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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-17 · Heft 20 (17.5.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 20 Der Gemeindevote. Berlin, 17. Mai 1912 Vettsgr zur „Allsrmetnen Lettuns deK Judentums. korrelpondm?en und Msckrichten. Demschlsud. A. Berlin, 14. Mai. In der festlich geschmückten Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde wurde am 9. d. M. die hundertste Wiederkehr des Geburtstages von Aron Horwitz in schlichter, schöner und würdiger Weise festlich 'begangen. Von Blumen umrahmt, blickte das Bild des Gefeierten aus die Erschienenen, von denen außer den zahlreichen Vertretern der Gemeindeverwaltung, speziell des Schul- und Talmud-Dhora-Vorstaudes, die stattliche Zahl der Angehörigen der Familie Horwitz besonders erwähnt seien. Zwei Reden suchten dem. Wesen und. Wirken des ausgezeichneten Mannes gerecht zu werden. Herr Direktor Dr. I o s e p h G u t in a n n , der Leiter der Knabenschule und der Lehrerbildungsanstalt, zeichnete Horwitz' Bedeutung als Reorganisator der Knabenschule und als Organisator der Lehrerbildungsanstalt. (Die treffliche Rede ist in der vorigen Nununer im Hauptteile dieses Blattes vollinhaltlich zum Abdrucke gelangt. Leider hat der Druckfehlerteufel den Namen des Autors Joseph Gutmann in M. Guttmann entstellt, was wir aufrichtig bedauern.) Der zweite Redner, der durch seine Kriegserinnerungen „Aus großer Zeit" bekannte Lehrer-R o s e n t h a l, ein früherer Schüler und Mitarbeiter von Horwitz, der ihm auch sonst im Leben nähertreten durste, zeichnete in Worten, aus denen des Redners lebhafte, dankbare Verehrung hervorleuchtete, vornehmlich das Menschliche an dem Meister. Wir wollen nur einiges aus dieser trefflichen Rede hervorheben. Wer Horwitz gekannt hat, so führte Herr Rosenthal aus, wird zugeben müssen, daß er eine Persönlichkeit war, an der man nicht achtlos vorübergehen konnte. War er doch kein Durchschnittsmensch, bei dem man leicht mit dem Urteil fertig wird, vielmehr ein genialer Mann von hoher Begabung, von bedeutendem, dichterischem Talent, von Idealen erfüllt Zeit seines Lebens, in guten und in schlimmen. Tagen und trotz mancher Enttäuschung; dazu ein Mann von blühendem Humor, von Herzensgüte und auch von persönlicher Liebenswürdig-" fett, der seine Umgebung anzuregen und zu beeinflussen vermochte;, doch bisweilen von großer Leidenschaftlichkeit und insolgechieser schroff erscheinend, aber auch dann unter der rauhen Schale den guten Kern und eine wohlwollende Gesinnung bergend, dazu in hohem Grade selbstlos und von einer rührenden Anspruchslosigkeit, sein ganzes Leben hindurch aber unentwegt dankbar der Vorsehung, die ihn aus kleinen Verhältnissen zu einer angesehenen und geachteten Stellung emporgehoben hatte. Daß ein so gearteter Mann nicht einen Tag wie den anderen im Gleichschritt durch das Leben gehen konnte, ist begreiflich und ebenso klar, daß seine Persönlichkeit von denen, welchen seine Veranlagung fremd war, nicht immer recht verstanden werden konnte. In den Herzen derer aber, die ihm näher gestanden haben, und vor allem in den Herzen seiner älteren Schüler, besonders derjenigen, die er zu Jugendbildnern erzogen, hat er sich ein Andenken geschaffen, welches nie erlöschen wird, solange sie aus dieser Erde weilen. Daß ein Mann von der häufig überschäumenden Leidenschaftlichkeit, wie es Horwitz war, als Lehrer mitunter die gewohnten pädagogischen Gleise verließ, wird nicht wundernehmen, und daß er oft seinem Humor die Zügel schießen ließ, war den Jünglingen gar nicht unangenehm. Noch heute sind viele seiner Aussprüche nicht vergessen, und wo und so oft auch immer Horwitzsche Schüler Zusammentreffen, da haben sie sich nach wenigen Minuten in die Jugendzeit versetzt und sind mit ihren Gedanken bei dem alten Meister. Ein fortdauerndes Zeugnis seiner edlen Gesinnung hat Horwitz bekundet, als er, der mit Glücksgütern wahrlich nicht Gesegnete, die ansehnliche Ehrengabe, die ihm frühere Schüler zu seinem sünsundzwanzigjährigen Dirigentenjubilüum darbrachten, noch an demselben Tage zu einer Stiftung für Seminaristen bestinunte, die, allmählich bedeutend erweitert, jetzt segensreich wirkt. Auch dadurch wird sein Name nicht vergessen werden.Däß er dichterisch' ein hochveranlagter Mensch gewesen, ist ja in weiten Kreisen bekannt, das bezeugen seine „Lebenssymptome", seine „Ständischen Sonette", seine noch jetzt im jüdischen