Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Kämpfe zu erwarten seien als vielmehr wegen -des zweiten strittigen Punktes, der noch auf dem letzten Gemeindetage eine so prinzipielle Bedeutung wie zurzeit nicht eingenommen habe, der Frage der p a s siv en Wahlfähigkeit. Aus der Forderung der beschränkten passi ven Wahlfähigkeit-leite man das ganze Kriegsgeschrei her- „man will die kleinen Gemeinden entrechten". Sehr treffend bemerkte der Referent, es gebe kein wirkungsvolleres und gefährlicheres Schlagwort, als das von der Entrechtung der Schwachen; das lasse immer ein Mißtrauen zurück. Aber die Gründe, dir die Gegner ins Feld führen, können einer objektiven Würdigung nicht standhalten. Der EinwaNd des Reichstagswahlrechtes sei hinfällig, denn der D. I. G. B. sei kein jüdisches Parlament, sondern eine Vertretung von Körperschaften, die vorwiegend lokale Interessen zu berücksichtigen habe. „Reichen Sie uns endlich die Hand zum Frieden," schloß der Referent, dessen Ausführungen einen Ungemein starken Eindruck hinterließen. — In der daran anschließenden Diskussion' sprach von Gegnern des D. I. G. B. Herr Arnold Wiener-Kattowitz. Seine Freunde (konservativer und zionistischer Richtung) hätten, trotzdem sie eine Verstärkung des Einflusses der Größgemeinden und damit der liberalen Richtung aus den . Gemeindetagen befürchten müßten, in der Frage des Stimmrechts' nachgegeben, erwarteten dafür aber Konzessionen in der Frage des passiven Wahlrechts, hier nachzugeben, seien sie nicht geneigt. Er führte dann noch einmal alle Gegengründe ins Feld: die Aenderung sei überhaupt nicht nötig, es sei schon vierzig Jahre ohne dies gegangen (forderte aber in demselben Atemzuge eine Aenderung in der Zusammensetzung des Ausschusses nach konservativen Wünschen), dm tümultuärischen Szenen aus dem letzten - Gemeindetage seien'vorwiegend von Vertretern der Großgemeinden ausgeführt worden, und auch, soweit sie aus das Konto seiner Freunde fallen, seien sie durch illoyales Verhalten hervorgerusen worden. Das passive Wahlrecht zu beschränken, sei nicht angängig. Er empfahl schließlich den Antrag Werner und schloß mit der ganz unverblümten Drohung einer Separation. Entscheide der Gemeindetag gegen sie, so sei das Schisma da, und bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen in Preußen sei eine noch so geringe orthodoxe Minorität imstande, alle gesetzgeberischen Pläne der Majorität zu durchkreuzen. In demselben Sinne sprach Herr Rabbiner Dr. Kaatz -Zabrze; er sah als treibendes Motiv für die Satzungsänderung nur die Absicht des Ausschusses, sich für einen neuen Entwurf eine Mehrheit zu schassen. Diesen Argumenten gegenüber hatte Herr Professor^ P h i l i p p s 011, dev nun in die Debatte eingrisf'' einen leichtem Standpunkt. Er wandte sich zunächst mit bemerkenswerter Schärfe gegen den Versuch, dem D. I. G. B. eine'religiöse Parteinahme.zuznschreiben; es gebe im D. I. G. B. weder orthodox noch liberal, seit vierzig Jahren sei nicht ein einziger Fall vorgekommen, wo ein religiöses Interesse verletzt sei. Die Aufwendungen des Bundes kommen hauptsächlich kleinen Gemeinden zry die doch in der Regel orthodox ,seien. Aus die Zusammensetzung'des Ausschusses habe dieser selbst keinen Einfluß, die Provinzialverbände präsentieren ihre Kandi- ’ baten, so habe der Verband Posen .seist einziges liberales Mitglied. in den Ausschuß delegiert; ohne besonders angeregt worden zu sein, nur im Jnteresse 'des Friedens, habe der Ausschuß seine Mitgliederzahl ovn 36 aus 45 erhöht, um orthodoxen Wünschen gerecht zu werden. Damit sei M-.-veligLöse' Neutralität des Bundes, zu der er ja auch, statutarischverpflichtet sei, dargetan. Aber Machtsorderungen der Orthodoxie könnten nicht anerkannt werden, ebenso müßten die Versuche, die Gemeindetage, zum Tummelplatz orthodoxer und zionistischer Agitationen herabzudrücken, mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen' werden/ Der Ausschuß sei durch Annahme des Antrages Ap fel - B a'e r 'weit über seine Ueberzeugung hinausgegangen; er will Kräftigung des Einflusses kleinerer und mittlerer Gemeinden; die sollen Vertreter delegieren, die wirklich wissen, was den Gemeinden not tut, und nicht Agitatoren. Der Gemeindetag soll G e m ei nd e v e r t r e tu n g und nicht P a r t e i v e r t.r et u n g sein- . Gegenüber, immer wieder erhobenen anderweitigen Behauptungen - gab Herr Professor P hilippson die klare und; unzweideutige Erklä.rung, d er A üss chu ßud en k t n icht:d.a r an',: e in en. n eu en E n t w u.rs e i uz u,b r i n g e n , aus Gründen die Herr Wiener schon angeführt, habeein solcher.keine Aussicht, /Gesetz , zu .werden.' Damit fällt das beliebteste Agitationsmittel' der Gegner in sich'selbst zusammen. ' (Professor Philippson erntete starken. Beifall.). .Jristizrat . K asi s er - Beuthen. kennzeichnete in 'särkastischer Meise. sehr wirksam das Treiben der Gegner des Bundes, besonders der Zionisten, die in den Debatten als „gewisse Kreise" figurierten, als Machthunger, und ließ deren Versuchen, auf nicht loyale Weise Einfluß zu erlangen, eine schneidige Abfuhr zuteil werden. Auf den Standpunkt des Ausschusses stellte -sich auch Herr Dr. G o l d m a n n - Oppeln; unfreiwilligen Humor brachte ein Vertreter des Zionismus, der den Vermittlungsvorschlag machte, '„doch wenigstens für das passive Wahlrecht nach Berlin zu konzedieren". Die ganze Versammlung bedeutete eine machtvolle Kundgebung für den D. I. G. B. Mit allen gegen eine'Stimme stellte sich der Verbandsvorstand aus den Boden der Vorlage des Ausschusses.' Dies Resultat aus dem Wetterwinkel Oberschlesiens ist ein verheißungsvolles Vorspiel zur Tagung des Gemeindebundes. M. Hamburg, 10 Mai. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt eine Versammlung im Gemeindebureau unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Vor Eintritt, in die Tagesordnung gedachteder Vorsitzende zunächst des langjährigen zweiten Gemeindebeamten, des Herrn Leopold Levy. Die Versammlung 'ehrte das Andenken des Verblichenen durch Erheben von den Plätzen. Die Repräsentanten genehmigten darauf gemäß dem Ausschußantrag einen Vertrag mit Herrn Eduard Berlin, wonach dieser die Aussicht und die Graberpflege des Friedhofes in Ottensen bis zum 1. Oktober 1915 übernimmt. Eine längere Debatte rief sodann der Antrag, des Gemeindevorstandes auf Bewilligung einer Subvention von 300 Mark für das vom Israelitischen Humanitären Frauenverein in Hamburg gegründete Erholungsheim in Segeberg hervor. Das Ergebnis lvar die Annahme des. folgenden Antrages der Herren Dr. Korach und Alfred Lisser: „Das Repräsentantenkollegium erklärt sich im Prinzip mit dem Antrag des Gemeindevorstandes einverstanden. Das Kollegium wünscht jedoch, daß vorher Verhandlungen über eine Abtrennung des Erholungsheims von den übrigen Unternehmungen . des Humanitären Frauenvereins und Begründung desselben als selbständiges Institut, in dessen Verwaltung ein Mitglied des Gemeindevorstandes Sitz und Stimme hat, stattfinden." Der wiederholte Antrag des Gemeindevorstandes, auf Bewilligung eines einmaligen Beitrages von 500 Mark für die in Magdeburg. begründete Ludwig-Philippson-Gedächtnis-Stiftung wurde nach längerer lebhafter Debatte mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der Antrag des Gemeindevorstandes, aus.Erhöhung der jährlichen Subvention von 50. Mark aus 300 Mark für.den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser wurde nach kurzer Debatte angenommen. Der Verein hat dem Gemeindevorstand die Zusage gemacht, daß er nun die Initiative ergreifen werde, im Mittelpunkt der Stadt ein rituelles Restaurant zu errichten. L2 Meiningen, 10. Mai. Nach höchster Entschließung Sr. Hoheit des Herzogs ist der Errichtung der von Herrn Geheimen Kommerzienrat Dr. Gustav S trupp hier.mit einem Kapital von 10 000 Mark begründeten „Dr. Gustav Struppschen Pensionsstistung" die landesherrliche Genehmigung erteilt worden. Die Stiftung hat hiermit die Rechtsfähigkeit erlangt. Sitz der. Stiftung ist Meiningen. Zweck der Stiftung ist in erster Linie die Gewähr von Pensionen ctii die Witwen zunächst des herzoglichen Landrabbiners, sodann des Lehrers, des Gemeindedieners oder sonstiger Angestellten der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Die Stiftung wird durch ihren. Vorstand vertreten. Vorstand ist der Stifter, nach dessen Ableben der Geheime Kommerzienrat L o ui s S tr up p in Frankfurt a. Main, nach dessen Ableben aber der Oberbürgermeister der .Residenzstadt, der Vorsitzende der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, und der älteste hier lebende Abkömmling des Hosbankiers Mayer Strupp,. eventuell der Ehemann desselben, und in Ermangelung eines solchen Abkömmlings an dessen Stelle ein vom Ministerium in den Vorstand zu delegierendes Mitglied. . , 22 Elberfeld, 13. Mai. Der Vorsitzende des Vorstandes unserer Synagogengemeinde, Herr Stadtrat Max Simon, feierte am 2. d. M. seinen 70. Geburtstag. Vom Oberbürgermeister sowie, auch vom Vorstand und der Repräsentanz der Gemeinde wurden dem . Jubilar Glückwunschtelegramme nach Frankfurt a. M. übersandt, wohin er sich, um Ovationen, aus dem Wege zu gehen, mit seiner Gattin begeben hatte. Herr Simon gehört mehr als 30 Jahre der Vertretung der Gemeinde an, davon 20 Jahre als-Vorsitzender derselben. Durch sein Liebenswürdiges Wesen erfreut er sich bei allen, die ihn kennen, großer Beliebtheck Hi Kassel, 9. Mai. Unter großer Beteiligung wurde heute der emeritierta Lehrer und Chordirigent E l i e s e r Gutkind zu Grabe geleitet. In früheren Jahren beteiligte sich der Verstorbene an allen