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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-24 · Heft 21 (24.5.1912) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 21 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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richtige. Nach Widerlegung der Einwände hiergegen legt der Herr Referent dar. wie groß'das Entgegenkommen des Ausschußes bei der Annahme des Antrages Apfel gewertet werden müsse. Er-schließt mit d'en Worten: ..Die Satzung, so wie sie jetzt vorliegt, ist dazu bestimmt, den Frieden zwischen den verschiedenen Strömungen in den Gemeinden zu fördern. Nehmen Sie sie möglichst einstimmig an und geben Sie damit dem Ausschuß die Möglichkeit zu weiterer ersprießlicher und segensreicher Tätigkeit im Dienste des Gemeindebundes." Gleich nach dem Referat erhält der Führer der Opposition Herr Löb das Wort.' Er vermißt eine hinreichende Begründung der Notwendigkeit der Satzungsänderung, die er nur in den Wünschen nach Durchsetzung des Organisationsgesetzes erblicken will. Dieses -mußte Widerspruch aus der 1909er Tagung erfahren, da es die Freiheit der Gemeinden bedrohe, so z. B. auch dadurch, daß niemand in Deutschlannd als Rabbiner angestellt werden sollte, der nicht seinen Doktor gemacht hat. (Gelächter.) Durch die Vermehrung der Stimmen der Großgemeinden hätten die Mitglieder dieser Gemeinden doch keinen größeren Einfluß, da die Delegierten immer nur vom Vorstand ernannt würden. Den Gemeindemitgljedcrn würden also keine größeren Rechte eingeräumt. (Widerspruch.) Er berührt mit offenbarer Genugtuung die Ablehnung des Gesetzentwurfs über die Verwaltung der Berliner Gemeinde durch das Herrenhaus, weil angeblich die Minoritäten darin nicht hinreichend berücksichtigt seien. Die Herren, die die Ablehnung beschlossen, seien liberale Männer. (Widerspruch und Zwischenruf: Aber sehr schlecht informiert gewesen.) Die Grotzgemeinden hätten um so weniger Ursache, eine Vermehrung ihrer Stimmenzahl auf den Gemeindetagen anzustreben, als ja im Gemeindebund nichts entschieden wäre, was mit den Großgemeiuden im Zusammenhang stehe. (Zwischenruf: Nur die Gelder zu geben!) Objekte der Verhandlung seien die Kleingemeinden, deren Rechte man schmälern wolle. (Lebhafter Widerspruch.) Er verlange, daß die einheitliche Stimmabgabe der Gemeinden mit mehr als zwei Stimmen aus dem Statut beseitigt werde, damit auch die abweichende Ansicht, die ja auch im Schoße des Vorstandes vorhanden sein kann, hier zum Ausdruck gelange. Er bekämpft dann in längeren Ausführungen das Prinzip, daß jede Gemeinde durch einen ihr Zugehörigen vertreten sein solle. Die Verhältnisse liegen in den Kleingemeinden vielfach durchaus gleichartig, er'selbst sei ein Beispiel, ihm hätten 15 Gemeinden ihre Vertretung übertragen, die in den verschiedensten Teilen Deutschlands lägen. (Zuruf: Agitation! Beziehungen!) Er habe zu keiner dieser Gemeinden Beziehungen (Das Geständnis ist gut!), sei weder verwandt noch verschwägert und habe „für seine Person" keine Agitation gemacht. Auch der Antrag Apfel findet seinen Beifall nicht. Unversöhnlich aber sei man deswegen doch nicht. Sobald das Amendement angenommen wäre, das seinerzeit ui einer besonderen vertraulichen Besprechung in Frage stand, vom Ausschuß aber abgelehnt worden ist, werde man zustimmen. Eine Vertretung der Minvritätsrichtungen im Ausschuß dürfe nicht von der Gnade abhängig gemacht werden, sondern müsse als Resultat statutarisch sestgelegt werden. Er beruft sich zugunsten der Proportionalwahl auf die Gewerbegerichtswahlen und ein Urteil des Professors Piloth-München, das sich aber auf ganz andere Gebilde, wie den Deutsch^Jsraelitischen Gemeindebund bezieht und auch nicht unbestritten geblieben ist. Er berührt daun die Frage der Zweidrittelmajorität auf dem Gemeindetag und: gibt sich den Anschein, zu glauben, daß die Opposition mehr als ein Drittel der Stimmen habe. In den Kleingemeinden habe sich unglaubliche Mißstimmung angesammelt, zirka 700 wollen von Ihnen nichts wissen! (Gelächter.) „Das kennzeichnet Ihren Standpunkt, daß Sie davon nichts wissen wollen." (Erneutes Lachen.) Auch den Fall eines Fürsorgezöglings, für den nach Monierungen der Behörde in Ermangelung einer jüdischen Lehrstelle eine nichtjüdische besorgt wurde —. ein Fall, den dann später Herr Professor Schäfer unter dem Beifall der Versammlung an Hand der Akten klarstellte — wurde berührt. Schließlich äußerte Herr Löb das folgende, das man gut tun wird, möglichst im Wortlaut sestzuhalten. Er sagte: „Man sagt (in seinen Kreisen), es wird nötig sein, sich überhaupt nicht an der Arbeit des/Gemeindebundes zu beteiligen, sondern ein G e g e n g e w i ch t z u s ch a f - fen. Wir haben den Gedanken bis Heute bekämpft. Wir haben die optimistische Meinung vertreten, daß der Gemeindebund seinen früheren Prinzipien, van der Politik sernzubleiben, treu bleiben wird, daß er den verschiedenen Richtungen die Möglichkeit geben