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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-17 · Heft 20 (17.5.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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merzienrat Heinrich B e l g a r d, Frau Bankier Hedwig B e l g a r d', zu (Krabe getragen worden. Die.Verblichene stammte aus Rakel und lvar seit ihrer Verheiratung im Jahre 1845 in Graudenz ansässig. Wer der Entschlafenen im Leben 'Nähergetreten war, weiß, was die- Familie, ..die Stadt .und vornehmlich die. Gemeinde verloren haben. Sie war eine strengreligiöse Frau, von rührend herzlichem.undbescheidenem Wesen. Ueberall, wo es Wohltaten zu üben gab, wo gute Werke, auszuführen waren, da sprang sie nicht allein mit ganzer Kraft ein, sondern sie suchte ähnliche Gelegenheiten förmlich auf. Sie war «eine echt jüdische.Frau aus altem Schrot und Korn, wie sie inuner seltener werden. Ihre stete Freundlichkeit und Leutseligkeit haben ihr allgemeine Verehrung bewirkt. Sie war gerade durch ihre im stillen geübte Wohltätigkeit so beliebt, daß eine Reihe jüdischer Wohltätigkeitsvereine sie zum Ehrenmitglieds ernannte. Die Beteiligung an der Beerdigung war denn auch so bedeutend, daß die geräumige Leichenhalle die Trauerversammlung nicht fassen konnte.' Auch sehr viele Andersgläubige, darunter die hervorragendsten Persönlichkeiten der Stadt, waren erschienen. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Loevy. Er zeichnete ein schönes Bild ihres musterhaften Lebens und die Größe der Lücken, die ihr Dahinscheiden auf unzähligen Gebieten bewirkt hat. W, Aus der Provinz Posen, im Mai. Der Verein ,.F r a u e n h i l f e", den' Frau Rabbiner Dr. F e i l ch e n s e l d vor 23 Jahren mit einigen Damen gegründet, zählt gegenwärtig'über 500 Mitglieder. Der Beitrag derselben belief sich im vergangenen Jahre auf 2649 M. An Spenden gingen 2681 M. ein, darunter 300 Mark Ertrag aus den Sammelbüchsen. Im ganzen hatte 'der Verein eine Einnahme von 13 065,06 M. Nach Abzug der Ausgaben verblieb ein Bestand von 7227,68 M. — Neustadt bei Pinne. Hierselbst verstarb Herr Benjamin Kristeller im 80. Lebensjahre. — Jastrow. Das hundertjährige Jubiläum der Tabakfabrikation der Firma H. E. S i m o n wird demnächst gefeiert. Sie ist die älteste noch heute bestehende, weithin bekannte Firma Hirsch Ephraim Simon (Inhaber Eugen Simon, Mitglied der Handelskammer Graudenz) und datiert ihre Begründung vom 6. Juli 1812, an welchem Tage der Begründer das Bürgerrecht erworben hatte. — Brömberg. Im 77. Lebensjahre verschied hier Frau Eva Konitzer geb/ Cohn. — Hohensalza. Das Kuratorium der Wolffsohnschen Stiftung, für Lebensretter hat dem Kantor der hiesigen Synagogengemeinde W e r b l o w s k i, der in seiner Eigenschaft als Mitglied der Sanitätskolonne am 7. November 1911 bei dem Einsturz eines Hauses aus einem stark gefährdeten Nebengebäude dieses Grundstücks, das einzustürzen drohte, mit eigener Lebensgefahr ein sechs Monate altes Kind glücklich gerettet hat, eine einmalige Zuwendung von hundert Mark überwiesen. — Pogorzela. Gleich vielen anderen Gemeinden in unserer Provinz ist die hiesige Stadt von. jüdischen Einwohnern nach und nach verlassen worden, so daß das Gotteshaus verödet dastand. Da es nicht möglich war, dasselbe seinem Zwecke zu erhalten, mußte es notgedrungenerweise zu profanen Diensten veräußert werden. — Posen. Mit Blitzeseile verbreitete sich Hierselbst die Hiobspost von dem Tode des Rentiers Emil Tomski. Nach kurzem' Kranksein verschied derselbe im besten Mannesalter. In seiner Jugend ganz seinem Berufe hingegeben, widmete er sich inspäteren Jahren dem Dienste der Menschenliebe und verwaltete längere Zeit in selbstloser Hingebung das Ehrenamt eines Armenrats Und stand den hilfesuchenden Armen und Notleidenden mit Rat und Tat zur Seite. — Gnesen. Die hiesige jüdische Volksschule, welche viele Jahre zurück noch mit zu den größten Schulen in unserer Provinz zählte, weist gegenwärtig nur noch 20 schulpflichtige Kinder auf, die ein Lehrer unterrichtet. Welch gewaltiger Rückgang gegen früher, wo an der dreiklassigen Schule mit 130 Schülern drei Lehrer beschäftigt waren. — Bromberg. Wie bekannt, ist Herr Lehrer Freundlich von hier nach Breslau an-eine dortige Kommunalschule berufen uwrden. - Zu seinem Amtsnachfolger ist Herr Iaff 4 aus Linnich zum Religionslehrer und Chorleiter gewählt worden, und hat derselbe sein neues Amt bereits am 1. v. M. übernommen. — Pleschen Gegenwärtig besucht Herr Oberpräsident Schwartzkopff einige Städte unserer Provinz. Bei seinem Hiersein besichtigte er in Begleitung des Herrn Negierungsrat Krahmer die Synagoge und wurde vom Gemeinderabbiner Herrn Dr. Kö.nigsberger durch eine Ansprache empfangen, in welcher er den Dank für die Ehrung'zum Ausdruck brachte. Der Herr Oberpräsident ließ sich die Gemeindevertreter vorstellen und unterhielt sich mit . ihnen auf das leutseligste. ■j-1M. Breslau, 13. Mm. 