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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-17 · Heft 20 (17.5.1912) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 239 (sequence 11)
Language
German
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angelegte Niederlassungen zeugten von Wohlstands sach- und fachgemäßem Verständnis sowie von abendländischen. Lebensänforderungen der Begründer. Kein Wanderer schritt den Weg nach Bethlehem hinan, ohne stehen zu bleiben und bewundernd zum stattlichen Bau hinauszublicken, der einen sonnigen, bäum- und gewächsreichen Hügel krönte, von dem herab ein schmaler, lebhafter Fluß sich ins Tal wälzte, in ein großes natürliches Bassin senkte und der Gegend das Aussehen verlieh als ob ein silbernes Bandein faltiges grünes Gewand umschlösse. Was der Mensch leisten kann, eine gut veranlagte Natur zu heben und zu beleben, ihre Reize zu erhöhen und ihre Ertragfähigkeit zu vermehren, war hier mit Verständnis und reichen Mitteln geschehen. Palmen- und Olivenwälder jenseits des Flusses, mit ihren Schatten und ihren Früchten; diesseits die Rebenpslanzungen, die Mais-, Weizen-, Gerste-, Hans- und Flachsfelder; üppige Obst- und Gemüsegärten, und an den Wohnhäusern lebende Parfümerien farbenprächtiger Blumen. Um das große, stattliche, der Sonne und der Lust offene. Wohngebäude liegen etwa ein Dutzend kleinerer niedlicher Bauten für Wirtschaft und Wohnungen des Hilfspersonals, das aus jüdischen Bauern bestand, welche früher in Rußland der vom Kaiser Nikolaus I. gegründeten und prosperierenden jüdischen Kolonie Seratosf angehörten, aber ihre Scholle verlassen mußten, weil die Ansiedlung in jenem Teile Rußlands gelegen, aus dem die Juden ausgeschlossen und verwiesen wurden. (Schluß folgt.) Such. Sie schritt dahin wie eine Königin. — Wenn sie gewandelt über Wiesensluren, Dann schienen selbst die Blumen sich zu neigen, Als grüßten sie in ihr die traute Schivester. Aus ihrem Antlitz lag der Anmut Adel, Die weiße Stirn umrahmt des Braunhaars Fülle, Das ihr das Haupt geschmückt gleich eine Krone. - In ihren Augen glomm ein stilles Leuchten llnd gab von ihres Herzens Reinheit Kunde. Den Armen und den Kranken wollt' es scheinen, Als ob ihr Anblick ihnen Hoffnung spende. Und neuer Mut belebt die müden Seelen. — So sah man Ruth, die Moabiterin. Der Heimat Auen hatte sie verlassen, Roomis Lebensabend zu erhellen. Die Arinut hatte das Geleit gegeben, Als sie nach Kanaan den Schritt gelenket. Doch in der Seele Ruths war nimmer Bangen! Sobald der junge Morgen sich erhoben Und goldner Glanz die Erde licht erfüllte, Ging sie aufs Feld hinaus und sammelt' Aehren Und kehrt des Abends heim mit dem Ertrage. Die Schnitter grüßten freundlich stets die Fremde Und baten sie, ihr karges Mahl zu teilen. Sie tat's und dankt' in schlichten, inn'gen Worten. — Doch oft, wenn still es auf dem Feld geworden lind milde Dämm'rung sich herabgesenket, Stand sie allein und schaute in die Ferne. Voll tiefer Wehmut schweiften ihre Blicke Nach Moab, ihres Vaterlands Gefilden. Sie-dachte ihrer Kindheit froher Tage Und an den Gatten, den der Tod genommen. Doch ob sie jenes Land auch heiß ersehnte, Sie sprach: „Ich will zur Heimat nimmer kehren, Bei Noomi bleib' ich, um ihr Leid zu bannen. Getreu bis in den Tod und stark im Lieben! Das ist das hohe, heil'ge Glück des Weibes." — Dann ging sie rüstig heim, und frohen Sinnes Begrüßt sie Noomi, die Schwergeprüfte, Erzählte, was der Tag ihr hat beschieden Und bettete die Teure sanft zur Ruhe, Die liebend ans der Tochter Wirken schaute Und heiß für sie erfleht' des Gottes Segen. — Sie war ein Weib, aus schlichtem Stamm entsprossen, llnd glich an Hoheit einer Königin.