Gottesdienst gesungenen Predigtlieder, zum Teil von ergreifender Wirkung, das allbekannte „Schirm- und Schutz", wie auch die von ihm verfaßten Lesebücher und seine Grammatik. Dessen wurden auss neue Zeugen.alle,, die zu der Feier anwesend waren, da von Horwitz verfaßte, von Lewandowsky wunderbar.vertonte Lieder die Reden umrahmten und vom- Chor der Knabenschule im Verein mit demjenigen der Lehrerbildungsanstalt eindrucksvoll gesungen wurden. — Berlin, 14. Mai. Die orientalische Sammlung der königlichen Bibliothek hat kürzlich eine wertvolle Bereicherung zu verzeichnen gehabt. Nachdem vor einiger Zeit das bisher einzig bekannte Exemplar eines „Dankliedes zur glücklichen Zurückkunst Seiner Majestät des Königs von Preußen, angestimmt von der jüdischen Gemeinde in Berlin, 1745" auf buchhändlerischem Wege erworben wurde, ist die königliche Bibliothek nunmehr in den Besitz eines Unikums aus der F r ü h - zeit des hebräischen Druckes in Deutschland gekommen. Größere Druckwerke in hebräischen Lettern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind überaus selten. Einer der ersten jüdischen Drucker, und zwar wie viele gleichzeitige deutsche Drucker, Besitzer einer Wanderpresse, war Chajjim Schwarz. Von den Erzeugnissen seiner Presse besaß die königliche Bibliothek bereits die „Bußgebete, Augsburg, 1536". Jetzt konnte sie. einem privaten Angebote entsprechen und von demselben Drucker ein kleines Gebetbuch nach deutschem Ritus erwerben. Das Datum ist nicht sicher, da die Buchstaben des Chronogramms nicht Zweifelsfrei gelesen werden können, doch nimmt man 1536 als Druckjahr an. Es war bisher nur ein einziges Exemplar bekannt, das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Besitze des italienisch-jüdischen Gelehrten Almanzi war. Dieses seither verschollene Exemplar ist höchstwahrscheinlich identisch mit dem eben erworbenen. Der Ankauf wurde dadurch ermöglicht, daß Herr Professor Dr. Moritz S o b e r n h e i m in hochherziger Weise einen größeren Geldbetrag zur Verfügung stellte. Es.ist höchst erfreulich, daß . dieses Druckwerk nicht wie inanche andere Seltenheiten ins Ausland gewandert ist, und auch der bisherige Besitzer empfindet Genugtuung darüber, daß sein kostbares Eigentum einer deutschen öffentlichen Sammlung einverleibt werden konnte Berlin, 14. Mai. Der Verein s ü r A rbeits n a ch - weis (begründet von den Berliner Logen, Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Signatur des Berichtsmonats April war ein erhebliches Anschwellen der Zahl ste l l u n g s l o se r B e w e r b e r, insbesondere aus verschiedenen Detailbranchen, eine Erscheinung, die auf eine sinkende Konjunktur und ein Zurückgehen der anfänglich sich günstig entwickelnden Frühjahrssaison mit Notwendigkeit schließen' läßt. Zur Kenntnis des Vereins gelangten 228 vakante Stellungen, während 315 arbeitslose Petenten sich neu in unsere Listen eintrugen. Von ihnen wurden 75 Handlungsgehilfen, 71 weibliche Arbeitskräfte und 80 Hausdiener und Handwerker (16 Bewerber mit Sabbatheiligung) in zum größten Teil dauernde Positionen placiert. — Die allgemeinen Tendenzen unseres Vereins, die in der Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeitslosen aller Kategorien durch Nachweis von Arbeit und Verdienst bestehen, könnten noch viel tiefgreifendere Wirkungen zeitigen, wenn der Kreis der Arbeitgeber, die sich unserer für alle Teile kostenlosen Vermittlung bedienen, erheblich zünehmen und damit die Möglichkeit vergrößern würde, allen an uns gestellten Wünschen gerecht zu werden. <zn> Berlin, 14. Mai. Die „I ü d i s ch e Lese h a l l c u n d B i b l i o t h e k", Oranienburger Str. 58, erfreut sich andauernd eines lebhaften Zuspruchs. In den Monaten Januar bis April d. I. betrug die Besucherfrequenz 9838 Personen. Das Institut ist wochentäglich von 10 Uhr morgens bis 9 Uhr abends ununterbrochen geöffnet, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 2 und 7 bis 10 Uhr abends. Der Eintritt ist . frei für jedermann. Die Bibliothek umfaßt 8000 Bände, in den Leseräumen liegen ständig ca. 100 Zeitungen und Zeitschriften aus. Beitrittserklärungen zur Erwerbung der Mitgliedschaft (Mindestbetrag 6 Mark.jährlich) sind an den.Vorsitzenden, Herrn Dr. Max Ginsberg, Berlin, Brückenallee 1, zu richten. gxs> Graitdenz, 10 Mai. Am 7. d. M. ist die 92jährige Mutter des Vorsitzenden des Vorstandes und Magistratsmitgliedes, Kom-

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