Ein ungedrucktes Werk Gustav Freytags, d. h. eine SanuMmg : von Skizzen, die von dem Autor selbst nie wieder abgedruckt, niemals als Buch veröffentlicht worden sind, ist immer der Teilnahme weiter Kreise sicher. Es sind Hauptsächlich ausländische Bilder, der Frühzeit Frehtags entstammend, aus dem Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre: teils Erzählungen, die das Wesen der Deutschen im Auslande oder der Ausländer selbst darstellen; In unseren Kreis gehört es, wegen eines kurzen Beitrags S. 258 bis 270: Geschichten aus dem Ghetto in Prag. Es sind Beschreibungen der Lokalität und der eigentümlichen Sitten der Juden. Den Schluß macht eine Geschichte des Vetter Nathan. Es wird geschildert, wie ein armer Hausierer, der sich mühsam sortschleppt, von einer Frau als Popanz für ihr Kind die steilen Treppen heraufgerufen und dann schnöde nieder entlassen wird. Ein ergreifendes Bild menschlicher Roheit und jüdischen Elends. L. G. , — Bibliothek der Aufklärung: D i e Naturgeschichte der R e l i g i o n von David Hum e. Uebersetzt und mit einem Abriß über die Geschichte des Deismus in England, eingeleitet von Alphons I. Sußnitzki. Frankfurt a. M. V. . Ich kann natürlich nicht die gesamte literarische Tätigkeit meiner Herren Mitarbeiter erwähnen, namentlich nicht in dem Falle, daß diese durchaus über den Rahmen unserer Zeitschrift hinausgehen. Mit dieser Publikation mache ich eine Ausnahme, weil die allgemeine Geschichte der Religion auch uns im höchsten Grade interessiert und weil die Entwicklung des Deismus, speziell für die jüdische Aufklärung, von großer Bedeutung ist. Hume gehört jedenfalls auch zu den Männern, die aus Moses Mendelssohn gewirkt haben. Die Uebersetzung liest sich ganz gut, die sehr ausführliche Einleitung Sußnitzkis ist lehrreich und verständlich geschrieben. Sie hält sich frei von Verhimmelung und ist von einer lobenswerten Klarheit und Einfachheit. ' / ,1*. G. Mrechssal. Herr Redakteur! - - bei: selige Hvraz mich gekannt hätte, würde, er wohl seinem berühmten „Sunt qui“ die Klasse derer hinzugefügt haben, denen es Freude macht, sich jederzeit von neuem zu überzeugen, wie unsicher das Gedächtnis ist. Ein neues Beispiel hat Her Rotschild- " Worms in seinem Artikel „Samuel Levi" in Nr. 17 dieser Zeitung geliefert. Er sagt dort von Wolf Levi, Rabbiner in Pfersee, dem Vater seines Helden: „Auch er war der Sohn und Enkel von Rabbinern, welche ihre Abstammung auf den berühmten Rabbiner Elia Wilna zurückführten." Nun war in erster Linie Elia Wilnanicht Rabbiner in dem Sinn, in welchem man dieses Wort gewöhnlich versteht, da-er kein Gemeindeamt bekleidete. Sicher kann aber Wolf Levi nicht.ein entfernter Nachkomme Elia Wilnas gewesen sein, da er dessen Zeitgenosse war. Samuel Levi war nach Notschild 1751, nach Löwenstein (Blätter für jüdische Geschichte und Literatur, I, 41; Jahrbuch der Jüd.-Liter..Gesellschaft, F.- a. M. 1905, III, 236-237) im Jahre. 