— Sophie Ja co b s o h n. Literarische Mitteilungen. — Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwald, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. 14. Jahrgang. 4. Heft. Der. ganzen Reihe. 40. Heft. Diese Mitteilungen erscheinen zugleich als Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg. Wien 1911.. Ich freue mich jedesmal, dieser wackeren Zeitschrift zu gedenken. Volkskunde ist ein weiter Begriff, und so ist manchmal der Inhalt der einzelnen Hefte ein recht bunter. Im Gegensatz dazu ist der Inhalt, dieses Heftes ein einheitlicher, er gibt „Beiträge zur Geschichte und Würdigung der Hygiene der Juden". Der Herausgeber gibt selbst einen Bericht über die Gruppe „Hygiene der Juden" in der Dresdener Allsstellung llnd steuert selbst einen Aufsatz über „Otto Salomon, ein jüdischer Reformer der Schulhygiene" bei, einen Schweden, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts tätig war. Der ausführlichste Aufsatz des vorliegenden Heftes ist der von P. Münz: „Die hygienische Bedeutung der jüdischen Speisegesetze." Bücherbesprechungen, auch des Sombartschen Werkes machen den Schluß des anziehenden Heftes. L. G. * — Bruno Wille: D i e W e l t d i ch t e r s r e m d c r Zungen. Erster Band: Von den Veden bis Dante. Märkische Bertägsanstalt, Berlin W. In dieser sehr schön ausgestatteten, mit Geschmack ausgewählten Sammlung wird die hebräisch-jüdische Literatur auf etwa 10 Seiten behandelt. Der ungeheure Reichtum der Weltliteratur gebot natürlich Kürze der einzelnen Abschnitte; ob nicht aber trotzdem die Berücksichtigung der Juden etwas gar zu kurz geraten ist? Die lieber- , setznngen aus der Bibel und aus mittelalterlichen Schriftstellern lverden nach Luther, Herder, Haller, Daumer, Kautzsch, Michael Sachs und Abraham Geiger gegeben. Von dem Letzteren zwei Lieder des Juda Halevh. Einzelnes hat der Herallsgeber neu übersetzt, ganz besonders ansprechend ist seine Bearbeitung des Hohenliedes. Der sehr lehrreiche Band verdient wärmste Empfehlung. L. G. * Die geistigen und sozialen Strömungen des. neunzehnten Jahrhunderts von Theobald Ziegler, ord. Professor an der Universität Straßburg i. E. 10—-14. Tausend, ungekürzte Volksausgabe. Berlin 1911, Georg Bondi. Preis 4,50, geb. 5,60 Mark. lieber das Werk darf man den Ausspruch eines anerkannten Schulmanns anwenden, der so lautet: „Ziegler bewährt sich nicht nur als ein Mann von erstaunlicher Vielseitigkeit, Weite des Blickes, tiefer philosophischer und historischer niemals gelehrt flunkernden oder gespreizten Formgebung, der Bildung, sondern auch als ein Meister des Stils, der vornehmen, wirkungsvollen Gruppierung und sicheren Zeichnung. Bei allem Reichtum des Wissenswerten, Aufhellenden, Durchdenkenswürdigen, den er, kein Geistesgebiet vernachlässigend, uns bietet, weiß er doch stets den Blick aufs Große zu richten, mit sicherem Griffel die Linien so zu führen, daß wir erkennen, wie alles sich zum Ganzen webet, eins in den andern wirkt und lebet. Und was die Hauptsache ist: aus dein Buche , spricht ein Charakter, ein ganzer Mann, gesund an Geist und Herzen; und darum ist das Buch niemals langweilig." Das Werk ist so verbreitet, daß man dem Verleger danken muß, daß er sich entschlossen hat, es auch für die mäßig begüterten Klassen zugänglich zu machen. Für unsere speziellen Zwecke enthält es nicht allzuviel. Ueber Berthold Auerbach finden wir ein paar Worte, Börne und Heine werden etwas ausführlicher behandelt, bedauerlich ist dagegen, daß die Entwicklung des Judentums in den vierziger Jahren nicht berücksichtigt wird. L. G.

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