wird, sich Gehör zu verschaffen. I n >d e m A u g e n b l i ck , d a S i e dies S t a t ü t n n n e h m e n , w i e e s f o r m u l i.e r t i st, h a b e n w i t n ich t m e h r d i e Mö g l ich k eil,; u n s e r c n' W rd e r st ä nd' gegen jene Bestreb u n g e n au f r e cht z wer ha l t en. Sie werden üb er k u r z e i n G e m ei nd eb un d , ni ch t d e r G emeindebund sein. Sie schelten das Separatismus. Sie sollen aber nicht sagen köimen, >daß Ihnen dies Faktum überraschend gekommen sei.?Wiv bieten die Hand zum Frieden. Der D. I. G. B. ist an einen Wendepunkt gelangt, dessen seien Sie sich bei Ihren Beschlüssen -bewußt." — Herr Rabbiner D. Werner mahnte dann in eindringlichen Worten zum Frieden und zur Versöhnung. „Persönliche Wünsche müsse man im Interesse des großen Ganzen zurückstellen. Wir tagen hier in der Philharmonie „Einigkeitsliebe", möge man die Liebe zur Einigkeit, zum Frieden dokumentieren und daran denken: Concordia res parvac crescunt, discordia maximae dilabuntur!" Professor P h ilipps an betont und weist nach, daß das Schlagivort von einer Erdrosselungsabsicht der Kleingemeinden eine Phrase ist. An der Hand von Zahlen zeigt er, daß die Statutenänderung gerade eine Stärkung, des Einflusses der Kleingemeinden bedeute. Nur mit schwerem Herzen und gegen die Ueberzeugung vieler Ausschußmitglieder habe man sich um des lieben Friedens willen im Ausschuß auf den Boden des Antrages Apfel gestellt. — Wieder waren die Wogen der Erregung im Wachsen Begriffen, als Herr Loevh - Rawits ch mit dem Vorschlag hervortrat, eine siebengliederige Kommission unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Herrn Justizrat' W o l s s - L i s s a zu bilden, um im Kreise der Vertrauensleute der verschiedenen Richtungen eine Einigung zu versuchen. Obwohl man sich davon nicht viel versprach, erhob doch eine Majorität den Vorschlag zu einem Versammlungsbeschluß. In diese Kommission wurden gewählt: Wolsf-Lissa (als Vorsitzender)', Professor Philippson, Landgerichtsrat Löwe und Sanitätsrat Dr. Apfel als Vertreter der Majorität, die Herren Löb, L o e v y-Rawitsch und Rechtsanwalt Dr. Klee als Vertrauensleute der Opposition. Während der Beratungen der Friedenskommission trat man in die Spezialdebatte, in der die Herren Selig sahn, Prosestor G u t t in an, T a n n e n b a u m und andere sprachen, .und die Gegensätze immer von neuem aufeinanderprallten. Ein völliger Umschwung trat ein, als dann Herr Landtagsabgeordneter. Wolsf- Lissa die Rednertribüne betrat und namens der Friedenskommission die folgende Mitteilung, machte:. „Die Kommission, die Sie eingesetzt haben, ist zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen. (Brausende Beisallsbezeugungen von allen Seiten.) Ich freue mich, daß .Sie alle durchaus zufrieden sind, daß dieses einstimmige Votum den Frieden bedeutet. Die F r i e d e u s b e d i n g u n g e n sind folgende: Es wird de n M i t g l i e d e r n , d i e z e h n I a h re i n der Provinz b z w. d e m B u n d e s st a a t e g e w v h n t h a b e n , in dem d i e a b v r d n e n d e G e m e i n d e l i e g t, u n d a ü ß e rd e m d e n e n , die fji n f Iahresbeiträ g e als a ußer - o r deutliche M i t g l i e d e r g e z a h l t h a b e n , das p ä s s i v e Wahlrecht zugebilligt. Der wichtigste Punkt ist: Di e H e r r e n d e r s o g e n a n n t e u O p P v s i t i o n v e r z i ch t e n aus i hr e n A nt rag h i nsi ch tl i ch der P r o p o r t i ona l - w ah l, dafür fassen wir folgende Resolution: die „Gemischte Kommission" wird beauftragt, d ein nächsten Gemein de tag Bericht u n d e v e n t u e l I A n t r ä g e hin s i ch t l i ch d e r V e'r - h ä l t n i s w a h l für die Bildung de s A u s s ch u [\ e s ü v r - zu legen, das heißt, die „Gemischte Kommission" soll die'Frage p r ü fen: Läßt sie sich e i n f ü h r e n?, i st sie P r a k t i s ch?, i st sie in ö g li ch? und eventuell in welcher F o rm k o nini.t s i e zur A u sf ü h r u n g? D i e „ G e m i sch te"K o m - Mission" s o l l d i e Frage st u d i e r e n , die wir hier in diesem großen Kreise in Kürze nicht studieren können. D a s ü r i st w eite r beschlossen, daß auf jede weitere Diskus s i o n über die Satzungsänderung verzichtet wird, daß diese S atzu n g s änd e r u ng en b loc angeno m men w i rd. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Nachdem dann noch einige kleinere Abänderungen mehr formeller Natur gewünscht werden und man'die Arbeit der Mandatsprüfungskommission für erledigt zu erklären beschlossen hatte, drohte der Frieden wieder zerstört zu werden, - da Herr Rechtsanwalt Kollenscher nicht die eigentlich selbstverständliche Erklärung abgeben wollte, daß er seinen Protest gegen die Rechtmäßigkeit der Wahl des Präsidiums zurückziehe. Er versprach nur, daß es selbstverständlich sei, daß er s ü r seine Per s'o n dem Protest keine weitere Folge geben werde. In einer durch die berechtigter-

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