1752 geborensein Vater war deshalb ein Zeitgenosse des 1720 geborenen (Jewish Encyclopedia, V, 133—134) Elia Wilna. Wie aus Löwensteins gründlichem Untersuchungen hervorgeht, war Wolf Levi der Urenkel des Rabbiners . Elia Spira. aus Prag (gest. 1712), und Herr Rotschild hat den populäreren Elia-Wilna für den minder bekanntem Elia Spira, der nebenbei gesagt, auch der Vorfahr Zacharias Frankels (Monatsschrift, 1901) war, substituiert. Interessant bleiben solche Genealogien, wenn wir die einzelnen Glieder des Geschlechts als Typen ihrer Zeit betrachten.. Hier Elia Spira, der eine gründliche Untersuchung der wichtigen Frage widmet, wie lange der Chasan stehen bleiben muß, nachdem er am Schlüsse des stillen Gebets drei Schritte rückwärts gegangen ist (Elia Räbba 31t Orach Chajim, Kap. 123), dort der Urenkel Samuel Levi, der Napoleon in hebräischer Sprache andichtelt und „kursorisch" — soll wohl, heißen: fließend — französisch liest, und dann im neunzehnten.Jahrhundert, wo alles so viel rascher geht, der Königliche Musikdirektor, Hermann Levi, Sanmels Enkel, der weder den Schulchan Aruch. glossiert, noch hebräische Oden verübt, dafür aber den Parsival dirigiert, eine blutige Rache an dem Komponisten, der „Das Judentum in der Musik" geschrieben hat. Eine Kleinigkeit ist es, wenn Herr Rotschild Samuel Levi am 13.- September 1813 sterben läßt, während er nach Löwenstein (Jahrbuch III, 237) am 12. Oktober desselben Jahres starb. Wichtig sind aber solche Ungenauigkeiten in Details als Mittel zur Beurteilung der Frage, ob die Tradition so verläßlich war, wenn sie die Konversation Napoleons mit dem Mainzer — damals Wormser — Rabbiner und dessen „kursorisches" FranZösisch überliefert hat. In letzterer Hinsicht bleibt es doch ein wenig auffällig, daß der Zeitgenosse Jakob. Israel Carmi (1767—1849)- Rabbiner von Reggio' Emilia, der der Versammlung in offizieller Eigenschaft beiwohnte (Grätz, Gesch. XI, 284) und von den deutschen Delegaten, mit großem Respekt spricht (i deputati Teschedi sono min *03 2^122 22N) doch auch ihre klägliche Stellung bedauert, weil sie jeder weltlichen Bildung bar seien („Vi sono Iredizi. o quattordici D^DllV 2^22^ Teschedi i quali non intendono 8^1 2D2 ' sA edanno der cosi dire in disperazione“. Lettere del R. M. Jacob Israele Carmi, Reggio, 1905, p. 19—21.) Cin.cinnati. Mai 1912. - - Ergebenst ' Gotthard Deutsch. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^Sr m Aufträge meines Freundes Herrn A. Palliare,. Nizza, dem ich die persönliche Bekanntschaft des verstorbenen M. Hyacinthe- Loyson verdanke, gestatte ich mir, einen kleinen'Irrtum zu berichtigen, der sich in Herrn Professor Nippolds Artikel (in der drittletzten Nummer der Allg. Ztg. des Jud.) über den Heimgegangenen religiösen Denker findet. Das Buch „Res idees en bataille“ ist nicht das Werk des. Pere Hyacinthe und gibt auch kaum seine Anschauungen wieder, sondern stammt von M. Paul Hyacinthe Loyson, dem Direktor der Zeitung „Droits de l'homme" und Verfasser eines Dramas L’Apötre, bö§'mtd) in Deutschland mit Erfolg aufgeführt worden ist. . Hochachtungsvoll und ergebenst zeichnet Oberlehrer Dr. Grün'ewald, Samsonschule,'Wolfenbüttel. .. * ■ ^^ls Ergänzung meiner Mitteilung über den vermutlichen Ursprung der Mazzot möchte ich noch folgendes anführen: Paul No'hrbach. Im Lande Jahves und Jesu. 2. Auflage. Buchverlag der „Hilfe". S. 227 bei der Schilderung eines Beduinenlagers in Palästina: „Hier mahlt ein Weib auf der Handmühle Mehl, dort streicht ein anderes den ungesäuerten Brotteig als dünnen Fladen, über einen flachen, am Kamelmistfeuer erhitzten.Stein." Dr. K.