'Die 34. Generalversammlung des V c ri .e i n s isr a eit t üsche'r Leh rer in Schlesien und Pos en findet Sonntag, den 26. Mai vormittags 10/4 Uhr in Breslauim Sitzungssaale derFRePräftzntÜnten/'de^ 7 Shnagogengem'einde; (Wallstxaße 14) statt. Die Tagesordnung lautet: 4. Bericht über das letzte Bereinsjahr sowie über die Tätigkeit des Verbandes der ' jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche; 2-,: Rechnungslegung;; 3. Neuwahl des Vorstandes; 4. „Die.jüdischeSchule-^-.ein'eForderungdesJudentums", (Salinger-Nicolai); 5. „Die Kultusbeamten und das Versicherungsgesetz für Angestellte" (Bähr-Waldenburg); 6. Referat, über die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts von Rabbiner Dr. Berger (Schweitzer-Glogau). — An die Versammlung soll sich, wie üblich, ein gemeinsames Mahl in den Räumen der Lessingloge (Agnesstraße 5) anschließen, — Der von dem Verein ins Leben gerufene Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer wird auch in diesem Jahre eingerichtet werden.- Er hat sich bis jetzt bewährt , und begegnet auch in diesem Jahre, nach verschiedenen Anfragen zu urteilen, allgemeinem Interesse. — Der Studienplan, der noch einiger Ergänzung bedarf, wird in einer der nächsten Nummern veröffentlichtwerden. .Der Kursus beginnt am Montag, den 8. Juli und dauert bis zum 26. desselben Monats. — Meldungen zur Teilnahme sind an Mvops, Breslau, Ohlauer Straße 1, zu richten. 0. Oppeln, 7. Mai. Die gestern in Oppeln stattgehabte Verf sammlung des Verbandes der S y n a g o g e n g e m e i n- : den im Regierungsbezirk O PP eln trug den 'Charakter j einer außerordentlichen Tagung, sowohl wegen der Wichtigkeit ihrer i Beratungsgegenstände als auch wegen des ungewöhnlichen Zeitpunktes.; Ter Verbandsvorstand hatte — mehrfachen Anregungen Folge ' gebend — die Versammlung schon im Mai (anstatt wie sonst im Ok-; toher) zusammenberusen, um noch vor der Tagung des D. I. G. B> ' eine Aussprache über die dort zur Verhandlung stehenden Fragen herbeizuführen. Diese Klarstellung war nötig geworden, weil in die oberschlesischen Gemeinden, die — aller religiösen Meinungsver-; schiedenheiten ungeachtet — sonst nur ein friedliches, praktisches Zu- ' sammenarbeiten im Verbände kannten, seit geraumer Zeit eine künstliche Beunruhigung hineingetragen worden war. Das starke Interesse an den Verhandlungen hatte eine große Teilnehmerzahl nach der alten Oderstadt gelockt. Nach freundlichen Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Justizrat C oh n - Oppeln, ging.man rasch an die Erledigung interner Angelegenheiten, wie Wahlen, Geschäftsberichte, Etat des Waisenhauses zu Rhbnik, um dann unter allgemeiner Spannung in die Verhandlung über den Hauptpunkt-der Tagesordnung einzutreten: Erneu t e B e r a t u n g d e r S a tz u n g s ä n d e r u n g des D. I. G. V. Herr Professor P h i l i p P s o n selbst hatte sich zu den ' Be-. ratungen eingefunden. Man war auf scharfe prinzipielle Auseill- . andersetzungen gefaßt, und daher richtete.der Vorsitzende, Justizrat Berger-Königshütte, eigen dringenden Llppell an die Versammelten, in der Debatte ruhig und sachlich zu bleiben. Zum Referenten bestellt war Rechtsanwalt Dr.. N e um a n n - Beuchen, der schon auf der letzten Tagung des Verbandes ein ebenso streng objektives wie fesselndes Bild der damaligen Situation gegeben hatte. Von, einer objektiven Berichterstattung-ging der Referent-.auch diesmal aus, verfolgte kritisch Schritt für Schritt alle Gründe pro und contra, um dann zum Schluß mit zwingender Logik den Nachweis zu fühxen, daß die Vorlage des Ausschusses des D. I. G. B. die..einzig mögliche Grundlage sei, aus der ein Ausgleich aller gegenseitigen Interessen, geschaffen werden könne. Er gab zunächst einen historischen Rückblick über die Entwicklung der Angelegenheit und gruppierte dann seine Ausführungen im wesentlichen um zwei Punkte: ab ge stuft es Stimmrecht und passives Wahlrecht. Er führte dazu etwa folgendes aus: Gegenüber der Tatsache, daß auch nach der Vorlage des Ausschusses das Stimmrecht der Großgemeinden zipdem der kleinen und mittleren sich verhält wie 1 : 5, die Beitragsleistung dagegen wie.2:1, sei es lediglich-Voreingenommenheit, von einer Beeinträchtigung der kleinen Gemeinden zu sprechen. Die Notwendigkeit der Abänderung des Stimmrechts sei bedingt worden durch .die Verschiebung der Machtverhältnisse während des..vierzigjährigen. Bestehens, die Zahl der Gemeinden sei von 200 aus 1000 gestiegen. Demgegenüber bedeute der Standpunkt..der Gegner, die jede Aenderung verwerfen, eine Starrheit des Prinzips zum Nachteil der Gerechtigkeit und praktischen Klugheit. ' Schließlich aber haben die Gegner ihren intransigenten Standpunkt' ausgegeben, so daß hierüber weniger

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